Berichte 31.03.2017 | 11:00von Colin McGourty

US-Meisterschaft, R1: So und Nakamura gewinnen

Wesley So gewann bei der US-Meisterschaft 2017 in St. Louis gegen den Letzten der Setzliste Alexander Shabalov und steht nach diesem Auftaktsieg bei 57 Partien ohne Niederlage. Die frühe Führung teilt er sich mit Hikaru Nakamura, der Ray Robson schlussendlich die Rechnung für seine Bedenkzeiteinteilung (Alexander Grischuk wäre rot geworden) bestrafte. Die übrigen Begegnungen endeten remis, Titelverteidiger Fabiano Caruana hatte gegen Sam Shankland jedoch einige Schwierigkeiten. Bei den Frauen bleibt Anna Zatonskihs unglaubliche Selbstzerstörung in Erinnerung, nachdem sie die ganze Partie lang auf den Sieg gedrückt hatte.

Wesley So bei der Eröffnungsfeier | Foto: Lennart Ootes

Im offenen Turnier der US-Meisterschaft wartet ein Preisfonds in Höhe von 194.000 Dollar, und nur ein einziger Spieler hat eine Wertungszahl unterhalb der 2600 - es steht aber außer Zweifel, wer im Mittelpunkt steht. So, Caruana und Nakamura gehören zu den sechs besten Spielern der Welt, während Jeffrey Xiong als Nächster in der Setzliste die Nummer 71 der Welt ist:


In der ersten Runde waren es Wesley So und Hikaru Nakamura, die siegreich ins Turnier starteten - ihr könnt alle Partien nachspielen, indem ihr auf ein Ergebnis klickt:

Hier könnt die Live-Berichterstattung inklusive aller Interviews mit den Spielern nachholen:

Wesley weiterhin in Fahrt

Derzeit ist Wesley So einfach nicht aufzuhalten. Er schaffte es zum 57. Mal (bzw. seit letztem Juli), nicht zu verlieren. Er schaffte natürlich noch mehr und führte die Partie gegen den 49-jährigen Alexander Shabalov zum Sieg. Es bedurfte nur einiger fehlgeleiteter Züge der schwarzen Dame, und Wesley So hatte die Kontrolle völlig an sich gerissen - auch der schwarze König blieb in der Brettmitte hängen. Der Schlusszug in der Partie - 22. Td7! - ist eine passende Zusammenfassung dieser Partie:


Weiß steht bereit, auf dem Feld c6 durchzubrechen.

Ein harter Arbeitstag für Alexander Shabalov | Foto: Lennart Ootes

Wesley hat die US-Meisterschaft noch nie gewonnen. Er verriet Maurice Ashley, dass das sein dritter Versuch ist - 2015 hatte er +2 erzielt (diese traumatische Meisterschaft mit der genullten Partie), 2016 ohne Niederlage +4. Mit seinem Erstrundensieg steht er in der Live-Weltrangliste bei 2823,8 Punkten, 14,2 Punkte hinter Magnus, und einmal mehr beschloss Maurice, über Wesley Sos Ergebnisse gegen seine Kollegen zu sprechen. Bei den London Chess Classic 2016 zeigten sie leichte Verärgerung und waren einfach nicht gewillt, ihren Rivalen zu loben:

Caruana: Er hat einen guten Lauf, aber ich denke noch immer nicht, dass er irgendwie unschlagbar ist.

Nakamura: Ich denke, dass jeder den Wertungszahlen zu viel Glauben schenkt... Wesley hat furchtbare Resultate gegen Magnus.


Nakamura bestraft Robson

Hikaru Nakamura hatte eine schnittige Zusammenfassung seines Sieges über Ray Robson:

Ich war die ganze Partie lang sehr verwirrt - als ob er sich dieses f5-Abspiel oder Schach seit einiger Zeit nicht angesehen hätte.

Die Verwirrung war verständlich, da Robson in einem Anti-Berliner schnell spielte, bis ihn Nakamuras 12. ... f5 jäh stoppte:


Ray dachte hier 42 Minuten lang nach, auch wenn das bereits zuvor in einer hochkarätigen Partie zwischen Alexander Grischuk und Fabiano Caruana bei den London Chess Classic 2015 gespielt wurde. Caruana würde in diesem Turnier in allen neun Partien remis spielen, aber gegen Grischuk hätte er gewinnen müssen, nachdem dem Russen in Zeitnot ein Fehler unterlaufen war.

