Berichte 22.10.2019 | 22:55von Colin McGourty

Wang Hao räumt ab! 9 Lehren vom Grand Swiss

Der 30-jährige chinesische Großmeister Wang Hao ist der Überraschungssieger des FIDE Chess.com Grand Swiss 2019, nachdem er David Howell in der letzten Runde besiegen konnte, um die Trophäe dank des besseren Tiebreaks vor Fabiano Caruana zu gewinnen. Der wichtigere Preis war aber der Platz im Kandidatenturnier 2020, den er am Ende sogar mit einem Remis bekommen hätte. Magnus Carlsen musste sich nach einem spannenden Unentschieden gegen Levon Aronian mit dem geteilten dritten Platz begnügen, wobei er dennoch Ding Lirens Serie von 100 in Folge ungeschlagenen Partien übertrumpfte. Das kompensierte für Einiges: "Die Serie ist schön, meine Leistung jedoch war bestenfalls mittelmäßig!"

Obwohl das Feld so bärenstark war, gewann Wang Hao alles, was es zu gewinnen gab - und damit das Turnier auf der Isle of Man | Foto: John Saunders, Turnierseite

Alle Partien des Turniers kannst du hier nachspielen:

1. Wang Haos Sieg war absolut verdient

Den Sieg des an Nr. 15 gesetzten Wang Hao im Vorfeld vorherzusagen, war absolut unmöglich. Der chinesische Starspieler beschrieb seinen Sieg als "absolut unerwartet". Er gab preis, dass er nach dem Ausscheiden aus dem World Cup gegen Leinier Dominguez in Runde 3 fast nicht mehr auf der Isle of Man teilgenommen hätte:

Vor dem Turnier dachte ich daran, meine Teilnahme zurückzuziehen, weil ich extrem erschöpft vom World Cup war. Ich spielte ein sehr hartes Match gegen Dominguez und verlor dann im Blitz.

Es gab keine Anzeichen von Müdigkeit während des Turniers, als Wang Hao mit drei glänzenden Siegen begann, bevor er gegen Fabiano Caruana ein Remis holte. Er sollte dann zu einer herausragenden Leistung mit einer Performance von über 2900 ansetzen:


Trotz Carlsen, Caruana, Anand, Aronian, Vitiugov und einem zu diesem Zeitpunkt in Topform befindlichen Luke McShane hätte er vielleicht noch besser abschneiden können. Er hätte bei den Turmendspielen gegen Levon und Nikita leicht einen vollen Punkt mehr erzielen können, und obwohl er zwischendurch gegen Parham Maghsoodloo in Gefahr schwebte, hatte er die besten Chancen, diese Partie am Ende sogar auch noch zu gewinnen.

David Howell war nur einen Sieg davon entfernt, seine Karriere in ganz neue Bahnen zu katapultieren | Foto: John Saunders, Turnierseite

In die Letztrundenpartie gegen David Howell ging er mit den besten Tiebreaks aller Teilnehmer, nachdem er gegen den stärksten Gegnerschnitt aller 154 Spieler angetreten war. Daher sollte ein Remis mit den weißen Steinen reichen, um sich für das Kandidatenturnier zu qualifizieren. Er hatte sogar den Luxus, die Dinge auf die leichte Schulter zu nehmen:

Heute dachte ich, ich sollte solide spielen und nicht verlieren. Das war das Wichtigste.

Auch wenn die Eröffnung nicht nach Plan lief, blieb er ruhig, bis sich David dann selbst in die Luft jagte. 18…Ld5?! (18...Le6!) war waghalsiges Pokern...


...doch nach 19.Td1 Lxb7 20.Txd8 Txd8 mag Schwarz vielleicht genug Kompensation haben, um mit einem Remis davonzukommen, aber diese Abwicklung war als Versuch, die Partie zu gewinnen, absolut verrückt. Wang Hao fasste das so zusammen:

Es ist nicht gut, in der letzten Runde zu ehrgeizig zu sein, denn natürlich hatte er Schwarz und er hat mich in keiner Art von Turnier bisher besiegt.... Es gab keinen Grund, so zu spielen. Es gab keinen Grund, sich unnötig in Gefahr zu bringen.

