Berichte 05.09.2017 | 10:51von Colin McGourty

Weltcup in Tiflis, Runde 1.2: Die Favoriten schlagen zurück

Wei Yi, Harikrishna und Vladimir Fedoseev zeigten am Montag allesamt, dass die Elozahlen nicht lügen, und erzwangen mit Weißsiegen ein Stechen um den Einzug in die 2.Runde des FIDE Weltcups 2017. 42 Spieler haben sich bereits qualifiziert, wobei einige Mitfavoriten wie Pavel Eljanov, der auch seine zweite Partie gegen Alex Lenderman verlor, und Ruslan Ponomariov, der am Inder Sethuraman scheiterte, die Heimreise antreten können. 15 der 32 Paarungen der 2.Runde stehen schon fest, darunter Aronian-Hou Yifan und Carlsen-Dreev.

Pavel Eljanov ist der bisher prominenteste Ausfall, er verlor 2:0 gegen Alex Lenderman | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Mit einem Mausklick auf die jeweilige Partie könnt ihr sämtliche Duelle des Weltcups mit Computeranalyse nachspielen:

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In dieser Phase des Weltcups geht es vor allem um Statistik, und nach zwei Turniertagen sind von den 128 Spielern noch 86 übrig. Schauen wir uns das Wichtigste vom bisherigen Verlauf an:

Niederlage + Sieg - 5 Comebacks!

Nur in fünf Duellen konnte der Verlierer die Niederlage in der ersten Partie wettmachen, darunter auch drei 2700er, die mit einem Weißsieg das Stechen erreichten. Harikrishna überspielte Yuri Gonzalez in einem Spanier, während Vladimir Fedoseev und Wei Yi mit Angriffssiegen Revanche übten.

Daniil Dubov und Vladimir Fedoseev stehen am Dienstag im Stechen - bisher ist noch keiner der 20 Russen ausgeschieden! | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Fedoseev brachte erst ein zeitweiliges Springeropfer auf d5, ehe er eine Qualität gab:


19.Txd5! Lh2+ 20.Kxh2 Dxd5 und nach 21.Sc4! Kb8 22.Lf4+! stand Yusnel Bacallao eine extrem schwierige Verteidigung bevor. Wenig später griff er fehl, und Fedoseev brachte die Partie fehlerlos zu Ende.

Wei Yi stand mit dem Rücken zur Wand, doch am Ende zahlte sich sein Mut aus | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Wei Yi – Sambuev war dagegen ein grandioses Duell. Zunächst machte Bator Sambuev in einem Franzosen alles richtig und hatte bei guter Zeit eine gute Stellung. Wei Yi jedoch warf seine gesamte Genialität in die Waagschale und konnte seinen Gegner letztlich überrennen.

"Wei Yi muss zocken, da sein Weiterkommen an einem seidenen Faden hängt."  

35.f4!? öffnete die Stellung weiter. 35…Dg6?! (35…Sxf4! lässt sich nicht widerlegen) brachte den notwendigen Hoffnungsschimmer für Wei Yi, und nach 36.f5! exf5 37.Sd1! stand das Brett in Flammen:


An dieser Stelle war 37…fxe4? der entscheidende Fehler (37…Sc3! war die einzige Chance), denn nach 38.Dxd5+! zeigte Wei Yi sein taktisches Vermögen und erlegte den schwarzen König.

Bator Sambuev hat noch eine Chance im Stechen | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Ebenfalls die Auftaktniederlage wettmachen konnte Anton Demchenko, der in einer extrem wechselvollen Partie Alexander Areshchenko niederrang. Der Sieger dieses Duells trifft auf Vladimir Kramnik. Auch Paco Vallejo muss gegen den indischen Meister Karthikeyan Murali ins Stechen, der in einem Sizilianer als Weißer eine Glanzpartie spielte.