Nakamura meinte, das Turnier würde wahrscheinlich dadurch entschieden, wie sich die Top 3 mit Schwarz schlagen - bis jetzt läuft für Hikaru alles nach Plan! | Foto: uschesschamps.com 

Caruana provozierte g6 mit 13. Dh5+, während Robson sich schließlich für sofortiges 13. De2 entschied, aber nach einigen weiteren Nachdenkpausen hatte Ray nur noch rund zwei Minuten zur Verfügung, während sein Gegner noch 1 Stunde 20 Minuten auf der Uhr hatte. Er zeigt in Zeitnot wie Grischuk sehr gute Leistungen und es gelang ihm, ein Endspiel mit Turm und ungleichfarbigen Läufern zu erreichen, das für Schwarz zumindest schwer zu gewinnen war. Es wäre vielleicht immer noch ein Remis gewesen, aber er "brach unter dem Druck zusammen" (Nakamura), und Hikaru ließ sich diese Chance nicht entgehen:


Das Qualitätsopfer 44. ... Txg3! forcierte ein Endspiel, in dem der Läufer und die Bauern des Schwarzen zu stark für den weißen Turm waren. Nakamura gab eine schöne Demonstration der Gewinntechnik.

Danach sprach Nakamura über seine Ziele in den kommenden Jahren, in denen er sich auf die Weltmeisterschaft konzentrieren wird:

Es wäre schön zu gewinnen, aber man muss es praktisch sehen, was im Leben wichtiger ist. Ich würde mich mit dem fünften Platz hier zufrieden geben, wenn ich dadurch für das Kandidatenturnier qualifiziert wäre.


Vergebene Chancen

Fabiano Caruana versucht, seinen Titel zu verteidigen | Foto: Lennart Ootes

Die übrigen Partien waren voller Zwischenfälle, aber keiner konnte sie für einen Gewinn nutzen. Sam Shankland fühlte, dass etwas "psychologischer Nonsens" von ihm - er deutete an, zur Stellungswiederholung bereit zu sein - Fabiano Caruana zu einem überhasteten Zug provozierte; Caruana meinte jedoch, dass er mit seiner passiven Stellung einfach unzufrieden war. 22. ... h5!? ging beinahe nach hinten los:


Shankland konnte mit 23. Tc4! die siebente Reihe erobern, aber später entglitt ihm sein Vorteil. Fabiano formulierte es so: "Er hat mich ziemlich einfach entkommen lassen."

Shankland spielt gegen den Titelverteidiger remis. Er ist nicht völlig begeistert davon.

Der Debütant Yaroslav Zherebukh gab zu, gegen Gata Kamsky kein gutes Ergebnis zu haben:

Wir spielen einfach, spielen und spielen, und dann sehe ich mir plötzlich meine Stellung an und muss aufgeben.

Ihm gelang jedoch ein unwahrscheinlicher Coup, als er seinen Gegner mit 1. e4! statt seines üblichen 1. d4 überraschte. Gata dachte vier Minuten lang nach, ehe er 1. ... c5 spielte und Anatoly Karpov nachzuahmen versuchte, der meinte, er hätte ein wunderbares Fingerspitzengefühl dafür zu erraten, wo junge Gegner für ihn Eröffnungsfallen vorbereitet hatten... und sie zu vermeiden. 

Seltsame Dinge passieren bei Zherebukh - Kamsky! Kamsky packt den seltenen O'Kelly-Sizilianer aus. Zherebukh antwortet mit Le2!?!

Kamsky gelang das jedoch nicht, und er fühlte, dass sein Gegner ihm im 20. Zug zur Hilfe kam:


Zherebukh meinte: "Ich hätte an einem Punkt aufs Ganze gehen sollen", und beide Spieler fühlten, dass 20. Kh1 hier viel zu langsam war. 20. Sxg7!? ist sehr gut spielbar, Weiß kann aber auch 20. Sxe5 dxe5 21. Dg4 versuchen, falls er nicht alle Brücken hinter sich abbrechen will. Nach dem Textzug konnte Kamsky seinen Springer vom Rand wegziehen und später den Damentausch erzwingen.

