Berichte 06.09.2017 | 15:29von Colin McGourty

Weltcup in Tiflis, Runde 1 TB: Favouriten triumphieren

Der größte Schock in den Tiebreaks der ersten Runde des Weltpokals war die Niederlage des an Rang 40 gesetzten David Howell gegen den 18 Jahre alten Aryan Tari. Auch Liviu-Dieter Nisipeanu und Bassem Amin unterlagen ihren vermeintlich schwächeren Gegnern. Von diesen Ausnahmen abgesehen, überzeugten die Favouriten dennoch und erreichten die zweite Runde. Wei Yi und Vladimir Fedoseev sind wieder in der Spur, nachdem sie in der ersten Partie ihrer Spielstärke nicht gerecht werden konnten. Große Namen wie Sergey Karjakin, Ian Nepomniachtchi und Dmitry Andreikin setzten sich durch und läuten damit großartige Begegnungen für die zweite Runde ein.

Karjakin zeigt dem 16-jährigen Smirnov warum er der Titelverteidiger ist. | Foto: Anastasia Karlovich, offizielle Webseite

In das Turnier um den FIDE Weltpokal 2017 stiegen 128 Teilnehmer ein. 64 von ihnen sind nun noch übrig und bestimmen das Geschehen auf den Brettern in Tiflis. In der aufgeführten Tabelle kannst du Resultate einsehen, auf Partien klicken, oder mit einer Bewegung des Mauszeigers über einen Namen das bisherige Abschneiden im Turnier nachvollziehen.

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Im Weltcup gibt es keine Ruhetage bis zum Achtelfinale. Stattdessen sind an jedem dritten Turniertag die Stichkämpfe. Das Zeitformat für die Tiebreaks ist immer das gleiche. Zunächst werden zwei 25-Minuten-Partien mit 10-sekündigem Inkrement pro Zug gespielt. Gibt es auch danach keine Sieger, werden zwei 10-Minuten-Partien mit ebenfalls 10 Sekunden Zeitaufschlag gespielt. Fällt weiterhin keine Entscheidung werden zwei 5-Minuten-Partien mit 3 Sekunden Inkrement gespielt. Zuletzt kommt es zu einer endgültigen Armageddon-Partie. Dabei hat Weiß 4 Minuten Bedenkzeit und Schwarz 5 Minuten. Weiß muss die Partie für sich entscheiden, weil auch bei einem Remis der Spieler, der die schwarzen Steine führt, die nächste Runde erreicht.

Gehen wir die Ereignisse von Dienstag phasenweise durch:

25-Minuten-Partien: Träume platzen

13 der 22 Paarungen waren nach den Schnellschachpartien beendet. Die Favouriten haben in jeder bis auf einer Begegnung gewonnen. Sie bestimmten die Partien und die Blickrichtung der Öffentlichkeit...

"Ich war den ganzen Tag davon begeistert."

Wei Yi gab gegen Bator Sambuev frühzeitig den Ton vor und brachte sich schon im zehnten Zug in vielversprechende Aussichten. 

Bator Sambuev überspielte Wei Yi an Tag 1, aber hatte danach nur noch Schwierigkeiten| Foto: Anastasia Karlovich, offzizielle Webseite

Diese Regel gilt fast immer: Denkt das chinesische Ausnahmetalent in einer scharfen Eröffnungsstellung länger nach, dann droht Gefahr! Er zog 10.Se4, woraufhin Bator Sambuev wohl einen der schlechtesten möglichen Züge ausführte - 10…Nd7?


Es ist nicht notwendig der Weltmeister zu sein, um die Drohung Sd6 zu ermitteln. Nur der Läufer auf b4 überdeckt das Feld und ebendieser kann mittels 11.Ld2! zum Abtausch gezwungen werden. Diese simple Idee führte zum Sieg. Bator begnügte sich mit 11…Lxd2 12.Sd6+ Kf8 13.Sexf7 Dc7 14.Dxd2. Seine letzten Hoffnungen schwanden nachdem der Springer auf h8 auftauchte. Wei Yi vollführte sadistische Manöver wie 30.Te7!


