Allgemein 12.04.2015 | 19:34von Colin McGourty

Wesley So und ein "Betrüger", der genullt wurde

Wesley Sos genullte Partie bei der US-Meisterschaft sorgte dafür, dass sich die ganze Aufmerksamkeit der Schwachwelt plötzlich auf die Schachregeln konzentrierte. Nachdem er Gata Kamsky in Runde 10 geschlagen hatte, erklärte er in einem Interview, warum er dachte, er würde keine Regel brechen, und sagte deutlich, dass er mit dem Verhalten seines Gegners unzufrieden sei. Unterdessen wurde ein Spieler bei einer Partie im Aeroflot Open genullt, weil er seine Züge aufschrieb, bevor er sie machte. Und schließlich wurde der zweimalige georgische Meister und Sieger des Al Ain Classic, GM Gaioz Nigalidze, wegen Betrugs aus dem Dubai Open geworfen.

1. Ein Update zu Wesley Sos genullter Partie

Fangen wir mit So an. Sein Sieg über Gata Kamksy bei der US-Meisterschaft verlief glatt und zeigte seine Stärken, aber in einem Interview mit Maurice Ashley nach der Partie sahen wir ihn zum ersten Mal gestresst und erschöpft - der geistreiche, charmante Wesley So aus seinen früheren Interviews bei der Meisterschaft war fast völlig verschwunden:

Der relevante Teil des Interviews zeigt deutlich, dass Wesley zwar widerwillig die Entscheidung des Schiedsrichters akzeptiert, aber das Gefühl hat, er wurde nicht bezüglich der Handlung gewarnt, die er in der Partie in Runde 9 tatsächlich ausführte - auf ein Stück Papier zu schreiben, das nicht das Partieformular war:

Was ist gestern passiert?

Ich schrieb etwas Anderes als die Notation auf ein Stück Papier - einfach um mich während der Partie zu konzentrieren, eine Erinnerung an mich, hart zu spielen - aber anscheinend ist das den Regeln zufolge nicht erlaubt, also verlor ich die gestrige Partie.

Laut dem Schiedsrichter hatte er dich vorher dahingehend verwarnt...

Ich schrieb vorher etwas auf mein Partieformular. Er sagte mir, dass man nur Remisangebote, Zeiten oder Ergebnisse auf das Partieformular schreiben dürfe, also nahm ich dieses Mal ein Stück Papier mit, aber meine Logik war wohl nicht richtig.

Ist das eine normale Angewohnheit von dir?

Ja, leider habe ich diese Angewohnheit seit Längerem - eigentlich seit Jahren - und ich habe das in der Vergangenheit oft getan, bei Tata Steel, bei fast allen meinen Turnieren. In diesem Turnier lief alles schlecht für mich, also dachte ich, ich kehre zu meiner alten Angewohnheit zurück. Dieses Turnier war für mich bisher ein Albtraum, ich will einfach, dass es vorbei ist.

In diesem Moment, als es geschah und du erkannt hast, dass du genullt wurdest: woran dachtest du, als du den Spielsaal verlassen hast?

Naja, eine Partie weniger! Aber es ist bedauerlich. Ich war mir tatsächlich unsicher bezüglich der Regeln. Wenn man zum Beispiel genullt wird: ob es dann ein FIDE-Rating gibt oder nicht. Wenn zum Beispiel das Handy klingelt. Ich bin mir nicht ganz sicher, was die Regeln angeht.

Hast du wirklich Berufung eingelegt gegen das Ergebnis der Partie, oder gegen das Rating der Partie?

Ich habe hauptsächlich gegen die Partie Berufung eingelegt- ob sie nun ausgewertet wird oder nicht, aber ich bin mir nicht ganz sicher.

Dann bist du also mit der Entscheidung des Schiedsrichter bezüglich des Ergebnisses der Partie einverstanden?

Ja.

Du hast also noch eine Partie vor dir. Worum spielst du nun in der letzten Runde?

Um den Sieg. Ich verstehe, dass Var [Varuzhan Akobian] nicht gegen mich spielen will, aber bei der letzten Partie morgen gegen Kayden Troff werde ich versuchen, zu siegen, und mein Bestes geben.

Du hast Var erwähnt. Er sagt, ihr wärt Freunde und die Gelegenheit, gegen dich zu spielen, gäbe es nicht jeden Tag. Denkst du, er wollte nicht gegen dich spielen?

Naja offensichtlich wollte er ein Freilos.

Du denkst, er wollte nur einen freien Punkt?

Ja.

