Berichte 31.03.2019 | 11:53von Colin McGourty

US Meisterschaft 8-9: Die großen Jungs übernehmen

Hikaru Nakamura und Lenier Dominguez führen die US Meisterschaft 2019 an und spielen in der zehnten Runde gegeneinander. Sie haben wie auch alle anderen Spieler mit einem Rating von mehr als 2700 Punkten in Runde 9 gewonnen, was bedeutet, dass Fabiano Caruana immer noch einen halben Punkt zurück liegt, während Wesley So mit einem Punkt Rückstand ebenfalls noch im Titelrennen mitmischen kann. In der Frauenmeisterschaft hat Anna Zatonskih die Lücke zu Jennifer Yu auf einen halben Punkt verkürzen können, bevor sie in Runde zehn aufeinandertreffen werden. Keine andere Spielerin kann die Meisterschaft mehr gewinnen.

Fabiano Caruana gewann in Runde 9 schon wieder wie auch Nakamura, Dominguez, So und Shankland | Foto: Lennart Ootes, Turnierseite

Nach einer dramatischen siebten Runde der US Meisterschaft verlief die achte Runde ziemlich ruhig. Die großen Aufeinandertreffen zwischen Nakamura und Shankland sowie zwischen Caruana und So endeten remis, auch wenn es so aussah, als ob Wesley So Fabiano noch etwas hätte quälen können, wenn er vor der Zeitkontrolle ein wenig präziser gespielt hätte. In der Tat war die einzige entschiedene Partie auch gleich eine besonders bedeutsame, denn der Debütant bei den US Meisterschaften, Leinier Dominguez, erspielte sich mit guter Technik einen Sieg gegen Sam Sevian in einem Turmendspiel, dessen Einschätzung zunächst Remis lautete. Damit konnte Dominguez zu Nakamura in der Tabelle aufschließen.

Runde neun hingegen war der Tag, an dem die Stars der Meisterschaft ihre Dominanz gegenüber dem restlichen Feld eindrücklich unter Beweis stellten:

Hikaru Nakamura hatte das Gefühl, dass er Ray Robson schlagen muss, weil Dominguez in den letzten drei Runden noch gegen Awonder Liang und Timur Gareev spielt... und er schaffte es, seine Mission umzusetzen! | Foto: Lennart Ootes, Turnierseite

Es gab einige ziemlich brutale Siege. Nakamura meinte, er pokerte ein wenig, als er eine Variante des Sizilianischen Drachens wiederholte, die bereits in einigen Partien von Ray Robson vorkam. Und auch wenn der Drachenläufer früh getauscht wurde, baute Nakamura schnell einen mächtigen Angriff auf. Die Zeit, den Vorteil zu verwerten, kam nach 28.Tf6:


28…Txc2! 29.Txe6 Dc4 (sofort 29…a3 funktioniert ebenfalls) 30.Tef6 a3! und es gab nichts mehr, das Nakamura stoppen konnte. Nach der Partie meinte er, dass er glaubt, "fast perfekt" gespielt zu haben. Du kannst dir seine Kommentare zur Partie anhören und Interviews von fast allen Spielern sehen, wenn du hier klickst:

Leinier Dominguez hielt mit Nakamura Schritt, indem er den dritten Sieg in Folge feierte, dieses Mal gegen Awonder Liang. Ein taktischer Trick Awonders verlor im frühen Mittelspiel einfach nur einen Bauern, den Dominguez schlussendlich mit Stil zum Sieg führte:


50…Kf7 würde in 51.Txe6! Kxe6 52.Lxf8 laufen, aber die Partiefortsetzung 30…Tdxd6 51.Sxd6 Txd6 52.a6! war auch nicht besser. Awonder entschied sich dazu, nicht sofort seinen Turm auf a6 zu opfern, aber es war klar, dass wenn Dominguez die Erlaubnis bekommt, den Bauern umzuwandeln, die schwarze Stellung dem Untergang geweiht ist.

Dominguez gewann gegen den jüngsten Spieler des Turniers, Awonder Liang | Foto: Lennart Ootes, Turnierseite

Lediglich einen halben Punkt hinger den Führenden liegt Fabiano Caruana. Magnus Carlsens Necken scheint mittlerweile eine ferne Erinnerung zu sein. Magnus gewann dieses Jahr in Wijk an Zee innerhalb von vier Runden drei Partien, nachdem er einen Rekord für die längste Remisserie aufgestellt hatte. Nun hat Fabiano das gleiche in St. Louis getan, nachdem er mit fünf Remis startete und insgesamt in zuvor 27 Partien in Folge ohne Sieg blieb.

