Allgemein 30.10.2017 | 09:04von Colin McGourty

Vladimir Kramnik erhält Freiplatz beim Kandidatenturnier

Vladimir Kramnik erhält den Freiplatz beim nächsten Kandidatenturnier in Berlin und gehört damit zu den acht Spielern, die den Herausforderer von Weltmeister Magnus Carlsen ermitteln. Das ist zwar keine große Überraschung an sich, da bislang nur russische Firmen als Sponsoren feststehen, doch es bedeutet auch, dass die letzte Station des Grand Prix kommenden Monat in Palma de Mallorca für Spieler wie Maxime Vachier-Lagrave und Teimour Radjabov die letzte Gelegenheit zur Qualifikation ist.

Vladimir Kramnik kämpft mit 42 Jahren noch einmal um die Weltmeisterschaft | Foto: Jose Huwaidi

Sechs Kandidaten stehen fest

World Chess (Agon) hat heute bekanntgegeben, das Vladimir Kramnik den Freiplatz beim nächsten Kandidatenturnier erhält, das vom 10. bis 28.März in Berlin stattfindet. Damit stehen bereits sechs der acht Teilnehmer fest:

  1. Sergey Karjakin, Russland, Nummer 12 der Weltrangliste, (unterlegener Herausforderer)
  2. Levon Aronian, Armenien, Nummer 2 der Weltrangliste, (Weltcupsieger)
  3. Ding Liren, China, Nummer 11 der Weltrangliste, (Zweiter beim Weltcup)
  4. Wesley So, USA, Nummer 7 der Weltrangliste, (bester Eloschnitt)
  5. Fabiano Caruana, USA, Nummer 4 der Weltrangliste, (bester Eloschnitt)
  6. Vladimir Kramnik, Russland, Nummer 5 der Weltrangliste, (Freiplatz)

Die beiden letzten Plätze gehen an Shakhriyar Mamedyarov, Alexander Grischuk (die beiden aktuell Führenden im Grand Prix), Maxime Vachier-Lagrave oder Teimour Radjabov, wobei nur die beiden zuletzt Genannten am letzten Grand Prix in Palma de Mallorca (16.-25. November) teilnehmen.

Vladimir Kramnik – die logische Wahl    

Im Frühsommer dieses Jahres standen Vladimir Kramniks Chancen, sich direkt für das Kandidatenturnier zu qualifizieren, sehr gut. Er war beim Rennen um den besten Elo-Schnitt mehr oder weniger gleichauf mit Wesley So und Fabiano Caruana und wusste, dass er nur einen der beiden hinter sich lassen musste, um sich seinen Platz in Berlin zu sichern. Letztlich lief dann aber nichts mehr für den Ex-Weltmeister zusammen.

Vassily Ivanchuk eliminierte Kramnik im Weltcup | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite 

Beim Weltcup schied Kramnik in Runde 3 gegen Vassily Ivanchuk aus und musste dann mitansehen, wie Ding Liren im Halbfinale Wesley So schlug. Hätte So das Finale erreicht, wäre Kramnik auf jeden Fall für Berlin qualifiziert gewesen. Sein Elo-Schnitt sank weiter, als er beim Isle of Man Open in der ersten Runde gegen Fabiano Caruana verlor und dann noch eine Niederlage gegen den 65-jährigen James Tarjan einstecken musste, die allein 9,1 Elo-Punkte kostete. Mathematisch war die Chance zwar noch da, aber als Kramnik beim Europacup nur sporadisch am Brett saß, konnte man schon ahnen, dass er womöglich den Freiplatz bekommen würde.

Auf der Isle of Man lief nichts zusammen | Foto: John Saunders, Offizielle Turnierseite

Der Freiplatz wird von den Organisatoren vergeben – in diesem Fall Agon – und damit hätte der Austragungsort Berlin selbst dann kaum eine Rolle gespielt, wenn Deutschland aktuell einen Spieler mit einer Elo von mindestens 2725 aufbieten könnte. Abgesehen davon, dass eine weitere russische Firma, EG Capital Advisors, als “offizieller Partner” fungiert, gab es aber auch objektive Kriterien, die für Kramnik sprachen. Der Chef von World Chess, Ilya Merenzon, sagte hierzu:

Wir glauben, dass die Besetzung des Kandidatenturniers am stärksten ist, wenn wir Mr. Kramnik einladen, und wir auf diese Weise den besten Herausforderer von Weltmeister Magnus Carlsen ermitteln können. 

In gewisser Weise wird zudem der „Fehler“ korrigiert, der bei der Freiplatzvergabe des Kandidatenturniers 2016 begangen wurde. Damals war Kramnik die Nummer 2 der Welt, aber den Platz erhielt Levon Aronian dank der Beteiligung armenischer Investoren.

Beim Kandidatenturnier 2016 in Moskau scherzte Kramnik bei der Eröffnung: "Ich dachte, vielleicht taucht einer der acht Spieler nicht auf und ich kann ihn ersetzen!” | Foto: Vladimir Barsky, Russischer Schachverband

Vladimir Kramnik ist derzeit die Nummer 5 der Weltrangliste, scheiterte beim Kandidatenturnier 2013 nur knapp und wurde 2014 Dritter. Er wäre ein toller Gegner für den Weltmeister. Sein Kommentar:

Ich danke allen, die für meine Nominierung verantwortlich sind. In der Regel bekommt dieses Turnier viel Aufmerksamkeit, und die Teilnahme ist für jeden Großmeister eine große Herausforderung. Ich hoffe, dass ich eine gute Leistung zeigen und um den Sieg kämpfen kann!


Unüblicher Zeitpunkt

Die Gründe für die überraschend frühe Vergabe werden in der Presseerklärung so beschrieben:

World Chess und die FIDE haben sich entschieden, die Vergabe des Freiplatzes vor der letzten Grand-Prix-Station bekanntzugeben, damit die Spieler sich beim Grand Prix entsprechend vorbereiten und darauf einstellen können.

Damit weiß Teimour Radjabov nun, dass sich Aserbaidschan nicht als Sponsor am Kandidatenturnier beteiligen wird und er nicht wie 2013 den Freiplatz einnehmen kann. 

Die Vergabe bedeutet aber auch, dass Shakhriyar Mamedyarov und Maxime Vachier-Lagrave, die in der Weltrangliste aktuell vor Kramnik liegen, möglicherweise nicht beim Kandidatenturnier dabei sind. So sieht der Stand im Grand Prix vor der letzten Station aus, wo nur MVL und Radjabov noch Punkte sammeln können:

PlayerFedSharjahMoskauGenfPalmaTotal
1Shakhriyar Mamedyarov14014060340
2Alexander Grischuk14071125336
3Teimour Radjabov71170241
5Maxime Vachier-Lagrave14071211

Da der Sieger 170 Punkte, der Zweite 140 Punkte und der Dritte 110 Punkte bekommt, muss Maxime alleiniger Zweiter und Teimour alleiniger Dritter werden, um sicher beim Kandidatenturnier dabei zu sein. Mamedyarov und Grischuk allerdings können nur warten und hoffen!      


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