Berichte 10.03.2017 | 16:09von Colin McGourty

Wei Yi glänzt bei Chinas Sieg über Indien

China hat Indien mit 10:6 in einem Wettkampf über vier Runden geschlagen, der vom 5. bis 8. März 2017 im chinesischen Liaocheng ausgetragen wurde. Die indische Mannschaft hätte in der Schlussrunde mit 3,5:0,5 gewinnen müssen, um das Match zu retten, aber stattdessen gewann Wei Yi gegen Abhijeet Gupta und die Chinesen fuhren einen leichten Sieg ein. Dies war Wei Yis zweite gewonnene Partie, nachdem er in der Runde zuvor auch den gleichaltrigen 17-jährigen Indischen Meister Murali Karthikeyan geschlagen hatte.

Sethuraman hielt in Runde 1 nach 77 Zügen Remis gegen Wei Yi| Foto: cca.imsa.cn

Schach-Supermächte

Während Russland und China bereits zahllose „Freundschaftskämpfe“ gegeneinander ausgetragen haben, war dies erst das zweite „Gipfeltreffen“ zwischen China und Indien (das erste fand 2015 in Hyderabad statt, damals setzten sich die Chinesen mit 18:14 durch). Obwohl beide Teams nicht annähernd in stärkster Besetzung antraten, handelte es sich doch um eine der prestigeträchtigsten Begegnungen in der heutigen Schachwelt.

Die „Match-Torte“ | Foto: cca.imsa.cn

Was die Chinesen anbelangt, ist das natürlich nichts Neues: Sie sind sowohl amtierende Mannschaftsweltmeister in der offenen Klasse als auch Olympiasieger bei den Frauen, außerdem dominieren sie seit fast drei Jahrzehnten, wenn es um die Vergabe des weiblichen WM-Titels geht. Tan Zhongyis Triumph in Teheran und Ju Wenjuns Sieg bei der FIDE Grand Prix-Serie zeigen, dass dieser Titel auch in naher Zukunft im Lande verbleiben wird. Und das sogar, nachdem Hou Yifan ihr Interesse an diesem Wettbewerb verloren hat.

Tan Zhongyis triumphale Rückkehr nach China | Foto: cca.imsa.cn

Mit Wei Yi hat China schließlich einen realistischen Anwärter auf die allerhöchste Krone hervorgebracht – den Titel des Gesamt-Weltmeisters.

Indien natürlich hat diesen Anspruch vor einem Jahrzehnt erhoben, als das individuelle Genie von Vishy Anand ihn an die absolute Spitze geführt hat. Zunächst schien es, als wäre er ein Einzelphänomen, und Vishy musste sogar einige Kritik erdulden, er hätte sich als Champion nicht genug um die Förderung des Schachs gekümmert. Aber dann stellte sich heraus, dass es nur eine Frage der Zeit war! In dem Land mit 1,3 Mrd. Einwohnern kam es zu einer regelrechten „Schach-Explosion“. Gab es am Anfang von Vishys Karriere noch keinen einzigen Großmeister, so sind es deren mittlerweile 44:

Ein Wandel, ausgelöst vom „Lightning Kid“ 

Nach mit V. Anand nur einem Großmeister vor 30 Jahren hat es Indien weit gebracht: Jetzt gibt es 44 (2,6% aller GMs weltweit), nicht zu vergessen der 15-jährige Aryan Chopra, der im Laufe des Monats Nr. 45 wird. 


Hat mir viel Spaß gemacht. Der Anstieg von GM-Titeln in #India, seit @vishy64theking in den Jahren 1987/88 erster indischer GM wurde. 

Das übertrifft Chinas 39 Großmeister, aber am meisten beeindruckt vielleicht die Masse an Talenten: Indien hat jetzt mehr als doppelt so viele Titelträger wie China: 

 AverageGMsIMsTotal Titled
1Russia27452375272466
2United States of America270691143732
3China27013931147
4Ukraine268887200545
5India26744491309

Unter ihnen befindet sich der 11-jährige Praggnanandhaa, der realistische Chancen hat, jüngster Großmeister aller Zeiten zu werden.

China-Indien 10:6 oder: Die Geschichte zweier Wunderkinder

Die Spieler teilten sich bei der Eröffnungsfeier die Bühne mit Kindern  | Foto: cca.imsa.cn

Der zweite Wettkampf zwischen China und Indien fand im Donchangfu-Distrikt von Liaocheng statt, einer von zahlreichen chinesischen Städten mit 6 Millionen Einwohnern, von denen man noch nie gehört hat!