Wird der Turm geschlagen, folgt Ta8+ gefolgt von Matt. Ohne Atempause setzte Wei Yi seinen Vorteil um und hielt mit Leichtigkeit in der zweiten Partie seinen Sieg fest. In der zweiten Runde wird er es mit Richard Rapport zu tun bekommen - eine Begegnung, die viele Überraschungsmomente für uns bereithalten könnte. Der Kommentator Ivan Sokolov resümierte:

Welchen Eindruck macht Sambuev? Er wirkt wie ein Mann, der einen Weltkrieg überlebt hat.

Endstation für Yusnel Bacallao | Foto: Anastasia Karlovich, offizielle Webseite

Nach dem Unglücksfall an Tag 1 vollführte Vladimir Fedoseev ein noch mehr beeindruckendes Comeback gegen Yusnel Bacallao. Auch andere Ungetüme erwachten aus ihrem Schlaf. Murtas Kazhgaleyev remisierte erst gegen Vassily Ivanchuk, doch lässt sich hier verdeutlichen, dass der Angriff am Königsflügel mit den weißen Figuren hätte besser laufen können:


Wie weit kann Vassily Ivanchuk kommen? | Foto: Anastasia Karlovich, offizielle Webseite

Vassily gewann auftragsgemäß 2:0. Dieses Ergebnis erzielten auch Dmitry Andreikin gegen Aleksey Goganov und Yu Yangyi gegen den Iraner Amirreza Pourramezanali. Für eine Weile sah es so aus, als geriet der Titelverteidiger, Sergey Karjakin, gegen den jüngsten Teilnehmer im Turnier, Anton Smirnov, in ernsthafte Schwierigkeiten.

Ein Massaker auf dem Brett im Zeichen der Jugend? | Foto: Anastasia Karlovich, offizielle Webseite

In den klassichen Partien kam es zu keiner Entscheidung. Anton blitzte nun im Rapid ein Bauernopfer heraus, das Karjakin in langes Nachdenken fallen ließ. Mit 15 Minuten Rückstand auf der Uhr fand sich der Titelverteidiger schließlich mit einem zerrütteten Königsflügel wieder. In dieser Stellung wirkte es so, als spiele nur Schwarz auf Gewinn:


Von hier an zeigte Karjakin aber fast makelloses Schach, das er mit 25.d5 einleitete. Es gab schon bald darauf zu viele Probleme für seinen jungen Gegner.

"Der jüngste Teilnehmer, Anton Smirnov, muss sich gegen den Titelverteidiger geschlagen geben."

"Beeindruckende Spieltechnik von Karjakin, der Mann ist eine riesige Nuss, die kaum zu knacken ist."

In der Rückrunde wählte Anton dann eine Theorievariante, die schon im neunten Zug zum Damentausch führte. Nur eine sehr gut vorbereitete Neuerung, so kommentierte Sokolov, kann in einer solchen Stellung zu Chancen gegen einen Spieler wie Karjakin führen - "falsche Wahl gegen einen solchen Gegner". Anton bekam nicht nur keinen Vorteil, sondern ging schließlich sogar zu Boden.

Fier, Vallejo und Salgado | Foto: Anastasia Karlovich, offizielle Webseite

Noch weitere Begegnungen hielten spektakuläre Geschichten für uns bereit. Mickey Adams begab sich in gewohnte Gefielde und bekam plötzlich die Möglichkeit gegen Tsegmed Batchuluun eine Figur zu schlagen. Etienne Bacrot generierte seinen Vorteil gegen Alexandr Fier mit Schwarz im Endspiel aus dem Nichts heraus und Paco Vallejo errang einen entscheidenden Sieg gegen Murali Karthikeyan mit einer eleganten Spielweise:


30.a6!, sollte sich Schwarz bedienen, kann der Bauer nicht gestoppt werden.

Sam Sevian ist nun der Jüngeste im verbliebenen Teilnehmerfeld | Foto: Anastasia Karlovich, offizielle Webseite

Ein 16-jähriger hat sich in die zweite Runde durchgekämpft. Der US-Amerikaner Sam Sevian setzte seine ausgezeichnete Form mit einem überzeugenden Sieg gegen den 64 Punkte höher bewerteten Liviu-Dieter Nisipeanu fort. Der Junge verpasste diesmal seine Gewinnchance nicht und warf nach 27.g6! keinen Blick mehr zurück:


10-Minuten-Partien: Karma

Alle hatten ihren Spaß an diesem Tag! | Foto: Anastasia Karlovich, offizielle Webseite

8 der übrigen 9 Aufeinandertreffen kamen bis in die 10-minütige Tiebreaketappe. Es ging sehr kurios los. Der englische Großmeister Matthew Sadler fokussierte sich auf die Begegnung Howell-Tari. Er beobachtete das, was wohl die Aufmerksamkeit vieler auf sich zog.

