Berichte 26.03.2019 | 23:15von Colin McGourty

US Meisterschaft 5-6: Naka führt, Fabi gewinnt wieder

Fabiano Caruanas Durststrecke endete letztlich doch, nachdem er in Runde 6 der US Meisterschaft Jeffery Xiong geschlagen hat und seinen ersten Sieg nach 28 sieglosen Partien in 5,5 Monaten feierte. Dieser Sieg brachte ihn auf einen derzeit geteilten zweiten Platz zusammen mit Leinier Dominguez, Wesley So und Sam Sevian, denn Hikaru Nakamura schlug Timur Gareyev und übernahm mit 4/6 die alleinige Führung, bevor es in den Ruhetag ging. Bei den Frauen steht Tatev Abrahamyan nun bei 4 Siegen in Serie, während Anna Zatonskih mittlerweile bei  5/6 steht. Beide allerdings sind immer noch in der Verfolgerrolle, denn 17 Jahre alte Jennifer hat unfassbare 5.5/6.

Nakamura und Caruana trennten sich in Runde 5 remis | Foto: Lennart Ootes, Turnierseite

Alle Partien der US Meisterschaft kannst du nachspielen, wenn du auf eine der folgenden Partien klickst:

Fabiano gewinnt endlich wieder

Nach 4 Runden der US Meisterschaft war Magnus Carlsen aufgefallen, dass Fabiano Caruana mittlerweile seit so vielen Partien sieglos war wie er alt ist und Anish Giri merkte an, dass Magnus und Fabi ihm jede Chance wegnehmen, diesbezüglich einen Rekord aufzustellen. In Runde 5 übertrumpfte Fabiano diese Marke dann sogar:

Anish Giri: Es ist gut, dass er es jetzt geschafft hat, denn mit jedem Jahr werden diese Dinge nur noch schwieriger.

Er hatte allerdings keinen Grund, sich über ein relativ entspanntes Remis mit Schwarz gegen Nakamura zu beschweren. Und er sah keinen Anlass dazu, zurückzuschlagen,... zumindest jetzt noch nicht:

chess24: Caruana entschied sich, nicht auf die Provokationen einzugehen: "Ich werde jeden Rekord nehmen, den ich kriegen kann!"

Diese Gelassenheit war es auch, die ihm half, keine der klassischen Partien der Schachweltmeisterschaft zu verlieren und in der nächsten Runde schaffte er es gegen den 18 Jahre alten Jeffery Xiong schlussendlich doch wieder auf die Siegerstraße. 12.b4 war eine Anti-Berlin Idee, die bereits von Vishy Anand gegen Hikaru Nakamura gespielt wurde, im Blitzturnier der Grand Chess Tour 2017 in Saint Louis:


Nakamura verbrauchte damals 50 Sekunden, eine Ewigkeit im Blitz, bevor er dann doch zu 12…axb4 griff und ein Remis erzielte. Aber Jefferey schien diese Partie nicht zu kennen und entschied sich nach 15 Minuten für 12…Lb6!?. Es war keine Verbesserung, aber Fabiano erklärte im Anschluss, dass obwohl Schwarz Spiel am Damenflügel bekommt, dieses nicht wirklich zu irgendetwas führt, während der weiße Angriff am Königsflügel langsam, dafür aber schwer zu stoppen ist.

Beim 28. Versuch hatte Fabiano Caruana endlich das Glück auf seiner Seite! | Foto: Lennart Ootes, Turnierseite

Dennoch bedeutete das nicht, dass verzweifelte Maßnahmen die richtige Art und Weise gewesen wären, die Partie fortzuführen:


Xiong's 26…g5?! schrie schon nach Ärger, und der kam alsbald nach 27.hxg6 Lxg6 28.a4 Da6 29.Lh6 Tg8:


Fabi gab hier den a-Bauern mit 30.Tag1 und beschrieb es als “kein wirklich kompliziertes Opfer”, denn nach 30…Dxa4?! 31.Se7! war die Partie im Prinzip vorbei – die Abwendung von direktem materiellem Verlust nach 30…Te8 würde Schwarz auf der g-Linie nur großes Unglück nach 31.g5! bringen. Deshalb spielte Xiong 31…Dd4 und landete schnell in einem hoffnungslosem Endspiel, und dieses Mal machte Caruana keine Fehler und brachte den Punkt nach Hause. 45.La5! legte den Finger noch einmal in die Wunde!


Caruana kommentierte dazu, “es ist nicht notwendig, aber es ist die sauberste Lösung!” 45...Td8, was den Läufer aufgibt, hätte ebenso ausgereicht, aber so kann Schwarz nur zusehen, wie seine neue Dame nach 46.Tc8+ und 47.Td8+ gleich wieder eingesammelt wird.

Fabi sagte zu Maurice:

Es fühlt sich wirklich gut an. Es war eine lange Zeit, sieben Monate seit meiner letzten gewonnenen klassischen Partie. Es fühlte sich gut an und ganz Allgemein denke ich, war es eine gute Partie.