  • Das Arcadia International Hot Spring-Hotel in Liaocheng

Die beiden Vierer-Teams traten im Scheveninger System gegeneinander an, bei dem jedes Mitglied der einen gegen jedes Mitglied der gegnerischen Mannschaft jeweils eine Partie spielte. Hier kann man alle Partien mit Computer-Analyse nachspielen, indem man die Auswahl unten anklickt (wenn man mit dem Mauszeiger über den Namen verweilt, werden alle ihre Ergebnisse angezeigt).

Wie man sieht, setzten beide Teams auf eine Mischung aus Jugend und Erfahrung, aber die herausragenden Spieler waren die jüngsten Stars. Den 17-jährigen Wei Yi muss man nicht mehr vorstellen, aber Karthikeyan Murali ist ebenfalls noch 17 und darf sich bereits rühmen, sowohl zweifacher Indischer Meister zu sein als auch U12- und U16-Weltmeister. In der März-Rangliste der Junioren ist er bereits die Nr. 18, nur 10 Punkte hinter seinem ebenfalls 17-jährigen Kumpel Aravindh auf Rang 11.

Der amtierende Indische Meister Karthikeyan Murali | Foto: cca.imsa.cn

In der ersten Runde konnte Karthikeyan brillieren, wodurch Indien etwas überraschend mit 2,5:1,5 in Führung ging. Zhou Jianchaos 17.g4? war ein Fehler, der sofort bestraft wurde:


17...e4! Schlagen auf e4 führt zu schwarzem Vorteil. Wie auch 18.Lc2 Lxg4!, und Weiß konnte seine Stellung nicht zusammenhalten.

Dies war der Höhepunkt der Veranstaltung sowohl für Karthikeyan als auch für Indien, allerdings konnte China jede der noch verbleibenden drei Runden für sich entscheiden. Karthikeyan verlor gegen den 21-jährigen Lu Shanglei und machte dann den gleichen Fehler wie viele seiner älteren Kollegen in der Schachwelt... er spielte Sizilianisch gegen Wei Yi! Und der Chinese zog sein Ding durch: Mit den Bauernvorstößen 13.a3! und 14.e5! gestaltete er die Partie rasiermesserscharf:


Wei Yi ließ sich die Initiative nicht mehr nehmen und machte letztendlich mit 28.Sd8 den Sack zu: 


Schwarz hatte alles Menschenmögliche unternommen, um g7 mit Turm und Dame zu decken, aber jetzt würde 28...Tf6 natürlich das sofortige Matt erlauben. Karthikeyans 28...Tf8 war gleichbedeutend mit der Aufgabe, die auch bald erfolgte. 

Wei Yi wurde seinem ständig wachsenden Ruf gerecht | Foto: cca.imsa.cn

Wei Yi hatte es nicht immer leicht und musste mit einem Bauern weniger gegen Ganguly um sein Leben kämpfen, aber er blieb ungeschlagen und machte am Schlusstag alles klar für China. Da man nur noch eine schwere Niederlage vermeiden musste, entschieden sich die Chinesen für die professionelle Herangehensweise und spielten an drei Brettern auf Sicherheit, während sich die Partie Gupta – Wei Yi zum wilden und unterhaltsamen Schlagabtausch entwickelte. Wei Yi musste sich eines heftigen Angriffs erwehren, war aber bereit zuzuschlagen, als sich die Chance ergab:


Gupta konnte wahrscheinlich mit 45.Dh8+ Ewiges Schach erzwingen, aber stattdessen wurde 45.f6? mit dem kaltschnäuzigen 45...Db2! erwidert, was nach f2 mit Gewinn des Sf1 zielt. 46.Df5 Kd8 47.Td3 ermöglichte 47...Lg6! und die dicke Frau begann zu singen... 

"Game over" für Indien | Screenshot: chinachess.net

Das war eine schwierige Erfahrung für Gupta, der die dritte Niederlage in Folge kassierte, während Wei Yi durch diesen zweiten Sieg in Folge mit einem Live-Rating von 2729,3 auf Platz 25 der Weltrangliste kletterte. Lu Shanglei konnte ebenfalls zwei Siege für China verbuchen, lediglich Zhou Jianchao blieb nicht ohne Niederlage (sogar 2). Die beste Leistung für Indien erbrachte Sethuraman mit einem Sieg und drei Remis, aber er konnte nicht verhindern, dass China zu einem klaren 10:6 kam.

Es wird interessant zu beobachten, wie sich das Kräfteverhältnis in weiteren zwei Jahren verändern wird! Schon in etwas näherer Zukunft ist Wei Yi der Topgesetzte beim HDBank Masters das am 12. März beginnt und an dem auch seine Mannschaftskameraden teilnehmen werden.

See also:


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