Berichte 31.03.2019 | 13:48von Colin McGourty

Vladislav Artemiev ist Europameister 2019!

Vladislav Artemievs fantastisches Jahr geht weiter, nachdem der 21 Jahre alte Russe dem Sieg in Gibraltar und dem Doppel-Gold bei der Mannschafts-WM nun auch noch den Titel als Europameister hinzufügte. In der letzten Runde hielt er eine knifflige Stellung gegen Maxim Rodshtein, der im Falle eines Sieges selbst Gold gewonnen hätte, so aber Vierter wurde. Schwedens Nils Grandelius erreichte wie Artemiev 8.5/11, wurde aber aufgrund der Zweitwertung (er hatte den niedrigeren Gegnerschnitt) Zweiter, während der Pole Kacper Piorun Bronze gewann. Die ersten 26 Spieler der Abschlusstabelle sind für den Weltcup qualifiziert, der später im Jahr beginnt.

Vladislav Artemiev mit der Trophäe der Europameisterschaft 2019 | Foto: Turnierseite

Alle Partien der Europameisterschaft 2019 kannst du nachspielen, indem du auf eine der folgenden Partien klickst:

Wir haben über Vladislav Artemiev bereits seit einer Weile berichtet - zum Beispiel in unserem letzten Bericht aus Skopje, Artemiev überholt Kramnik – und es gibt wenig, was man dem hinzufügen könnte. Der russische Großmeister spielt plötzlich auf einem stabilen 2800er Niveau, was ihn bisher zu Platz 14 in der Weltrangliste geführt hat. Seinen Platz als Nummer 1 der Setzliste der Europameisterschaft rechtfertigte er damit allemal, insbesondere weil sein Sieg so leicht aussah.


Er holte seinen fünften Sieg in seiner fünften Weißpartie, indem er seinen 17 Jahre alten Landsmann Andrey Esipenko in der vorletzten Runde besiegte. Mit Weiß sieht es so aus, als ob er wie ein gewisser Magnus Carlsen zufrieden damit ist, "eine Partie zu kriegen", wobei Ivan Sokolov anmerkte, dass Artemiev in seinen Nebenvarianten sehr gut vorbereitet ist. Etwas, das ebenfalls auf den jungen Magnus zutrifft (heutzutage ist Magnus natürlich überall gut vorbereitet).

Maxim Rodshtein konnte den Lauf seines Gegners nicht aufhalten | Foto: Turnierseite

Artemiev ging mit einem halben Punkt Vorsprung auf den Rest des Feldes in die letzte Runde, wobei er wusste, dass er bei einem Unentschieden zumindest den geteilten ersten Platz sicher hatte. Er kommentierte das später so: "Ich versuchte heute, sicher zu spielen, aber das ist nicht einfach, wenn du Najdorf spielst!" Und in der Tat war die Partie ein Thriller in Zeitlupe. Es war unangenehm für Schwarz, aber am Ende schaffte es Artemiev, eine Festung aufzubauen und die Partie nach 46 Zügen zu remisieren. Im Anschluss sprach er sehr, sehr detailliert mit Ivan Sokolov über die Partie. Yannick Pelletier, der als offizieller Pressebeauftragter bereits bei der Mannschafts-WM arbeitete, schrieb zu:     

Yannick Pelletier: Vladislav Artemiev ist der neue Europameister. Glückwünsche an diesen aufrichtigen, netten Menschen, einen wahren Schachliebhaber. In den drei Interviews, die ich mit ihm in Astana führte, bat ich ihn, seine Partie ohne Varianten zu erläutern. Aber er konnte sich nicht anders helfen!

Das Interview kannst du dir hier ansehen:

Die Silbermedaille ging an Nils Grandelius, der der einzige Spieler an den ersten sieben Brettern war, der seine Partie gewinnen konnte, nachdem sein Gegner Benjamin Gledura ein inkorrektes Opfer in bereits schwieriger Stellung brachte. Kacper Piorun hatte in Skopje die stärkste Gegnerschaft gehabt und damit auch den besten Tiebreak. Er hätte Gold gewonnen, wenn er Liviu-Dieter Nisipeanu in der letzten Runde geschlagen hätte. Mit einem Remis in 17 Zügen, seiner fünften Punkteteilung in Folge, erreichte er die Bronzemedaille.

