Berichte & News 05.08.2014 | 20:00by Tromso Olympiad 2014

Schacholympiade Tromsø, 4. Runde: Aserbaidschan! Iran!

Im Spitzenkampf der offenen Gruppe holte Aserbaidschan Frankreich auf den Boden der Tatsachen zurück. Solide drei Remis und ein Schwarzsieg Shakriyar Mamedyarovs am Spitzenbrett gegen Maxime Vachier-Lagrave reichten der Nr. 8 in der Setzliste zum 2,5:1,5. Bei den Frauen setzte Iran ihren Sturmlauf mit einem 3,5:0,5 gegen die Slowakei fort. Deutschlands Männer spielten 2:2 gegen Usbekistan, während die Frauen nach hartem Kampf mit 1,5:2,5 gegen Russland unterlagen.


Shakriyar Mamedyarov war der Mann des Tages für Aserbaidschan. Gegen den inzwischen in die absolute Weltspitze vorgedrungenen Maxime Vachier-Lagrave zeigte er sich von Beginn an in einer Königsindischen Partie sehr inspiriert und überspielte den Franzosen nach allen Regeln der dynamischen Kunst.

44... c3 45. ♕a1

45. a7 ♕e3+ 46. ♔f1 ♕c1+ 47. ♔e2 c2 48. a8Q ♕d1+ 49. ♔f2 ♕d4+ 50. ♔g2 c1Q und Schwarz wird bald matt setzen.

45... ♕g4+ 46. ♔f1 ♕f3+ 47. ♔g1 ♕e3+ 48. ♔f1 ♔h7 und Weiß gab auf wegen

49. a7 c2 50. a8Q c1Q+ 51. ♕xc1 ♕xc1+ mit total gewonnenem Damenendspiel, da Schwarz auch den Bauern b4 bald schlägt.

0-1

Russland gegen China war ein weiteres vielversprechendes Match, das mit vier Remis aber friedlich endete. Am Spannendsten verlief noch der Kampf am Spitzenbrett zwischen Vladimir Kramnik und Yue Wang. Der Ex-Weltmeister übte über die gesamte Partie Druck aus, konnte aber die Verteidigung des zähen Chinesen nicht brechen. Alexander Grischuk oblag es letztendlich mit einer ebenso zähen Verteidigung gegen den aufstrebenden Star Liren Ding für die Nr. 1 der Setzliste wenigstens noch das Unentschieden zu sichern.

Die Chinesen machten gegen Russland keine Gefangenen | Foto: Georgios Souleidis (chess24)

Harte Auseinandersetzungen

Die erste Turnierhälfte beinhaltet inzwischen viele gleichwertige Mannschaften, so dass es ebenso viele ausgeglichene Kämpfe zu bestaunen gibt. Eine Ausnahme bildete das überraschende 3,5:0,5 der Türkei gegen die etwas höher eingeschätzten Italiener mit Weltstar Fabiano Caruana – der als einziger Spieler den gegnerischen Sturmlauf überlebte. England spielt nach dem 3:1 gegen Lettland weiter oben mit, der starke Auftritt von Matthew Sadler macht aber schon die Runde. Der chess24-Autor gewann bislang alle vier Partien!

Serbien gelang gegen Tschechien ein fast perfektes Match, Bulgarien gewann gegen Rumänien dank eines bestens aufgelegten Veselin Topalov und eines brutalen Angriffsieges von Valentin Iotov. Eine weitere Mannschaft, die gut im Rennen liegt, ist Kuba. Dank eines Sieges ihres Landesmeisters Ortiz Suarez gewannen die Inselbewohner mit 2,5:1,5 gegen Indien. Niederlande-Israel sah auf dem Papier nach einem engen Match aus und genauso verlief es auch. Die Siege wechselten sich an den Spitzenbrettern ab, während die unteren Bretter remis endeten.

