Berichte 18.09.2017 | 14:08von Colin McGourty

Weltcup in Tiflis, Viertelfinale: MVL bezwingt Svidler

Maxime Vachier-Lagrave konnte sich in den Tiebreaks gegen Peter Svidler durchsetzen und wird nun im Halbfinale gegen Levon Aronian antreten. Die Partien im Rapid waren kurz, aber eben für Svidler nicht schmerzlos. Er lag in beiden Partien auf dem Brett und auf der Uhr hinten. In der zweiten konnte er dann nicht mehr standhalten. MVL schien schon fast in Finalstimmung gewesen zu sein, denn er meinte zu dem kommenden Halbfinale gegen Levon Aronian: "Er hat keinen Grund, Angst vor irgendjemandem zu haben. Ich habe keinen Grund, Angst vor irgendjemandem zu haben. Das kann interessant werden!"

Es stand viel auf dem Spiel. Das Lachen ist den Jungs hier trotzdem nicht vergangen. | Foto: Anastasia Karlovich, offizielle Turnierseite

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Peter Svidlers letzter Auftritt

Das Glück bringende Fanshirt seines englischen Cricket Teams, die Unterstützung tausender Fans hier auf chess24 und auch die Erfahrungen aus den letzten Teilnahmen am Weltcup, halfen Peter Svidler am Sonntag nicht. Er schied in den Stichkämpfen der Viertelfinalbegegnung gegen Maxime Vachier-Lagrave aus. Dies stand bereits nach den ersten beiden Partien im Rapid fest.

Frei interpretiert hat England doch erst jetzt seinen letzten Vertreter im Weltcup verloren.  | Foto: Anastasia Karlovich, offizielle Turnierseite

Im Nachhinein brach Maxime seinen Vorteil auf das Durchhaltevermögen herab:

Ja, ich denke das machte heute einen großen Unterschied. Ich kann momentan auch nicht meine Höchstleistungen zeigen, doch habe ich genug Energie, um zu kämpfen. Bei ihm wirkte es so, als setze er seine letzten Ressourcen für diesen Kampf ein. Das kostete ihm viel Zeit und irgendwann brach auch seine Stellung zusammen.

Maxime setzte sich bereits in der Eröffnungsphase durch. Sie wiederholten die Varianten aus den klassischen Partien. Svidler kam zunächst mit 11…Sa7 anstelle von 11…Se7 nicht zurecht. MVL hingegen war mit seinem Spiel bestens vertraut und brachte Svidler in der ersten Partie in eine sehr unangenehme Lage. Über den 17. Zug dachte Svidler dann sehr lange nach und traf mutige Entscheidungen, wie hier gezeigt 21…f5:


Nach 22.exf6 wirkt der Läufer auf e6  etwas schwach. Peter hatte die Stellung aber richtig eingeschätzt und sah den Abtausch der Damen ebenfalls voraus 22…Dxf6 23.Le3 Dxd4 24.Lxd4 Ld7! 25.Td1 Tae8 26.Txe8:


Ein weiterer Indikator für die Anfälligkeit der schwarzen Stellung ist, dass der "offensichtliche" Zug 26…Txe8 auf der Stelle verliert nach 27.Lxc5! Lxc5 28.Txd5, mit Angriff gegen beide Läufer. Svidler war auch auf diesen Nachteil vorbereitet und zog stattdessen 26…Lxe8!. Nach einigen raffinierten Zügen fanden sich die Spieler in einem remisigen Endspiel mit zwei Bauern gegen einen am Königsflügel wieder.

127 Spieler mussten dem Turnier bereits den Rücken zukehren. | Foto: Anastasia Karlovich, offizielle Turnierseite

Svidler fand einen direkten Weg in ein Remis abzuwickeln. Es gab für MVL noch Möglichkeiten, seinen Gegner zu prüfen, doch das Springeropfer beendete die Partie umgehend. Der Läufer würde dem Randbauern nicht zur Umwandlung verhelfen können:


69…Sxg4!, und nach ein paar Schachgeboten brachte MVL die Partie für uns Schachfans in die Pattstellung!

