Allgemein 01.12.2015 | 11:59von Colin McGourty

Vorschau auf die London Chess Classic

Magnus Carlsen ist gestern 25 geworden und ab Freitag wird der Weltmeister das Feld bei den London Chess Classic anführen. Das Turnier sieht zehn Spieler, von denen acht zu den Top Ten der Welt gehören, in Aktion und bildet den letzten Abschnitt der Grand Chess Tour 2015 - es geht daher um 450.000 Dollar an Preisgeldern. Wir liefern eine Vorschau auf das Turnier und die weiteren Programmpunkte in London, darunter auch die beeindruckende britische K.O.-Meisterschaft, bei der um 50.000 Pfund Preisgeld gespielt wird.

Der letzte Abschnitt der Grand Chess Tour 2015 hat eine der stärksten Besetzungen, die es je gab | Fotos: London Chess Classic

Die Auslosung und weitere Informationen

Dieses Jahr müssen die London Chess Classic nicht groß vorgestellt werden, da sie dem Format der letzten Grand Chess Tour folgen. Neun Spieler nehmen an jedem Turnier teil, und nach Jon Ludvig Hammer beim Norway Chess und Wesley So beim Sinquefield Cup ging die Wild Card der Veranstalter in London an die englische Nummer Eins, Michael Adams. Die Auslosung wurde bereits veröffentlicht und ihr könnt sie mittels des Selektors unterhalb anwählen - oder ihr bewegt den Mauszeiger über einen Spielernamen, um dessen Turnierplan zu sehen:

Zu beachten ist, dass Spieler, die beim Sinquefield Cup fünfmal Weiß hatten, hier nun fünfmal mit Schwarz spielen, und umgekehrt. Daher werden Carlsen, Nakamura, Aronian, Giri und Adams (So hatte fünf Weißpartien) mit einem kleinen Nachteil beginnen.

Die Großmeister Jan Gustafsson und Daniel King werden für die Berichterstattung sorgen, die Übertragung findet live live hier auf chess24 statt.        

Für Gesprächsstoff werden etwa diese Themen sorgen:

Kommt Magnus Carlsen wieder in Form?

Die Eloliste der FIDE vom Dezember 2015, die gestern veröffentlicht wurde, hat nur das bestätigt, was wir bereits wussten. Nach einer durchwachsenen Mannschafts-EM und einem katastrophalen Auftritt beim Norway Chess-Turnier in diesem Jahr ist die Nummer Eins der Welt binnen der letzten sechs Monate um 42 Wertungspunkte auf den niedrigsten Wert seit 2011 gefallen. Veselin Topalov ist mit 2803 Punkten Zweiter und hat daher "nur" 31 Punkte Rückstand.

1Carlsen, Magnus283471990
2Topalov, Veselin280301975
3Anand, Viswanathan279661969
4Kramnik, Vladimir279601975
5Nakamura, Hikaru279301987
6Aronian, Levon278891982
7Caruana, Fabiano278701992
8Giri, Anish2784151994
9Ding, Liren277661992
10So, Wesley277561993

Wie geht Magnus damit also um? Nun, hier können wir auf einen großartigen Bericht verweisen, den die britische Zeitung The Telegraph veröffentlicht hat: Football-mad, mobbed by girls and easily bored: Meet Magnus Carlsen, the world’s greatest chess player 

Die Diskussion über Magnus' Liebesleben hatte definitiv Anish Giris Aufmerksamkeit erregt!

Es kommen jedoch noch weitere interessante Zitate vor. Zum Beispiel:

Ich denke, ich würde gegen Tal relativ einfach gewinnen. Fischer wäre schwieriger, aber ich denke, dass ich auch ihn schlagen könnte.

Aber als er gefragt wurde, ob er sich persönliche Ziele setzen müsse, um den Mangel an echter Herausforderung wettzumachen, kommentierte Carlsen seinen jüngsten Formabsturz so:

Vielleicht war das eine Zeitlang so, aber in letzter Zeit habe ich so schlecht gespielt, dass ich mich nun wieder mit den anderen vergleichen muss.