Kommen wir zu Deutschland-Usbekistan. Das 2:2 stellt eine kleine Enttäuschung dar, da Naiditsch und Co. favorisiert ins Match gingen. Am Spitzenbrett kam die deutsche Nr. 1 in einer Königsindischen Partie gegen Rustam Kasimdzhanov nie richtig ins Spiel und musste am Ende einen gegnerischen Freibauern auf der b-Linie den Vortritt lassen. An Brett zwei bestätigte Georg Meier, dass er sich in fantastischer Form befindet. Gegen Anton Filippov, mit Elo 2615 kein Schlechter, erarbeitete sich der Trierer von Beginn an in seiner typisch natürlich-positionellen Art und Weise einen Stellungsvorteil, den er technisch sauber im Endspiel verwertete, stark!

Georg Meier ist derzeit kaum aufzuhalten | Foto: Georgios Souleidis (chess24)

An Brett drei dann die größte Enttäuschung. Daniel Fridman espielte sich mit Schwarz in einer Französischen Partie, das hat der in Bochum lebende Großmeister wohl neu ins Repertoire aufgenommen, einen schönen Vorteil, verlor er aber mit zunehmender Dauer den Faden und am Damenflügel die Ideen, während er seinem Gegner Marat Dzhumaev am Königsflügel einen verheerenden Angriff erlaubte. Am Ende war alles weg bei Schwarz. Wenigstens hielt David Baramidze das 2:2 fest. Gegen einen fast 300 Punkte schlechteren Spieler war das aber auch schon Pflicht.

Armenien machte die Niederlage gegen Frankreich fast vergessen und meldete sich mit einem furiosen 4:0 gegen Costa Rica im Turnier zurück – endlich kam Levon Aronian zu seinem ersten Sieg. Nach der enttäuschenden Niederlage gegen Holland kam auch die USA wieder halbwegs durch ein 3:1 gegen Südafrika wieder ins Spiek, auch wenn Gata Kamsky fast sensationell gegen IM Henry Robert Steel (Elo:2399) verlor. Gleiches gilt für Ungarn, die sich nach der Niederlage gegen China mit 3,5:0,5 an Portugal schadlos hielten.

Freude bei den Gastgebern

Magnus Carlsen nährt die norwegischen Hoffnunngen. Die Art und Weise, wie er heute einen Weltklassespieler wie Radoslaw Wojtaszek vom Brett wischte, war mehr als beeindruckend. Und seine Kollegen machten es ihm fast nach. Sowohl Simen Agdestein, als auch Jon Ludwig Hammer und Kjetil Lie kreierten gegen ihre Gegner Siegchancen, ließen ihre Partien aber zum Remis verflachen. Trotzdem, ein Freudentag für die Gastgeber nach diesem Sieg gegen ihren bisher stärksten Gegner.

25. ♖f3 Weiß übt am Königsflügel enormen Druck aus und Schwarz müsste sich schon sehr präzise verteidigen.

Magnus Carlsen war heute wieder eine Klasse für sich | Foto: Georgios Souleidis (chess24)

25... ♕e8 26. g4 hxg4 27. hxg4 ♗b5

27... ♗xg4 28. ♖g3 ♕d7 29. ♗h3 ♗xh3 30. ♘h5+ und Weiß gewinnt.

28. ♖e1 ♕d8 29. g5 ♕b6?

29... ♗d7 wäre zäher gewesen.

30. ♗h3 ♖cd8 31. ♗e6! ♗e8

31... fxe6 32. ♘xe6+ ♔h7 33. ♖f7+ ♖xf7 34. ♕xf7+ ♔h8 35. ♕g7#

32. ♘d5 ♘xd5 33. ♗xd5 und Schwarz gab auf wegen

33... ♕c7 34. ♖h3 ♖g8 35. ♖h7+! ♔f8 36. ♕h4 ♔e7 37. ♖f1 ♖f8 38. ♗xf7 ♖xf7 39. ♖fxf7+ ♗xf7 40. ♖xf7+ ♔xf7 41. ♕h7+ ♔e8 42. ♕xc7+−