Wow, das ist starke Anschuldigung. Er sagt, ihr wärt Teamkollegen und Freunde.

Naja, das waren wir. Aber ja, ich denke, man muss einfach die Regeln beachten.

Hikaru Nakamura schlug auf Twitter sofort zurück:

‌"Sehr beschämende und respektlose Kommentare von So über Varuzhan Akobian. Gib allen anderen die Schuld dafür, dass du die Regeln gebrochen hast, nur nicht dir selbst."

Es gab auch weitere Ereignisse abseits vom Schachbrett, die dazu führten, dass Wesley So in St. Louis an mehreren Fronten kämpfte. Paul Truong, der in einem Zeitungsartikel als Sos "Erzfeind" beschrieben wurde, schlug auf The Chess Drum zurück und wies darauf hin, dass Wesleys Stipendium an der Webster University aufgehoben wurde und dass es nicht so war, dass Wesley nach dem Sieg im Millionaire Open beschloss, Profi zu werden:

Wesley So verließ nicht die Schule, um Profi zu werden, nachdem er Millionaire Chess gewonnen hatte. Wesley Sos SPICE-Schachstipendium wurde am 28. Oktober, 2014 um 12:02 aufgrund mehrerer Verstöße gegen die Teamregeln vollständig aufgehoben.

Es sollte darauf hingewiesen werden, dass Millionaire Chess am 13. Oktober zu Ende ging und wir nicht wissen, um So zu diesem Zeitpunkt weiterhin studieren wollte oder nicht. 

Ein neuer Artikel in der Star Tribune präsentierte weitere Details über die Ereignisse in St. Louis und erklärte, wie sich das Ganze auf So auswirkte:

Er hatte irgendwann Angst, durch die Hotellobby zu gehen, weil er sich Sorgen machte, dass seine Mutter ihn ansprechen könnte. Die zwei Blocks vom Hotel zum Austragungsort des Schachturniers ging er sehr vorsichtig und er kam in nervösem Zustand in der Spielhalle an. In den Partien verpasste er die Schlüsselzüge und verlor immer weiter, sodass seine Hoffnungen auf einen Sieg bei der US-Meisterschaft ruiniert waren.

Paul Truong veröffentlichte ChessBase-Fotos, die diesen Andeutungen offensichtlich widersprechen sollten, aber natürlich ist ein Lächeln auf einem Foto kein Beweis für eine Stimmung und das Verhältnis kann sich seitdem sehr wohl verschlechtert haben:

Wesley So und seine Mutter Leny in St. Louis am Tag vor dem Beginn der US-Meisterschaft | Foto: Paul Truong / ChessBase 

Im Moment ist jedoch der wichtigste Punkt aus Wesleys Interview, dass einer der weltbesten Spieler sich bezüglich der Schachregeln unsicher sein kann. Wie wir sehen werden, steht So damit nicht alleine da.

Ein genullter Spieler beim Aeroflot: er notierte Züge, bevor er sie machte

Der russische Großmeister Dmitry Kryakvin war Setzplatzlistenzweiter in der B-Sektion des Aeroflot Open, wo er Zeuge davon wurde, dass ein Spieler über fast dieselben Regeln stolperte wie Wesley So. Wir haben zwar die Einleitung weggelassen, seinen Blog auf der Webseite des Russischen Schachverbands aber ansonsten vollständig übersetzt:


Meine Wenigkeit beobachtete hinten aus der "B"-Turnierhalle Kämpfe, die über eine Reise nach Dortmund entscheiden sollten, und bedauerte manchmal bitterlich, als Spieler nach Moskau gereist zu sein und nicht als Journalist. Trotzdem fand ich einen Anlass, um zu arbeiten: in der achten Runde des Nebenevents gab es einen Skandal unter einem sehr merkwürdigen Vorwand. Er ereignete sich bei dem Aufeinandertreffen einer Moskauer Schachlegende, IM Pavel Dvalishvili (2439), und seinem aserbaidschanischen Kollegen IM Orkhan Abdulov (2337).

