Berichte 10.09.2017 | 09:25von Colin McGourty

Weltcup in Tiflis, Runde 2 TB: Auch Shak scheitert

Die Nummer 6 der Welt Shakhriyar Mamedyarov verlor seinen Stichkampf gegen Yuriy Kuzubov und gehört damit wie Vishy Anand und Sergey Karjakin zu den Opfern der 2.Runde des FIDE Weltcup 2017 in Tiflis. Außerdem müssen Teimour Radjabov, Hou Yifan, Harikrishna, Dmitry Andreikin, Etienne Bacrot, Yu Yangyi, Boris Gelfand, Nikita Vitiugov und die Junioren Wei Yi, Jan-Krzysztof Duda und Sam Sevian die Heimreise antreten. Unter den letzten 32 stehen dennoch elf Spieler der Top 14, ein Favoritensieg ist also weiter wahrscheinlich.

Peter Svidler war an einer der interessantesten Partien des Tages beteiligt | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Alle Partien, die bisher in Tiflis gespielt wurden, könnt ihr nachspielen:

Sopiko Guramishvili hat auf Englisch das Geschehen der 2.Runde zusammengefasst!

Hier die Statistik der Stichkämpfe der 2.Runde, verlor der Favorit, ist er fett gedruckt: 

25-Minutenpartien – 14 Matches wurden entschieden, davon 7 mit Überraschungen

Drei Spieler gewannen 2:0: Navara (vs. Cheparinov), Najer (Vitiugov) und Kuzubov (Mamedyarov).

Die restlichen 11 Matches endeten 1,5:0,5: Bu Xiangzhi (Bacrot), Svidler (Erdos), Onischuk (Wojtaszek), Grischuk (Cori), Sethuraman (Harikrishna), Nepomniachtchi (Adhiban), Nakamura (Bruzon), Rapport (Wei Yi), Li Chao (Sevian), Wang Hao (Gelfand) und Ding Liren (Kravtsiv).

Boris Gelfand scheiterte an Wang Hao  | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

10-Minutenpartien – 6 Matches wurden entschieden, davon 1 mit einer Überraschung

Ein Überblick über die acht verbliebenen Matches!

Fünf Spieler qualifizierten sich hier mit zwei Siegen: Giri (vs. Motylev), Aronian (Hou Yifan), So (Bluebaum), Caruana (Lenic) und Jobava (Yu Yangyi)

Ivanchuk dagegen schlug Duda nach fünf Remis in der letzten 10-Minutenpartie.

5-Minutenpartien – 2 Matches wurden entschieden, davon 1 mit einer Überraschung

Zwei Wettkämofe wurden noch vor dem Armageddon entschieden, dabei besiegte Matlakov Landsmann Andreikin und Artemiev den Aseri Radjabov.


Schauen wir uns nun einige Höhepunkte an!

Bester Angriffszug

Viktor Erdös wusste nicht, wie ihm geschah! | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Viktor Erdös hat gerade 32…Dd7 gespielt und den Turm auf a4 und den Bauern auf h3 angegriffen, doch Svidler hatte eine starke Antwort parat…


33.e6!! mit Turmopfer war für eine Schnellpartie ein tolles Konzept, und danach ließ Weiß mit 33…Dxa4 34.e7 (der Computer empfiehlt 34.Sd6!!)  34…Dd7 (34…Dc6!) 35.De4! Kh8 36.exf8=Q+ nicht mehr locker. Es folgte ein Massaker, das nur deshalb noch einmal spannend wurde, weil Svidler seinen Bauern nicht regelgerecht in eine Dame umwandelte und sein Gegner 2 Minuten gutgeschrieben bekam.

