Berichte 10.04.2017 | 13:04von Colin McGourty

US-Meisterschaft, R11: Foisor triumphiert, So zockt

Als “traurig und glücklich zugleich” bezeichnete sich Sabina-Francesca Foisor nach ihrer brillanten Angriffspartie, die ihr im Todesjahr ihrer Mutter den US-Meistertitel der Damen einbrachte. Die bis dahin punktgleiche Nazi Paikidze verlor mit Weiß gegen die 15-jährige Jennifer Yu und büßte alle Chancen auf die Titelverteidigung ein. Bei den Herren kommt es am Montagabend zum Stichkampf zwischen Wesley So und Alexander Onischuk, nachdem So mit einem 14-zügigen Remis gegen Daniel Naroditsky ein großes Risiko einging.

Sabina im Gespräch mit Maurice Ashley nach dem Gewinn der US-Meisterschaft der Frauen | Foto: Austin Fuller

Beginnen wir ausnahmsweise mit den Damen, da bei ihnen der Titel durch die beiden entschiedenen Partien bereits vergeben ist:

Den gesamten Live-Kommentar der 11.Runde könnt ihr euch hier noch einmal anschauen:

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Sabina Foisor gewinnt ihre erste US-Meisterschaft

Direkt nebeneinander wurden die beiden entscheidenden Partien ausgetragen | Foto: Lennart Ootes

Die 27-jährige Sabina-Francesca Foisor ist die verdiente neue US-Meisterin. Vor der letzten Runde hatte sie sämtliche sechs Weißpartien gewonnen, während sie mit Schwarz nur zwei Remis bei zwei Niederlagen geholt hatte. Vor der Schlussrunde lag sie mit Nazi Paikidze gleichauf, doch die Titelverteidigerin hatte Weiß und Foisor wusste, dass sie mit Schwarz gegen Apurva Virkud auf Gewinn spielen musste. Und es lief wie am Schnürchen!

Nazi Paikidze schaute zu, wie Sabina Foisor die Partie heimfuhr | Foto: Austin Fuller

Schon im 9.Zug kam sie mit d4 in großen Vorteil, und als sie ihren e-Bauern bis nach e3 durchdrückte, war die Partie entschieden. Sie beendete sie mit einem schönen Damenopfer und meinte nachher: „Ich bin sehr froh, dass ich vor dem Turnier so viel Arbeit in diese Stellungstypen investiert habe … ich wusste, dass ich nach solchen Motiven Ausschau halten musste:“ 


26…Dxg1+! 27.Kxg1 Te1+ 28.Lf1 Tfxf1+ 29.Kg2 Tg1+ 30.Kf2 Tef1+ 31.Ke3 Tf3+ Weiß gab wegen Matt in drei Zügen auf.

Apurva Virkud streckt die Hand zur Aufgabe aus | Foto: Lennart Ootes

Sabina und ihr Verlobter Elshan Moradiabadi hatten ihren Teil erfüllt und konnten nur noch warten | Foto: Lennart Ootes

Durch diesen Sieg konnte Sabina nur noch gestoppt werden, wenn auch Nazi Paikidze ihre Partie gewinnen würde. Auf jeden Fall hatte sie das beste Ergebnis seit ihrer ersten Teilnahme 2009 schon sicher:

·         2009: 7. Platz

·         2010: 8. Platz

·         2011: 4. Platz

·         2012: 6. Platz

·         2013: 6. Platz

·         2014: 7. Platz

·         2015: 8. Platz

·         2016: 5. Platz

Sabina meinte, sie sei “traurig und glücklich zugleich”, und auf die Frage nach ihrer im Januar verstorbenen Mutter sagte sie:

Einige Male hatten wir das Ziel unter die ersten Drei zu kommen. Ich denke, sie ist glücklich, da wo sie ist.


Jennifer Yu stoppte Nazi Paikidzes Titelhoffnungen| Foto: Spectrum Studios

Damit lastete der gesamte Druck auf Nazi Paikidze, die gut in ihre Partie gegen Jennifer Yu kam. Dann jedoch lief Jennifer zu großer Form auf und fand vom 26.Zug an vierzehn Züge lang die laut Computer beste Fortsetzung. Darunter auch die folgende feine Zugfolge:


32…Lc4! 33.De1 Lxf1! 34.Kxf1 Da6+! 35.Kg2 Dd3! wonach Jennifer in der Folge den wichtigen e4-Bauern gewann. Nachdem ein weiterer Bauer verlorengegangen war, begrub Nazi Paikidze ihre Titelhoffnungen und bot Remis an, aber Jennifer spielte zu Recht weiter und erzwang wenig später die Aufgabe. Die 15-Jährige verlor in St.Louis drei Partien, schlug aber auch die ersten Drei der Setzliste Irina Krush, Anna Zatonskih und Paikidze!

