Berichte 13.09.2015 | 13:32von Colin McGourty

Weltcup in Baku, 1.2: Statistiken

Aktuell dreht sich beim FIDE-Weltpokal alles um Statistiken. Nach dem zweiten Tag haben sich 40 Spieler für die zweite Runde qualifiziert, 40 Spieler sind ausgeschieden und die übrigen 48 Spieler kämpfen am Sonntag in 24 Stichkämpfen im Schnellschach ums Überleben. Die ganz große Überraschung blieb am Samstag allerdings aus. Mariya Muzychuk musste sich nach langem Kampf schließlich gegen Mickey Adams geschlagen geben und auch Arthur Ssegwanyi konnte gegen Giri im Rückspiel nicht standhalten. Es gab jedoch vier Spieler, die nach einer Niederlage im Hinspiel mit einem Sieg zurückschlugen, unter anderem Moiseenko, der Lu Shanglei mit einem brillanten Angriff erlegte (Jan Gustafsson hat die Partie für uns analysiert) und Leinier Dominguez, der denkbar knapp nach 119 Zügen als Sieger vom Brett ging. 

Gata Kamsky ist der vermutlich stärkste Spieler, der nach einer 0,5:1,5 Niederlage gegen Hrant Melkumyan bereits aus dem FIDE-Weltpokal 2015 ausgeschieden ist | Foto: official website

Mit der unten stehenden Anzeige könnt ihr alle Partien der ersten Runde nachspielen:

Wie bereits gesagt, geht es momentan voll und ganz um die Statistiken, denn das aus 128 Spielern bestehende Teilnehmerfeld muss bis zur zweiten Runde am Montag halbiert werden. Schauen wir uns die Resultate also einmal genauer an:

11 Wettkämpfe endeten 2-0

Fabiano Caruana, sein Manager Lawrence Trent und Mickey Adams - der Tag endete für alle drei Spieler gut, wenn auch nicht für Lawrences Mannschaft Chelsea...| Foto: official website

Die großen Jungs des Schachs ließen in der ersten Runde ihre Muskeln spielen. Topalov, Nakamura, Caruana, Aronian, Kramnik, So, Karjakin und Eljanov fügten ihren Gegnern verheerende Niederlagen zu. Hervorzuheben sind hier aber vor allem der Ägypter Amin und der Inder Sethraman, die ihre nominell stärkeren Gegner Saric und Sjugirov aus dem Sattel geschossen haben.

Deysi Cori spielte mutiges Schach gegen den ehemaligen Weltmeister Vladimir Kramnik, aber die Partien endeten sehr einseitig...

29 Wettkämpfe endeten 1.5-0.5

29 Spieler haben ihre Gegner professionell ausgeknockt und sind mit der kleinsten Gewinnmarge in die nächste Runde eingezogen. Hierunter fallen z.B. Svidler, Mamedyarov, Vachier-Lagrave, Invanchuk, Wei Yi und Artemiev. In manchen Matches schien es fast, als ob das Ergebnis beiden Spielern gut ins Konzept passt. Der erste Spieler, der sich für die zweite Runde qualifizieren konnte, war Ding Liren, dessen kanadischer Gegner Tomas Krnan die Partie um jeden Preis gewinnen musste, ihm aber nach 18 Zügen ein Remis nach Zugwiederholung erlaubte. 

Ding Liren konnte sich nicht beschweren| Foto: official website

Der IM mit einer ELO von 2436 bekam ein Remis gegen einen der zehn weltbesten Spieler. Ding Liren verlor 3,8 ELO-Punkte, konnte aber mit dem Luxus von eineinhalb Ruhetagen in die nächste Runde einziehen. Alle sind glücklich?

Zwei der Stars des ersten Tages unterlagen am zweiten Tag. Nach einem Remis nach 158 Zügen in der ersten Partie konnte Anish Giri gegen seinen Gegner aus Uganda, Arthur Ssegwanyi, in der zweiten Partie erneut eine klar überlegene Stellung erreichen, die er dieses Mal relativ mühelos für sich entschied. Oder wie er tweetete:

"Reibungslos."