1. e4 c6 2. d4 g6 3. ♗d3 ♗g7 4. ♘f3 d5 5. ♘bd2 dxe4 6. ♘xe4 ♘d7 7. ♕e2 ♘df6 8. ♘c5 ♘d5 9. O-O ♘gf6 10. ♖e1 O-O 11. c3 b6 12. ♘e4 ♕c7 13. ♘xf6+ ♗xf6 14. ♘e5 ♗g7 15. c4 ♘f6 16. ♗f4 ♘h5 17. ♗d2 ♗b7 18. ♗e4 ♖ad8 19. ♗c3 ♖d6 20. ♗f3 ♘f6 21. ♖ad1 ♖fd8 22. ♖d3 ♘d7 23. ♘xf7 ♔xf7 24. ♕xe7+ ♔g8 25. ♗g4 ♕b8 26. c5 ♖d5 27. ♗e6+ ♔h8 28. ♗xd5 cxd5 29. ♕f7 ♗c6 30. ♖de3 ♘f6 31. ♖e7

0-1

Die Partie war bereits ab den Eröffnungszügen sehr angespannt - zwei Runden vor Schluss standen die Spieler bei +2 und das Aufeinandertreffen bedeutete, dass der Sieger die Chance hatte, einen der Hauptpreise im Wert von mehreren Tausend Euro mitzunehmen, während der Verlierer sich um Krümel in einer ausländischen Währung streiten würde. Später behauptete Dvalishvili, der aserbaidschanische Spieler habe sich ab den ersten Zügen arrogant und provokant verhalten. Abdulov parierte diese Behauptung und sagte, dass Pavel alles Mögliche tat, um seinen Denkprozess zu unterbrechen, seinen Zug im Vorhinein auf dem Partieformular notierte und es hinüberschob, um die Reaktion seines Gegners abzuschätzen. Dvalishvili nahm unterdessen sein visuell beeinträchtigtes Zertifikat aus der Tasche und gab an, er hätte nichts dergleichen im Sinn gehabt.

Pavel Dvalishvili mit seiner Notation von Runde 8

Im Wesentlichen sah der Konflikt folgendermaßen aus: Abdulovs Stellung war komplett verloren (außerdem war es noch lange hin zur Zeitkontrolle - Schwarz hatte es noch nicht aus der Eröffnung geschafft), aber gleichzeitig beschwerte sich der aserbaidschanische Meister mehrmals beim Schiedsrichter, da Dvalishvili seinen Zug auf dem Partieformular notierte, bevor er ihn machte. Nach einem weiteren, ähnlichen Vorfall verlangte er, dass sein Gegner genullt werden sollte. Die Schiedsrichter eilten hinzu, die Partie wurde angehalten und die Spieler wurden in den Flur geführt - was dort geschah, konnte man nur anhand einiger Ausrufe erraten. Bald kam auch der oberste Schiedsrichter Geurt Gijssen hinzu und das entstandene Problem wurde vom Russischen ins Englische verdolmetscht. Gijssen gab Dvalishvili in voller Übereinstimmung mit den Regeln eine Null. Es stellte sich heraus, dass ein Spieler, der trotz einer Verwarnung des Schiedsrichters weiterhin seine Züge aufschreibt, bevor er sie am Brett tätigt, hart bestraft werden kann. Anscheinend erfolgt diese Strafe beim dritten Mal. Aber kanntet ihr diese Regel?

Um ehrlich zu sein, empfinde ich Mitleid für Pasha, obwohl er im Großen und Ganzen selbst schuld ist, da er sein Verhalten nach der ersten Verwarnung nicht änderte. Letztlich gewann Abdulov die letzte Partie und wurde Vierter, während Dvalishvili es nur bis zu den letzten "Aero-Boni" schaffte. 

Rk.SNoNameTypFEDRtgPts. TB1  TB2 
139IMBaghdasaryan VaheARM24006.552478
26GMKovalev VladislavBLR25316.552456
333Sarana AlexeyU18RUS24196.542478
454IMABDULOV OrkhanAZE23376.542460
524GMNeelotpal DasIND24466.542447
615GMKotanjian TigranARM24826.542427
718IMPotapov PavelRUS24716.052383
85GMYudin SergeiRUS25346.042438
923IMLin ChenCHN24486.042413
108GMKharchenko BorisUKR25146.042399
1130Utegaliyev AzamatKAZ24315.552431
1220IMBadmatsyrenov OlegRUS24685.552425
1316IMFirat BurakTUR24785.552382
1412IMPavlov SergeyUKR24905.552354
1529IMParavyan DavidU18RUS24365.542500
163IMBortnyk OlexandrUKR25435.542422
179GMEvdokimov Alexander A.RUS25055.542418
1811GMKhusnutdinov RustamKAZ24905.542414
1917FMGordievsky DmitryRUS24725.542409
2025IMHarutyunian Tigran K.U18ARM24455.542407
2161FMLorparizangeneh ShahinU18IRI23195.052465
2245GMPetrosian Davit G.ARM23825.052464
232GMKryakvin DmitryRUS25445.052381
2422IMYilmazyerli MertTUR24645.052377
254GMGuliyev NamigAZE25395.052373
2610GMPapin VasilyRUS25015.052352
2726IMDVALISHVILI Pavel S.RUS24395.052333