Als Paikidze aufgab, war klar, dass Sabina Foisor die neue US-Meisterin ist:

Nazi gehörte zu den ersten Gratulanten und meinte zu Maurice Ashley:

Sabina ist meine Freundin, und ich freue mich sehr für sie. Sie zeigte eine phänomenale Leistung und hat den Titel verdient. 

Auf Twitter schrieb sie:

"2.Platz bei der US-Meisterschaft! Glückwunsch an meine Freundin und Mannschaftskollegin Sabina Foisor zum verdienten Titelgewinn!"

Paikidze suchte nicht nach Ausreden:

Nach der Eröffnung stand ich gut, aber sie hat mich überspielt ... Sie spielte fehlerlos. 

Die siebenmalige Meisterin Irina Krush sagte über Sabina:

Sie zeigte eine überragende Leistung und war wirklich die einzige Spielerin, die weit besser als erwartet spielte. Daher ist sie die verdiente Siegerin.  

Und hier der Endstand:


Anschließend kam es zu einigen heftigen Tandem-Duellen!

So im Stichkampf gegen Onischuk

Wesley So war mit dem schnellen Remis offenbar zufrieden | Foto: Lennart Ootes

Noch nicht entschieden ist das offene Turnier:   

Ein hohes Risiko ging Wesley So mit der Berliner Mauer gegen Daniel Naroditsky ein, den er fügte sich schon nach 14 Zügen ins Remis durch Zugwiederholung. Die beiden Spieler folgten der Partie zwischen Gawain Jones und Wang Hao im Sharjah Open vor zwei Wochen:


Daniel erläuterte seine Gedanken hinterher Maurice Ashley:

Ehrlich gesagt, hatte ich nicht mit der Berliner Mauer gerechnet, sondern gedacht, Wesley würde Sizilianisch oder Französisch spielen. Natürlich konnte ich mich an dieses forcierte Remis erinnern und da ich morgen zwei Arbeiten an der Uni abgeben muss (die ich heute Nacht noch bearbeiten muss), sah ich darin nichts Verkehrtes.  

Er fügte hinzu:

Ich kenne keinen, der Wesleys Berliner Mauer in den letzten 18 Jahrhunderten geknackt hätte, daher hätte ich unter anderen Umständen die Chance genutzt, diesen großartigen Spieler herauszufordern, aber…

Wesley dagegen verließ das Gebäude, ohne sich vorher mit Maurice Ashley zu unterhalten. 

Wesley Sos Zockerei zahlte sich bisher aus - im Stichkampf ist er nun klarer Favorit | Foto: Lennart Ootes

Mit seinem frühen Remis ging So ein großes Risiko ein. Er wusste, dass Varuzhan Akobian und Alexander Onischuk mit Schwarz auf keinen Fall gegen Hikaru Nakamura bzw. Gata Kamsky gewinnen durften, da sonst der Titel futsch gewesen wäre. Damit lagen seine Hoffnungen komplett in fremden Händen. 

Nakamura war in Angriffslaune | Foto: Spectrum Studios

Interessant wäre zu wissen, ob sich Wesley anders verhalten hätte, wenn er die Interviews der Spieler nach der Runde gehört hätte. Hikaru Nakamura räumte ein:

Mein Gedankengang war: Ich wollte, dass es auf jeden Fall einen Sieger und kein Remis gibt. Var kann Wesley im Stichkampf nicht schlagen. Ich wollte einfach eine wilde Partie, die auf jeden Fall einen Sieger findet.

In bestimmter Weise wollten somit beide Spieler dasselbse, denn Akobian meinte:

Mit der Eröffnung war ich sehr zufrieden, doch dann wurde ich zu optimistisch und zog einige Male zu schnell.

