Berichte 15.04.2017 | 11:30von Colin McGourty

Zürich Challenge, R2-3: Svidler sorgt für Spannung

Peter Svidler hat mit einem Sieg gegen den bis dahin entfesselt aufspielenden Hikaru Nakamura für viel Spannung bei der Zürich Chess Challenge gesorgt. Doch nicht nur am Schachbrett, wo er nun mit 4 aus 6 gemeinsam mit Nakamura, Ian Nepomniachtchi, der Vishy Anand besiegte, und Vladimir Kramnik in Führung liegt, überzeugte der Russe, sondern auch als Kommentator – fast eine Stunde lang war er an der Seite Danny Kings bei der Live-Übertragung dabei.   

Nakamura lag bis zu seiner Niederlage gegen Svidler in Runde 3 allein in Führung | Foto: Russischer Schachverband

Am Freitag wurden bei der Zürich Chess Challenge die Runden 2 und 3 im neoklassischen Schach gespielt. Wie üblich könnt ihr bei uns alle Partien mit Computeranalyse nachspielen:

Runde 2: Siege für Anand und Nakamura

Für alle Schachfans war es ein Glücksfall, dass Peter Svidler und Boris Gelfand in Runde 2 ein schnelles Remis nach 23 Zügen machten. Direkt nach der Partie nahm Svidler den Kommentatorenplatz neben Danny King ein und kommentierte das Geschehen der nächsten 50 Minuten. Hier die gesamte Live-Übertragung der 2.Runde:

In seiner Partie hatte Svidler zuvor eine Idee seines Landsmanns Maxim Matlakovs wiederholt, mit der er beim Kandidatenturnier 2016 eine Gewinnstellung gegen Fabiano Caruana erreichte. Gelfand wich jedoch im 9.Zug ab, und Svidler meinte:

Boris ist nicht nur ein wunderbarer Mensch, er arbeitet auch an seinem Schach. Die Variante stammt aus meiner Partie gegen Caruana, und er erzählte mir hinterher, dass er die Zugfolge, die zum Ausgleich führt, schon vor einem Jahr gefunden hat. Er fand die Variante interessant und dachte, es würde sich lohnen, die nötige Zeit zu investieren.

Peter wusste offenbar nicht, dass die von Gelfand gespielte Variante bereits von Ivan Salgado gegen Igor Kovalenko aufs Brett gebracht wurde. Svidler wich erst im 19.Zug mit einer Neuerung von Kovalenkos Spielweise ab:


Svidler verbrauchte zehn Minuten für einen Plan nach 19.Db7+ Kf6 20.e3, spielte dann aber sofort “den zweiten Zug der Variante“ 19.e3. Nach Db7+ wäre noch ein wenig Präzision notwendig gewesen, so aber endete die Partie mit Zugwiederholung.

Vishy Anand machte mit einem Sieg gegen den Schweizer GM Yannick Pelletier seine Niederlage gegen Vladimir Kramnik wett.


 

In einer Französisch-Stellung war Anands Bauernopfer 18.f5! ein lächerlicher Preis für die völlige positionelle Dominanz, die er dafür erhielt. Die einzige Frage war, ob Yannick in der geschlossenen Stellung eine Festung errichten konnte. Die Antwort lautete eindeutig: Nein.


Vishy nahm anschließend neben Danny King Platz und kommentierte ein wenig mit, außerdem erzählte er, dass er dieses Jahr am Weltcup teilnehmen werde, um sich für das Kandidatenturnier 2018 zu qualifizieren. Die spannendste Begegnung war sicher Kramnik-Nepomniachtchi, wo Vladimir früh mit e5 durchgebrochen war:

"Auch wenn er es nicht zeigt, dürfte sogar Nepomniachtchi von Kramniks taktischem Gespür beeindruckt sein."

Die beiden landeten in einer Stellung, die Vishy so bewertete: “Aus meiner Expertensicht hat Weiß einfach eine Figur mehr!”