Bester Verteidigungszug

Trotz des brillanten Zugs seines Gegners konnte sich Vassily Ivanchuk für das Match gegen Vladimir Kramnik qualifizieren | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite 

Nach Viktor Erdös, der sich in Runde 1 dank eines hübschen Patttricks gegen Bassem Amin durchsetzte, konnte nun auch der 19-jährige Pole Jan-Krzysztof Duda auf ähnlich hübsche Weise das Remis erzwingen. Gegen Vassily Ivanchuk gab es mehrere Remiswege, aber Dudas Schlussabwicklung war definitiv die schönste:

Auf 74.Dh1+!! folgte 74…Kd4 75.De4+!! nebst Patt

Bester Angriff

Baadur Jobavas Match gegen Yu Yangyi verlief mit vier Remis hintereinander zunächst sehr ruhig, doch dann kam Leben in die Bude. In der ersten 10-Minutenpartie goss die georgische Nummer 1 mächtig Öl ins Feuer:

Das schönste Matt

Yuriy Kuzubov beendete Shakhriyar Mamedyarovs Hoffnungen mit dem brutalen 63.e6+:


Shak hatte in seiner Lage vermutlich keinen Sinn für Ästhetik, aber 63…Ke8 64.Dxf8+ Kxf8 65.Td8# hätte ein hübsches Matt ergeben. Nikita Vitiugov ließ Evgeniy Najer sogar mattsetzen, aber der Preis geht an Ding Liren. 

Er überspielte Martyn Kravtsiv aus einer theoretischen Remisstellung heraus, ehe der Ukrainer in verlorener Stellung noch das trickreiche 110.Kb3! versuchte:  


Beim Internet-Blitz wäre das ein vielversprechender Zug gewesen, da die automatische Umwandlung in eine Dame mit 110…a1=D nach 111.Ta8+ wie alle anderen Züge nur zum Remis führen würde, doch einer gewann… 110…a1=S#! Die schöne Unterverwandlung führt zum Matt.  

Der unbegreiflichste Zug

Motylev machte gegen Giri einen äußerst mysteriösen Zug | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

In der zweiten 25-Minutenpartie zwischen Anish Giri und Alexander Motylev stand der Favorit nach drei Remis mit dem Rücken zur Wand. Motylev hat eine Qualität mehr, und Giri hatte gerade 34.f4 gespielt. Und was zog der russische GM?


Mit 34…Txb6?! gab er die Qualität zurück. Dafür bekam er mit Te6 und Txb6 einen Bauern, doch der weiße König wanderte währenddessen ins Zentrum und sicherte das Remis. In der nächsten Partie opferte Motylev erneut eine Qualität, und obwohl es dieses Mal vermutlich der beste Zug war, musste er die entscheidende Niederlage hinnehmen. 

Seltsamstes Déjà-vu – Sethuraman-Harikrishna

Sethuraman scheint Haris Angstgegner zu sein | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Beim Weltcup 2015 in Baku traf Harikrishna ebenfalls in Runde 2 auf seinen Landsmann Sethuraman und schied auf brutale Weise aus:


Zwei Jahre später schaffte es Hari immerhin ins Stechen, aber erneut behielt Sethuraman die Oberhand:


Bitterste Fehler

Etienne Bacrot und Bu Xiangzhi ermittelten den nächsten Gegner von Magnus Carlsen | Foto: Anastasia Karlovich, Offizieller Turnierseite

Natürlich passieren im Schnell- und Blitzschach mehr Fehler als sonst, doch meist hat man dann noch eine Partie, um die Scharte auszuwetzen. Etienne Bacrot jedoch vergab seine Chance, in der nächsten Runde gegen Magnus Carlsen anzutreten, in der zweiten 25-Minutenpartie auf dramatische Art:


Weiß muss nur noch die beiden schwarzen Bauern eliminieren, und am einfachsten geschah dies mit 65.Sf6 und der Drohung Sxg4. Stattdessen spielte der Franzose 65.Sg7? und nach 65…Ke4! 66.Sh5 (66.Sxf5  Sxf5 67.Kg5 Se3) 66…Kf3 67.Kf6 Se2! stand Bu Xiangzhi in der nächsten Runde.