Gata sagte hinterher, dass ihn der Anblick der jungen Spieler daran erinnerte, wie er selbst gekämpft und gearbeitet hatte:

Ich sehe diese Jungs an und erkenne mich in ihnen wieder. Ich kann das mit meiner derzeitigen Vorbereitung und Energie nicht machen... Ich möchte einige Wertungspunkte, etwas Geld bekommen... und auch einige gute Partien spielen.

Gata kann der Jugend noch immer das eine oder andere beibringen! | Foto: Lennart Ootes

Die am schnellsten beendete Partie des Tages war Onischuk - Naroditsky, in der ein spektakulärer Schlagabtausch im 34. Zug durch Dauerschach zu Ende ging. In der längsten dauernden Partie scheiterte Junioren-Weltmeister Jeffery Xiong knapp daran, ein Endspiel gegen Varuzhan Akopian zu gewinnen.

Anna Zatonskihs Schnitzer

Im Frauenturnier legte die Jugend einen guten Start hin:

Maggie Feng trennte sich von der siebenfachen US-Meisterin Irina Krush remis und bemerkte hinterher, dass es ihre erste Partie gegen Irina war, seit sie als 9-jährige in einem Simultanmatch gegen sie verloren hatte. Die 14-jährige Emily Nguyen spielte gegen die regierende Meisterin Nazi Paikidze sicher remis und räumte danach ein: "Ehrlich gesagt war mein Ziel zu Beginn, nicht Letzte zu werden!”

Nazi Paikidze dachte über sechs lange Monate Medienberichterstattung wegen ihrer Entscheidung, nicht im Iran zu spielen, nach: "Es hat mein Leben sehr beeinflusst. Ich denke, dass sich seither alles verändert hat. Ich war seit damals im Rampenlicht. Ich bin daran einfach nicht gewöhnt." | Foto: Lennart Ootes

Die einzige Jugendspielerin, die umfassend überspielt wurde, war Apurva Virkud, die gegen Tatev Abrahamyan - eine der Favoritinnen im Turnier - unter die Räder kam. Die Partie erinnerte an Sos Sieg über Shabalov:


Schwarz könnte vielleicht überleben, wäre da nicht 21. c4! De5 22. Txb7! Txb7 23. Sc6!, und Weiß gewinnt den Läufer auf d6 und hat eine überlegene Stellung.

Tatev, wie man sie noch nie zuvor gesehen hat...

Zwei Partien endeten jedoch auf dramatische Weise, nachdem sie remis zu enden schienen. Carissa Yip hatte gegen Sabina-Francesca Foisor auf Sieg gespielt, wählte im 62. Zug jedoch das falsche Feld für ihren König. Wäre er nach h6 gezogen, wäre es einfach Remis, aber sie spielte stattdessen 62. ... Kh8? und übersah einen entscheidenden langen Rückzug der Dame:


63. Db8+ Tf8 64. Dh2+! Schwarz gab auf

Doch das war nichts im Vergleich zur folgenden Partie: Die vierfache US-Meisterin Anna Zatonskih hatte die 15-jährige Jennifer Yu in einem Turmendspiel in den Seilen, musste jedoch einräumen, dass es einfach ein Remis war. Dann entschloss sie sich zum Zug 57. ... Td1+??, da sie meinte, "es sei einfach ein einfacherer Weg, das Remis zu erreichen":


Anna erkannte die wirkliche Lage am Brett, als sie 58. Kc2! sah, nachdem es nur noch die Aufgabe gibt. Weiß droht Matt mit Ta8#, daher ist der Turm verloren. Ein schmerzvoller Auftakt für die Nummer Eins der Setzliste im Frauenturnier!

Die größte Überraschung in Runde 1: Jennifer Yu bezwingt die ehemalige Meisterin Anna Zatonskih

In der zweiten Runde kommt es zum Spitzentreffen Caruana - Nakamura!


Shankland - So und Xiong - Robson versprechen ebenfalls Spannung.

Chess24 überträgt die Partien ab 20:00 Uhr MEZ: Open | Frauen  Ihr könnt bei allen Partien auch über unsere kostenlosen Apps zusehen:

         

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