Mariya Muzychuk erreichte im Hinspiel gegen Mikey Adams ohne größere Turbulenzen mit Schwarz ein Remis. Im Rückspiel zeigte der englische Großmeister jedoch sein ganzen Können. Stellungen mit ungleichfarbigen Läufern können remislich sein - aber mit Türmen und Freibauern auf dem Brett kann es auch schnell sehr trickreich werden!


44.Bc1!! hätte Adams einige Arbeit beschert, zu beweisen, dass er hier nicht schlechter steht. Nach 44.Rf4? Bc4+! stand Schwarz allerdings auf Gewinn und Adams erinnerte uns daran, wie er in einem der großen K.O.-Turniere bei der Weltmeisterschaft 2004 ins Finale einzogen ist - bevor er schließlich im Finale in Tripoli gegen Rustam Kasimdzhanov verlor. 

Das war eine Nummer zu groß für die Weltmeisterin der Frauen

Auch an den anderen Brettern gab es jedoch unerwartete Ergebnisse im Hinspiel. Gata Kamsly konnte gegen Armeniens Hrant Melkumyan kein großes Comeback feiern, während Ni Hua mit einer ELO von 2704 gegen den Meister der amerkanischen Kontinentalmeisterschaft, Sandro Mareco aus Argentinien, unter die Räder geriet. Auch für Igor Kovalenko mit einer ELO von 2699, den wir in unserem ersten Bericht bereits erwhnt haben, gab es keine Gnade. Er hatte die Kunst, bei Knockout-Turnieren mit einem Remis mit den schwarzen Steinen zu starten, nicht ganz verinnerlicht. Im Rückspiel mit Weiß geriet er von einer vielversprechenden Stellung in einer verlorene Stellung und wieder in eine bessere Stellung, bevor er nach 108 Zügen schließlich ins Remis einwilligen und damit den Wettbewerb verlassen musste. Zumindest hinerließ er uns einen netten Kommentar auf Twitter:

"Danke an alle, die an mich geglaubt haben!Ich habe schrecklich gespielt, aber ich weiß, dass ich noch schlechter spielen kann…Bis zum nächsten Wiedersehen. Morgen ist ein neuer Tag - neue Höhen."

20 Wettkämpfe stehen nach zwei Remisen unentschieden

Die Liste der Topspieler, die gegen ihre nominell schwächere Gegnerschaft keine Partie für sich entscheiden konnten und am Sonntag einen Stichkampf spielen müssen, ist mit Grischuk, Gelfand, Vitiugov, Fressinet, Nepomniachtchi, Jakovenko, Kasimdzhanov und Tomashevsky beeindruckend lang. 

Yusup Atabayev aus Turkmenistan darf gegen die Nummer 10 der Welt, Alexander Grischuk, im Stichkampf antreten | Foto: official website

Nennenswerte unentschiedene Wettkämpfe entstanden unter anderem zwischen Teimour Radjabov und dem 14-jährigen Wunderkind aus den USA, Sam Sevian und zwischen der in der Weltrangliste der Frauen auf Platz 1 liegenden Hou Yifan und dem Brasilianer Rafael Leitao. Beide Wettkämpfe boten jede Menge Spannung.

Hou Yifan wirkte nach ihrem extrem knappen Entkommen gegen Leitao verwirrt

Die Nummer 1 aus Aserbaidschan erwartet diese Paarung mit großer Spannung:

"Auf die Frage, ob er lieber gegen Leitao oder Hou spielen würde, antwortete Mamedyarov:"Ich würde gerne gegen den Verlierer spielen, aber das wird leider nichts!"

