Berichte 13.09.2019 | 12:12von Colin McGourty

Weltcup Khanty, R1 Stichkämpfe: Aus für Shankland & Adams

Hikaru Nakamura, Yu Yangyi, Boris Gelfand und Dmitry Andreikin haben es geschafft, sich über die Stichkämpfe für die 2.Runde des Weltcups 2019 zu qualifizieren, aber es gab auch Favoriten, die scheiterten. Sam Shankland schied gegen Eltaj Safarli aus, während in Mickey Adams’ Match gegen Aravindh nach lauter Remis alles auf ein Armageddon hindeutete, ehe der 20-jährige Inder dann doch noch ein forciert gewonnenes Bauernendspiel erreichen konnte.

Mickey Adams schied gegen den Inder Aravindh aus | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Alle Partien des FIDE Weltcups 2019 in Khanty-Mansiysk könnt ihr hier nachspielen:

Und hier die Bilder von der Live-Übertragung mit Jan Gustafsson und Lawrence Trent, die 40 Minuten lang (ab 1:21:09) Peter Svidler zuschalteten, der nach seinem Sieg in Runde 1 einen Ruhetag in Khanty-Mansiysk erlebte:


23 Stichkämpfe fanden am Donnerstag statt, in denen mehrere Favoriten auf der Kippe standen, aber als sich der Rauch verzogen hatte, standen die meisten Top-Spieler in der zweiten Runde. 

46 Spieler mussten am Tag der Stichkämpfe erneut ran| Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Die Top 15 der Setzliste kamen allesamt weiter, und von den Top 33 schieden nur vier aus. Insgesamt kamen 15 Außenseiter weiter, wobei man die Sieger am Ende der folgenden Liste kaum als Überraschungen bezeichnen kann. Hier alle Außenseitersiege mit den Nummern in der Setzliste in Klammern und den Matches, die im Stichkampf entschieden wurden, im Fettdruck: 

  1. Christiansen (113) schlägt Wojtaszek (16)
  2. Yuffa (106) schlägt Navara (23)
  3. Xu Xiangyu (105) schlägt Bu Xiangzhi (24)
  4. Safarli (103) schlägt Shankland (26)
  5. Tabatabaei (95) schlägt Amin (34)
  6. Rakhmanov (93) schlägt Grandelius (36)
  7. Aravindh (92) schlägt Adams (37)
  8. Sarin (90) schlägt Cori (39)
  9. Huschenbeth (84) schlägt Naiditsch (45)
  10. Esipenko (83) schlägt Ponomariov (46)
  11. Jumabayev (79) schlägt Berkes (50)
  12. Bok (73) schlägt Saric (56)
  13. Abasov (72) schlägt Piorun (57)
  14. Predke (69) schlägt Sarana (60)
  15. Najer (66) schlägt Gledura (63)

Schauen wir uns die Matches der Reihe nach an und beginnen bei den 25-Minuten-Partien:

2 x 25-Minuten-Partien: 14 Entscheidungen

Hikaru Nakamuras 16-zügiges Remis am Vortag gegen den Algerier Bilel Bellahcene hatte zu gewissem Stirnrunzeln geführt, aber seine Entscheidung, mit Schwarz keinerlei Risiken einzugehen, zahlte sich aus, als er die erste Schnellpartie mit der Berliner Mauer gewann. Nakamura, der sich erst noch von den Strapazen seiner Anreise aus St. Louis erholen muss, meinte, sein Gegner habe zu passiv gespielt: 

Durch den Versuch, einfach solide zu spielen und in ausgeglichener oder sogar leicht schlechterer Stellung ein Remis anzustreben, spielte er viel zu zögerlich und geriet dadurch in Zeitnot und konnte die Stellung am Ende nicht halten.

Mit Schwarz in der zweiten Partie gegen Nakamura zu gewinnen war für den Algerier etwas zu viel verlangt, und am Ende gewann der Amerikaner beide Partien.

Dieses Mal reichte es für den 14-jährigen Abdusattorov noch nicht, aber Maxim Matlakov musste gegen ihn hart arbeiten | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Dmitry Andreikin, Evgeny Tomashevsky, Liviu-Dieter Nisipeanu, Le Quang Liem und Maxim Matlakov kamen ebenfalls recht locker weiter, wobei Matlakov den 14-jährigen Nodirbek Abdusattorov in der zweiten Partie positionell überspielte. Zeit für Späße…

„Jan: Abdussatarov ist ausgeschieden, damit ist Sarin der jüngste Spieler im Turnier.“

Lawrence: Nein, Jeffery.

Jan: Jeffery ist drei Jahre älter.

