Allgemein 09.11.2017 | 10:27von Colin McGourty

Vorschau auf den Champions Showdown in St.Louis

Weltmeister Magnus Carlsen tritt beim Champions Showdown in St. Louis zu einem viertägigen Match gegen Ding Liren an, in dessen Rahmen insgesamt 30 Schnellschach- und Blitzpartien ausgetragen werden. Der Sieger erhält $60.000, doch außerdem finden drei weitere Matches um diese Siegprämie statt. Hikaru Nakamura trifft auf Veselin Topalov, Fabiano Caruana fordert Alexander Grischuk und Wesley So duelliert sich mit Leinier Dominguez. Ab Donnerstagabend um 20 Uhr überträgt chess24 live das Geschehen!

Caruana, Grischuk, Nakamura, Topalov, So, Dominguez, Carlsen & Ding Liren starten in St. Louis | Bild: Offizielle Turnierseite

Mehr Spieler und mehr Geld

2016 nahmen am Champions Showdown nur vier Spieler teil: Topalov, Caruana, Anand und Nakamura. Außerdem wurde das Turnier vom WM-Kampf in New York zwischen Magnus Carlsen und Sergey Karjakin überschattet. Dieses Jahr hat das Turnier eine Alleinstellung und es gibt einige Neuerungen:

·         Die Anzahl der Spieler wurde von 4 auf 8 erhöht.

·         Es wird nicht vollrundig gespielt, sondern in vier Duellen.

·         Der Preisgeldtopf wurde gewaltig erhöht: Vishy Anand erhielt im letzten Jahr für seinen 1.Platz $60.000, während es dieses Jahr in allen vier Duellen um diese Siegprämie geht. Die Verlierer erhalten mit $40.000 immerhin so viel wie Hikaru Nakamura letztes Jahr für den 2.Platz bekam

·         Mehr Partien, kürzere Bedenkzeit: 2016 trat jeder Spieler zu sechs Partien 60+5 (Tag 1-3), sechs Partien 15+5 (Tag 4) und zwölf Partien 3+2 (Tag 5) an. 2017 werden vier 30-Minuten-Partien (Tag 1), sechs 20-Minuten-Partien  (Tag 2), acht 10-Minuten-Partien  (Tag 3) und zum Abschluss zwölf 5-Minuten-Partien  (Tag 4) ausgetragen.

Der größte Unterschied verdient aber eine eigene Überschrift:  

Keine Zeitgutschrift

Die Veranstalter in St. Louis haben sich entschieden, zu den guten alten Regeln zurückzukehren und ohne Zeitgutschrift oder –verzögerung nach jedem Zug spielen zu lassen. Der Grund ist einfach – sie wollen die Spieler dazu zwingen, schneller zu spielen, und dadurch für mehr Action sorgen.

Die GMs Alejandro Ramirez und Cristian Chirila haben drei Bullet-Partien gespielt, um den Unterschied zu illustrieren:

Die Entscheidung der Organisatoren wird sicher zu Kontroversen führen, da es schließlich gute Gründe gibt, warum Zeitgutschriften zum Standard geworden sind. Der dreimalige Blitz-Weltmeister Alexander Grischuk machte in seinem Interview mit Jan Gustafsson während der Schlussrunde der Mannschafts-EM auf Kreta keinen Hehl aus seiner Meinung:

Grischuk: Das Format ist sehr seltsam. Alle Partien werden ohne Zeitgutschrift ausgetragen, d.h. sie wollen wirklich Blut sehen.

JanMeinst du, dass Zeitgutschriften vor allem beim Blitzen besser sind?

Wenn man beim Live-Schach nicht möchte, dass Figuren durch die Gegend fliegen, auf jeden Fall. Im Internet kann man ohne Zeitgutschrift spielen, aber live wird es eine schmutzige Angelegenheit.

Hier Grischuks Äußerungen während der Schlussrunde im Video:

Werfen wir nun aber einen Blick auf die einzelnen Duelle:

Magnus Carlsen vs. Ding Liren

Alle Spieler könnt ihr mit unserem speziellen Modul direkt miteinander vergleichen

Natürlich wenden wir uns zunächst dem Weltmeister zu, obwohl dieser erst am Samstag zu seinem Match antritt. Der Grund für die spätere Ansetzung ist ein Live-Simultan, das Carlsen heute in Hamburg absolviert und das wir heute ab 19 Uhr live auf chess24 übertragen.  