Nils Grandelius holte Silber, Kacper Piorun Bronze | Foto: Turnierseite

Bei der Europameisterschaft geht es vermutlich weniger um Medaillen, sondern vielmehr um die Qualifikation für den World Cup in Khanty-Mansiysk später in diesem Jahr. Es gab 22 Startplätze zu verteilen und am Ende reichte sogar der 26. Platz für die Qualifikation, denn Grandelius, David Anton (der nah dran war, in der letzten Runde noch eine Medaille zu gewinnen), Eltaj Safarli und Ivan Cheparinov waren bereits für den World Cup aufgrund der letzten Europameisterschaft qualifiziert. Die Abschlusstabelle sieht so aus:

Rk.SNo NameTypFEDRtgPts. TB1  TB2  TB3 Rprtg+/-
11GMArtemiev VladislavRUS27368,5260070,076,027988,5
29GMGrandelius NilsSWE26948,5259571,577,5279213,5
337GMPiorun KacperPOL26318,0262672,577,0278021,5
413GMRodshtein MaximISR26738,0262269,574,5277915,0
516GMBerkes FerencHUN26668,0259567,572,5275512,2
628GMAnton Guijarro DavidESP26438,0257767,072,5273713,1
714GMNisipeanu Liviu-DieterGER26708,0256967,071,027318,5
841GMMovsesian SergeiARM26278,0253962,568,0270010,3
976GMHuschenbeth NiclasGER25948,0253162,067,0268713,6
1058GMOparin GrigoriyRUS26138,0252862,567,0268710,6
1118GMSafarli EltajAZE26628,0251562,567,526802,8
12110GMChristiansen Johan-SebastianNOR25397,5261968,571,5271527,2
1391GMAleksandrov AleksejBLR25747,5260470,074,5270520,5
1411GMCheparinov IvanGEO26837,5260369,074,027205,8
15186IMPultinevicius PauliusU18LTU24397,5260062,066,5269838,1
1669GMEsipenko AndreyU18RUS26037,5259170,074,5270015,4
1779GMPetrov NikitaRUS25917,5258665,069,0269416,1
1823GMGelfand BorisS50ISR26557,5258566,571,527027,3
1938GMGledura BenjaminU20HUN26307,5258368,574,0269710,6
2063GMPredke AlexandrRUS26117,5258168,073,0269313,0
2139GMRakhmanov AleksandrRUS26297,5258067,072,5269610,3
2273GMBartel MateuszPOL26007,5257667,071,5268714,0
233GMDubov DaniilRUS27037,5256967,071,52660-1,9
2432GMLysyj IgorRUS26357,5256468,073,526837,4
2515GMPonomariov RuslanUKR26677,5256265,570,526832,8
2661GMLupulescu ConstantinROU26117,5255866,571,526729,8
2730GMAlekseev EvgenyRUS26407,5255665,570,026755,5
2829GMZvjaginsev VadimRUS26427,5255468,073,526735,1
298GMRagger MarkusAUT26967,5255265,571,02674-2,4
3027GMKuzubov YuriyUKR26447,5253863,568,526592,7
3117GMDreev AlekseyS50RUS26627,5253660,565,026580,4
3235GMFridman DanielGER26337,5251263,067,026351,1
337GMVallejo Pons FranciscoESP26987,5250058,563,02611-9,3
3453GMMartirosyan Haik M.U20ARM26167,5249159,063,026130,4
3533GMVolokitin AndreiUKR26357,5247957,061,02594-4,1

Die unglücklichen Spieler, die 7,5/11 holten, aber dennoch die Qualifikation verpassten, sind daher Evgeny Alekseev, Vadim Zvjaginsev, Markus Ragger, Yuriy Kuzubov, Aleksey Dreev, Daniel Fridman, Haik Martirosyan, Andrei Volokitin und Paco Vallejo:

Paco Vallejo: Fast!!