Lawrence: Nein, Jeffery ist es. Er ist der Xiongste im Turnier.“

Der schnellste Sieg bei den 25-Minuten-Partien war zugleich eine kleine Überraschung, da der Niederländer Benjamin Bok den höher eingestuften Ivan Saric besiegte. Peter Svidler verwies darauf, dass Alejandro Ramirez als Boks Sekundant in Khanty-Mansiysk weilt, aber 19.Td6! in der ersten Partie war eine schöne Idee, die Sam Shankland bereits 2012 gegen Vinay Bhat aufs Brett gebracht hatte. Die Partie folgte mit 19…Lxf3? (19…Sc5! Scheint der richtige Zug zu sein) 20.gxf3 Se5? (der entscheidende Fehler) 21.Dc3! diesem Vorbild:


Schwarz ist komplett verloren, und nach 21…Dc7 22.Txd8+ Dxd8 23.Sxg7 Kxg7 24.Dxe5+ hatte Weiß eine Figur mehr, bevor Bok überhaupt nachdenken musste. Erst Sarics 25.Zug war neu, und drei Züge später gab er auf. Obwohl der Kroate in der nächsten Partie bis zu den nackten Königen spielte, konnte er das Blatt nicht mehr wenden, sodass Bok nun auf Alexander Grischuk trifft.

In dieser Phase wurden auch einige wilde Partien gespielt. Der Inder Narayanan hatte am Vortag gegen David Anton den Ausgleich geschafft und in der ersten Stichkampfpartie stand er wieder kurz vor dem Sieg:


Der Computer zeigt ungefähr +12 an, wobei 29.Te1! mit der Mattdrohung Dh6+ vermutlich am besten ist. Nach 29.Lg7+!? steht Weiß immer noch auf Gewinn, aber als Schwarz nach 29…Ke7 30.Df7+ Kd6 31.Td1 Dxd1 die Dame geben konnte, war es mit weniger als drei Minuten auf der Uhr alles andere als einfach. Anton bastelte ein Dauerschach und zog durch einen Sieg in einem komplizierten Endspiel in der nächsten Partie in Runde 2 ein, wo er auf Wei Yi trifft. Unser spanisches Kommentatorenteam mit Antons Trainer David Martinez wahrte während der Partien jederzeit die Neutralität!

Die größte Überraschung gelang dem Iraner Amin Tabatabaei, der den ersten Afrikaner mit einer Elo von 2700 Bassem Amin schlug. Tabatabaei gewann zunächst eine schöne Angriffspartie, schien in der zweiten Partie aber nach 24.g4 einen Springer zu verlieren:


Das Kuriose ist, dass die Computer nach 24…Sd5! lieber Schwarz haben, aber nach 24…Df6 25.gxf5 in der Partie stand Amin bald total auf Gewinn, stellte die Partie danach aber komplett ein, ehe sie remis ausging. Tabatabaei trifft in der nächsten Runde auf Jeffery Xiong aus den USA.

Der 19-jährige Iraner Tabatabaei schlug die Nummer 34 der Setzliste Bassem Amin | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

2 x 10-Minuten-Partien: 7 Entscheidungen

Am schnellsten bei den 10-Minuten-Partien war das Match Gelfand-Lu Shanglei angelangt, wo der Chinese nach einem hart erkämpften Schwarzremis ein schnelles Remis mit Weiß folgen ließ. Lu Shanglei hat schon einmal Magnus Carlsen im Blitzen geschlagen und war deshalb offenbar sehr optimistisch.

“Svidler: Darauf, dass Boris im Blitzen nicht gut ist, würde ich nicht viel setzen.“

Entschieden wurde das Match dann durch einen groben Einsteller in der ersten 10-Minuten-Partie. Bei 29…Tc5? hatte Lu eine der Pointen von 29.e4 übersehen:


30.Td1! und Schwarz konnte aufgeben, da er nicht mehr Td5 hat und 31.Td8+ ihn die Dame kostet. Boris gewann auch die nächste Partie und sprach im Interview von “einer merkwürdigen Begegnung”:

Relativ sichere Siege feierten in dieser Phase auch Vladimir Fedoseev gegen Ganguly und Anton Korobov gegen Gupta, womit alle drei Inder, die gestern noch auf Knopfdruck den Ausgleich geschafft hatten, ausgeschieden waren. Yu Yangyi kam gegen Ehsan Ghaem Maghami weiter, wäre aber fast in den 25-Minuten-Partien gescheitert:

19…f6! gewann, aber der Iraner hatte übersehen, dass Schwarz nach 20.Th3 g6 21.Txh7 den einzigen Zug 21…Df5! hat, nach dem Weiß verloren ist.