Natürlich ist Carlsen Favorit, zumal er Im Schnellschach 176 Elo-Punkte und im Blitzen 73 Elo-Punkte mehr auf dem Konto hat. Zuletzt zeigte der Weltmeister in allen Disziplinen gute Form und gewann im Rahmen der Grand Chess Tour in Paris und Leuven sowie das Chess.com Isle of Man Open. Andererseits spielt Ding Liren aber die stärkste Saison seiner Karriere. Er wurde beim Weltcup nach fantastischer Leistung Zweiter und qualifizierte sich für das Kandidatenturnier. 

Analyse einer Glanzpartie | Foto: cca.imsa.cn

Zuletzt brillierte Ding Liren in Runde 18 der Chinesischen Liga gegen Bai Jinshi. Erst opferte die chinesische Nummer 1 die Dame und ließ dann das fantastische 20…Td4!! folgen:

Ding Liren ließ auch in der Folge nicht locker und produzierte eine echte Glanzpartie mit diesem malerischen Schlussbild…


Jan Gustafsson hat diese Partie für euch auf Englisch analysiert:

Magnus Carlsen gehört schon seit Langem zu den Bewunderern von Ding Liren und lud diesen 2015 sogar zu einer Trainingswoche nach Doha ein.

Tipp: Magnus ist bei kürzerer Bedenkzeit noch stärker als im Normalschach, doch wenn es mit einem knappen Ergebnis ins Blitzen geht, kann alles passieren, da Ding immerhin schon einmal die Nummer 1 der Blitzweltrangliste war. 

Hikaru Nakamura vs. Veselin Topalov


Auf dem Papier sieht dieses Match nach einer klaren Sache aus. Topalov ist Ex-Weltmeister und war die Nummer 1 der Welt, aber die kürzeren Bedenkzeiten mochte er nie. Zudem betrachtet er sich nicht mehr als Vollprofi und nimmt nur noch sporadisch an großen Turnieren teil.

Sein Gegner Hikaru Nakamura dagegen ist einer der großen Spezialisten bei kürzeren Bedenkzeiten, der vermutlich auch von den fehlenden Zeitgutschriften profitieren wird.

Tipp: Deutlicher Sieg für Nakamura

Fabiano Caruana vs. Alexander Grischuk


Grischuk ist, wie erwähnt, kein Freund von Partien ohne Zeitgutschrift, außerdem wird er bei seiner Ankunft in St. Louis Probleme mit dem Jetlag haben. Das könnte dafür sorgen, dass das Match recht spannend wird, denn Fabiano Caruana ist wie Topalov ein Spieler, der bei kürzeren Bedenkzeiten nicht so stark wie im Normalschach ist. Manchmal wächst er aber auch über sich hinaus, wie 2015 beim Showdown in St. Louis, wo er vor Nakamura Erster wurde.

Fabi hat den Heimvorteil und wird gut vorbereitet sein, aber…            

Tipp: Grischuk wird knapp gewinnen

Wesley So vs. Leinier Dominguez


Das vermutlich ausgeglichenste Match. Wesley So ist sicher einer der besten Spieler der Welt und ist trotz seines Aus im Halbfinale des Weltcups sicher beim Kandidatenturnier dabei. Er gilt zwar nicht gerade als Spezialist, zeigte aber bei der Grand Chess Tour, dass er auch im Schnellschach und Blitzen bei guter Tagesform mehr als nur mithalten kann und genauso solide ist wie im Turnierschach.  

Wesley So und Ding Liren treffen in St.Louis nicht aufeinander, sind aber beide vor Ort | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Leinier Dominguez hat zuletzt nicht sonderlich viel gespielt und wegen seiner Aufenthaltsgenehmigung in den USA auch den Weltcup ausgelassen. Die kürzere Bedenkzeit sollte ihm aber liegen, da er zu Zeiten, als noch ohne Zeitgutschrift gespielt wurde, den Titel des Blitz-Weltmeisters erringen konnte. Grischuk hat ihn als schnellsten Spieler bezeichnet, den er je gesehen hat.

Tipps: Schwer zu sagen – vermutlich wird es mehr Remis als in den anderen Matches geben, da beide Spieler normalerweise sehr solide spielen

Was glaubt ihr, wer gewinnen wird?

Schon heute Abend geht es um 20 Uhr los, und wie üblich wird das bewährte St-Louis-Team mit Yasser Seirawan, Jennifer Shahade und Maurice Ashley live vom Geschehen berichten. Am Freitag wird in St-Louis zudem die Ausstellung Global Moves: Americans in Chess Olympiads eröffnet, die bis zum 1.April 2018 ihre Pforten geöffnet hat.

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