"Aaagh sie haben angefangen!"
"Aaagh sie haben aufgehört!"

Um es milde auszudrücken, es war sehr eigenartig was sich dort ereignete:

"Was?? Howell macht nach 7 Zügen Remis? Das macht keinen Sinn!"

Was Howell da machte wirkte wohl ansteckend auf Daniel Fridman, der nach 16 Zügen gegen Daniil Dubov remisierte. Auch Mladen Palac und Ian Nepomniachtchi gaben sich nach 9 Zügen die Hand.


"Sollen wir gleich zum Armageddon übergehen? Das ist die einzige Sprache, die diese Kids verstehen."

Was auch immer da los war, die Begegnungen hatten allesamt etwas gemeinsam. Nach fünf Remisen kam es in der sechsten Partie zu einer Entscheidung. Alle, die vorher mit Weiß schnell die Punkte teilen wollten, zogen in der entscheiden Partie den Kürzeren. Das nennt man wohl Karma!

Der 18-jährige Aryan Tari hatte schon den Kopf in der zweiten 25-Minuten-Partie schon in der Schlinge. Danach aber gewann er die 10-Minuten-Partie mit Klasse: 


"Tari bekommt mit 11.b4!! gegen Howell einen klaren Vorteil in einer möglicherweise entscheidenden Partie!"

Schwarz hätte sich gerne mit en passant auf b3 bedient, doch wäre die Dame nach 12.axb3 nicht mehr zu retten gewesen. Mit sehr großen Problemen versuchte David Howell verrückte Ideen mit 11…Rd8 12.Qc2 g5!? auf das Brett zu bringen, doch brachte seine Spielweise bloß ein schnelles Ende hervor. but ultimately that just hastened the end. Tari bezwang einen 113 Punkte besser bewerteten Spieler und drängte sich so in das Licht der norwegischen Fangemeinde, die nun nicht nur auf Magnus Carlsen achten werden. Er behauptete sogar, Spaß dabei gehabt zu haben!

Es ist unglaublich, dass Tari in der zweiten Runde auf einen Spieler trefen wird, der ebenfalls einen stärkeren Gegner in Runde 1 gehabt hatte.


Sie haben beide die großartige Gelegenheit, die dritte Runde zu erreichen. Dort könnte ein großer Name auf sie warten - Maxime Vachier-Lagrave.

Das Muster, eine entschiedene Partie nach fünf Partien mit Punkteteilung zu spielen, ergab sich auch in der Paarung Ngoc Truong Son Nguyen-Adhiban. Der Inder beendete die Partie mit einer schönen Kombination und eliminierte den Vietnamesen, der sich mit den weißen Steinen geschlagen geben musste:


Adhiban stand mit Schwarz schon klar besser, doch beschwörte er mit seinen Folgezügen ein schnelles Ende herbei: 28…Sg4+ 29.Kf3 Td3+ 30.Kf4 f6! und Weiß gab auf, denn nach g5+ könnte das Matt nur noch unter Kosten eines Turms verhindert werden.

Ein Sieg reichte für Adhiban| Foto: Anastasia Karlovich, offizielle Webseite

Viktor Erdos aus Ungarn errang ebenfalls einen überzeugenden Sieg gegen den 80 Punkte höher bewerteten Bassem Amin. Die letzte Partie nahm dramatische Formen an:


Erdos benutzte in seiner Aufregung beide Hände als er mit 37…d1=D+ die Stellung vereinfachen konnte (laut Computer ist sogar 37…Ld6! besser). Es gab zwei Minuten Extrabedenkzeit für Bassem, aber das Remis war mit dem 60. Zug beschlossene Sache.

Erdos beendete Amins Turnier | Foto: Anastasia Karlovich, offizielle Webseite

Das muss eine bittere Pille gewesen sein, die Bassem Amin da schlucken musste. In ihrer zweiten klassischen Partie war er einen kleinen Zug von dem Erreichen der zweiten Runde entfernt. Er beging einen furchtbaren Fehler als er Pattidee übersah. Viktor hingegen musste sich die ganze Zeit dem Drang aufgeben zu wollen widersetzen. Nun trifft er in Runde 2 auf Peter Svidler.