Der Grund mag vielleicht darin liegen, dass es schwer ist, einen Kindheitstraum aufzugeben - auch wenn das den englischen Großmeister wohl gut 20.000 Dollar an verlorenem Preisgeld gekostet hat:

Danke an alle für ihre Unterstützung in den letzten 24 Stunden. Ein Sieg in der letzten Runde hätte mein Leben verändert, aber es sollte nicht sein. Wie gewöhnlich scheiterte ich an meinen Nerven. Glückwünsche an Wang Hao zur Qualifikation für das Kandidatenturnier. Er hat es absolut verdient.

Der letzte Fehler war 24...Td1+?, aber wenn man mit weniger als 1 Minute auf der Uhr spielen muss und merkt, dass man einen so hässlichen Zug wie 24...Lc8! spielen muss, ist es nicht einfach. Nach 25.Kf2 gab es kein sicheres Feld für den schwarzen Läufer, also entschied sich David für 25...Lh1 und stellte eine der bizarrsten Läuferaufstellungen aufs Brett, die man vermutlich je gesehen hat!


Einfach 26.Ke2 Td5 (oder jedes andere Feld) 27.Db1 würde einen der Läufer gewinnen, aber Wang Hao entschied sich dafür, sofort aufs Ganze zu gehen mit 26.De8+ Kg7 27.Lc5. Die restlichen Züge waren mehr darauf ausgerichtet, dass David sich mit der Niederlage abfinden konnte und hatten nicht mehr so viel mit Schach zu tun.

Der Moment, als Wang Hao das Grand Swiss gewann und sich für das Kandidatenturnier 2020 qualifizierte | Foto: John Saunders, Turnierseite

Für Wang Hao bedeutete das, dass er dank besserer Tiebreaks vor Fabiano Caruana gelandet war und damit die Trophäe gewann. Das war so ein Fall, bei dem man gerne ein Stechen gesehen hätte - aber die Tiebreaks waren einfach zu eindeutig. Wang Hao hatte eine stärkere Gegnerschaft und war sowohl von der Performance (2900 zu Fabis nicht allzu schäbigen 2888) as auch von der Qualität der Partien besser. Fabi fand sein Turnier insgesamt "sehr gut", räumte aber ein, dass viele der Partien "irgendwie Auf und Abs" hatten und dass er nur einen Schritt von der Niederlage gegen Luke McShane entfernt war.

Auf jeden Fall wurde das Geld zu gleichen Teilen für alle Punktgleichen auf der Isle of Man geteilt, sodass Wang Hao und Caruana beide 60.000 Dollar mit nach Hause nehmen (die Hälfte der 70.000 Dollar für den ersten und 50.000 Dollar für den zweiten Platz).

2. Wang Hao und Rajdabov zeigen, dass Klasse eine Konstante ist

Wang Haos Sieg war ein weiterer Fall von einem fast vergessenen Schachspieler, der plötzlich wieder auftauchte, um einen Platz in dem wichtigsten Turnier im Schach einzunehmen. Teimour Radjabov, ein Wunderkind, dessen höchste Elo aus dem November 2012 stammt, war kaum der Favorit von jemandem, sich für das Kandidantenturnier zu qualifizieren. Doch er schaffte es. Jetzt hat Wang Hao das Gleiche getan. Der chinesische Großmeister ist erst 30 Jahre alt, aber seine höchste Elo erreichte er im Januar 2013, als er 23 Jahre alt war (2752, Nummer 14 der WElt und komfortabel die chinesische Nummer Nr. 1). Er war ein regelmäßiger Gast bei Superturnieren, gewann Biel Chess 2012 vor Carlsen, Giri und Nakamura und beendete das erste Norway Chess 2013 mit 50%, nachdem er Carlsen (mit Schwarz) und Anand in den letzten beiden Runden besiegt hatte.

Danach verschwand er jedoch fast von der Bildfläche, so wie es noch junge chinesische Spieler gerne tun (oder zumindest taten). Das ist oft der Fall, da sie in jungen Jahren bereits Trainer werden. So enthüllte Wang Hao, dass er derzeit 7-8 Schüler hat und dass seine Arbeit am Schach hauptsächlich dazu dient, ihnen zu helfen. Er fiel aus der absoluten Weltspitze heraus und war im Januar 2017 mit Elo 2670 nur noch die Nummer 75 der Welt und Chinas Nr. 8. Seitdem erlebt er jedoch ein Comeback, und nachdem er ein Spezialist für offene Turniere geworden war, hatte er vielleicht die besten Voraussetzungen für das Turnier  auf der Isle of Man.