Anscheinend wurde die Regel, der zufolge man nur einen bereits gemachten Zug aufschreiben darf, um 2005 eingeführt. Und der einzige bekannte Fall einer Strafe für dieses Vergehen war ein Vorfall bei der Jugendweltmeisterschaft im selben Jahr. Aber hier, wo so eine bedeutende Summe auf dem Spiel stand… Überlegt mal, Weiß verlor eine gewonnene Partie, weil er einen Zug im Voraus aufschrieb! So wie es viele Weltmeister getan haben. Mikhail Botvinnik hielt junge Spieler sogar dazu an, ihre Züge im Voraus auf dem Partieformular zu notieren, um gehetzte Züge und die nervigen, daraus entstehenden Fehler zu vermeiden.

Natürlich ziehe ich in dieser Situation nicht das Verhalten der Schiedsrichter in Frage. Gesetz ist nun mal Gesetz, und beim Aeroflot arbeitete ein hochqualifiziertes und sehr faires Team von Schiedsrichtern. Aber habt ihr nicht den Eindruck, liebe Leser, dass in der Schachwelt in letzter Zeit sehr viele seltsame Regeln eingeführt werden, und zwar ohne Rücksprache mit der Schachgesellschaft? Über die "Sofia"-Regeln und die Nulltoleranz wurde schon viel gesagt, aber es gibt immerhin auch andere, recht merkwürdige Beispiele.

Ich weiß noch, dass Igor Bolotinsky eine Geschichte von einem der FIDE-Treffen im Jahr 2008 erzählte, bei dem ein afrikanischer Delegierter eine Frage aufwarf: "Aber warum darf man nur mit einem Bauern en passant nehmen? Erlauben wir doch en passant mit einer Figur!" Und diese Initiative wurde in aller Ernsthaftigkeit geprüft, obwohl umsichtere Delegierte sie nicht absegneten. Aber was ist denn so schlecht daran, einen Zug im Voraus zu notieren? Sollte das wirklich mit einer Niederlage bestraft werden? Wenn mein Gegner betrunken ans Brett kommt oder fortwährend flucht, gibt es kein klares Verfahren, um ihn zu nullen, aber wenn dieser Verbrecher einen Zug im Voraus aufschriebt, bekommt er eine Null!

Jedes Jahr ändern sich die Regeln für Bauernumwandlungen. Plötzlich wurde beschlossen, dass ein unmöglicher Zug im Schnellschach mit einer Niederlage bestraft werden muss. Für Junioren gibt es auf einmal den 4-fach-Faktor, der zu sehr bedenklichen Verzerrungen in der Juniorenratingliste geführt hat und unzählige Möglichkeiten bietet, die Elo künstlich hochzutreiben und einen Titel zu erlangen…

"Interessante Ergebnisse der neuen FIDE-Ratingformel für Kinder (k40)"

Siehe auch zum Beispiel: Von 1949 auf 2517 in 3 Monaten

Aber wer schreibt die Regeln? Was sind die Gründe für diese Entscheidungen? Ich würde das gerne herausfinden, obwohl… obwohl es Pavel Dvalishvili nicht mehr helfen wird. Oder, wie sich herausstellt, Wesley So.


Natürlich kann man über eine Regel diskutieren, der zufolge man keine Züge aufschreiben darf, bevor man sie macht. Die Vorteile sind zum Beispiel, dass ein Spieler nicht versuchen kann, die Reaktion seines Gegners abzuschätzen, aber auch, dass Spieler keine zur Auswahl stehenden Züge auflisten können, um besser kalkulieren zu können.

Es gibt jedoch einen wenig kontroversen Bereich: das Verwenden von Computern oder anderweitiger Unterstützung von außen, um Partien und Turniere zu gewinnen. Der einzige Diskussionsbedarf besteht in der Schwere der Strafe.

GM Gaioz Nigalidze wurde wegen Betrugs aus dem Dubai Open geworfen

Das Foto, das Abstreiten sinnlos macht - jemand, der als Nigalidze eingeloggt war, hatte seine Partie auf der Toilette analysiert... | Foto: Webseite Dubai Chess

Es ist eine vertraute Geschichte – ein Schachspieler geht während einer Partie mehrmals auf Toilette, um auf ein Handy zu schauen - aber dieser Vorfall scheint einer der größten Betrugsskandäle der letzten Jahre zu sein und könnte sich auf viele andere Turniere auswirken.