Ganz so lange war es nicht - bloß 5 Monate und 23 Tage oder so! - aber hier konnte man die offensichtliche Erleichterung des Herausforderers des Weltmeisters sehen:

Mit 3.5/6 liegt Caruana derzeit auf dem geteilten zweiten Platz, zusammen mit Wesley So und Leinier Dominguez, die sich in einer spannenden Partie in Runde sechs unentschieden trennten, und Sam Sevian, dessen Angriff zu viel war für Varuzhan Akobian. In seiner üblichen Zeitnot griff er fehl:


25…f4!, öffnet die Diagonale des Läufers bis zum Bauern auf h3, was der Beginn des Angriffs war. Die Stellung wurde immer schlechter für Akobian, der auch in der nächsten Runde gegen Awonder Liang verlor, und das trotz eines so unterhaltsamen Fazits:

Nach 46.Dxe2+ Kf8 war Weiß dazu gezwungen, 47.Dxd2 zu spielen was die Gabel 47…Se4+ erlaubt, doch obwohl die eine Dame ins Gras beißen musste, war der Bauer auf a5 nicht mehr zu stoppen.

Alex Lenderman beobachtet die unterschiedlichen Herangehensweisen von Timur Gareyev und Awonder in Bezug auf das Schach und das Leben an sich | Foto: Crystal Fuller, Turnierseite

Das bedeutete ein großes Comeback für Awonder, den jüngsten Spieler im Feld, der ein remisiges Endspiel gegen Timur Gareyev tags zuvor verloren hatte. Gareyev hatte es in der Zwischenzeit in Runde 6 mit Hikaru Nakamura zu tun. Vermutlich hätte man vorhersagen können, dass die Partie seltsam anfangen würde, und tatsächlich waren die Spieler bereits ab Zug sechs auf sich allein gestellt. Bis zu einem gewissen Punkt war die Stellung von Timur in Ordnung, aber es schien so, als ob Zug 21 der Zeitpunkt war, ab dem es schief ging:


Hikaru meinte, dass das Problem seines Gegners darin bestand, dass er "nicht versuchte, die schwarzfeldrigen Läufer zu tauschen", als er die Chance hierzu hatte. Und hier hätte er es mit 21...Sh5! tun können. Stattdessen hatte er nach 21…Df5?! 22.Sf1! dazu plötzlich keine Zeit mehr, denn Se3 droht, die Dame und den Bauern auf d5 gleichzeitig anzugreifen. 22…Tad8 deckte den Bauern, aber 23.b4! erhöhte den Druck, und Nakamura beschrieb das, was folgte, als "geschmeidig". Zu dem Zeitpunkt, als er den Bauern auf d5 im 31 Zug gewann, war dieser nur noch der Nachtisch, denn zuvor hatte er bereits den a- und b-Bauern von Schwarz verschlungen! Die Partie dauerte dann auch nicht viel länger:   

chess24: Hikaru Nakamura schlägt Gareyev und geht als Führender in den Ruhetag der #USCHessChamps.

Der Sieg bringt Nakamura die alleine Führung ein. Noch sind aber fünf Runden in Saint Louis zu spielen:

Tatev Abrahamyan verschärft die Misere von Irina Krush | Foto: Lennart Ootes, Turnierseite

Der Kampf in der Frauenmeisterschaft ist noch dramatischer. Die Setzlistenerste Irina Krush ist lediglich einen halben Punkt vom letzten Platz entfernt, nachdem sie drei Niederlagen in vier Partien einstecken musste. Die letzte davon geschah gegen Tatev Abrahamyan, die nun vier Siege in Folge in der Meisterschaft gefeiert hat, obwohl sie mit einer Niederlage gestartet ist:


Der Held jedoch bleibt die erst 17 Jahre alte Jennifer Yu, deren Chancen auf den Gewinn des mit 64.000 Dollar dotierten Bobby-Fischer-Preis' sich mit einem Remis in Runde 5 in Luft auflösten. Sie "schlug aber gleich zurück" und gewann ihre fünfte Partie in Runde 6 mit ihrem Selbstvertrauen, besser zu rechnen als ihre Gegnerin, was dazu führte, dass ihre Gegnerin eine Gewinnvariante verpasste!

Jennifer Yu jongliert mit Schach und Hausaufgaben, aber 5.5/6 ist kein schlechter Punktestand! | Foto: Lennart Ootes, Turnierseite

Objektiv gesehen kam Jennifer in Schwierigkeiten, aber Maggie Feng’s 37.Dxc6? war der letzte Fehler (nach 37.gxh4! stünde Weiß auf Gewinn):


Jennifer nutzte ihre Chance mit 37…hxg3+ 38.fxg3 f4!, und Maggie entschied, keinen weiteren Widerstand zu leisten und spielte 39.Dc7 (andere Züge würden das Unvermeidliche nur hinauszögern) 39…Dxg3+ 40.Kg1 Td1#

Chess24: Großartiges Ende in Feng vs. Yu. Erst stand Jennifer Yu auf Gewinn, dann auf Verlust, dann auf Gewinn und gab schlussendlich Matt - und das innerhalb von einem Dutzend Zügen!

Jennifer hat einen Punkt Vorsprung auf Tatev Abrahamyan, liegt aber lediglich einen halben Punkt vor der vierfachen US Meisterin Anna Zatonskih, die alle ihre vier Partien mit den weißen Steinen gewinnen konnte.

Anna trifft am Mittwoch in Runde 7 auf ihre Erzrivalin Irina Krush, während in der offen US Meisterschaft die "Großen 3" alle die schwarzen Steine führen, aber sehr wahrscheinlich trotzdem den Kampf suchen werden.  Die Paarungen lauten Akobian-Nakamura, Xiong-So and Gareyev-Caruana. Verpasse nicht die Action beginnend um 13:00 Uhr lokaler Zeit bzw. 19:00 Uhr MEZ, live hier auf chess24: Open | Frauen

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