Akobian sah den Schlüsselmoment nach Nakamuras überraschendem 26.Dd1 gekommen:


Er hatte in der Vorausberechnung übersehen, dass 26…Dxa2? 27.Ta1! schlecht ist, bekam Panik und tauschte die Damen. Wenig später fand er sich in einem vielleicht noch haltbaren Endspiel mit Minusbauer wieder, aber gegen einen Spieler vom Format Nakamuras war das sehr schwer zu verteidigen. Letztlich leistete Varuzhan keinen ernsthaften Widerstand, dagegen wäre nach 26…Da7! die Partie völlig offen gewesen, da 27.Lxd5? an 27…Lc5! scheitert.

Ein trostloses Endspiel für Varuzhan Akobian, der nach einem tollen Turnier alle Titelchancen einbüßte | Foto: Lennart Ootes

Nach der Partie war Nakamura voller Sympathie für seinen Gegner, der noch nie US-Meister war und vermutlich auch keine so gute Chance mehr bekommen wird. Er verglich ihn mit dem US-Meister von 2006 Alexander Onischuk, dem mittlerweile ebenfalls der letzte Ehrgeiz fehle:

Alex – er ist immer noch sehr stark, aber nicht mehr so motiviert… Er will noch mithalten, hält sich aber für nicht mehr so stark wie früher. Für Var war dies vermutlich die wichtigste Partie seiner Schachkarriere.

Alexander Onischuk muss nun gegen Wesley So iM Stichkampf ran | Foto: Lennart Ootes

Alexander Onischuk spielte gegen Gata Kamsky Spanisch und stand nach der Eröffnung besser. Durch Sos Remis lag der Druck nun voll auf ihm:

Ich dachte, jetzt hängt alles an mir und wenn ich diese Partie gewinne, bin ich zu 90 Prozent US-Meister… Soll ich die Züge spielen, die ich für die besten halte, oder etwas mehr Risiko eingehen? Das war der Grund, warum ich weniger Bedenkzeit hatte.

Schließlich gab es aber doch ein schnelles Remis und damit einen Stichkampf gegen Wesley So.

Kamsky im Interview bei Maurice Ashley| Foto: Austin Fuller

Was sonst noch geschah

Auch wenn das Interesse sich vor allem auf die vorherigen Partien konzentrierte, war Fabiano Caruanas Sieg gegen Ray Robson sicher die spektakulärste Partie bei den Herren. 

Der noch amtierende Meister Fabiano Caruana beendete das Turnier versöhnlich | Foto: Spectrum Studios

Caruana begann das Turnier mit fünf Remis, doch danach fanden alle Partien einen Sieger. Er meinte hinterher, „Ich spielte bei diesem Turnier grausam“, aber die Partie gegen Robson, in der die beiden Kontrahenten bis zu Caruanas 12…a5 einer Partie Nepomniachtchi-Ponomariov folgten, sei seine interessanteste gewesen. Am Ende sah die Sache klarer aus, als sie es vorher wohl war:


Die schwarzen Damen entscheiden die Partie.

Jeffery Xiong konnte mit seinem Ergebnis nicht zufrieden sein| Foto: Austin Fuller

Die anderen Partien endeten remis, wobei Alexander Shabalov eine aussichtsreiche Chance gegen Sam Shankland ausließ und Letzter wurde, während Sam die angestrebte Qualifikation für den Weltcup verpasste. Jeffery Xiong und Yaroslav Zherebukh trennten sich ebenfalls remis, wonach Xiong meinte, sein Selbstvertrauen hätte unter der Niederlage gegen Gata Kamsky gelitten. Zherebukh dagegen bezeichnete paradoxerweise seinen Sieg gegen Caruana als Problem:

Nach sieben Runden hatte ich alle Chancen, aber plötzlich keine Energie mehr.

Hier der Stand vor dem Stichkampf:


Heute Abend tragen Wesley So und Alexander Onischuk zwei 25-Minuten-Partien aus, enden sie beide remis, folgt sofort das Armageddon, in dem Weiß mit mehr Bedenkzeit auf jeden Fall gewinnen muss.

Wird Onischuk zum zweiten Mal Meister oder schafft So die Premiere? | Fotos: Lennart Ootes

Die Entscheidung wird ab 19:50 Uhr MEZ direkt auf chess24 übertragen. Ihr könnt bei allen Partien auch mit unseren kostenlosen Apps zusehen:

         

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