Trotz einer zähen Schlussphase im Turnier - hier eine Niederlage gegen Alexander Grischuk - gelang es Magnus noch, beim Sinquefield Cup Zweiter zu werden, was seinen Chancen auf den Gesamtsieg bei der Grand Chess Tour einen Schub gab | Foto: Nacho Soto

Andererseits sieht sich Magnus noch nicht übermäßig in Gefahr. Betrachtete er Vladimir Kramnik als den Rafael Nadal zu seinem Roger Federer?

Bis zu einem gewissen Punkt. Aber die letzten paar Jahre waren für mich wie Federers erste Jahre an der Spitze, als er nicht wirklich einen Gegner hatte. Und ich denke, dass wir noch darauf warten müssen, bis jemand den Sprung von einem soliden 2800er zu einem Herausforderer für mich schafft und der in jedem Turnier voll da ist. Obwohl ich zuletzt nicht großartig gespielt habe, führe ich die Rangliste noch immer mit einigem Vorsprung an.

Die eine Person, die Carlsen beobachtet, ist der 16-jährige Wei Yi, der gestern eine großartige Partie und damit das China Kings and Queens Turnier gewonnen hat. Wei Yi spielt vielleicht beim Qatar Masters im Dezember gegen Carlsen, und sie werden ganz sicher im Januar beim Tata Steel Masters (Wijk aan Zee!). Im Moment denkt Magnus jedoch, dass die besondere Aufmerksamkeit, die ihm zuteil wird, einen Vorteil verschafft:

Ich denke, dass das ein großer Vorteil ist. Meine Gegner sind zwangsläufig etwas zurückhaltender, wenn sie gegen mich spielen. Nun muss ich mir wieder Geltung verschaffen und zu einem Spielniveau zurückkehren, die ihre Haltung rechtfertigt.

Magnus wird die London Chess Classic 2015 mit Schwarz gegen Maxime Vachier-Lagrave beginnen. 

Wer wird die Grand Chess Tour gewinnen?

Die größte Nebenhandlung wird bei den London Chess Classic die Grand Chess Tour selbst sein, da sie in London ihren Höhepunkt erreicht. Nachdem diejenigen, die in Norwegen generell gut gespielt hatten, dies in Saint Louis nicht machten, könnte die Ausgangslage enger nicht sein:

RankNameRatingFederationGrand Tour Points
1Veselin Topalov2816Bulgaria17
2Hikaru Nakamura2814USA16
3Levon Aronian2765Armenia15
4Magnus Carlsen2853Norway14
5Anish Giri2793Netherlands13
6=Viswanathan Anand2816India12
6=Maxime Vachier-Lagrave2744France12
7Fabiano Caruana2808USA9
8Alexander Grischuk2771Russia8
9Jon Ludvig Hammer2683Norway1
10Wesley So2773USA1

Die Punkte, die in London zur Grand Chess Tour hinzu kommen, teilen sich so auf: 13 für den ungeteilten ersten Platz, 10 für den Zweiten, 8 für den Dritten, 7 für den Vierten und so weiter bis hinunter zu einem Punkt für den zehnten Platz. Das bedeutet, dass rein rechnerisch alle neun regulären Starter bei der Grand Chess Tour diese auch gewinnen könnten, und Topalov, Nakamura und Aronian wissen, dass ihnen ein ungeteilter Sieg in London auch den Gesamtsieg auf der Tour sichern würde, unabhängig von den Ergebnissen aller anderen. Magnus Carlsen befindet sich fast in derselben Lage, allerdings könnte die Lage kompliziert werden, sollte Topalov Zweiter werden.

