Berichte 18.03.2019 | 02:02von Colin McGourty

Vitiugov und Anton gewinnen in Prag

Nikita Vitiugov hat die Premie des ersten Prague Masters gewonnen. Er holte einen klaren Sieg mit 5,5/9, einen halben Punkt vor Vidit, Radek Wojtaszek, Jan-Krzysztof Duda und Boris Gelfand. Nikita wird nächstes Jahr wieder mit dabei sein, genauso wie David Anton, der sich für die 2020er Ausgabe des Masters qualifizierte, nachdem er das Challengers mit 6/9 gewinnen konnte, einen halben Punkt vor Jan Krejci und einen ganzen Punkt vor Ju Wenjun. Das offene Turnier gewann Hannes Stefansson mit 7.5/9.

Nikita Vitiugov mit der Trophäe des Prague Masters | Foto: Vladimír Jagr, Turnierseite

Noch bei unserem letzten Artikels zum Prager Schachfestival führte der erst 20 Jahre alte polnische Großmeister Jan-Krzysztof Duda klar das Masters an, während das 13 Jahre alte indische Wunderkind Praggnanandhaa gerade erst nacheinander Ju Wenjun und Alexei Shirov besiegt hatte, um mit vier anderen Spielern zusammen das Turnier anzuführen. Es kam allerdings alles anders, denn die Führung der jungen Spieler sollte nicht lange dauern! Fangen wir mit dem Masters ans:

Nikita Vitiugov zeigt seine Klasse    

Alle Partien des Prague Masters 2019 kannst du nachspielen, wenn du auf eine der untenstehenden Partien klickst:

Nach dem Ruhetag endeten alle Partien der sechsten Runde remis, aber in Runde 7 bekamen wir, was sich im Rückblick als entschiedner Moment des ganzen Turniers herausstellen sollte: Nikita Vitiugov besiegte Jan-Krzysztof Duda und übernahm die Führung. Nikita spielte die 6.a4 Nebenvariante gegen den Najdorf-Sizilianer, und Duda reagierte zunächst ähnlich (6…g6) wie Maxime Vachier-Lagrave es in seiner kürzlich gespielten Bundesligapartie gegen Vitiugov getan hatte, in der Weiß sich Gewinnchancen erarbeitete. 10…Sxd4 war Duda's Abweichung, und 13.Ta4! schien dann der erste neue Zug der Partie zu sein, der eine Partie von Adams gegen Nepomniachtchi von den London Chess Classic (2017, 0-1) verbesserte:


Nikita beschrieb diesen Zug als "wichtig, weil er ...Lc4 verhindert" und später kam der Turm noch nach b4, wo er den schwarzen Damenflügel paralysierte. Er hatte das Gefühl, dass er nach 18...e5?! gut stand, doch die letzte Chance für Schwarz kam bei Zug 24:


24...Se8!? sieht gefährlich aus, aber der Computer behauptet immer noch, dass Schwarz sich halten sollte, bspw. nach 25.e5 Dxb2! 26.Sd5 Kh8!. Die Partie ging allerdings mit weiter mit 24…Dxb2? 25.Sd5! Txc2 (Nikita schlug 25…Sxd5 vor, aber objektiv gesehen gewinnt Weiß immer noch, bspw. nach 26.Dxd5) 26.La3 und Schwarz hatte schnell eine Figur weniger. Duda entschied sich, bis zum bitteren Ende weiterzuspielen, aber Nikita fiel nie auf irgendwelche Pattideen herein und setzte Duda ganz trocken matt.

Danach sprach er über die Partie und sein Erfolgsrezept: 

Erfolg hängt immer von guten Zügen ab. Ob du das Turnier anführst oder du Letzter bist, du solltest immer das gleiche tun - spiel gute Züge, oder zumindest, versuche es!

Von dort an war es ausreichend für Nikita, seinen restlichen Partien gegen Wojtaszek und Rapport zu remisieren, um sich den unangefochtenen ersten Platz in einem der wenigen Elite-Runden-Turniere zu sichern, bei denen er die Chance hatte, mitzuspielen:


Gerade habe ich die erste Auflage der picf2019 gewonnen. Vielen Dank an die Ausrichter des Events. Es war wirklich großartig, die Atmosphäre war unfassbar! Es war eine Ehre, hier zu spielen und ich freue mich, dass ich mein bestes Schach zeigen konnte. Wir sehen uns nächstes Jahr!  

