Berichte 17.04.2017 | 13:10von Colin McGourty

Zürich Chess Challenge, R4-7: Naka & Nepo vor dem Blitzen in Führung

Hikaru Nakamura und Ian Nepomniachtchi lieferten sich bei der Zürich Chess Challenge ein Wettrennen um die Tabellenführung, das mit 10 aus 14 für beide unentschieden endete - am Montag folgt das abschließende Blitzschach-Rundenturnier. Vishy Anand erzielte an den letzten beiden Tagen des neoklassischen Abschnitts drei Siege in Folge und liegt nur einen Punkt zurück. Vladimir Kramnik und Peter Svidler sind mit 8 Punkten noch immer im Rennen; Kramnik gewann nur einmal (gegen Anand) und spielte danach sechs Mal remis, aber das zeigt in keinster Weise, wie kämpferisch er spielte!

Nakamura will zum dritten Mal in Folge in Zürich gewinnen, aber Nepomniachtchi bleibt ihm dicht auf den Fersen | Foto: Russische Schachföderation

Nach den neoklassischen Partien (ein Sieg ist 2 Punkte wert, ein Remis 1 Punkt) sieht die Tabelle so aus:


Ihr könnt alle Partien - neoklassisch und Blitz - mit dem Selektor unterhalb nachspielen: wählt einfach per Mausklick die Rundennummer und danach die gewünschte Partie aus. Wenn ihr den Mauszeiger über einen Spielernamen bewegt, werden euch dessen Auslosung und bisherige Ergebnisse angezeigt.

Nach unserem letzten Bericht von der Zürich Chess Challenge lagen nach drei Runden Svidler, Kramnik, Nakamura und Nepomniachtchi gleichauf in Führung. Das änderte sich bald, da Nakamura in seiner Partie gegen Kramnik ums Überleben kämpfte und Nepomniachtchi Gelfand auseinander nahm. 

Kramnik spielt weiterhin remis, aber er war kurz davor, Nakamura zu schlagen | Foto: Russische Schachföderation

Das Partieende war grausam:


36. Tg2! Lxf4 37. Ld1! und Matt in 3.

Nepomniachtchi verwandelte einen strategischen Vorteil in ein Massaker | Foto: Russische Schachföderation

Nepomniachtchi konnte seinen Vorteil jedoch nicht lange genießen, da er gleich in der nächsten Runde gegen Nakamura verlor, der nun die Führung übernahm. Svidler schloss mit einem unerwarteten Sieg über Grigoriy Oparin zu ihm auf. 

Peter Svidler musste darüber nachdenken, wie sich im Schach im Lauf der Zeit verändert hat... | Foto: Russische Schachföderation

Wir sagen nicht unerwartet, weil es überraschend ist, dass Peter seinen 19-jährigen Gegner mit den schwarzen Steinen besiegen konnte, sondern weil sich zeigte, dass er auf 6. h4 im Najdorf nicht vorbereitet war.


Peter war in China vermutlich anderweitig beschäftigt, während der Rest von uns noch die Stimme Maurice Ashleys im Ohr hat, als Daniel Naroditsky den Zug vor kurzem bei der US-Meisterschaft in seiner Partie gegen Zherebukh spielte. Peter sprach mit Vladimir Barsky von der Russischen Schachföderation über seine Gefühle:

In einem Moment traf ich Vladimir Kramnik am Waschbecken und meinte zu ihm: "Volodya, wie sich Schach verändert hat!" Er antwortete: "Was, das ist dir erst jetzt aufgefallen?" So weit ich das verstehe, ist 6. h4 ein seriöser Zug; ich bin ein bisschen hinter der Zeit.

Wusstest du, dass es ihn gibt?

Nicht besonders. Es scheint aber, dass seriöse Leute schon so gespielt haben. Zum Beispiel hat Yannick so gegen Boris gespielt, aber ich habe mir die Partie nicht sorgfältig angesehen. Da ich hier den ersten Zug (und den zweiten, und den fünften...) am Brett mache, fiel die Entscheidung, Najdorf zu spielen, am Brett; in solchen Gegebenheiten gibt es viele Dinge, die mir nicht bewusst sind. Ein ernsthafter Zug, und ich habe eine ziemlich schlechte Stellung bekommen, die sogar noch viel schlechter werden hätte können.

Zum Glück konnte Peter später einen eigenen "ernsthaften" Zug spielen: 25. ... Db6!


