Berichte 16.09.2015 | 12:41von Colin McGourty

Weltcup in Baku, 2.2: Karjakin und Adams schlagen zurück

15 Spieler standen im Rückspiel der zweiten Runde beim FIDE-Weltcup 2015 in der Pflicht, ihre Partien zu gewinnen, aber nur drei Spieler schafften es - Mickey Adams, Sergey Karjakin und Yuri Vovk. Letzterer bewies, dass Wei Yi noch nicht unaufhaltbar ist. David Navara und Wang Hao sind die stärksten Spieler, die sich von ihrer Hinrunden-Niederlage nicht erholen konnten. Auch für Pentala Harikrishna ist das Turnier nach einer Niederlage im Duell mit seinem indischen Landsmann, S.P. Sethraman, vorbei. Zudem gibt es jede Menge ausstehende Entscheidungen und es erwarten uns heute nicht weniger als 15 Stichkämpfe!

Die Sinquefield Cup Ecke beim Weltcup in Baku- Caruana, MVL und Topalov zu Giri: "Was, du hast dich noch nicht für die dritte Runde qualifiziert?" | Foto: official website

Die Helden, die ein Comeback feiern konnte

Der Dienstag lieferte uns einen weiteren Beweis dafür, warum die Spieler so große Angst davor haben, nach der ersten ihrer beiden Partien in Rückstand zu geraten. Es gestaltet sich extrem schwierig, unbedingt gewinnen zu müssen, während der Gegner mit einem Remis vollauf zufrieden ist. Adams und Karjakin schafften es, ihre Klasse unter Beweis zu stellen und sich zurückzukämpfen. 

1. Adams 1-0 Laznicka

Jan Gustafsson nimmt den ansehnlichen Sieg des 43-jährigen Engländers gegen die tschechische Nummer 2 genauer unter die Lupe:

2. Karjakin 1-0 Onischuk

Obwohl es teilweise an der Eröffnungswahl lag, erntete Sergey Karjakin für seinen Comeback-Sieg von niemand anderem als dem Weltmeister höchstpersönlich großes Lob:

Magnus Carlsen: "Sergey Karjakin zeigt, wie man auf Abruf gewinnt!"

Sergey Karjakin: "Danke, Magnus! Ich habe deine Idee aus der Partie gegen Alekseev benutzt, war aber dennoch nicht ganz zufrieden mit meiner Stellung."

Die Partien mit einer Zugfolge, durch die die Berliner-Verteidigung umgegangen wird, waren - abgesehen davon, dass Alekseev 5...a6 anstatt des von Onischuk gespielten 5...0-0 wählte, bis zum 12. Zug identisch. In der Vorgängerpartie blieben die Damen auf dem Brett. Carlsen überzog seine Stellung und verlor sogar in 84 Zügen, wodurch er Alekseev erlaubte, das Turnier in Biel einen halben Punkt vor ihm zu gewinnen.

Ihr könnt die Niederlage von Carlsen in unserer Datenbank unter der Übertragung des Weltcups nachspielen

In Baku tauschte Onischuk die Damen und man kann sehen, warum Carlsen die entstandene Stellung sehr liegt. Die Stellung ist nicht zu wild und Segey konnte seine Arbeit in Ruhe verrichten, indem er seine bessere Bauernstruktur, die Kontrolle der zentralen Linien und die schwarze Schwäche auf c7 ausnutzte. Bevor Onischuk die Gefahr bemerkte, war der weiße a-Bauer bereits auf dem Weg zur Grundreihe und Schwarz konnte nichts Besseres finden, als seinen Läufer für eine neue weiße Dame herzugeben. Hat er von einem Turm gegen Turm + Läufer Endspiel geträumt? Wenn ja, musste er seine Träume schnell begraben, denn im 41. Zug fügte er sich in sein Schicksal und reichte Sergey die Hand. 

Onischuk kann noch immer für Furore sorgen, wenn er Karjakin im Stichkampf schlägt| Foto: official website

3. Yuri Vovk 1-0 Wei Yi

Gerade wenn man denkt, dass der 16-jährige Wei Yi dabei ist, die Welt zu erobern, zeigen sich einige Schwachstellen bei ihm. Dieses Mal war Wei Yis wunder Punkt nicht ganz unbekannt. Peter Svidler hatte das junge Talent diesen Sommer in China geschlagen und später zu Protokoll gegeben:

Er ist ganz offensichtlich ein extrem gewiefter taktischer Spieler. Die Tatsache, dass trockene, leicht schlechtere Endspiele ihn nicht so sehr interessieren, wie Stellungen, in denen er mattsetzen kann, sollte nicht gegen ihn verwendet werden.