Die Abschlusstabelle des Masters wurde im letzten Moment noch einmal durcheinander gewirbelt. Harikrishna entschied sich für einen zweifelhaften Plan (14…c5?!) gegen Boris Gelfand, den bereits Jon Ludvig Hammer in größere Probleme gegen Hou Yifan beim Moscow Grand Prix 2017 brachte. 

Boris Gelfand siegte in der letzten Runde und kam so noch auf einen positiven Score | Foto: Vladimír Jagr, Turnierseite

Weiß fesselt bereits einige der schwarzen Figuren auf diverse Weisen, und Boris fand den hier den schnellsten Ausmacher: 


24.Sxb5! und Schwarz gab auf, ohne auf zum Bespiel 24…axb5 25.Txc5! zu warten.

Boris kommentierte:

Natürlich ist es ein gutes Resultat für mich, insbesondere, weil ich zuletzt nicht wirklcih gut spielte. Ich bin froh, hier zu sein, und ich bin zufrieden mit meinem Turnier.

Vidit schnappte sich den zweiten Platz, Radek Wojtaszek wurde Dritter | Foto: Vladimír Jagr, Turnierseite

Gelfand wurde nach Punkten geteilter Zweiter, wurde aber aufgrund der Zweitwertung Fünfter, während Vidits Letztrundensieg ausreichend war, um ihn nach vorne zu bringen. David Navara’s 24.Tc1? schrie allerdings bereits nach Ärger (24.Kf2 läuft in 24…Sxb2, aber nach 25.Kg3 sind die weißen Chancen, die Stellung zu halten, viel besser):


24…b4! 25.Lxb4 Sd2+ 26.Ke3 Sxf1+ 27.Thxf1 Lxf1 28.Txf1 und in 57 Zügen verwertete Vidit seinen Extrabauern zum Gewinn:

Mit dem Sieg in der letzten Runde beendete ich das Prague Masters auf dem zweiten Platz. Lustig, wie die letzte Runde ein Turnier zu einem guten oder schlechten macht. Glückwunsch an den verdienten Sieger, @N_Vitiugov. Es war ein Vergnügen, beim @PragueChess mitzuspielen. Ich nehme viele schöne Erinnerungen mit nach Hause!

Hier ist die Abschlusstabelle (du kannst auf die Partien klicken, um sie mit Computeranalysen öffnen zu können):

Es war ein hartes Turnier für die zwei besten tschechischen Schachspieler. David Navara war der einzige von beiden, der eine Partie gewinnen konnte... gegen seinen Landsmann Viktor Laznicka! | Foto: Vladimír Jagr, Turnierseite

Der amtierende US-Meister Sam Shankland war nicht allzu glücklich über sein Aufwärmprogramm, denn ab nächsten Mittwoch versucht er, seinen Titel in St. Louis zu verteidigen:

Hatte ein ziemlich lethargisches Prague Masters, endete mit meinem ausgeglichenen Ergebnis am Ende in der Mitte des Feldes. Wurde oft auspräpariert (unter anderem in allen vier Weißpartien) und viele meiner Partien kamen gar nicht richtig aus dem Quark. Trotzdem, trotz zweier schwerer Patzer, die mich einen halben Punkt gekostet haben (Lg5 gegen Rapport und Kf7 gegen Gelfand), ging es am Ende für mich nicht so schlecht aus, and ich finde meine Partie gegen Vidit sehr gut. Danke an den Novy Bor Schachklub, mich einzuladen. Es war eine Ehre für mich, in einem solch starken Turnier zu spielen und ich hoffe, dass ich nächstes Jahr wiederkommen kann. Jetzt auf dem Weg nach Saint Louis und zur US Meisterschaft!

Die Partie gegen Richard Rapport war vermutlich die dramatischste des ganzen Turniers, und verdient zumindest ein Diagramm!


Sam, der mit Schwarz spielt, stand zuvor auf Gewinn, läuft aber hier in das unglaubliche 28.Lg5!!, was ganz cool 29.Lh6# droht, wenn Schwarz auf d8 schlägt. Nach 28…Sg8 29.Dd6+ De7 30.Sxh7+ stand Weiß auf Gewinn, aber Rapport fand in den folgenden Komplikationen nicht die beste Fortsetzung. 