Während die vom Pech verfolgt waren, hatten andere etwas zu feiern. Alexandr Predke (gegen Vladislav Kovalev), Mateusz Bartel (gegen Igor Kovalenko) und Niclas Huschenbeth waren unter den Spielern, die einen Sieg einfuhren und sich in der letzten Runde noch die Qualifikation sicherten. In der folgenden Stellung hat Niclas Schwarz gegen Romain Edouard:


35…Txg2+! 36.Kxg2 Tg6+ 37.Kh1 Dxf2 Zwar gab es noch einige Wendungen in der Partie, aber insgesamt war es ein schöner Sieg für unseren chess24 Autor von einigen Videoserien. Daniil Dubov, einer der Stars des letzten World Cups, hatte den spektakulärsten Weg zur Qualifikation. Nach der Zeitkontrolle stand er mit Weiß gegen Viktor Erdos spielend komplett auf Verlust:


Der Computer findet den Gewinn mit 42…Db2+! 43.Kh3 Sg4!, was Sf2+ und Sxe3 droht. Nach 43.Lxg4 hxg4+ 44.Kxg4 gewinnt Schwarz den Turm mit 44…De2+, während 44.Kh4 Tc6! schnell zum Matt führt. Nach dem Partiezug 42…Tc2+ war Erdos immer noch klar besser, aber als die Spieler im 54. Zug schlussendlich ein Endspiel erreichten, das bemerkenswerterweise ausgeglichen war, obwohl Schwarz zwei Bauern weniger hatte, reichte Dubov ein Fehler seines Gegners, um die Partie sogar zu gewinnen und sich als 23. zu qualifizieren.

Ein Spieler, der mit seiner letzten Runde unzufrieden war, ist der 20 Jahre alte Norweger Johan-Sebastian Christiansen, der einen gewinnträchtigen Vorteil gegen Daniel Fridman aus der Hand gab:

Johan-Sebastian Christiansen: Kann mich nicht an das letzte Mal erinnern, so enttäuscht gewesen zu sein.

Anish Giri: Naja, wie das Lied halt so geht- "Er spielte Caro-Kann, er hatte mehr Elo..."

Das war finanziell kostspielig, bedeutete aber schlussendlich nur den Unterschied, Fünfter oder Zwölfter zu werden. Für die Nummer 110 der Setzliste war es ein wunderbares Turnier ohne Niederlage und einer Performance von 2712, was ihm 27 Elo und natürlich die Qualifikation für den World Cup brachte.

Boris Gelfand mag mittlerweile ein "Senior" sein, aber wie du siehst, plant er nicht, als Schachtourist zum World Cup zu fahren| Foto: Turnierseite

Der Frauenpreis ging an Aleksandra Goryachkina, die am Ende auf 6.5/11 kam, während Boris Gelfand den Seniorenpreis und die Qualifikation zum World Cup mit 7.5/11 eintütete. Die harte Arbeit hatte er in Runde 10 verrichtet, mit einem Sieg aus einer Eröffnung heraus, die er bereits im Jahr 2013 gespielt hatte:

chess24: Boris Gelfand spricht über seinen heutigen Sieg und erwähnt eine Partie, die er gegen Anish Giri im Beijing Grand Prix verloren hat, nachdem er eingeschlafen war und auf Zeit verlor! :)

Anish Giri: Zu meiner Verteidigung, "der denkende Boris" und der "schlafende Boris" sehen exakt gleich aus. Großer Fan hier übrigens.

Für die Interessierten, hier ist die Partie, in der die Endstellung laut Computern mit 0.00 bewertet wird. Gelfand erklärte das Einschlafen am Brett mit Jetlag und nicht etwa mit einer Schwäche für den lokalen Reiswein.

Das war also die Europameisterschaft 2019! Für diejenigen, die Interesse am World Cup haben: Das 128 Spieler umfassende Knock-Out Event findet in Khanty-Mansiysk vom 9. September bis zum 2. Oktober diesen Jahres statt. Eine Liste der Qualifizierten, die regelmäßig aktualisiert wird, findest du hier.

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