Remis + Remis – 17 Matches

Ian Nepomniachtchi verschwendete keine Zeit, um das Stechen herbeizuführen| Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Die unspektakuläre Methode, das Stechen zu erreichen, sind natürlich zwei Remispartien. Dies kam 17 Mal vor, und darunter endeten einige Partien wie Palac-Nepomniachtchi (9 Züge), Bacrot-Fier (16 Züge), Ivanchuk-Kazhgaleyev (21), Andreikin-Goganov (19), Yu Yangyi-Purramezanali (23), Salgado-Jobava (24), Adams-Batchuluun (22) und Karjakin-Smirnov (21) sehr schnell – genau, ihr habt richtig gesehen, der jüngste Teilnehmer hat gegen den Vize-Weltmeister das Stechen erreicht. 

Anton Smirnov hat gegen den Titelverteidiger noch nicht verloren | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Doch nicht alle Remis waren blutleer. Bei Tari-Howell war David Howell einmal mehr in horrender Zeitnot, Evgeny Tomashevsky versuchte gegen den ehemaligen Junioren-Weltmeister Mikhail Antipov alles, und der deutsche Meister Liviu-Dieter Nisipeanu wandelte gegen den 16-jährigen Sam Sevian lange am Abgrund.

Sam Sevian hätte um ein Haar eine deutsche Hoffnung beseitigt | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Am dramatischsten ging es aber beim Ägypter Bassem Amin zu, der schon mit einem Bein in Runde 2 stand, wo er auf Peter Svidler treffen würde, ehe er auf einen altbekannten Trick hereinfiel, als er 67…a3?? spielte:


68.Txa3! schleuderte der Ungar Viktor Erdös aufs Brett. Nach drei Minuten schickte sich Bassem in die für ihn bittere Pointe der Abwicklung: 68…Th3+ 69.Ke4 Txa3 Patt! Hätte er die Partie gewonnen, hätte er als erster Afrikaner die 2700 überschritten.

Sieg + Sieg – 14 Matches

Oluwafemi Balogun zeigte gegen Magnus Carlsen erneut eine gute Leistung, aber letztlich überspielte der Weltmeister den Nigerianer abermals. 

Magnus Carlsen bekommt nun mit Aleksey Dreev einen Gegner, der aus härterem Holz geschnitzt ist Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Auch andere Top-Spieler wie Hikaru Nakamura, Levon Aronian, Fabiano Caruana, Alexander Grischuk, David Navara, Richard Rapport und Peter Svidler und zeigten ihre Klasse und zogen mit weißer Weste in Runde 2 ein. 

Gewinnt Wei Yi das Stechen, wartet auf ihn Richard Rapport in Runde 2! | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Die gesamte Live-Übertragung mit dem Kommentar von Jan Gustafsson könnt ihr euch hier noch einmal ansehen:


Die größte Überraschung der ersten beiden Tage war aber Aleksandr Lendermans 2:0 gegen Pavel Eljanov. Der Ukrainer hatte 2015 in Baku das Halbfinale erreicht und sich den Spitznamen “Elojanov” gesichert, als er praktisch jede Partie gewann. Dieses Mal lief alles ganz anders, und er schied nicht nur aus, sondern verlor obendrein 14,4 Elo-Punkte.

Aleksandr Lenderman machte in der zweiten Partie keinen Fehler | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Im Gewinnstreben opferte Eljanov in der zweiten Partie mit Schwarz zwei Bauern, doch hatte er dafür nie ausreichende Kompensation und verlor ziemlich chancenlos. Kommen wir von diesem Routinier zu einer Nachwuchshoffnung, die die magische Marke von 2700 überschritten hat - Vladislav Artemiev. Der 19-jährige Russe besiegte zweimal überzeugend Benjamin Bok und kann nun gegen Teimour Radjabov zeigen, ob er auch den nächsten Schritt geht.

Vladislav Artemiev hat sich beim Erreichen des 2700er-Clubs schick gemacht! | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Auch Jan-Krzysztof Duda aus Polen hat die 2700 überschritten und mit zwei Siegen gegen den Lokalmatador Levan Pantsulaia sicher die 2.Runde erreicht. Die zweite Partie endete mit einem hübschen Finale:


35.Lf6! und da der Läufer nicht geschlagen werden kann, gab Schwarz auf. 

