Berichte 21.04.2018 | 16:55von Colin McGourty

US-Meisterschaft, R3: Caruana schliesst zu den Führenden auf

Niemand kann derzeit Fabiano Caruana aufhalten, nach einem zweiten Sieg in Serie teilt er nun die Führung bei der US-Meisterschaft mit Wesley So und Varuzhan Akobian. Die "Big 3" mussten alle mit Schwarz gegen nominell unterlegene Gegner gewinnen, aber nur Fabiano schaffte es - Wesley So und vor allem Hikaru Nakamura mussten bange Momente überstehen und sich dann mit Remis begnügen. Am Ende erzielten Yaroslav Zherebukh und Sam Shankland die anderen Siege im offenen Turnier. Bei den Damen nur ein Remis, nun führen Nazi Paikidze und Annie Wang.

Caruana besiegte Xiong und teilt nach 3 Runden die Führung bei der US-Meisterschaft | Foto: Lennart Ootes, Turnierseite

Es gab drei Entscheidungen in der dritten Runde des offenen Turniers - ein Klick auf ein Ergebnis im Viewer unten öffnet die Partie mit Computeranalyse, mit der Maus über einen Spielernamen fahren zeigt dessen Paarungen und bisherigen Resultate:

Die Runde mit Livekommentar von Jennifer Shahade, Yasser Seirawan und Maurice Ashley:

Mit Schwarz gewinnen

Am Freitag hatte Schwarz in allen sechs Partien des offenen Turniers die höhere Elozahl, nach Turnier- und Elologik mussten die Stars auf Gewinn spielen. Daher die Eröffnungen...

‌Die Eröffnungen zeigen, dass die Big 3 wirklich unbedingt mit Schwarz gewinnen wollen!

Hikaru Nakamura wählte gegen Alexander Onischuk die vielleicht häufigste "must-win" Methode, 1...d6 und 2...g6. Sein Kommentar nach der Partie:

Alex hatte 0/2, zuvor zwei Niederlagen, also musste ich etwas versuchen...Was ich machte, war aber wohl zu extravagant - Ich bekam jede Menge Probleme. Ich hatte großes Glück, dass ich nicht verloren habe.

Bisher drei Remisen für Nakamura | Foto: Lennart Ootes, Turnierseite

Onischuk deutete an, warum er in die World Chess Hall of Fame aufgenmmen wurde. Hikaru gab zu, dass er 19.c5! übersehen hatte, und stand danach vor einer schweren Entscheidung:


19…Be6!? war die radikale Methode, und nach 20.Lxc6 Tb8 21.Da4 Sh5!? 22.Kf2! Dc7 stand Schwarz bereits kritisch:


Nakamura fasste zusammen:

Ich hatte den Faden verloren und stand wohl schlicht und ergreifend auf Verlust. 22…Bf3 und ich kann praktisch einfach aufgeben, die Idee ist c6.

Man sollte erwähnen, dass nach 22.Bf3 22…dxc5 wegen 23.Be5! nicht geht. In der Partie klärte Onischuk die Situation allerdings sofort mit 23.cxd6!? Dxd6 24.Lxa7. Danach hatte er einen Mehrbauern und dachte anfangs, dass er "total auf Gewinn steht", aber Nakamura fand im Remissinne ausreichendes Gegenspiel gegen den schwarzen König. Alex sagte nach der Partie:

Er ist nicht nur ein großartiger Spieler, sondern außerdem zäh. Um ihn zu schlagen, muss man wirklich 40-45 starke Züge spielen!

Titelverteidiger Wesley So war nicht allzu enttäuscht, das die Chance auf den Bobby Fischer Preis für 11/11 dahin ist | Foto: Lennart Ootes, Turnierseite

Wesley So beschwerte sich ebenfalls, dass sein Gegner Widerstand bot. Gegen den 15-jährigen Awonder Liang spielte er Französisch und hatte nach 12 Zügen einen Bauern auf d3. Auch wenn sein Gegner zwischenzeitlich offenbar Probleme hatte, war Wesley hinterher frustriert:

Ich hoffte auf seinen Fehler in Zeitnot, aber der kam nie.