David Anton sichert sich einen Platz für das Masters 2020

Spaniens David Anton wird die Chance kriegen, gegen einige der besten Spieler der Welt im nächsten Jahr im Masters antreten zu können | Foto: Vladimír Jagr, Turnierseite

Im Challengers drehte sich der Gang des Turniers auf noch dramatischere Art und Weise, indem alle fünf Partien in der siebten Runde mit einer Entscheidung endeten. Nach zwei starken Siegen in Serie wurde Praggnanandhaa durch den 26 Jahre alten Lokalhelden Jan Krejci gestoppt, der das indische Wunderkind überzeugend überspielte. Alexei Shirov, der in der Vorrunde noch von Praggnanandhaa geschlagen wurde, spielte die Partie des Tages und gewann gegen Ju Wenjun.

Die Schachlegende Vlastimil Hort während der Partie Shirov-Ju Wenjun - es war eine schwierige Partie für die Frauenweltmeisterin, aber sie kam zurück, indem sie ihrerseits in der darauffolgenden Runde die Partie des Tages spielte | Foto: Vladimír Jagr, Turnierseite

Hier das brutale Ende der Partie:


22.Dxe8+! Kxe8 23.Lxb5+ Kd8 24.Bc6!! und Schwarz gab auf, denn Schwarz spielt bald mit einem Turm weniger.

David Anton nutzte seine Chance, um in der Tabelle nach oben zu klettern, indem er einen Mehrbauern gegen den Thai Dia Van Nguyen verwertete. In der nächsten Runde übernahm er die alleinige Führung, indem er David Paravyan mit Schwarz in einer komischen Partie schlug, bei der die Theorie bereits mit Zug 7 verlassen wurde. Praggnanandhaa verlor wieder, dieses Mal gegen Peter Michalik, und es sah so aus, als ob es für ihn die dritte Niederlage in Folge werden könnte und für Anton der dritte Sieg in Folge, denn in der letzten Runde trafen sie aufeinander. Schlussendlich schob Anton einen Freibauern zu spät nach vorne und die Partie verflache in ein Remis. Aber das war genug, damit David den alleinigen ersten Platz für sich reklamieren konnte.

Jan Krejci wurde Zweiter und Ju Wenjun Dritter | Foto: Vladimír Jagr, Turnierseite

Die Partie kommentierte er wie folgt: 

Über das Resultat habe ich heute nicht wirklich nachgedacht. Ich wusste, dass ich auf Gewinn stand und dass ich auf die eine oder andere Weise gewinnen würde. Aber dann realisierte ich, dass es gar nicht so einfach ist...

Das bedeutete eine Einladung zum Prague Masters 2020:

Das wird eines der stärksten Turniere werden, bei dem ich jemals mitgespielt haben werde, deshalb freue ich mich jetzt bereits drauf. Ich bin mit meinen Partien und meinem Ergebnis zufrieden und ich kann gar nicht abwarten, wieder hierher zu kommen.

Die Endtabelle sieht wie folgt aus, Jan Krejci belegte Platz 2 and Ju Wenjun belegte Platz 3:

Der andere Sieger in Prag war der isländische Großmeister Hannes Stefansson, der sechs Partien gewann und drei remisierte, um im Open mit 7.5/9 den alleinigen Turniersieg zu erreichen. Die Partien kannst du dir hier anschauen.

Alina Kashlinskaya wurde die beste Frau im Open | Foto: Vladimír Jagr, Turnierseite

Das nächste große Schachevent, das sich am Horizont abzeichnet, ist die Europameisterschaft, die morgen mit Vladislav Artemiev als Nummer 1 der Setzliste beginnt, und die US Meisterschaft, die ab Mittwoch mit Fabiano Caruana, Wesley So, Hikaru Nakamura und dem Titelverteidiger Sam Shankland startet. Dieses Jahr ist auch Leinier Dominguez mit dabei, nachdem er zum US Verband gewechselt ist, und spielt seine ersten Partien mit klassischer Bedenkzeit seit drei Jahren!

Weitere Links:


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