Berichte & News 14.08.2014 | 19:33by Tromso Olympiad 2014

China und Russland gewinnen Gold!

Die führenden Teams in beiden Gruppen ließen in der letzten Runde nichts mehr anbrennen und gewannen Gold. China besiegte in der offenen Gruppe Polen mit 3:1 und die Russinnen schlugen Bulgarien mit 2,5:1,5. Während die russischen Frauen damit ihren Titel verteidigten, ist es für die chinesischen Männer das erste Gold bei einer Schacholympiade.

Ding Liren wird vor der letzten Runde interviewt | Foto: David Llada

China hatte mit Polen überhaupt keine Probleme in der letzten Runde. Liren Ding beruhigte mit einem Sieg an Brett zwei gegen Grzegorz Gajewski früh die Nerven. Er nutzte in der folgenden Stellung einen starken Freibauern auf der d-Linie, um seinen Gegner in die Knie zu zwingen.

26... ♗d3 27. ♖xd3! Damit sichert sich Weiß den starken Freibauern auf d6.

27... exd3 28. ♗d5 ♔f8 29. ♗xf7 ♕xf7 30. ♖d1 ♕xa2 31. ♕c7 ♕a8 32. d7 d2 33. ♖xd2 ♕a1+ 34. ♔g2 ♕f6 Das sieht hier vielleicht nach technischen Problemen aus, doch Ding beendet die Partie problemlos.

35. ♖e2 f4 36. ♕c5+ ♔f7 37. ♕h5+ ♕g6 38. ♕d5+ ♔f8 39. ♖e5 fxg3 40. hxg3 und Schwarz gab auf wegen

40... h6 41. ♕c5+ ♔g8 42. ♕c8 ♕f6 43. ♖e8+

1-0

Es folgten zwei sichere Remis an Brett eins und vier, bevor „Supermann“ Yangyi Yu an Brett drei das 3:1 folgen ließ.

45... ♔d8 Trotz ungleichfarbiger Läufer ist dieses Endspiel einfach gewonnen für Schwarz, da er zwei sehr weit vorgerückte Freibauer hat.

46. f5

46. h5 gxh5 47. ♗xh5 ♔d7 48. f5 ♔c6 49. ♗g4 ♔d5 50. e6 fxe6 51. fxe6 ♔e4 und Schwarz läuft mit seinem König einfach nach e1

46... gxf5 47. ♗d1 ♔e7 48. h5 ♔f8 49. ♗f3 ♔g7 50. ♗d1 ♔h6 51. ♗f3 ♔g5 52. ♗d1 f4 53. ♔b1 ♔f5 54. ♗f3 ♔xe5 55. ♔a2 ♗f8 56. h6 ♔f6 57. ♗h5 ♗b4 58. ♔b1 f3 und Weiß gab auf wegen

59. ♗xf3 ♔g6 60. ♗d1 ♔xh6 Schwarz nutzt seinen König, um den f-Bauern bis zur Umwandlung zu eskortieren

0-1

Yangyi Yu holte überragende 9,5 Punkte aus elf Partien | Foto: Georgios Souleidis (chess24)

Der älteste Spieler im Team, Hua Ni, erklärte im Anschluss in der Liveshow mit Jan Gustafsson und Lawrence Trent die chinesische Strategie:

Da die jungen Spieler einen Lauf hatten, spielten Wang Yue und ich sehr solide. Deswegen waren meine Partien auch meistens so langweilig.

'Blocker' Yue Wang neutralisierte am Spitzenbrett fast jeden Spieler außer Peter Leko - und das war die einzige Partie, die China verlor. Liren Ding und Yangyi Yu haben sich durch ihre starke Leistungen in der Live-Ratingliste weiter verbessert. Liren Ding ist mit einer Elo-Zahl von 2754 die Nr. 15 der Welt, während Yu mit über 30 Punkten Eloplus in der nächsten offiziellen Liste wahrscheinlich genau 2700 Punkte haben wird. 