Wang Hao besiegte Vidit auf seinem Weg zum Sieg bei den Asiatischen Meisterschaften 2017 | Foto: Lennart Ootes

Wang Haos Leistung bringt ihn zurück auf Elo 2752 auf der Live-Ratingliste, womit er derzeit die Nr. 17 der Welt ist (und effektiv die Nr. 16, da Kramnik seine Karriere beendete). Natürlich katapultiert ihn der Sieg auch ins Kandidatenturnier. Nun kennen wir daher 4 der 8 Spieler, die gegen Magnus antreten wollen:

  1. Fabiano Caruana (als letzter Herausforderer)
  2. Teimour Radjabov  (Gewinner des World Cups)
  3. Ding Liren (Zweiter des World Cups)
  4. Wang Hao (Grand Swiss Sieger)

Anish Giri hat den Platz als Führender des Elo-Platzes nahezu sicher und zwei Spieler werden noch über den Grand Prix gesucht. Hinzu kommt ein Inhaber einer Wild Card. Wie wird sich Wang Hao auf das Turnier vorbereiten?

Mein Problem ist jetzt wohl, dass ich kein Team habe und ich versuchen muss, Freunde zu überreden und ein Team zu bilden, um besser abzuschneiden.

Es wird interessant sein, wie vorbereitet und motiviert Radjabov und Wang Hao sein werden, sich für ein Match gegen den Weltmeister zu qualifizieren. Würde es einer von ihnen schaffen, hätten sie eine lange Reise hinter sich!

3. Sich zu qualifizieren ist hart, aber Magnus & Fabi machten es noch härter

Wesley So und Vishy Anand werden wir wohl nicht beim nächsten Kandidatenturnier sehen | Foto: John Saunders, Turnierseite

Ein Turnier im Schweizer System hat typischerweise einen sehr glücklichen Sieger und zudem viele glückliche Leute, die sich freuen, in der Nähe des Siegers das Turnier beendet zu haben. Aber dieses Jahr war alles anders bei der Isle auf Man, denn viele Spieler kämpften um einen Platz im Kandidatenturnier und bleiben traurig auf der Strecke zurück. Wir sahen bereits David Howells Selbstzerstörung, der eine Chance hatte, die ihm niemand vor dem Turnier zugetraut hätte. Noch härter muss es aber für die absoluten Topspieler gewesen sein, die es praktisch als ihr Geburtsrecht sehen, am Kandidantenturnier teilzunehmen. So wie Vishy Anand, Sergey Karjakin, Wesley So, Hikaru Nakamura und Levon Aronian - keiner von ihnen wird am Kandidatenturnier 2020 teilnehmen. Ihre nächste Chance auf den Weltmeistertitel wird erst 2022 kommen.

Manch einer wurde da philosophisch...

Naja, zumindest habe ich es versucht!

Naja, zumindest habe ich es gegen Russisch versucht!

...doch vor allem bei Levon Aronian war es klar, wie viel ihm das bedeutete. All seine typische Überschwänglichkeit war verloren, als er zu Protokoll gab:

Ich musste gewinnen und habe es nicht geschafft.

Es war so hart wie nie zuvor für Nakamura und Aronian, in die letzte Runde zu gehen und die Nr. 1 bzw. 2 der Welt schlagen zu müssen. Vielleicht wird daher demnächst überdacht, ob bereits qualifizierte Spieler teilnehmen dürfen. Das Gefühl der Ungerechtigkeit wurde jedoch gedämpft, da Wang Hao auf dem Weg zum Sieg gegen die beiden "Big Bosses" spielte.  

Aronian war zum Kampf bereit und bekam auch einen... aber erreichte nicht das erwünschte Resultat | Foto: John Saunders, Turnierseite

Während Nakamura-Caruana nie wirklich spannend wurde und nach 31 Zügen mit Remis endete, konnte man Levon nun wirklich nicht für fehlenden Kampfeswillen kritisieren. Er folgte Vladimir Fedoseev zuvor im Turnier und spielte das aggressive 4.f3 gegen Nimzoindisch - eine Variante, die Sopiko Guramishvili in ihrer Videoserie auf chess24 empfiehlt. Magnus verbesserte Radek Wojtaszeks Spiel 11...a5 mit 11...Sfd7 und nach 12...f5 und 15...Dh4!? stand das Brett in Flammen:


Beide Spieler standen hier auf eigenen Füßen und gaben zu, dass sie den Computervorschlag 16.Ld3! nicht auf der Rechnung hatten. Weiß will "per Hand" mit Te1 und Kg1 rochieren. Natürlich würde ...Txd5 in Lxh7+ rennen, was den Turm gewinnt. Selbst Sesse gibt Weiß hier bereits einen Vorteil von einem Bauern. Von daher ist nicht klar, wie die Partie ausgegangen wäre und ob das den Ausgang beeinflusst hätte. Der entscheidende Moment kam wenig später nach, als Magnus sich einen Bauern schnappte mit 18…Sxd5!