Er erzählte die Geschichte weiter:

Es wäre zweifellos stärker gewesen, statt 25. Lg3 25. Lxd6 zu spielen; ich denke, dass der junge Mann das unterschätzt hat, da 25. ... Db6 ein ernsthafter Zug ist. Es wirkt, als ob er sich die Möglichkeit behalten möchte, auf d6 mit dem Springer zu schlagen, aber nach 25. ... Db6 deute ich so stark seriöses Gegenspiel auf der anderen Brettseite an, dass er auf g7 nehmen muss, und damit hat er ein Tempo vergeudet: er hat zwei Tempi verwendet, um auf d6 zu schlagen.

Seltsamerweise spiele ich danach schon auf Sieg, da der g4-Bauer nicht so einfach geschlagen werden kann, der auf g5 jedoch schon; mein König ist näher am Geschehen. Und dann ist klar, dass Weiß 31. ... Sh3! nicht erlauben durfte. Danach ist die Stellung schwierig, und höchstwahrscheinlich hoffnungslos.


Svidler ist auch weiterhin ein großer Fan von Grigoriy Oparin | Foto: Russische Schachföderation

Das Leben ist allgemein interessant geworden! Ich habe diesen jungen Mann hochgelobt, und werde das auch weiterhin tun, auch wenn ich ihn in Zeitnot überlisten konnte. Mir gefällt wirklich, wie er spielt.

Wie findest du das Spielen mit der neuen experimentellen Bedenkzeit?

Es ist in Ordnung. Stimmt schon, ich verstehe nicht wirklich, was ich mit diesen 45 Minuten tun soll - wie ich sie einteilen soll; ich warte, bis das Blitzturnier beginnt. In der Partie gegen Oparin dachte ich zum Beispiel 20 Minuten lang über meinen achten und neunten Zug nach. Es gab natürlich viel nachzudenken, da ich mich schon nach dem Zug 6. h4 auf Neuland befand. Nach 9. Le2 verstand ich überhaupt nicht mehr, worum es ging: es gibt diese Optionen und jene Optionen. Insgesamt gesehen betrachte ich diese Bedenkzeitregelung eher als langes Schnellschach als kurzes klassisches Schach. Ich weiß nicht, ob ich Recht habe; vielleicht zeigt die Art, wie ich Partien führe, dass es wirklich kurzes klassisches Schach ist.

Svidler ist nicht der einzige, der nicht so recht weiß, wie er die Bedenkzeit handhaben soll - 2700chess musste die Partien aus ihrem System streichen:

Wir haben das Kortchnoi Zürich-Turnier aus der Schnellschach-Live-Wertung genommen, da die Bedenkzeit die für Schnellschachpartien erlaubten 60 Minuten überschreitet und für klassisches Schach zu kurz ist.

Peters Chancen auf den Gewinn der Zürich Chess Challenge verkleinerten sich nach dem Verlust einer wilden Partie gegen einen weiteren alten Haudegen: Vishy Anand, der in Zürich wie der Vishy vor 25 Jahren spielt und nur in der letzten Runde des neoklassischen Teils ein Remis gegen Nakamura zuließ:


Gegen Svidlers Sizilianisch konnte Vishy das typische Opfer auf e6 anbringen, erlaubte das gleichermaßen typische Qualitätsopfer auf c3 und setzte sich in den folgenden Verwicklungen gegen seinen Gegner durch. Peters 28. ... d5? drohte Lc5 mit Angriff auf die beiden weißen Türme…


… aber nach 29. Tb3! stand Schwarz auf Verlust.

Vishy bezwang auch seinen alten Rivalen Gelfand | Foto: Russische Schachföderation 

Boris Gelfand, der älteste Spieler im Turnier, musste drei bittere Niederlagen hintereinander (gegen Nepomniachtchi, Anand und Nakamura) einstecken, konnte aber wenigstens mit Stil gegen Yannick Pelletier gewinnen. Dessen 15. Sh4 forderte das Glück heraus:


 

Das klassische Opfer 15. ... Lxh2+! war noch nicht entscheidend, aber Yannick gab im 23. Zug auf - er konnte im neoklassischen Schach keine Partie gewinnen und sehnt sich vielleicht an die früheren Jahre zurück, als er als Berichterstatter dabei war!

Werden die jungen Stars Nakamura und Nepomniachtchi auch das Blitzturnier dominieren? Kann Nakamura ein drittes Mal in Folge gewinnen? Hier geht es direkt zur Entscheidung! Ihr könnt die Partien auch über unsere kostenlosen Apps mit verfolgen:   

         

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