Hua Ni vor der letzten Partie bei der Schacholympiade | Foto: Georgios Souleidis (chess24)

In der Liveshow erklärte Hua Ni auch, warum gleich drei Spieler mit einer Elozahl von über 2700 bei China gefehlt haben:

Das ist ganz einfach. Wir haben ein Qualifikationssystem, wodurch sich mehrere Spieler qualifizieren können.

Offensichtlich haben die Chinesen inzwischen so viele gute Spieler, dass sie auf die zwei nominell nach Liren Ding besten Akteure verzichten können. Mit Wang Yue und Hua Ni waren es die ältesten Spieler, die nach dem Olympiasieg ihrer Freude freien Lauf ließen.

Im Kampf um die weiteren Medaillen gab es ein Fotofinish. Es waren so viele Mannschaften involviert, dass jede Partie an den Tischen zwei bis sechs zählte. Von besonderer Bedeutung war das Match zwischen Ungarn und Ukraine an Tisch 2. Die Ukrainer verzichteten auf ihr Spitzenbrett Vassily Ivanchuk, der bei diesem Turnier seine liebe Not hatte, standen aber trotzdem kurz vor einem Sieg, der Silber bedeutet hätte. Die Schwarzbretter an eins und drei hielten sie recht sicher remis, während sie in ihren Weißpartien Vorteile anhäuften. Diese Vorteile waren wahrscheilich nur optischer Natur, denn weder Moiseenko gegen Rapport in einer verrammelten Mittelspielstellung, noch Eljanov gegen Balogh in einer ebenfalls verrammelten Endspielstellung konnten die Verteidigung ihrer Gegner durchbrechen. Pech für Ukraine, Glück für Ungarn, die Silber gewannen.

Diese Silbermedaille ist insbesondere für Judit Polgar ein toller Abschluss ihrer Karriere. Die 38-jährige Ungarin zieht sich nämlich nach 25 Jahren vom kompetitiven Schach zurück.

Bronze ging etwas überraschend an Indien. Das erfolgte mit einem bitterren Beigeschmack, denn sie spielten im gesamten Turnier - im Gegensatz zu den anderen um die Medaillen involvierten Teams - nur gegen eine absolute Topmannschaft - Armenien. Ansonsten profitierten sie vom "Olympischen Paarungssystem" und erhielten ständig niedrig eingestufte Teams. Während Russland (Nr. 1 der Setzliste) in der letzten Runde gegen Frankreich (Nr. 3 der Setzliste), Aserbaidschan (Nr. 8 der Setzliste) gegen USA (Nr. 6 der Setzliste) spielte, durften die zwei nominell schlechtesten Teams aus der Gruppe mit 15 Punkten Indien (Nr. 19 der Setzliste) und Usbekistan (Nr. 33 der Setzliste) gegeneinander antreten.

Letztendlich hatten Indien, Russland und Aserbaidschan - genau wie Ungarn - 17 Punkte auf dem Konto. Auf dem dritten Platz landete Indien wegen der besseren Zweitwertung - auf den ersten Blick erscheint das einfach nur ungerecht.

Für Deutschland endete die Schacholympiade mit dem 30. Platz enttäuschend. Gegen Australien (Nr. 60 der Rangliste) reichte es nur zu einem müden 2:2, das auch nicht durch die Herausnahme von Arkadij Naiditsch zu rechtfertigen ist. Das Gesamtergebnis ist umso ärgerlicher, da Naiditsch und Georg Meier an den Spitzenbrettern sehr gut punkteten. Leider erwischten Daniel Fridman und David Baramidze kein gutes Turnier und bei Liviu Dieter Nisipeanu ging der erste Einsatz in der deutschen Nationalmannschaft durch die zwei abschließenden Niederlagen völlig in die Hose. 

Schacholympiade offene Gruppe - Endstand nach elf Runden

Rg.SnrTeamTeamAnz  +   =   -  Wtg1  Wtg2 
17ChinaCHN1183019422.5
25UngarnHUN1173117372.0
319IndienIND1173117371.5
41RusslandRUS1173117352.0
58AserbaidschanAZE1173117345.0
62UkraineUKR1164116377.5
713KubaCUB1172216361.0
84ArmenienARM1164116350.5
99IsraelISR1172216348.0
1017SpanienESP1172216334.5
1127WeissrusslandBLR1172216304.5


Russland gewinnt zum dritten Mal in Folge!

