Allgemein 26.06.2019 | 10:49von Colin McGourty

Vorschau auf die Grand Chess Tour in Zagreb

Weltmeister Magnus Carlsen führt das Feld von nicht weniger als neun Top-Ten-Spielern an, die beim heute beginnenden Stopp der Grand Chess Tour in Zagreb um den Sieg spielen. An der gestrigen Eröffnungsfeier nahm sowohl der kroatische Premierminister Andrej Plenković als auch der seit 2014 eingebürgerte Garry Kasparov teil. Zwölf Spieler treten vollrundig gegeinander an, und das bedeutet, dass wir uns auf elf Tage mit absolutem Weltklasseschach freuen dürfen!

Garry Kasparov und Magnus Carlsen beim Auftakt der ersten Station der Grand Chess Tour in Kroatien | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Die elf Runden der Grand Chess Tour in Zagreb werden vom 26. Juni bis 7. Juli um jeweils 16:30 Uhr ausgetragen, der einzige Ruhetag wird am 2. Juli eingelegt. Die Auslosung ergab, dass in der 1.Runde  Giri und Carlsen aufeinandertreffen, und mit Caruana-Nakamura ein weiterer Höhepunkt ansteht:

Die Spieler, die in Runde 1 Weiß haben, haben auch den Vorteil, einmal öfter Weiß als Schwarz zu haben.

Rückkehr zum Turnierschach

Die zwölf Spieler der Grand Chess Tour, der kroatische Premierminister Andrej Plenković und viele Kinder vor dem Mimara Museum in Zagreb | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Die Grand Chess Tour wurde 2015 erstmals mit drei Turnierschachwettbewerben ausgetragen - Norway Chess, dem Sinquefield Cup und den London Chess Classic – aber 2018 wurde fast nur noch Blitz und Schnellschach gespielt, außer beim Sinquefield Cup und dem Finale in London. Hikaru Nakamura wurde Gesamtsieger, ohne eine einzige Turnierpartie gewonnen zu haben.

Das sieht 2019 ganz anders aus, denn alle 12 Stammspieler werden sowohl bei dem neuen Turnier in Zagreb als auch beim Sinquefield Cup in St. Louis im Turnierschach gefordert. Dabei gibt es maximal 40 Punkte (jeweils 20 für den ungeteilten 1.Platz) zu gewinnen und damit mehr als die 39 Punkte (jeweils 13 für den ungeteilten 1.Platz), die bei den Blitz- und Schnellschachturnieren vergeben werden.

MVL versucht sich als Tiger |Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Magnus macht aber den etwas überzeugenderen Eindruck | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Es gibt aber nur einen echten Tiger aus Madras! | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Gespielt wird mit einer ungewöhnlichen Bedenkzeit von 130 Minuten für die gesamte Partie statt den FIDE-üblichen 90 Minuten für 40 Züge, und statt einer Zeitgutschrift wird mit einer Verzögerung von 30 Sekunden gespielt. Wer sich seine Zeit schlecht einteilt, landet daher in permanenter Zeitnot bis zum Ende der Partie. Remisangebote sind untersagt. 

Der Faktor Kasparov 

Garry Kasparov war schon bei der Eröffnungsfeier dabei und hat bereits versprochen, auch als Kommentator mitzuwirken: 

"Ich habe es zwar nicht in die Fotogalerie geschafft, aber ich habe hier in Zagreb an der Eröffnungsfeier teilgenommen und werde in der 1.Runde zum Kommentatorenteam gehören." 

Man muss davon ausgehen, dass hinter der Tatsache, dass eines der stärksten Schachturniere der Geschichte (nur Alexander Grischuk fehlt von den Top 1) in Kroatien stattfindet, vor allem Garry Kasparov steckt, der seit 2014 kroatischer Staatsbürger ist. Zum Teil hatte der Staatenwechsel damit zu tun, dass Kasparov sich als russischer Regimekritiker frei in der Welt bewegen kann, andererseits hat der Ex-Weltmeister schon lange einen Wohnsitz in Kroatien. Zwei Teilnehmer der GCT haben schon Zeit in Kasparovs Sommerhaus verbracht.  