JK Duda gehört zu den ganz großen Talenten | Foto: Anastasia Karlovich, Offiziellen Turnierseite

Sieg + Remis – 16 Matches

16 Spieler wählten die klassische K.O.-Taktik und sicherten sich nach einem Sieg in der ersten Partie mit einem Remis das Weiterkommen. In einigen Fällen opferten die Favoriten mit kurzzügigen Remis ein paar Elo-Punkte, wie etwa Radek Wojtaszek gegen El Debs oder Anish Giri gegen Nana Dzagnidze. 

Vladimir Kramnik hat noch mehrere Möglichkeiten, sich für das Kandidatenturnier zu qualifizieren | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Vladimir Kramnik versuchte mit einem Bauern weniger gegen Dai Changren abermals das Remis zu verhindern, aber dieses Mal blieb das Wunder aus und er verlor 4,1 Elo-Punkte.

Wesley So zog mit minimaler Kraftanstrengung in Runde 2 ein | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Wesley So überlegte immerhin zehn Minuten, ob er gegen Joshua Ruiz mehr als ein Remis anstreben sollte:


24.Txb7! Txb7 25.Lxd5! Tc7 26.Lxe6+ war nicht nur spielbar, sondern schlicht gut, aber letztlich ging So der scharfen Variante und dem damit verbundenen Risiko aus dem Weg und spielte 24.Tdc1 mit baldigem Remis.

"Gelfand: Man muss von Tag zu Tag denken."

Boris Gelfand vermied ein frühes Aus wie 2015, indem er gegen Kirill Stupak in einer Stellung remis machte, in der auch auf Gewinn spielen konnte.

Nicht jeder Außenseiter räumt aber ohne größeren Widerstand das Feld. Der 18-jährige IM Li Tian Yeoh aus Malaysia kämpfte gegen Vishy Anand verbissen um das Erreichen des Stechens. Einen solchen Zug muss man gegen den Ex-Weltmeister erst einmal ausführen:


53…Txh3! 54.Th1 (54.Kxh3 Th6+ 55.Kg2 Th2+ gewinnt den Springer auf c2) 54…Txh1 55.Txh1 und hier war das sofortige 55…Tb6! sehr stark, da 56.b4 von 56…axb4 57.axb4 Ta6! widerlegt wird, weil Weiß hilflos gegen die Fesselung ist. Durch Yeohs 55…Lxe5?! bekam Vishy das entscheidende Tempo, um mit dem König näher an den Springer heranzukommen. Vishy zog weiterhin schnell, und im 71.Zug musste sich Yeoh bei knapper Zeit ins Remis schicken.

Li TIan Yeoh gewann viele neue Fans, aber der Weltcup ist für ihn vorbei | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

In der letzten Partie des Tages versuchte der Brite Gawain Jones alles, um gegen den Peruaner Jorge Cori den Ausgleich zu erzielen. Es war nicht klar, ob seine Stellung zu gewinnen war, aber ein Fehler reichte, um alle Hoffnungen zunichte zu machen:


81.Tf8? wurde mit 81...Txc7! beantwortet, und die Chance war vertan.

Remis + Sieg – 12 Matches

In der unterhaltsamsten Partie des Tages bestrafte Caissa Muhammad Khusenkhojaev dafür, dass er gegen Maxime Vachier-Lagrave am Vortag mit Mehrbauer nicht auf Gewinn gespielt hatte.

Teimour Radjabov wurde am Vortag für sein schnelles Remis ebenfalls kritisiert, aber er erklärte dies damit, dass er in eine Variante geraten sei, in der Weiß nur mit genauem Spiel das Remis sichern kann. In der zweiten Partie lehnte er ein stilles Remisangebot seines Gegners Helgi Dam Ziska von den Färöer-Inseln ab und ließ in einer hübschen Angriffspartie ein schönes Matt folgen:


33.Txf1 Sxf1=S# wäre ein schönes Finale gewesen, aber Ziska zog die Aufgabe vor.