Li Chao schaffte ebenfalls den Einzug in die nächste Runde | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Auch Sam Sevians Ende kam brutal in einer totalen Remisstellung. Er zog 68.Kc3??


und nach 68...Sd5+! 69.Kc4 (leider das einzige Feld!) 69...Sb6+ war er gegen Li Chao ausgeschieden, der nun in Runde 3 auf Richard Rapport trifft. Apropos…

Stichwort Endspielwissen

Richard Rapport zeigte gegen Wei Yi eine starke Endspielleistung:

59.g4! war der Zug der Züge mit einem berühmten Beispiel:


Die Datenbank wirft auch spiegelverkehrte Stellungen aus, daher tauchen Schwarzsiege auf. Die erste Partie mit dieser Stellung war Radev-Pribyl, die Mark Dvoretsky in seine Endspieluniversität aufnahm.

Werft einen Blick auf den Austragungsort! | Quelle: Google Books

Größte Überraschung: Mamedyarov vs. Kuzubov

Der UkrainerYuriy Kuzubov hat zurzeit einen Lauf und nähert sich den 2700, doch sein Sieg gegen Shakhriyar Mamedyarov war sicher die größte Überraschung der Stichkämpfe. Nach der unnötigen 130-Züge-Seeschlange vom Vortag folgte die erste 25-Minuten-Partie, in der Mamedyarov zunächst im Schwerfigurenendspiel einen Bauern mehr hatte, dann aber bei gleichem Material den Todesstoß versäumte:


Mamedyarov drohte mit 39.Tc5 Matt in einem Zug und spielte nach 39…Tb8 40.d5, doch obwohl es eine bessere Fortsetzung gab, ist es schwer begreiflich, dass er diese Stellung noch verlor. Mit dem geometrischen Motiv 39.Dc8+! Kh7 39.Da6! hätte er dagegen sofort gewinnen können. 

Unterhaltsamstes Match

Dafür gab es mehrere Kandidaten, etwa wegen der ersten Stichkampfpartie zwischen Adhiban und Nepomniachtchi

Adhiban stand auf Gewinn, dann auf Verlust und schließlich endete die Partie remis | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Bei Artemiev-Radjabov fanden fünf Partien in Folge einen Sieger, und Radjabov verlor trotz seines Ausscheidens nicht den Humor:

Der Preis geht aber an Matlakov-Andreikin, denn in diesem Match gab es gleich mehrere Merkwürdigkeiten zu bestaunen. Los ging es in der ersten Stichkampfpartie, in der Maxim Matlakov mit acht Minuten auf der Uhr in einer gewonnenen Stellung die Züge wiederholte:


Der Computer empfiehlt das einfache 23.Df4, wonach Schwarz kaum sinnvolle Züge bleiben.

Dmitry Andreikin gelangen in Tiflis mehrere spektakuläre Rettungen | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Die zweite Partie endete mit einem nachvollziehbaren Remis, ehe Matlakov seinen Gegner in der ersten 10-Minutenpartie mit Schwarz komplett auseinandernahm und wie der sichere Sieger des Matches aussah. In der zweiten 10-Minutenpartie war er dann aber ein wenig zu clever, als er den c-Bauern durchdrückte und dabei seinen König im Stich ließ: 

Richtig surreal wurde es dann im Blitz, als Andreikin diese Stellung mit zwei Mehrbauern verlor:


Eine letzte Wendung gab es aber noch. Mit Schwarz erreichte Andreikin in der zweiten Blitzpartie diese Stellung, die gewonnen aussieht:


Mit 27…dxe5! öffnet er die d-Linie und greift den Läufer auf d7 an. Mit 27…Lxe5? vergab er aber den Sieg, denn nach 28.Tf8+ Ka7 29.Lxg4 stand Matlakov auf Gewinn und beendete die Komödie der Irrungen. Er trifft nun auf Levon Aronian.

Und so sehen die Paarungen der 3.Runde aus:


Täglich ab 13 Uhr könnt ihr auf chess24 alle Partien live verfolgen! Das ist auch mit unserem kostenlosen Apps möglich:

         

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