Mehr von Peters Einschätzungen könnt ihr euch unten zu Gemüte führen:

In Baku lief es ähnlich und im 34. Zug wurde die folgende Stellung erreicht:


Obwohl Vovk mehr Raum, die bessere Königsstellung und Bauernschwächen des Gegners am Damenflügel, die er aufs Korn nehmen kann, hat, scheint es nach 34...Lc6 nicht leicht, Fortschritte zu machen. Stattdessen spielte Wei Yi das "aktive" 34...Ld7?! 35.Lxb7 Lxg4. Es stellte sich jedoch heraus, dass er Weiß damit einen Monster-Freibauern auf der b-Linie gegeben hat. Nachdem der Bauer bis nach b7 gerast war, war es Matt in 32 und Wei Yi gab zwei Züge später auf. 

Ein harter Tag für China - Wei Yi verlor und Lu Shanglei qualifizierte sich auf Kosten von Wang Hao | Foto: official website 

Diese Comebacks sind jedoch seltene Ausnahmen.

Tun was nötig ist… und nicht mehr

Während es lediglich drei Comeback Siege gab, gab es auch nur drei Spieler, die aufs Ganze gingen und beide ihre Partien gewannen. Julio Granda beendete eine märchenhafte Geschichte für Cristobal Henriquez, Wesley So konnte Casba Balogh niederringen und Pavel Eljanov setzte sich klar gegen den ehemaligen Junioren-Weltmeister Alexander Ipatov durch. Eljanov und So sind damit die einzigen beiden Spieler, die bisher ihre gesamten vier Partien im klassischen Schach für sich entscheiden konnten! 

Für Kramnik und Caruana lief es in Baku bisher wie am Schnürchen| Foto: official website

Es hätten mehr sein können, aber Kramnik (gegen Bruzon) und Wojtaszek (gegen Artemiev) entschieden sich dafür, lieber das sichere Ticket für die nächste Runde zu nehmen, anstatt in klar besseren Stellungen auf Gewinn zu spielen. Dadurch, dass die Topspieler links und rechts in strategische Remisen einwilligen, erleben wir in der Live-Ratingliste eine regelrechte Deflation!

Paco Vallejo: "Ich sehe mich schon bald in der Top 10 :)"

Die großen Spieler, die sich nicht mehr zurückkämpfen konnten, waren Wang Hao, der zumindest eine komplexe kämpferische Partie gegen Lu Shanglei spielte und David Navara, dessen Angriff ihn mit einer schlechteren Stellung zurückließ, die ihm keine andere Option einräumte, als einem Remis durch Zugwiederholung zuzustimmen. 

Eine indische Überraschung

In der zweiten Runde konnten fünf Spieler nach einem Remis in der ersten Partie im Rückspiel als Sieger vom Brett gehen. Maxime Vachier-Lagrave war in einem Endspiel gegen Gabriel Sargissian, das man auf den ersten Blick vielleicht fälschlicherweise als remislich einschätzen könnte, immer einen Schritt voraus und konnte letztlich den Sieg einfahren. Peter Leko gewann eine starke Partie gegen Wen Yang und Veselin Topalov dominierte gegen Sergei Zhigalko das gesamte Brett und gewann relativ mühelos: 


28.Txg5! war sicherlich nicht das Qualitätsopfer, das Topalov in seiner bisherigen Schachkarriere die größte Überwindung gekostet hat, da 28...Lxg5 Sxg5 sofort die Partie beendet. Stattdessen kämpfte Zhigalko weiter, aber Topalov bestand den Test im elementaren Turmendspiel und konnte den Sieg einfahren.

Veselin Topalov und Julio Granda werden jede Menge Erfahrung für die dritte Runde mitbringen | Foto: official website

Der Kampf der Underdogs, Mareco gegen Kovalyov, endete in einem Sieg für den Kanadier Kovalyov. Die Belohnung ist ein Match gegen Fabiano Caruana in der dritten Runde...und mindestens $16000, die ihm reichen sollten, die Kosten zu decken, um erneut seinen Flug umzubuchen!

Sethuraman knockte die Nummer 21 der Welt aus - Harikrishna | Foto: official website

Das Aufreger des Tages entstand jedoch im Kampf der beiden indischen Vertreter in Baku, Sethuraman and Harikrishna. Man fragt sich was mit der Berliner Mauer los ist? Harikrishna mit einem Rating von 2727 baute sich eine berüchtigte Festung gegen seinen Landsmann mit einer ELO von 2640. One Fehler (34...Kd7?) brachte diese jedoch ins Wanken und ein weiterer Fehler (37...Ke6??) zum Einsturz: 


Was könnte natürlicher sein als dieser Doppelangriff auf beide Springer, insbesondere wenn beide Spieler kaum Zeit auf der Uhr haben? Das Problem an der Idee ist jedoch, dass sie eine Springergabel auf d8 erlaubt, die auch aufs Brett kam: 38.g6! Sf6 39.Sxf6! gxf6 40.Sd8+ und Schwarz verlor eine Figur. Damit ist Sethuraman, der bei der Olympiade im letzten Jahr ungeschlagen mit einem Score von 7,5/10 für das indische Team beeindruckte, auf einem sehr guten Weg...