"Svidler bezieht die Idee des falschen Läufers für die Umwandlung des Randbauern mit ein und beendet seinen Leidensweg!"

Die Spieler waren nachher guter Dinge. Der moralische Sieger war wohl Svidler, weil er sich durch die schwierigen Stellungen winden konnte. Maxime kommentierte später:

Meinem Gefühl nach hatte ich entscheidenden Vorteil, doch ich konnte diesen nicht zum Sieg bringen. Er war immer rechtzeitig mit seiner Verteidigung. Ich habe im Grunde genommen schon alles versucht, aber es brachte mir nicht allzu viel ein.

Svidler führte nun die weißen Steine, doch traf er die folgenschwere Entscheidung, die Variante aus der klassischen Partie zu wiederholen. Weiß verlor das Rochaderecht im 7. Zug. 

Maxime gewann nicht bloß die Schlachten in den Eröffnungen, sonder auch den Krieg!| Foto: Anastasia Karlovich, offizielle Turnierseite

Die Wahl war im Grunde gar nicht so verkehrt, denn Peter bekam in der klassischen Partie fast gewinnträchtigen Vorteil im Zuge dieser Eröffnung. Klugerweise wechselte Maxime doch etwas die Wahl seiner Züge und spielte 10…e6 anstelle von 10…Sbc6:


Es ist eigentlich undenkbar, dass Svidler auf den Zug nicht vorbereitet war. Er überlegte aber fast vier Minuten und wich dann mit 11.Lf4 vom Plan in der klassischen Partie ab. Das Geschehen auf dem Brett wurde sehr scharf. Die Könige wurden auf entgegengesetzten Flügeln positioniert. Dennoch setzte Svidler sein Spiel eher am Königsflügel fort, wohingegen MVL mit 21…Kc7! eine sehr eigentümliche Verteidigungsstrategie verfolgte:


Er äußerte sich dazu:

Es war schon sehr verzwickt - Mein Zug 21…Kc7, den ich zugegebenermaßen zuvor nicht bedacht hatte, machte den entscheidenden Unterschied. Ich hatte etwas Glück dabei, aber der Zug war auch nicht leicht zu entdecken. Er hatte keine Möglichkeiten mehr, Fortschritte zu erzielen. Ich nehme ganz einfach auf f5 und erreiche ein sehr angenehmes Endspiel.

Dies war der entscheidende Moment. Sowohl 22.Tc1 sofort, als auch 23.Tc1+ nach 22.Lxf7 gxf5 scheinen besser für Weiß zu sein. Der Läufer (oder Springer) ist zur Blockade über c6 verpflichtet und kann nicht weiter das Feld f5 im Auge behalten. Es ist nicht erzwungen, aber nach beispielsweise 23.Tc1+ Lc6 24.Dxd6+ Txd6 sollte Weiß nicht 25.exf5 spielen, sondern zuerst mit 25.Ke1! seinen Monarchen in Sicherheit bringen.

Nach 23.Dxd6+ Kxd6 24.exf5 Sxf5 25.Se4+ Ke7 26.Lb3 Se3+ war die Partie schon bald vorbei:


Maxime sagte noch:

In meinen Augen hätte er das Endspiel besser verteidigen können, was aber auch schwer ist, da ich Drohungen von allen Seiten aufstelle. In gewisser Weise kann er auch mit seinen Türmen agieren, doch mein Springer auf e3 verspricht mir, ihn dominieren zu können und das setzte ich auch um.

Svidler opferte noch eine Qualität, was ihm aber keine Befreiung ermöglichte und gab sich schließlich nach 34…Tb7 geschlagen:

"MVL hat es ins Halbfinale gegen Aronian geschafft, nachdem er Svidler in der 2. Tiebreak-Partie besiegte!"