Die russischen Frauen traten nicht so souverän auf wie die chinesischen Männer in der letzten Runde. Kateryna Lagno verlor am Spitzenbrett gegen Antoaneta Stefanova, doch an den restlichen Brettern war der nominelle Vorteil so groß, dass zwei Siege von Valentina Gunina und Alexandra Kosteniuk das 2,5:1,5 gegen Bulgarien bescherten. Damit gewann Russland zum dritten Mal hintereinander Gold bei der Schacholympiade! Mit 20 Punkten blieben die Russinnen ganze zwei Punkte vor ihren Verfolgerinnen.

Bulgarien - Russland von oben eingefangen| Foto: David Llada

Ein Höhepunkt aus dem Kampf gegen Bulgarien war der folgende Moment, in dem Alexandra Kosteniuk die schlechte Königsstellung ihrer Gegnerin ausnutzte.

28... ♖xg4 29. ♗xf7+! ♘xf7 30. ♖xg4 ♘xh6 31. ♕xh6 Weiß hat zwar nur einen Bauern mehr, aber der schwache schwarze König macht es Weiß einfach.

Alexandra Kosteniuk war zum Abschluss in bester Spiellaune | Foto: David Llada

31... ♕f7 32. ♖g1 ♕c4 33. ♕h8+ Damit beginnt die Königshatz, die letztendlich zum weißen Sieg führt.

33... ♔d7 34. ♖g7+ ♔e6 35. ♕h6+ ♔e5 36. ♖g5+ ♔d4 37. c3+ ♔d3 38. ♕h3+ ♔xe4 39. ♕h4+ ♔d3 40. ♖g3+ ♔d2 41. ♕h2+ ♕e2 42. ♖g2

1-0


Den Russinnen hätte sogar ein 2:2 gereicht, denn China und die Ukraine trennten sich dank vier Remis ebenfalls 2:2. Das Match verlief aber alles andere als friedfertig. Insbesondere an den Brettern zwei und drei wog das Spiel hin und her und es hätte ohne Weiteres einen Sieger geben können. Beide Teams beendeten das Turnier mit 18 Punkten. Dank der besseren Zweitwertung geht Silber an China und Bronze an die Ukraine.

Das Unentschieden zwischen China und Ukraine bedeutete auch, dass keine andere Mannschaft eine Chance auf eine Medaille hatte. Georgien wird sich besonders ärgern über das Unentschieden der Chinesinnen, denn so nett ein 4:0 gegen Deutschland auch ist, so wenig bringt es im Endeffekt ein. Dank der besseren Zweitwertung gegenüber der Ukraine hätten die Georgierinnen bei einem chinesischen Sieg Bronze gewonnen.

Die deutschen Frauen sollten sich nicht zu sehr über die hohe Niederlage ärgern. Sie haben insgesamt ein gutes Turnier gespielt. Die erfahrenen Akteurinnen, Zoya Schleining und Tatjana Melamed, schwächelten zwar, doch dafür sprangen die jungen Spielerinnen, Melanie Ohme und Sarah Hoolt, an den hinteren Brettern ein. Da Elisabeth Paehtz das Spitzenbrett gut verteidigte und die Punkte insgesamt sehr gut verteilt wurden, sprang ein sehr guter 9. Platz heraus.

Schacholympiade Frauen - Endstand nach elf Runden

Rg.SnrTeamTeamAnz  +   =   -  Wtg1  Wtg2 
12RusslandRUS11100120420.5
21ChinaCHN1182118406.0
33UkraineUKR1182118383.0
44GeorgienGEO1181217390.0
510ArmenienARM1181217350.5
617KasachstanKAZ1181217320.0
78PolenPOL1172216362.0
87USAUSA1172216339.5
912DeutschlandGER1180316304.0
105IndienIND1163215380.0

Siehe auch:


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