Die Nummer 41 der Setzliste ist der Chinese Bu Xiangzhi, der 2017 Magnus Carlsen ausschaltete, doch dieses Mal schied er nach wildem Verlauf bereits in Runde gegen seinen Landsmann Xu Xiangyu aus. Xu gewann die erste Partie, doch danach hätte Bu zurückschlagen können, als praktisch das halbe Brett hing:


Der Computer meint, dass Schwarz nach 21…Sf4! auf Gewinn steht, aber nach 21…Lxa1 erreichte Xu Xiangyu das notwendige Remis und trifft nun auf Ernesto Inarkiev.

Damit kommen wir zu Safarli-Shankland, wo Sam Shankland nach zwei gehaltenen Endspielen mit Minusbauer die dritte Partie verlor und gegen Eltaj Safarli in Rückstand geriet. Shankland musste die zweite 10-Minuten-Partie unbedingt gewinnen, aber 27.a4? hatte einen gewichtigen Nachteil, den sein Gegner allerdings auch nach vier Minuten nicht entdeckte!


27…Txd6! gewinnt auf der Stelle, und man muss nur sehen, dass Schwarz den Freibauern nach 28.exd6 Lxa1 29.d7 zuverlässig mit 29…Lf6 stoppt. Safarli spielte aber 27…Ta6?, was Shankland sichtlich überraschte:

“Eines der merkwürdigsten Matches bisher.”

Sein Problem war, dass er einen Sieg brauchte, und der wäre nicht möglich gewesen, wenn er den a-Bauern verliert. Also nahm er die Herausforderung an und spielte 28.a5?!! Wieder übersah Safarli die taktische Lösung und spielte 28…Tc6, wonach sowohl Anish Giri als auch Carlsens Trainer Peter Heine-Nielsen darauf hinwiesen, dass 29.a6! einen Versuch wert gewesen wäre!

„Mit 29.a6 die Schwäche festzulegen, wäre ein cooler Bluff gewesen.“

Das hätte wieder den taktischen Schlag ermöglicht, aber wenn Safarli ihn wieder nicht gesehen hätte, wäre Weiß in Vorteil gekommen. Stattdessen spielte Shankland 29.Lc5 und konnte das Remis trotz gewisser Chancen nicht verhindern. Damit trifft Safarli in der nächsten Runde auf den nun jüngsten Teilnehmer Nihal Sarin.

2 x 5-Minuten-Blitz: 2 Entscheidungen


Die beiden letzten Matches hätten nicht unterschiedlicher verlaufen können. Bei Abasov-Piorun ging es hin und her, ehe der Aseri schließlich den Sieg sicherstellen konnte.

Dagegen ließ der 20-jährige Inder Aravindh nie zu, dass sein berühmter Gegner in Führung ging. Mickey Adams, der schon je zweimal im Finale bzw. Halbfinale eines großen K.O.-Turniers stand, stand in der letzten 10-Minuten-Partie kurz vor dem Sieg und versuchte in der ersten Fünf-Minuten-Partie mit vier gegen drei Bauern im Turmendspiel alles, doch Aravindh hatte die Lage im Griff:


49…Txe5! 50.Txe5 f6! 51.Kf4 fxe5+ 52.Kxe5 gxf5 53.Kxf5 und Mickey spielte bis zum Patt weiter:

In der zweiten Partie hätte man aufgrund der Bedenkzeit – Aravindh hatte nur noch fünf Sekunden, während Adams noch fast 2 Minuten hatte – meinen können, dass für Schwarz mehr drin sein könnte, doch dann kam das plötzliche Ende für Adams:


46.Sg5+! Sxg5 47.Txg5 und nach anschließendem Turmtausch erwies sich das Endspiel als unangenehm für Adams. Der junge Inder gewann schließlich nach 69 Zügen, womit die indischen Schachfans nach einem harten Tag ein versöhnliches Ende erlebten! Die Hoffnungen der Engländer ruhen nun auf Luke McShane (gegen Daniil Yuffa) und Gawain Jones (gegen Dmitry Jakovenko).

Aravindh ist eine Runde weiter | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Schon am Freitag geht es mit Runde 2 weiter, und dann treffen unter anderem Firouzja-Dubov, Harikrishna-Fedoseev, Karjakin-Sevian, Svidler-Esipenko und Aronian-Maghsoodloo aufeinander. Die beiden deutschen Vertreter Niclas Huschenbeth und Liviu-Dieter Nisipeanu treffen auf Nikita Vitiugov bzw. Hikaru Nakamura.  

Erneut könnt ihr bei uns die Live-Übertragung mit Jan Gustafsson und Lawrence Trent als Alternative zum offiziellen Livestream mit Evgeny Miroshnichenko und Alex Yermolinsky verfolgen. Los geht es wieder live auf chess24 ab 12 Uhr!

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