Teimour Radjabov zeigte eine Glanzpartie! | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

In den anderen Partien schlug Alexander Motylev den Juniorenweltmeister Jeffery Xiong, Le Quang Liem opferte seine Dame gegen zwei Leichtfiguren von Vitaly Kunin, Li Chao siegte dieses Mal im Damenendspiel gegen Leandro Krysa und Hou Yifan gelang gegen den polnischen Meister Kacper Piorun der entscheidende Durchbruch.   

Hou Yifan steht in der 2.Runde des Weltcups | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Ein Fehler mit 36…Sb4? (der Springer musste mit der Drohung Se2 nach c1 gehen) reichte:


37.g4! griff nicht nur den Turm an, sondern schnitt dem schwarzen König den Fluchtweg ab. Auf 37…Tf4 folgte 38.Lxg7+! und die Partie endete mit: 38…Kxg7 39.De5+ Tf6 40.Sd4 Dg6 41.g5 Lc5 42.Kh1 Schwarz gab auf.

"Ich habe es versucht, aber "Shit happens". Ich hoffe, die anderen polnischen Spieler schneiden besser ab; danke für die Unterstützung, jetzt muss ich mich erholen."

Die zweite große Überraschung nach dem Aus von Pavel Eljanov war die Niederlage von Ex-Weltmeister Ruslan Ponomariov, der eigentlich ein K.O.-Spezialist ist. Dieses Mal jedoch wurde er nach einem Remis in der ersten Partie vom Inder Sethuraman schon in der Eröffnung erwischt. Seine Stellung war recht früh hoffnungslos, und es ging eigentlich nur noch um die Frage, wann er aufgeben würde… So sah die Stellung nach 38…Txa2 aus:


39.De3! oder 39.Le4! wären entscheidend gewesen, doch nach Sethuramans 39.Sh6+ Txc2 ging die Partie weiter. Ruslan kämpfte erbittert weiter, doch am Ende reichte es nicht und er musste nach 58 Zügen aufgeben.

22 Plätze in der 2. Runde sind noch zu vergeben, doch diese 15 Matches stehen schon fest:

  • Carlsen-Dreev
  • Wojtaszek-Onischuk
  • Grischuk-Cori
  • Navara-Cheparinov
  • Giri-Motylev
  • Aronian-Hou Yifan
  • Radjabov-Artemiev
  • So-Blübaum
  • Nakamura-Bruzon
  • Anand-Kovalyov
  • Vitiugov-Najer
  • Mamedyarov-Kuzubov
  • Gelfand-Wang Hao
  • Ding Liren-Kravtsiv
  • Le Quang Liem-Vidit

Giri trifft in Runde 2 auf Alexander Motylev 

Bei unserem Tippspiel ist “Boor’s way” der Einzige, der 40 von 42 möglichen Punkten erreicht hat und nur bei Eljanov und Ponomariov falsch lag. Fast alle tippten, dass Hou Yifan in Runde 2 auf Levon Aronian treffen würde, aber nur 3 % glauben an einen Sieg der Weltmeisterin:


Zunächst finden aber noch die 22 Stichkämpfe statt, bei denen zunächst zwei Schnellpartien mit 25 Minuten plus 10 Sekunden Zeitgutschrift gespielt werden. Danach folgen zwei 10+10-Partien, dann zwei 5+3-Partien und schließlich das Armageddon. Weiß hat fünf Minuten und Schwarz vier Minuten, und bei einem Remis zieht Schwarz in die nächste Runde ein. 

Schafft Lokalmatador Baadur Jobava den Einzug in Runde 2? | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Schon heute geht es um 13 Uhr mit dem Live-Kommentar von Jan Gustafsson auf chess24 weiter!

Alle Partien könnt ihr auch mit unseren kostenlosen Apps verfolgen:

         

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