"An Harikrishna: Schade, dass du verloren hast, aber sieh es positiv! Wir haben einen neuen indischen Spieler in den Top 100."

…und wird gegen Mamedyarov oder Hou Yifan spielen.

Die Remis Abteilung

Svidler und Aronian machen einen Spaziergang - Levon ist der einzig verbliebene Armenier im Feld| Foto: official website 

Mamedyarov und Hou Yifan sind unter den 24 Spielern, die beide ihre klassischen Partien friedlich beendet haben. Damit haben wir morgen nicht weniger als 15 Stichkämpfe, auf die wir uns freuen können. Die Begegnung zwischen Mamedyarov und Hou Yifan bot immerhin einen scharfen Kampf und Mamedyarov kommentierte nach der Partie auf der Pressekonferenz: 

Wir hatten eine sehr interessante Stellung während der Partie. Ich dachte, dass meine Gegnerin auf Remis spielt, aber tatsächlich hat sie die Stellung verkompliziert. Danach wurde die Stellung sehr gefährlich und Hou Yifan hat sehr stark gespielt. Kurz vor dem Ende stellte ich fest, dass es vielleicht die ein oder andere Gewinnchance für mich gibt. Ich spielte daher sehr schnell und wollte einen Fehler von meiner Gegnerin provozieren, aber tatsächlich hatte ich keinen Vorteil und die Partie endete im Remis. 

Mamedyarov wurde gefragt, wie es ist, gegen eine Frau zu spielen:

Es kommt auf die Frau an. Meine Gegnerin ist Weltmeisterin und ich spiele gegen die stärkste Frau der Welt. Gegen eine solche Frau muss man vorsichtiger spielen als gegen Männer. 

Die Aufregung in den mit Spannung erwarteten Paarungen zwischen Nakamura und Shankland oder Svidler und Nisipeanu wurde aufs Schnellschach vertagt. Giri und Motylev steuerten ebenfalls schnell durch Remisen im 17. und 22. Zug auf die Stichkämpfe zu. 

Zumindest schlug das Hemd von Anish Giri durch! | Foto: official website

An den anderen Brettern gab es jedoch mehr zu sehen. Vladimir Fedoseev konnte seinen e-Bauern durch vier aufeinanderfolgende Schlagzüge bereits im 12. Zug in einen a-Bauern verwandeln:


Grischuk öffnete das Zentrum und die schwarze Stellung sah zwar sehr riskant aus, letztlich konnte Grischuk aber keine überzeugende Fortsetzung finden - vermutlich weil es in der Stellung einfach keine gab. Eine der letzten beendeten Partien hätte damit enden können, dass der Ägypter Bassem Amin den nominell deutlich stärkeren Dmitry Jakovenko schlägt. In einem Damenendspiel konnte dieser aber einem Dauerschach nicht ausweichen und die Partie endete ebenfalls friedlich. 

Nicht viel Zeit zum Ausruhen

17 Spieler sind damit ausgeschieden und nur 17 Spieler können den morgigen Tag genießen - oder zumindest mit der Vorbereitung beginnen - während die verbleibenden 30 Spieler in den Stichkämpfen antreten müssen. 

"Mein Ruhetag vor der dritten Runde wird durch das Schauen der Championsleague und der Stichkämpfe gestört."

Diese große Ungewissheit bedeutet auch, dass wir bisher erst fünf Paarungen der dritten Runde kennen. Eine davon ist die Wiederholung des Finales vom World Cup 2013:

  • Andreikin - Kramnik
  • Topalov - Lu Shanglei
  • Guseinov - Ding Liren
  • Caruana - Kovalyov
  • GrandaWojtaszek

Die dritte Runde beginnt am Donnerstag, aber schaltet auch morgen zu allen Stichkämpfen der zweiten Runde wieder ein auf chess24. Danach werden nur noch 32 Spieler im Wettbewerb vertreten sein...

Genießt jemand den World Cup so sehr wie Ngoc Truong Son Nguyen, der morgen im Stichkampf gegen Tomashevsky antritt? | Foto: official website

Alle Partien könnt ihr auch mit unseren kostenlosen Apps verfolgen:

         

Zum Weiterlesen:


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