Jedenfalls bedeutet das auch, dass die 150.000 Dollar Preisgeld auf der Grand Chess Tour - 75.000 für den Ersten, 50.000 für den Zweiten und 25.000 für den Dritten - noch völlig für jeden zu holen sind.

Welchen Unterschied wird das Kandidatenturnier machen?

Fabiano Caruana hat seit 2001, als er als 8-jähriger mit seinem Trainer Bruce Pandolfini fotografiert wurde, einen weiten Weg zurückgelegt | Foto: Liberty Science Center

Eine weitere Rahmenhandlung ist das Kandidatenturnier, welches nächstes Jahr vom 10. bis 30. März in Moskau stattfinden wird. Wir haben unlängst erfahren, dass Levon Aronian spielen wird, und die Eloliste vom Dezember 2015 war die letzte Bestätigung, dass der zweite Wertungsplatz an Anish Giri gehen wird (er hatte 2015 einen Durchschnitt von 2787, im Vergleich zu Kramniks 2783). Nicht weniger als sechs der Spieler in London werden auch beim Kandidatenturnier dabei sein (die übrigen beiden sind Sergey Karjakin und Peter Svidler):

  • Veselin Topalov
  • Viswanathan Anand
  • Hikaru Nakamura
  • Levon Aronian
  • Fabiano Caruana
  • Anish Giri

Werden diese Spieler in London einen Wettbewerbsnachteil haben? Nakamura sah das nach seiner Niederlage gegen Caruana beim Showdown in Saint Louis so und erklärte, dass er nun Vishy Anand versteht:

Es ist seltsam. Ich werde versuchen, gut zu spielen, aber es wird von einem mentalen Standpunkt aus schwierig. Ich dachte ein wenig zurück an ca. 2008-9, und sogar 2010, als Vishy Anand vor seinem WM-Kampf Partien verlor, Ratingpunkte abbaute und ganz allgemein zu kämpfen hatte. Zu dieser fragte ich mich, was ist los mit ihm? Es sollte nicht anders sein als vor jedem anderen Turnier, in dem du mitspielst, aber wie ich gerade herausfinde, ist das offensichtlich nicht so. Was London betrifft werde ich versuchen gut zu spielen, aber es wird für jeden interessant, weil sich beinahe alle Spieler dort für das Kandidatenturnier qualifiziert haben, und wir werden etwas andere Eröffnungen und Partien sehen als die, die man normalerweise bei so einem starken Turnier sehen würde.

Nakamura ist überzeugt davon, dass alle, die beim Kandidatenturnier spielen werden, in London keine Geheimnisse verraten werden und betonte diesen Punkt so:

Es dreht sich alles um den März, März, März, und so ziemlich alles andere ist einfach bedeutungslos.

Anand spielte auf seinem Weg zum Sieg bei den London Chess Classic 2014 (5 Runden, jeder gegen jeden) gegen Nakamura Remis | Foto: Ray Morris-Hill 

Vishy Anand wird, wie Magnus danach streben, in London einige enttäuschende Resultate zu verbessern, nachdem die erste Jahreshälfte 2015 sehr erfolgreich verlaufen war. Er wurde jüngst von IBN live zitiert:

In den letzten beiden Turnieren ging es mir nicht so gut, und irgendwie war ich geistig nicht richtig eingestellt. Daher werde ich weiterarbeiten und einige neue Ideen entwickeln müssen. Aber es wird mit der Zeit schwierig. Mit 20 waren Turniere und so eine leichte Sache.

Nach dem Kräftemessen in Saint Louis war Caruana viel weniger geneigt, die Ereignisse in London herunterzuspielen:

Ich denke nicht, dass sie irrelevant sind. Wenn sie irrelevant sind, spielt am besten gar nicht.