Nach sechs Runden im Dubai Open gehörten David Howell und Vladimir Fedoseev zu den sieben Führenden, die auf 5/6 lagen. Wenn GM Gaioz Nigalidze seine Partie gegen Tigran Petrosian gewonnen hätte, wäre er zu ihnen gestoßen, stattdessen verlor er, nachdem sein Gegner 23.Tf4 spielte:


Aber nicht wegen etwas, das am Brett geschah. Auf der offiziellen Webseite wurde der Vorfall erklärt:

Der Internationale Schiedsrichter Mahdi Abdul Rahim, der oberste Schiedsrichter des Turniers, sagte, Petrosian hätte die Turnierschiedsrichter früh über seinen Verdacht informiert, dass Nigalidze während der Partie über ein tragbares, elektronisches Gerät Hilfe von einem Schachcomputer in Anspruch nähme. Der Armenier bemerkte, dass der Georgier seltsamerweise nach jedem Zug während einer entscheidenden Phase der Partie die Toilette aufsuchte.

Als die Schiedsrichter Nigalidze zunächst überprüften, fanden sie kein Gerät an ihm. Der Turnierdirektor und der oberste Schiedsrichter hatten den Verdacht, dass er immer dieselbe Toilettenkabine benutzte. Als sie die besagte Kabine überprüften, fanden sie ein Mobiltelefon und ein Headset, die hinter dem Becken versteckt und mit Toilettenpapier bedeckt waren. Als er damit konfrontiert wurde, leugnete Nigalidze, der Eigentümer des Geräts zu sein, aber die Schiedsrichter entsperrten das Smartphone und entdeckten, dass es mit Nigalidzes Konto bei einem sozialen Netzwerk angemeldet war. Sie fanden außerdem eine Analyse seiner Partie in einer der Schachapps.

Sein Gegner, Tigran Petrosian, erzählte auf Chess-News noch ein paar Details:

Wir saßen beide am Brett, als der oberste Schiedsrichter zu Nigalidze ging, ihm das Handy zeigte und fragte: "Gehört das Ihnen?" Nigalidze wurde rot und nervös und konnte nichts sagen.

Der Schiedsrichter nullte ihn für die Partie. Ich ging nach draußen und Gaioz kam auf mich zu. Ich dachte, er würde sich entschuldigen, aber er fragte mich nur, was nun mit ihm geschehen würde.

Petrosian erwähnte auch, dass ihm der Überraschungssieg des Georgiers letzten Dezember beim Al Ain Open ebenfalls verdächtig erschien. In Frage stehen nun außerdem Nigalidzes beiden Siege bei der Georgischen Meisterschaft in den Jahren 2013 und 2014.

Nigalidze hält die Trophäe des Al Ain Classic (letzten Dezember)

Ihr könnt alle Partien von Nigalidze im Dubai Open mit Computeranalyse nachspielen und bei einigen Partien (denjenigen, die live übertragem wurden) seht ihr den genauen Zeitverbrauch. Es ist vielleicht erwähnenswert, dass er die Partie, die er verlor, mit nur 35 Sekunden auf seiner Uhr beendete, nachdem er mit wenig Bedenkzeit (oder ohne Zeit für einen Toilettenbesuch) schlechte Züge getätigt hatte:

Es ist schwer vorstellbar, dass jemand Nigalidze verteidigen wird, wenn erwiesen ist, dass er getan hat, wessen er beschuldigt wird. Das heißt, dass nur die Frage nach der Art der Strafe offen ist.

‌"Zeit für FIDE, zwingende 2-Jahres-Sperren für Computerbetrüger wie den georgischen Meister einzuführen?"

Der Schiedsrichter in Dubai, der FIDE die Vorfälle meldete, wies darauf hin, dass die Standardstrafe tatsächlich härter ist:

Er sagte, Spieler, denen ein solches Vergehen nachgewiesen wird, werden drei Jahre lang von allen offiziellen Turnieren ausgeschlossen und bei einem wiederholten Verstoß bis zu 15 Jahre lang.

Die andere, schwierigere Frage ist, was man tun kann, um Betrug von vorneherein zu verhindern, vor allem bei großen Opens:

‌"Im Schach gibt es immer noch keine ernsthaften Maßnahmen gegen Betrug, Toiletten sind weit weg und werden nicht kontrolliert, genau wie Raucherbereiche. Wie lange noch?"

Aber das macht ein ganz neues Fass auf!
Was sagt ihr? Welche Strafen sind für welche dieser Vergehen angemessen?


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