Levon gestand, dass er gedacht hatte, dies sei "unmöglich", aber es ist so, dass 19.f4? auf 19...Sf6! trifft und 20...Se4+ droht. Aronian meinte dazu: "Das beendet die Partie auf der Stelle". Stattdessen spielte er den wunderschönen  Turmzug 19.Tc4, aber er nannte ihn "einen Zug, nur um zu versuchen, ein Remis zu erreichen". In den folgenden Zügen gab Magnus seinen Mehrbauern zurück, um ein Remis zu erzwingen, nachdem die Partie definitiv zu den besseren Unentschieden des Turniers gehörte.

Der Kassenschlager Aronian vs. Carlsen endet friedlich nach 25...c4!? 26.Sf5 cxb3 und der Hobbyhypnotiseur im Hintergrund hat damit nichts zu tun.

Das war einer der wenigen kleinen Trostpreise für Levon.:

Dieses Jahr habe ich so schrecklich gespielt, von daher ist es eine Erleichterung, überhaupt ein paar Punkte geholt zu haben. Aber offensichtlich scheiterte ich knapp. 

Seiner Meinung nach hat er es mit der Partie gegen David Anton weggeworfen.

4. Carlsens “magische” Serie bekommt das Prädikat "mittelmäßig"

Magnus fand, das Aufstellen einer Serie von 101 ungeschlagenen Partien in Folge ist ein ganz gutes Ergebnis | Foto: John Saunders, Turnierseite

Magnus wusste ja, dass er das Turnier nur gewinnen kann, wenn Caruana gleichzeitig gegen Nakamura verlieren würde. Von daher entschied er, einfach Spaß zu haben. Und das half vielleicht auch dabei, Ding Lirens Serie von 100 ungeschlagenen Partien in Folge zu brechen. Im Anschluss wurde er zu seinen Gedanken zum Anrecht von Sergei Tiviakov und Bogdan Lalic auf längere Serien von ungeschlagenen Partien in Folge (110) befragt:

Sicherlich werde ich kein Urteil darüber fällen, ob ihre Serien gleichwertig sind, denn ich bin nicht qualifiziert dafür und natürlich auch stark voreingenommen! Ich habe das Gefühl, dass 100 eine Art magische Zahl ist - hätte nie gedacht, dass ich es schaffen würde! Ich hatte sicher etwas Glück, auch in diesem Turnier, aber jetzt, da ich in letzter Zeit nicht so gut gespielt habe, ist das zumindest ein echter Grund, glücklich zu sein.

Tiviakov gab jedoch nicht nach!

Tiviakov sagt der norwegischen Zeitung Aftenposten, dass er sich selbst als Rekordhalter mit 110 Partien in Folge ohne Niederlage sieht. "Echte Schachspieler wissen, dass ich den Rekord halte"

Carlsens Serie kam gegen Spieler, die im Durchschnitt über 2750 Elo hatten, aber wenn er das Gerede über die Serien der Anderen beenden will, gibt es nur eine Möglichkeit dazu - verliere kein klassische Partie im Dezember beim Grand Chess Tour Finale in London und bleibe dann zu Beginn des Tata Steel Masters im Januar nächsten Jahres ungeschlagen!

Magnus, der gegen Jurij Kuzubov in großer Gefahr war und gegen Vladislav Kovalev auf glatt verlorenem Posten stand, fasste zusammen, wie er seinen +4-Score auf der Isle of Man erreicht hatte: "Die Serie ist hübsch, die Leistung war bestenfalls mittelmäßig."

5. Antón und Alekseenko bekamen eine Chance zu glänzen

David Antón blieb bis zum Ende konzentriert und wurde dafür belohnt | Foto: John Saunders, Turnierseite

Ein vernichtender Sieg über Alexander Grischuk war einer der Höhepunkte in der Karriere des 24-jährigen Spaniers David Antón, und er ging in die vorletzte Runde gegen Fabiano Caruana mit einer echten Chance, sich für die Kandidatenturnier zu qualifizieren. Das wäre eine atemberaubende Entwicklung gewesen, aber fast ebenso beeindruckend war, wie David die Niederlage gegen Fabi ertrug und in der letzten Runde zurückschlagen konnte. Ein komplexer Endspielsieg über Robert Hovhannisyan brachte David auf den geteilten dritten Platz und brachte ihm 27.667 Dollar ein - und tatsächlich, genau wie in Gibraltar in diesem Jahr, belegte er den fünften Platz und lag damit einen Platz vor einem gewissen Magnus Carlsen!