Fabiano ist ein weiterer Spieler mit einem durchwachsenen Jahr 2015, in dem es einen Trainer- und einen Föderationenwechsel gab, was dazu beigetragen haben könnte, dass sein täglicher Ablauf durcheinander gebracht wurde. Er scheint sich jedoch wieder an ein Leben als US-Spieler zu gewöhnen, und gelangte vor kurzem zurück zu seinen Wurzeln in New York, als er ein Foto aus dem Jahr 2001 mit seinem früheren Trainer Bruce Pandolfini nachstellte.

Ihr könnt Caruana im folgenden Video, das das Liberty Science Center veröffentlicht hat, dabei beobachten, wie die Nummer Zwei der USA eine Simultanveranstaltung abhielt (inklusive eines Auftrittes unseres alten Freundes, IM Lawrence Trent):

Es kann jedoch noch immer sein, dass Maxime Vachier-Lagrave, Alexander Grischuk, Michael Adams und natürlich Magnus Carlsen etwas befreiter als der Rest in London spielen können werden.

Was ist in London sonst noch los?

Die London Chess Classic hatten immer ein dicht gedrängtes Rahmenprogramm, und dieses mal ist es natürlich nicht anders. Der eine Punkt, der heraussticht, ist die London Chess Classic British Knockout Championship, bei der das Preisgeld (20.000 Pfund) die 5.000 Pfund für die offizielle britische Meisterschaft 2015 in den Schatten stellen.

Obwohl Nigel Short im letzten Moment noch absagen musste und Michael Adams im Hauptbewerb antreten wird, sind im Turnier die meisten der britischen Spitzenspieler sowie einige viel versprechende junge Talente vertreten. Die Viertelfinali heute lauten:

Die GMs David Howell, Luke McShane, Nicholas Pert (der Ersatzmann für Nigel Short), Gawain Jones, Jonathan Rowson, Jonathan Hawkins (Britischer Meister 2014 und 2015) und die IMs Daniel Fernandez und Yang-Fan Zhou | Fotos: London Chess Classic

Im Viertel- und im Semifinale gibt es zwei klassische Partien und danach - falls nötig - noch zwei 15-Minuten-Partien mit 5 Sekunden Aufschlag pro Zug. Gibt es dann noch immer keinen Sieger, wird eine Armageddon-Partie gespielt, in der Weiß sechs und Schwarz fünf Minuten hat, aber ein Remis zählt als Sieg für Schwarz. Das folgende Finale sieht sechs klassische Partien vor (die auch dann gespielt werden, wenn schon vorher ein Sieger fest steht) und wird neben dem Hauptturnier stattfinden.

Es gibt weiters ein offenes Turnier der FIDE, Wochenend-Turniere und ein stark besetztes zehnrundiges Super-Schnellschach-Turnier am nächsten Wochenende (12. - 13. Dezember) geben. Am letzten Tag in London wird es noch ein weiteres unterhaltsames Turnier geben, den Chess Prob-Biz Cup, der sogar seine eigene Webseite hat.

Hier treten alle Spieler aus dem Hauptturnier an, die mit je einem Amateur ein Team bilden und in einem Schnellschach-KO-Turnier abwechselnd Züge spielen werden. Mögliche Teilnehmer können für den Großmeister bieten, mit dem sie antreten möchten. Zur Entstehungszeit des Berichtes musste für Magnus Carlsen erst ein Gebot abgegeben werden, bei noch weniger als fünf Stunden Restzeit!

Ex-Weltmeister Vishy Anand hatte zwischenzeitlich das meiste Interesse auf sich gezogen | Quelle: Chess Pro-Biz Cup

Warum also nicht hinfahren und Magnus Carlsens Geburtstag aufbessern... und gleichzeitig das britische Benefiz-Programm Chess in Schools and Communities unterstützen?

Alles, was noch zu tun bleibt, ist sich zurückzulehnen und das ganze Geschehen zu genießen! Die London Chess Classic werden hier LIVE auf chess24 ab diesem Freitag, 17:00 Uhr, zu sehen sein. Ihr könnt die Partien auch in unseren Gratis-Apps mit verfolgen:

         

Weitere Links:


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