Vier Wettkämpfe stehen nach Comeback-Siegen unentschieden

Hier fand die wahre Action statt. Insbesondere die beiden Partien zwischen Moiseenko mit einer ELO von 2710 und Lu Shanglei mit einer ELO von 2599 boten ein wahres Spektakel. Der junge Chinese entschied die erste Partie für sich, sein erfahrener Gegner schlug aber im Rückspiel mit großartigem Angriffsschach zurück. Jan Gustafsson hat die Partie für uns analysiert:

An den anderen Brettern forcierte Maxim Matlakov (2689) mit einem Sieg gegen den Lokalhelden des vorigen Tages, Gadir Guseinov (2634), einen Stichkampf. Serbiens Milos Perunovic (2614) konnte überraschend das Rückspiel gegen den Chinesen Wang Hao (2712) für sich entscheiden und die Entscheidung ums Weiterkommen ebenfalls auf Sonntag vertagen. Die erstaunlichste Partie endete aber zum Schluss:

Die menschlichen und leblosen Houdinis wären beide stolz auf Dominguez gewesen | Foto: official website

Argentiniens Federico Perez Ponsa schlug am ersten Tag zur großen Überraschung den klaren Favoriten Leinier Dominguez und war unglaublich nah dran, das Ticket für die zweite Runde zu lösen: 


Die Züge 35…h5, 35…Re8 oder 35…Rc8 “hätten Perez einige Qualen erspart – hauptsächlich geht es darum, den Läufer nicht einzustellen” (GM Jan Gustafsson). Genau das tat Perez allerdings mit 35…Ke7, und nach 36.Ke1 wurde das Leben der Figur nach dem Schlagen auf g4 beendet. Das Endspiel mit drei schwarzen Bauern gegen einen weißen Bauern war jedoch immer noch extrem schwer zu gewinnen für Dominguez und im 112. oder 113. war das Remis für Perez greifbar nahe. Er fand allerdings nicht den richtigen Weg und in der Schlussstellung gab es keinen Weg mehr für ihn, das Matt auf h7 zu verhindern. 


Perez wird sich von diesem Rückschlag schnell erholen müssen, denn bereits am Sonntag stehen die Stichkämpfe der ersten Runde an. 

Für Aronian, der bisher einen sehr entspannten Eindruck in Baku macht, lief es bisher deutlich einfacher | Foto: official website

24 Wettkämpfe werden im Stichkampf entschieden

Die Partien starten am Sonntag zur gleichen Zeit und sie versprechen, spektakulär zu werden. In jedem Wettkampf muss in folgender Reihenfolge ein Sieger ermittelt werden:

  1. 2 Schnellschachpartien mit 25 Minuten + 10 Sekunden pro Zug für jeden Spieler und anschließend- sofern nötig-
  2. 2 Schnellschachpartien mit 10 Minuten + 10 Sekunden pro Zug für jeden Spieler und anschließend-sofern nötig-
  3. 2 Blitzpartien mit 5 + 3, und schließlich
  4. 1 Armageddon-Entscheidungspartie – Weiß hat fünf Minuten, Schwarz hat vier Minuten, aber ein Remis genügt dem Schwarzspieler zum Weiterkommen. Ab Zug 61 gibt es einen Zeitbonus von 3 Sekunden pro Zug.

12 Paarungen der zweiten Runde stehen schon fest

Wir können uns bereits auf folgende actiongeladene Paarungen in der zweiten Runde freuen:

  • Svidler – Nisipeanu
  • Aronian – Areshchenko
  • Harikrishna – Sethuram (ein Wettkampf zwischen zwei indischen Spielern)
  • Nakamura – Shankland (ein Wettkampf zwischen zwei Spielern der USA)
  • Wei Yi – Yuri Vovk
  • Leko – Wen Yang
  • Andreikin – Korobov
  • Caruana – Mamedov
  • Ivanchuk – Rodshtein
  • Eljanov – Ipatov
  • Adams – Laznicka
  • Wojtaszek – Artemiev

Verpasst auf keinen Fall unsere Live-Übertragung der Stichkämpfe der ersten Runde beim FIDE-Weltpokal um 12:00 Uhr am Sonntag.

Kann Sam Shankland den großen Nakamura aufhalten?| Foto: official website

Alle Partien könnt ihr auch mit unseren kostenlosen Apps verfolgen:

         

Zum Weiterlesen:


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