Maxime Vachier-Lagrave steht im Halbfinale und tatsächlich taten es ihm alle Favoriten des Viertelfinals gleich: 


Große Namen schienen in diesem Turnier nach dem Zufallsprizip auszuscheiden. Nun setzten sich aber im Weltcup 2017 in Tiflis die sehr weit oben in der Weltrangliste platzierten Nr. 2 (Aronian), Nr. 3 (MVL), Nr. 7 (So) und Nr. 11 (Ding Liren) durch. Das Aufeinandertreffen der Nummer 2 gegen die Nummer 3 könnte auch gut als angemessenes Finale durchgehen. Maxime hatte es im Interview nicht allzu schwer getroffen, als Anastasia Karlovich ihn zu der Aussage Aronians vom Vortag: "Ich hasse sie beide!" (gemeint sind MVL und Svidler) befragte:

Ich bin gut mit Levon befreundet, aber manchmal stellt er Behauptungen auf, die einfach nicht zu seiner wahren Stimmungslage passen. Er hat keinen Grund, sich vor jemandem zu fürchten. Ich habe auch keinen Grund, mich vor irgendjemandem zu fürchten, daher wird das denke ich ein interessanter Kampf!  

MVL: "(Aronian) hat keinen Grund, sich vor jemandem zu fürchten. Ich habe auch keinen Grund, mich vor irgendjemandem zu fürchten, daher wird das denke ich ein interessanter Kampf!"

"Im Weltcup 2013 sagte MVL ziemlich genau das Gleiche, "Ich habe keine Angst vor Kramnik" Vlad antwortete: "Er sollte Angst haben" :)"

Du kannst dir hier das ganze Interview ansehen:

Es fällt nicht gerade leicht, einen Favoriten unter den übrigen vier Spielern zu ermitteln. Schauen wir uns an, wie viele Partien sie bestritten haben, um bis hierher durchzukommen: Ding Liren (14), Wesley So (16), MVL (18), Aronian (20). Levon ist zudem der einzige, der unter all den gespielten Partien auch welche verloren hatte (tatsächlich verlor er zwei Mal gegen Maxim Matlakov)!

MVL sagte später, Peter witzelte darüber, dass sie beide die letzten im Raum waren. MVL antwortete: "Schade, dass es nocht das Finale ist!"  | Foto: Anastasia Karlovich, offizielle Turnierseite

Peter Svidler kann sich nun zurücklehnen. Er hatte seine Anforderungen an sich selber für dieses Turnier überschritten. Es war genauso wie im Jahr 2013, als er ebenfalls in den Tiebreaks im Viertelfinale ausschied. Damals hieß sein Gegner Dmitry Andreikin. Wenn Peter auch wohl keine Gelegenheiten mehr bekommt, in das Kandidatenturnier 2018 in Berlin einzuziehen, denn als Wildcard bekam er kürzlich erst die Chance dazu, können wir uns wohl auf ihn in der Rolle des Kommentators freuen.

Blicken wir auf Tiflis... Die Spieler, Journalisten, Fotografen, Schiedsrichter und natürlich auch die Fans bekommen endlich nach 15 Tagen Schach ohne Unterbrechung einen Ruhetag. Am Dienstag wird es dann richtig ernst. Aronian, MVL, Wesley So und Ding Liren sind allesamt nur noch einen Schritt von der Teilnahme am Kandidatenturnier entfernt.

Die Kommentatoren Ivan Sokolov und Keti Tsatsalashvili | Foto: Anastasia Karlovich, offizielle Turnierseite

Sei dabei, wenn das Halbfinale ausgetragen wird. Hier auf chess24 findet am Dienstag ab 13:00Uhr MEZ die Übertragung statt. 

Du kannst dir die Partien auch über die kostenlosen Apps ansehen:

         

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