"Irgendwie hatte ich heute schon einen großen Kampf erwartet, deshalb entschied ich mich für Holländisch", kommentierte Caruana die Erwiderung von 1.d4 mit 1…f5 gegen Varuzhan Akobian und merkte an, dass die Partie mit dem neunten Zug seines Gegners zu kippen begann:


Das war ein kalkuliertes Risiko von Caruana, aber der Computer denkt, dass sein geplantes 9.gxf5! Qxb2!? einen vergifteten Bauern schnappen würde. Wir werden niemals mitbekommen, wie sich die Partie weiterentwickelt hätte, denn Varuzhan entschied sich für 9.Na4?!, was Caruana als "schlicht falsch" beschrieb. Schnell war Schwarz in der Vorhand und obwohl Fabi nicht immer die besten Züge fand, konnte er in gegenseitiger Zeitnot in ein Endspiel abwickeln, dass er zu Recht als sehr vorteilhaft abschätzte. Akobian hat nun vier der letzten fünf Partien verloren und leistete auch nicht allzu viel Widerstand.

Wesley So und Varuzhan Akobian | Foto: Lennart Ootes, Turnierseite

Wesley So gewann gegen Aleksandr Lenderman in einer ähnlich chaotischen Partie seine zweite Partie des Turniers nach zuvor sechs Remis. Das bedeutet, dass seine Chancen auf den Titel noch immer vorhanden sind, auch wenn er weiß, dass er mindestens einen halben Punkt Rückstand auf die Spitze haben wird, bevor es in die letzte Runde geht.

Timur Gareyev hatte einige gute Moment in St. Louis, aber er musste auch fünf Niederlagen einstecken und findet sich derzeit auf dem letzten Platz wieder | Foto: Justin Kellar, Turnierseite

Die Reihe der Siege der Spieler mit mehr als 2700 Elo wurde durch Sam Shankland komplettiert, dessen Gegner Timur Gareyev bereits mit Zug 7 in großen Schwierigkeiten war. Hier ist die Stellung nach 9.a3:


Der Läufer geht nicht einfach so verloren, denn Schwarz kann noch 9…Lc5 10.dxc5 e4 spielen, aber nachdem sich der Rauch legte, hatte Sam zwei Bauern mehr. Nach 78 Zügen gewann er schlussendlich, denn Timur gelang es nicht, alle Bauern vom Brett zu nehmen, um ein Turm gegen Turm und Springer Endspiel zu erreichen.

In Runde 8 kam Nakamura gegen Shankland nicht über ein Remis hinaus | Foto: Lennart Ootes, Turnierseite

Das war der erste Sieg des amtierenden US Meisters im diesjährigen Turnier und er sagte im Anschluss, dass es "einfacher wäre zu sagen, was richtig lief" als das, was falsch lief. Denn bereits mit Beginn des Events lief es gegen ihn. Er erinnerte zum Beispiel daran, dass er seinen Zeitplan so einrichtete, dass er vor der US Meisterschaft einen freien Monat hatte, diese dann aber vorgezogen wurde, um der Grand Chess Tour entgegenzukommen. In der Folge spielte Sam einige Turniere am Stück ohne Pause.

Sam kann dennoch mit einem respektablen Ergebnis das Turnier abschließen, aber seinen Titel kann er selbst mathematisch nicht mehr verteidigen:


Die Meisterschaft der Frauen entscheidet sich nun auch offiziell zwischen zwei Spielerinnen, nachdem es in Runde 9 die Dritte, Tatev Abrahamyan, nicht schaffte, einen Vorteil gegen die Führende Jennifer Yu zu verwerten.

So nah und doch so fern ist die Meisterschaft für Tatev Abrahamyan, die auf Platz drei liegend 2 Punkte Rückstand und keine Chance auf den Titel hat | Foto: Lennart Ootes, Turnierseite 

Jennifer hat 8 Punkte, während Anna Zatonskih wieder nur einen halben Punkt hinter ihr liegt. Anna wurde die erste Spielerin seit Sabina Foiser in der letzten Runde der letztjährigen Meisterschaft, der es gelang, gegen Annie Wang zu gewinnen (das Ergebnis bedeutete, dass Annie einen Playoff gegen Nazi Paikidze spielen musste, den sie am Ende verlor). Anna bewertete richtig, dass das folgende Bauernendspiel für Weiß schwer zu halten sein würde, weil Schwarz am Königesflügel potentiell einen entfernen Freibauern bilden kann:


Das Turnier könnte keine bessere Szenerie für uns bieten, denn Anna Zatonskih spielt jetzt mit Weiß gegen Jennifer Yu in der vorletzten Runde. Wenn Jennifer gewinnt, ist sie eine Runde vor Schluss US Frauenmeisterin, aber mit jedem anderen Ergebnis würde die Spannung bis zur letzten Runde fortbestehen.

Anna Zatonskih würde genau wie Hikaru Nakamura zum fünften Mal US Meister werden, wenn sie ihre letzten beiden Partien gewinnt | Foto: Lennart Ootes, Turnierseite

In der US Meisterschaft der Männer sieht es ähnlich aus. Nakamura hat in der vorletzten Runde Weiß gegen Dominguez. In diesem Fall sind aber mehr Spieler mit von der Partie. Caruana merkte zum Beispiel an, dass seine Partie gegen Lenderman "im Prinzip gewonnen werden muss".

Verpass nicht die ganze Action. Die Partien starten um 13:00 Uhr lokaler Zeit, also 19:00 Uhr MEZ, live hier auf chess24: Open | Frauen

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