Dann behandelte Wesley das Endspiel unvorsichtig und würde vielleicht in großer Gefahr schweben, wenn sein Gegner etwas präziser gespielt hätte:


Hier hätte 31.f3! 31...Se4 verhindert und den Königsmarsch ins Zentrum vorbereitet, Schwarz muss dann zumindest aufpassen. Nach stattdessen 31.h4!? Se4! 32.Lf3!? Sc5! war die Gefahr vorbei, und die Partie verflachte zum Remis.

Awonder Liang konnte nun gegen Caruana und So Remis halten, seine Gurke gegen Akobian in der zweiten Runde bezeichnete er als "brain freeze" | Foto: Lennart Ootes, Turnierseite

Fabiano Caruana gewann in den letzten Monaten mehrfach mit Schwarz, gegen den 17-jährigen Jeffery Xiong spielte er in diesem Sinne Benoni. Er sagte, dass er sich die Variante "damals" für ds Kandidatenturnier 2016 angeschaut hatte, gab jeoch zu, dass er nach 10 Zügen aus dem Buch war. Dennoch konnte er bald mit dem Vormarsch des f-Bauern das Brett in Flammen setzen:


Es war offensichtlich zweischneidig, weiter folgte 13.0-0 fxe3 14.Sde4 exf2+ 15.Kh1. Jeffery belagerte dann erfolgreich den f-Bauern, aber nachdem sich der Rauch verzogen hatte hatte er gegen den WM-Herausforderer einen Bauern weniger. Trotz gewisser Kompensation war es dann eindeutig ein langer und schwerer Kampf für ihn.

Fabiano Caruana nun weniger als 20 Elopunkte hinter Magnus Carlsen | Foto: Lennart Ootes, Turnierseite

Ein Fehler im 35. Zug beschleunigte das Ende:


Fabiano bezeichnete 35.Sb5+! as “absolut notwendig”. Dabei hatte er richtig beurteilt, dass er dann nichts besseres als den Rückzug 35…Kd7 hat. Andere Züge erlauben taktische Motive, auch 35…Kc5? 36.b4+! und plötzlich steht der schwarze König exponiert. Jeffery spielte jedoch 35.Re3? und es war danach nur eine Frage der Zeit, bis Caruana seinen Vorteil verwerten und zur Tabellenspitze aufschliessen konnte.

Sam Shankland hinterher über seine Elite-Gegner: "Sie sind auch Menschen, die Fehler machen und sterben können!" Vermutlich meinte er auf dem Schachbrett... | Foto: Lennart Ootes, Turnierseite

Caruana war nicht der einzige elobessere Spieler, der mit Schwarz gewinnen konnte: Sam Shankland besiegte nach zwei ruhigen Runden (nach eigener Aussage war er etwas schlapp - "a bit under the weather”) Zviad Izoria. Die Schlusspointe war hübsch:


34…Bc6! und Weiß gab auf. Natürlich ist der Läufer tabu, und nach 35.Txd4 Lxf3 kontrolliert Schwarz das Feld d1 - der Turm kann nicht zur Verteidigung des Lb1 zurück. Nach 35.De2 droht 35…Dh4! Matt auf h1 und zwingt Weiß zu erheblichen Konzessionen.

Zherebukh wirkte nach dem lockeren Schwarzremis tags zuvor gegen Nakamura inspiriert | Foto: Lennart Ootes, Turnierseite

Das war ein hübsches Partieende, aber noch attraktiver war das Finale in Zherebukh-Robson. Auf den ersten Blick hat Schwarz nach 44…a3 die Chance, den a-Bauern umzuwandeln und die Partie so zu retten:


Yaro blieb jedoch cool und spielte 45.Kxa5!, nach 45…a2 46.Kb6 a1=D hat Schwarz bereits eine Dame, und die weissen Bauern stehen drei Felder vor der Bauernumwandlung...aber Schwarz ist völlig hilflos. Es folgte 47.c6 Ke8 48.c7 und drei Züge später gab Schwarz auf.