Lenic-Fressinet ordnete sich auch beinahe in das Muster der fünf Remispartien auf die dann eine Entscheidungspartie folgt ein. Luka Lenic brachte aber eine kleine Überraschung hervor und gewann beide 10-Minuten-Partien. Besonders herausstechend war Anton Demchenko aus Russland gegen den Ukrainera Alexander Areshchenko. Alle Partien führten zu einem klaren Ergebnis:


Tatsächlich war Areshchenko auf dem Weg, die Partie für sich zu entscheiden. Nach einem kleinen Fehler sah Demchenko dann aber seine Chance.

Wer trifft als nächstes auf den russischen GM Anton Demchenko? Ex-Weltmeister Vladimir Kramnik! | Foto: Anastasia Karlovich, offizielle Webseite

Harikrishna hatte bekanntlich am ersten Tag in Tiflis eine Niederlage hinnehmen müssen. Auch in der zweiten Schnellschachpartie gegen Yuri Gonzalez konnte sein Turnier schnell ein Ende nehmen.

"Schlechte Neuigkeiten für Indien. Harikrishna ist kurz vor dem Ausscheiden gegen einen Kubaner."

…doch schaffte er es irgendwie dem Schicksal zu entfliehen.

5-Minuten-Partien - Jobava!

Die georgische Nummer 1 Baadur Jobava lenkte die Aufmerksamkeit seiner Fans bis in die letzte Partie des Tages. Es war die einzigen Partien, die im 5-Minuten-Modus ausgetragen wurden. Sein Gegner war Ivan Salgado:


Die Überraschung war sehr groß, denn nach der fünften Partie schien sich auch diese Begegnung entschieden zu haben.

Der letzte Mann der standhielt| Foto: Anastasia Karlovich, offizielle Webseite

Baadurs Spielanlage war sehr verwunderlich. Kommentator Ivan Sokolov meinte, er könnte vielleicht vergessen haben, dass er einen Punkt Vorsprung hat. Salgado bekam plötzlich die Möglichkeit die Chancenverteilung umzukehren:


30.Lxc6! bxc6 (Der Computer schlägt den wenig menschlichen Zug 30…De2 vor) 31.Da6+ Kc7 32.Da7+ Kd6? (32…Kc8! war notwendig, um um das Folgende zu verhindern) 33.Dxb6 Td7 (33…Ke7 34.Dc7+ und der h2-Turm fällt) 34.Db8+ Tc7 35.Txf7! und es muss noch eine weitere Entscheidungsrunde ausgetragen werden. Sokolov fasste sowohl witzig wie auch fies zusammen:

"Sokolov über Jobava: Er wollte eine Kaffeeschachpartie, er bekam eine Kaffeeschachpartie - er wurde geschlagen wie in einer Kaffeeschachpartie!"

In der ersten Blitzpartie verpatzte Jobava einen Bauern, doch war Salgado nicht fähig diesen Vorteil gewinnbringend zu nutzen. In der zweiten Partie war Salgado im Mittelspiel überfordert. Es war eine Erlösung für alle anwesenden und weltweiten Fans von Jobava, die ihn in Runde 2 gegen Yu Yangyi antreten sehen dürfen.

"Nur Jobava spielt nach einem langen Stichkampf die gefährlichsten Züge gegen dich und umarmt dich danach."

Bei unserem Wettkampf um die besten Vorhersagen liegt “Vai dar bom” vorne und ist der einzige mit 60 aus 64 richtig getippten Resultaten. Von nun an zählen die Punkte sogar doppelt, wenn eine Vorhersage stimmt.

Runde 2 geht am Mittwoch weiter. Die 64 übrig gebliebenen Spieler treffen in 64 faszinierenden Paarungen aufeinander. Zum Beispiel haben wir: Carlsen-Dreev, Ivanchuk-Duda, Aronian-Hou Yifan, Radjabov-Artemiev, So-Bluebaum, Vallejo-Tomashevsky, Nepomniachtchi-Adhiban, Yu Yangyi-Jobava, Wei Yi-Rapport und Gelfand-Wang Hao.

Verfolge das Turnier und wähle dabei zwischen 5 verschiedenen Streams in 4 Sprachen direkt hier auf chess24 um 15:00 MEZ! Auch auf unseren mobilen Apps kannst du den Weltcup mitbekommen:

         

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