Kasparov und Carlsen bei einem Trainingslager in Kroatien im Jahr 2009 | Foto: Kasparov.com

2009, als der damals 18-jährige Magnus Carlsen gerade vor dem Sprung an die Weltspitze stand, begann eine etwas über einjährige Zusammenarbeit mit Kasparov. In diese Zeit fällt eines der beein-druckendsten Turnierergebnisse aller Zeiten – Magnus ließ das Feld im chinesischen Nanjing gleich 2,5 Punkte hinter sich:

PlayerFEDRating123456ScoreTPR
1 Magnus Carlsen27721 ½1 ½1 ½1 ½1 183002
2 Veselin Topalov28130 ½½ ½½ ½½ 1½ 12789
3 Wang Yue27360 ½½ ½½ ½½ ½½ ½2733
4 Teimour Radjabov27570 ½½ ½½ ½½ ½½ 042693
5 Peter Leko27620 ½½ 0½ ½½ ½½ ½42692
6 Dmitry Jakovenko27420 0½ 0½ ½½ 1½ ½42696

Hikaru Nakamura hat seinen Sekundanten Kris Littlejohn mit nach Zagreb gebracht  - Hikaru meinte einst, dass Kasparov und Kris bei der Analyse von Schacheröffnungen zu denselben Erkenntnissen kämen, Kris aber schneller sei! | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

2011 besuchte dann Hikaru Nakamura den Ex-Weltmeister in Kroatien und begründete damals eine knapp einjährige Zusammenarbeit, in die eines seiner besten Turnierergebnisse fällt – der ungeteilte Sieg beim Tata Steel 2011 in Wijk aan Zee:

PlayerFEDRatingScoreTPR
1 Hikaru Nakamura275192880
2 Viswanathan Anand28142844
3 Magnus Carlsen281482821
4 Levon Aronian280582822
5 Vladimir Kramnik27842793
6 Maxime Vachier-Lagrave27152799
7 Anish Giri26862744
8 Ruslan Ponomariov27442740
9 Ian Nepomniachtchi273362711
10 Wang Hao273162712
11 Alexander Grischuk27732627
12 Erwin l'Ami26282638
13 Jan Smeets26622636
14 Alexei Shirov272242600

Nakamura will in Zagreb sicher beweisen, dass er mit den weltbesten Turnierschachspielern mithalten kann. Vor dem Turnierstart stattete er der Amalfiküste einen Besuch ab, die ihn dazu inspirierte, den Dichter Longfellow zu zitieren:

Für Carlsen derweil ist es wie immer nicht nur ein Kampf gegen seine Gegner, sondern auch gegen sich selbst. Abhängig vom Ergebnis kann er in Zagreb neue Rekorde aufstellen…

…aber erst muss man sehen, in welcher Form sich der Weltmeister befindet. Am Sonntag fehlten ihm 0,2 Sekunden zu 15 aus 15 beim Geschwätzblitz, aber dabei kam es zu mehr Zeitnotschlachten, als wir es von Magnus gewohnt sind… 

…aber andererseits ist er derzeit in eine riesige Diskussion in Norwegen verwickelt, bei der es darum geht, ob der Schachverband sich von einem Glücksspielunternehmen sponsern lassen und dafür der Staat sein Glücksspielmonopol aufgeben sollte. Womöglich hat Carlsen nichts dagegen, wenn er sich voll aufs Schach konzentrieren kann! 

Magnus Carlsen im Duell mit dem kroatischen Premierminister Andrej Plenković | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Dass Kroatien mehr als Schach zu bieten hat, zeigen die Bilder, die Levon Aronian mit seiner Frau Arianne Caoilli geschossen hat:

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#Dubrovnik

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Unterm Strich ist kein Teilnehmer der Grand Chess Tour chancenlos (selbst der an 1 gesetzte Sergey Karjakin wäre fast Weltmeister geworden!), für Spannung ist also auf jeden Fall gesorgt.

Guter Start für Wesley So! | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Auf chess24 könnt ihr ab 16:30 Uhr alle Partien mit deutschem Kommentar live verfolgen!

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