Obwohl Nepo zwei Bauern für die Figur hatte, schien die Stellung klar gewonnen für Weiß, doch am Ende sah es sogar kurz so aus, als könnte Kramnik verlieren. Schließlich endete die Partie aber nach 58 Zügen mit einem Remis.

Lange Zeit lief für Hikaru in Zürich alles am Schnürchen | Foto: Russischer Schachverband

Damit hatte Hikaru Nakamura die Chance, sich allein an die Tabellenspitze zu setzen, und er nutzte diese mit einem kaltblütigen Bauernraub. Grigoriy Oparin spielte mit Weiß ambitioniertes Angriffsschach, musste dann aber einen unerwarteten Schlag hinnehmen:


Mit 25…Lxh3+! schnappte sich Nakamura einen Bauern, da 26.Kxh3 nach 26…Sg5+! die Dame verliert. Hikaru verwertete den Mehrbauern im Anschluss mit grandioser Technik.

Runde 3: Svidler stoppt Nakamura und Nepo schlägt Vishy

In Runde 3 gab es zwei Remis, wobei in Pelletier-Oparin recht wenig passierte, aber Vladimir Kramnik ein schwieriges Endspiel gegen Boris Gelfand überstehen musste. Die beiden anderen Partien fanden einen Sieger.

Hier der gesamte Live-Kommentar der Runde:

In der Runde zuvor hatte Svidler als Live-Kommentator noch gescherzt: „Wenn ich behaupte, ich würde mich auf meine nächste Partie vorbereiten, lachen mich die Leute aus.“ In seiner anschließenden Partie gegen Hikaru Nakamura kam Englisch aufs Brett, aber Peter war von seinem Spiel nicht sonderlich begeistert:

Ich muss direkt warnen ... probiert das selbst bitte nicht aus. So spielt man diese Variante nicht.

Peter beschrieb die Stellung, in der er gelandet war, so: “Normal musst du zwei Stunden lang um Gnade winseln.”   

Svidler: "Die alte sowjetische Schachregel, laut der man die Bauerninseln zählen soll, gilt auch heute noch"

Eine Weile sah es so aus, als könnte Nakamura mit 6 aus 6 einen Traumstart hinlegen und zwei Punkte zwischen sich und die Konkurrenz bringen. Dann aber wendete sich das Blatt dramatisch, als Schwarz nach 23.Df2? seine Problemfigur ins Spiel bringen konnte:


23…Sf5! Hikaru hatte nichts Besseres als 24.exf5 Txc3 25.Txc3 Txc3, wonach Weiß mit seiner zerrütteten Bauernstellung nur noch ums Überleben kämpfte. Vergeblich, wie sich zeigte, denn Svidler gewann nach 49 Zügen.  

Die andere Partie, Nepomniachtchi-Anand, folgte einem ähnlichen Drehbuch. Ian meinte, Vishy habe ihn mit seinem Antwortzug 1…c5  auf 1.c4 überrascht, und bezeichnete sein Spiel in der Eröffnung als „wieder einmal extrem dumm“. Anand schien mit einem optisch riskanten Bauernraub richtig zu liegen, doch als Nepomniachtchi sich konsolidieren konnte, hätte er gern Remis angeboten, merkte dann aber, dass die Sofia-Regel das gar nicht zuließ.

So ging der heiße Tanz weiter, und Anand schwebte trotz seines Freibauern auf c3 wegen seines entblößten Königs in großer Gefahr. 37.Tg2+ hätte bereits für Weiß gewonnen, doch Nepo hatte das Glück, dass das auch noch einen Zug später ging. Nach 41.Te2+! war die Partie endgültig vorbei, da Schwarz das Matt nur noch hinauszögern kann.


Damit liegen vier Spieler gleichauf an der Spitze:


Weiter geht es mit den restlichen vier neoklassischen Partien am Samstag und Sonntag, ehe am Ostermontag noch sieben Runden Blitzschach folgen. Alle Partien könnt ihr, auch mit unseren kostenlosen Apps, live auf chess24 verfolgen:     

         

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