Allgemein 09.10.2020 | 13:14von Tarjei Svensen

Wang Hao nennt FIDE-Präsidenten unhöflich und droht Rückzug aus dem Kandidatenturnier

Die verbleibenden sieben Runden des FIDE-Kandidatenturniers stehen vor einer neuen Krise: Der chinesische Superstar Wang Hao erwägt den Rückzug von dem Event, das am 1. November in Jekaterinenburg, Russland, fortgesetzt werden soll. Der 31-jährige GM sagte, das Turnier solle von Russland weg verlegt werden, weil das Land „nicht sicher“ sei, und er warf FIDE-Präsident Arkady Dvorkovich „Unhöflichkeit“ ihm gegenüber vor.

Wang Hao beim Kandidatenturnier | Foto Lennart Ootes, Offizielle Website


Im September hatte die FIDE angekündigt, das Turnier werde am 1. Noevember in Jekaterinenburg fortgesetzt. Das Event, bei dem der nächste Herausforderer Magnus Carlsens für die Weltmeisterschaft ermittelt wird, war abrupt am 26. März unterbrochen worden, nachdem 7 Runden gespielt worden waren.

Am Montag veröffentlichte Wang Hoa Emails aus einer Konversation mit dem FIDE-Anwalt Alexandr Martynov, in denen er deutlich machte, dass er nicht begeistert davon ist, das Event in Russland fortzusetzen. Er hat noch nicht entschieden, ob er daran teilnehmen wird.

Russland verzeichnet wie viele andere Staaten einen Anstieg an Covid-19-Fällen und durchbrach die Marke von 10.000 Fällen am 4. Oktober, die höchste Zahl seit dem 15. Mai.

Screenshots auf seiner privaten Facebook-Seite zufolge, die chess24 gesehen hat, hat FIDE Hao einen Privatflug dirket von Peking nach Jekaterinenburg angeboten und außerdem einen Flug in der Business-Klasse und einen VIP-Transfer in Deutschland, falls er einen Zwischenhalt braucht. Er hat auch Angebote abgewiesen, in Tbilisi zu spielen, weil Flughäfen in Europa nicht als sicher betrachtet.

Die Nummer 12 der Weltrangliste ist besorgt über den Austragungsort in Russland. chess24 hat bei ihm nachgefragt, und er hat kommentiert:

Wir diskutieren noch. Aber ich war sehr enttäuscht und verärgert von der Haltung der FIDE und der Unhöflichkeit des Präsidenten.

Diese Antwort kam, nachdem FIDE-Präsident Arkady Dvorkovich sich damit in die Konversation eingemischt hatte:   

Wang Hao dazu:

Ich denke, dass es riskant ist, das Turnier im November zu haben. Wenn die FIDE das Turnier im November wieder aufnehmen möchte, kann das Turnier nicht an einem Ort stattfinden, der so unsicher ist wie Russland, sondern irgendwo, wo es für Spieler einfach ist hinzukommen, einen Direktflug zu haben und sicherzustellen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Infektion geringer ist. Außerdem müssen Spieler entschädigt werden, wenn sie sich unterwegs oder beim Turnier infizieren, weil wir Risiken eingehen.

Nach der 7. Runde steht Wang Hao einen Punkt hinter den führenden Maxime Vachier-Lagrave und Ian Nepomniachtchi, die 4,5 Punkte erzielt haben.


Der chinesische Spieler, der sich qualifiziert hatte, indem er das FIDE Grand Swiss Turnier 2019 gewann, hatte schon vor dem Event Sicherheitsbedenken geäußert.

Er war nicht allein. Der aserbaidschanische Großmeister Teimour Radjabov sagte ebenfalls große Probleme voraus und ging einen Schritt weiter, indem er vor dem Turnier ausstieg.

Radjabov wurde durch Maxime Vachier-Lagrave ersetzt, und das Turnier startete wie geplant. Der 33-jährige hat inzwischen gesagt, er wolle seinen Platz zurückhaben, und er hat rechtliche Schritte erwogen.

Auf die Frage, ob er aus dem Turnier aussteigen wolle, sagte der Chinese: 

Ich bin nicht sicher. Es hängt davon ab, wie die Diskussion weitergeht.

Den Regularien der FIDE für das Kandidatenturnier (PDF) zufolge werden Wang Haos restliche Partien als verloren gewertet: 

5. 3. Wenn ein Spieler zurücktritt, nachdem er 50% oder mehr der Partien gespielt hat, gelten die restlichen Partien als verloren. Hat der Spieler weniger als 50% gespielt, werden seine Resultate annulliert.

Die FIDE hat chess24 bestätigt, dass die Diskussion mit Wang Hao weitergeht. General-Direktor Emil Sutovsky sagte:

Die FIDE leistet viel Arbeit, um den Spielern die sicherste und gleichzeitig angenehmste Umgebung zu bieten. Objektiv ist es nicht einfach - und wir sehen, dass selbst in Stavanger ausländische Spieler 10 Tage unter Quarantäne gestellt werden mussten. Wir werden es lösen, ohne die Spieler zur Quarantäne zu verpflichten, und wir sind auch in ständigem Kontakt mit jedem von ihnen, besprechen jedes Detail. Es ist eine monumentale Aufgabe, aber wir erkennen an, wie wichtig es ist und unternehmen alle Anstrengungen.

Leon Watson hat zu diesem Bericht für chess24 beigetragen.


Sortieren nach Datum (absteigend) Datum (absteigend) Datum (aufsteigend) meiste Likes Benachrichtigung bei neuen Kommentaren

Kommentare 2

Guest
Guest 10788758837
 
chess24 beitreten
  • Kostenlos, Schnell & Einfach

  • Sei der Erste, der kommentiert!

Registrieren
oder

registriere dich und leg los!

Mit einem Klick auf 'Registrieren' stimmst du unseren Nutzungsbedingungen zu und bestätigst, dass du unsere Datenschutzrichtlinie und den Abschnitt über die Verwendung von Cookies gelesen hast.

Lost your password? We'll send you a link to reset it!

Nach der Übermittlung deiner E-Mail-Adresse erhältst du von uns eine E-Mail mit einem Link zum Zurücksetzen des Passworts. Wenn du dann weiterhin nicht auf deinen Account zugreifen kannst, melde dich bitte beim Kundendienst.

Welche Funktionen möchtest Du aktivieren?

Wir respektieren Deine Privatsphäre und Datenschutzbestimmungen. Einige Komponenten erfordern das Speichern von personenbezogen Daten in Cookies oder dem lokalen Speicher.

Show Options

Hide Options