Rk.SNo NameFEDRtgPts. TB1  TB2  TB3 
115GMWang HaoCHN27268,0273567,573,0
22GMCaruana FabianoUSA28128,0272069,575,0
338GMAlekseenko KirillRUS26747,5271664,569,5
48GMAronian LevonARM27587,5270870,575,5
539GMAnton Guijarro DavidESP26747,5270266,570,5
61GMCarlsen MagnusNOR28767,5269867,573,0
712GMNakamura HikaruUSA27457,5267462,067,0
813GMVitiugov NikitaRUS27327,5266365,070,0
97GMGrischuk AlexanderRUS27597,0268266,572,0
10110GMParavyan DavidRUS26027,0267560,064,5
1124GMHowell David W LENG26947,0265760,065,0
1217GMVidit Santosh GujrathiIND27187,0264460,065,0
1319GMLe Quang LiemVIE27087,0263158,563,0

Es gab allen Grund zu feiern!

David geht schnurstracks auf die 2700 zu, aber Kirill Alekseenkos Leistung beim World Cup und auf der Isle auf Man hat ihn nicht nur in den Klub der 2700er katapultiert. Er übertraf bei Weitem alle Erwartungen und steht bei einer Live-Elo von 2714,8, womit er über 40 Punkte hinzugewinnt.

Kirill Alekseenko hat in den letzten paar Monaten alles erreicht | Foto: John Saunders, Turnierseite

In beiden Turnieren wurde er in 19 klassischen Partien nicht geschlagen, unter anderen nicht vom Größen wie Grischuk, Carlsen, So und Anand. Zudem beendete er die Hoffnungen Karjakins aufs Kandidatenturnier. In der Finalrunde traf er mit Nikita Vitiugov auf einen anderen Russen, der seit ein paar Monaten einen guten Lauf hat und erreichte beinah einen Sieg, der ihn auf den zweiten Platz im Turnier gebracht hätte. Der Sieg für Wang Hao beendete die Chance auf einen automatischen Platz im Kandidatenturnier, aber das Remis reichte für einen dritten Platz, sodass Kirill für eine Wildcard berechtigt ist. 

Kirill komplettiert neben Wang Hao und Fabiano Caruana das Podium | Foto: John Saunders, Turnierseite

Da das Turnier in Jekaterinenburg stattfindet, hat der junge Russe damit gute Chancen auf die Wildcard. Sein älterer Kollege aus der gleichen Stadt schrieb auf Twitter:

Ich habe alles versucht, was ging. Es gab Aufs und Abs, es war ein nervenaufreibender Kampf, aber am Ende fehlte mir schachliche Qualität. Trotz allem war es eine tolle Erfahrung für mich. Glückwünsche an den verdienten Sieger Wang Hao und den jungen Padawan Kirill Alekseenko!

Weitere junge Spieler, die beeindruckten, waren der 19-jährige Junioren-Weltmeister Parham Maghsoodloo und der 25-jährige Vladislav Kovalev, die vor der vorletzten Runde noch um einen Platz im Kandidatenturnier kämpften, obwohl sich Kovalev vielleicht am ehesten an seinen verpassten Sieg gegen Magnus erinnert. Der 21-jährige Russe David Paravyan schlich sich auf den 10. Platz und gewann 9.600 Dollar.

6. Anish Giris Geist war auf der Isle of Man allgegenwärtig

Anish Giri nahm leider nicht am Grand Swiss teil, aber sein holländischer Kollege Jorden van Foreest sprang für ihn ein und produzierte 11 Remis:

Viktor Erdos holte ebenfalls 11 von 11 möglichen Remis, aber es scheint, dass er weniger "Freunde" oder Verwandte hat die ihn aufziehen können! | Foto: John Saunders, Turnierseite

7. Das Grand Swiss war aufgrund einer mörderischen Bedenkzeit zermürbend

Die Grand Chess Tour wurde zuletzt dafür kritisiert, nur einen Ruhetag zu haben, obwohl 11 Runden klassisches Schach gespielt werden. Aber beim Grand Swiss wurde das Gleiche getan. Normalerweise würden bei Open-Turnieren die Aussage gelten, dass gerade zu Beginn die Partien leichter sind, da die Gegner schwächer sind. Aber wie wir bereits sahen, war das Turnier für keinen ein Spaziergang. Und dann gab es noch die Zeitkontrolle...