Zherebukh hat nun wieder 50%, wie auch Nakamura (und Robson). Caruana, So und Akobian führen momentan:


Führungsduo nach zuvor -quartett

Nazi Paikidze erklärte, dass für sie statt Schach ihre zukünftige Firma im Mittelpunkt steht. Aber bisher hält sie Kurs auf den zweiten US-Meistertitel nach 2016. | Foto: Lennart Ootes, Turnierseite

Derweil wiederum mehr Chaos im Damenturnier, nur eine Partie endete Remis.

Von den vier Führenden vor der Runde gewannen Nazi Paikidze and Annie Wang erneut, Anna Zatonskih musste sich mit Remis begnügen, und Irina Krush verlor spektakulär gegen Anna Sharevich. Irina wusste früh, dass es ein schwerer Tag würde - nach "logischen" Zügen balancierte sie bereits im siebten Zug am Rande des Abgrunds:


Die Drohungen  Lb5+ und Sfg5 nebst Sxf7 sind bereits so konkret, dass Schwarz drastische Massnahmen nehmen muss, Irina entschied sich für 7…Ld6 8.Lb5+ Ke7. Ihr Kommentar nach der Partie:

Es war nicht mein Traum, Ke7 zu spielen! Offensichtlich war meine Zugfolge unvorsichtig - ich rechnete einfach nicht mit so etwas Schlimmem in der Eröffnung…

Sie riss sich danach zusammen, kämpfte gut und träumte davon, selbst die Initiative zu übernehmen. Dann wurde es noch schlimmer. Annas Königsangriff wurde plötzlich unwiderstehlich, und sie bekam die Chance für das ebenso hübsche wie vernichtende 38.Te5!!

‌Züge, die wir alle gerne spielen...

38…fxe5 39.Tf1+ ist dreizügig Matt. Die Kommentatoren lamentierten, dass Anna nach 38…Dc6 statt des "ästhetischeren" 39.Tg5 39.Th5 spielte, aber es war völlig egal. Irina gönnte ihrer Gegnerin sportlich das Partieende 39…Td5 40.Dh8+ Sg8 41.Sg6+ Kf7 42.Dh7#

Nazi Paikidze übernahm die Führung, indem sie Dorsa Derakhshani relativ glatt überspielte. Die 15-jährige Annie Wang gewann dagegen eine Achterbahn-Partie:


Annie sagte hinterher, dass sie 35.Lxg7! sah und sich sicher war, dass sie danach mausetot ist, dem ist so nach 35…Kxg7 36.Db2+! und die Tage des schwarzen Königs sind gezählt. Aber Rusudan Golletiani spielte das maue 35.Lg2? (35.Le6! gewann ebenfalls). Annie, euphorisch dass sie diesen Moment überlebt hatte, übernahm dann die Initiative und gewann später.

Annie Wang, jüngste Spielerin in beiden Turnieren, liegt auch geteilt vorne | Foto: Lennart Ootes, Turnierseite

Nach drei Runden ist dies der Stand im Damenturnier:


In Runde 4 haben die "Big 3" alle Weiß, Grund zur Sorge um Izoria (gegen Caruana), Lenderman (gegen So) and Liang (gegen Nakamura). Für Zuschauer ist es dabei sicher gute Unterhaltung! Die nächste Runde ab 20:00 MESZ (13:00 Ortszeit in St. Louis), mit Livekommentar von Yasser Seirawan, Jennifer Shahade und Maurice Ashley hier auf chess24.   

Siehe auch:


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