1-0

Die heutigen Resultate führen zu einigen interessanten Paarungen in der 5. Runde: Serbiens starker Start bedeutet, dass sie am Spitzentisch und vor laufenden norwegischen Kameras gegen Aserbaidschan ran dürfen, Russland trifft auf Bulgarien, was ein weiteres Kapitel in das legendäre Buch Kramnik vs. Topalov hinzufügen könnte und sehr wahrscheinlich ist ein Aufeinandertreffen der zwei besten Spieler der Welt, Carlsen und Aronian, im Kampf zwischen Norwegen 1 gegen Armenien.

Wow, die 5. Runde beinhaltet viele Höhepunkte.

Iran!

Irans Frauen liefern bislang ein fast perfektes Turnier ab. Gegen Slowakei waren sie haushoch überlegen und verloren nur einen halben Brettpunkt – der einzige Fleck auf der sonst blütenweißen Weste. Damit dürfen sie weiter an Tisch 1 und vor laufenden Kameras mitten im Herzstück der Bühne spielen. Nur Eva Repkova konnte am Spitzenbrett die Stellung halten, während an den anderen Brettern die Asiatinnen die Nase vorn hatten. Auf dem Papier ging China als klarer Favorit gegen Aserbaidschan in den Kampf und wurde seiner Favoritenrolle gerecht. Zwar gab Wenjun Ju früh ein Remis an Brett zwei ab, doch der Rest siegte teilweise völlig unbeeindruckt und sicher.

Eine große Überraschung im Turnier sind bislang die wahrscheinlich völlig unterbewerteten Indonesierinnen (Nr. 23 der Setzliste). Sie hinterlassen am Brett eine sichtbare Geschlossenheit und diese führte gegen die favorisierten Armenierinnen (Nr. 10 der Setzliste) zu einem fast unglaublichen 3,5:0,5!

WFM Anastasia Citra Dewi Ardhiani ist eine der Stützen Indonesiens | Foto: Georgios Souleidis (chess24)

Russland besiegt Deutschland

Die deutschen Frauen boten der Supermacht Russland Paroli, mussten sich aber am Ende mit 1,5:2,5 geschlagen geben. Melanie Ohme gelang ein toller Sieg gegen die deutlich höher eingeschätzte Olga Girya. In einer aktuellen Taimanov-Variante war sie gut vorbereitet und verwertete ein besseres Endspiel zum vollen Punkt. Leider verloren an den Spitzenbrettern Elisabeth Pähtz – kam gegen das Caro-Kann von Valentina Gunina nicht gut zurecht – und Tatjana Melamed, die in Zeitnot ihre gut angelegte Sizilianisch-Stellung gegen Alexandra Kosteniuk entscheidend verschlechterte, so dass Sarah Hoolts starkes Remis gegen Natalija Pogonina nur kosmetischen Wert hatte.

Gepäck endlich angekommen und direkt mit einem schönen Punkt gefüllt | Foto: Georgios Souleidis (chess24)

Serbien ist bei den Frauen, wie bei den Männern, gut im Rennen nach dem überraschenden 2,5:1,5 gegen Indien (Nr. 5 der Setzliste). Ukraine, angeführt von den Muzychuk-Schwestern, siegte solide 3:1 gegen die Türkei und trifft in der 5. Runde auf Spanien. Die Nr. 13 der Setzliste, Ungarn, setzte sich ebenfalls solide mit 3:1 gegen Kuba durch. Ein Resultat, das sie an Tisch eins gegen die heißen Iranerinnen katapultiert. Die weiteren Hauptkämpfe der 5. Runde lauten Indonesien-China und Russland-Georgien. Die deutschen Frauen, obwohl verloren, müssen gegen die etwas höher eingeschätzten Französinnen ran. Das Paarungssystem bei der Schacholympiade bedarf eines eigenen Artikels...zu spät, um das jetzt noch zu erklären :-)

Siehe auch:


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