Während bei der Grand Chess Tour die Partien in der Regel nach 4-5 Stunden vorbei sind, ist die Zeitkontrolle auf der Isle of Man eine der längsten gewesen, die derzeit im Schach noch gespielt wird. Daher dauerten manche Partien zwischen 7 und 8 Stunden, was die Ausdauer von Kommentatoren und Zuschauern überforderte. Nicht zu vergessen, auch die mancher Spieler.

Vladislav Artemiev war für viele ein Geheimfavorit, aber er kam nie richtig in Tritt, holte 50% und verlor 17 Elo | Foto: John Saunders, Turnierseite

Und wenn es beim Grand Swiss schlecht läuft, äuft es richtig schlecht. Shankland (-26,4 Elo), Jones (-25,3) und Rodshtein (-30,6) hatten ganz schön Federn zu lassen. Das ist womöglich auch ein Grund dafür, warum einige Spitzenspieler die Einladung auf die Isle of Man ablehnten, obwohl ihre Kosten übernommen worden wären - es ist eben kein Turnier, das man auf die leichte Schulter nehmen sollte!

8. Die Geburtsstunde von Großmeistern und der Kampf um den ersten Frauenpreis

Eine Sache, die das Grand Swiss in diesem Jahr so hart machte, war, dass die Spieler am unteren Ende der Setzlsite oder in der zweiten Spielhalle keine "Schachtouristen" waren, die für das Privileg bezahlt hatten, an der Seite der weltbesten Spieler zu spielen, sondern vor allem ehrgeizige, unterschätzte Junioren oder Frauen, die um den 10.000-Dollar-Frauenpreis kämpften (mehr als die 9.600 Dollar, die Grischuk, Paravyan, Howell, Vidit und Le Quang Liem für den 9. bis 13. Platz insgesamt erhielten).

In der Schlusstabelle ist der erste Spieler mit Elo unter 2600 der mit 2520 bewertete Gukesh, der mit 6/11 Punkten 48. wurde. Der erste Spieler mit Elo unter 2500 lautet Sadhwani (2479) und dieser erspielte sich auch gleichzeitig seine letzte fehlende Norm zum GM. All diese Spieler wohl bald den Angriff auf die Weltspitze wagen. Doch vorerst ist Zeit für ein wenig Spaß!

Richtig starkes Tandem-Schach

Die IMs Jonas Buhl Berre (Dänemark) und Vincent Keymer (Deutschland) erfüllten ihre letzten fehlenden GM-Normen und halten die europäische Flagge hoch.

Die stolzten Spieler, die GM-Normen erzielten (von links nach rechts). Glückwünsche!

Mit Dinara Saduakassova aus Kasachstan erzielte eine Frau ihre erste GM-Norm. Sie schlug in der letzten Runde den Ägypter Ahmed Adly (2648), was ausreichend für den geteilten ersten Frauenpreis war und ihr 9000 Dollar einbrachte. Den ersten Preis musste sie sich mit Harika Dronavalli teilen, die auch die Trophäe dank des besseren Tiebreaks erhielt. Beide Spielerinnen treten damit in den Klub der Spielerinnen mit einer Elo von über 2500 ein:

 9. Die Schachwelt dreht sich weiter

Beenden wir den Bericht mit der traditionellen Vorausschau auf das, was kommt. Der Schachkalender 2019 war zu Beginn spärlich gefüllt, wurde dann aber vollgepackt mit der Grand Chess Tour und dem Grand Prix. Auch der Rest des Jahres hält viel Schach bereit. Die Europäischen Mannschaftsmeisterschaften beginnen am Donnerstag in Batumi, unter anderem mit Giri, Mamedyarov und Aronian. Das Turnier überschneidet sich mit der WM im Schach960, die am Sonntag in Norwegen beginnt und woran neben Carlsen auch noch Nepomniachtchi, So und Caruana teilnehmen werden.

Einige Tage später geht es weiter mit FIDE Grand Prix in Hamburg, dem Superschnellschach- und Blitzturnier der Grand Chess Tour in Bukarest und dem Europäischen Mannschaftspokal in Montenegro. Natürlich wirst du alle Turniere hier auf chess24 verfolgen können!

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