Berichte 05.10.2019 | 16:38von Colin McGourty

Teimour Radjabov gewinnt den FIDE World Cup 2019

Teimour Radjabov, einer der fast in Vergessenheit geratenen Spieler im modernen Schach, hat seiner Karriere einen großen Triumph hinzugefügt, indem er den Topgesetzten Ding Liren im Tiebreak besiegte und somit den 2019er FIDE Grand Prix in Khanty-Mansiysk gewann. Weltmeister Magnus Carlsen bezeichnete den aserischen Großmeister als "absolut verdienten Sieger." Nach einer Serie von Remis konnte sich Radjabov durchsetzen, indem er beide 5-Minuten-Blitzpartien gegen Ding Liren für sich entschied. Maxime Vachier-Lagrave sagte, dass es "schön ist, mit einem guten Gefühl abzureisen", nachdem er sich den dritten Platz gegen Yu Yangyi bereits nach nur zwei Partien sichern konnte.

Teimour Radjabov war der Überraschungssieger des FIDE World Cup 2019. Ding Liren wird zum zweiten Mal in Folge Zweiter | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Alle Partien des World Cups kannst du hier nachspielen:

Und hier kannst du dir noch einmal den Kommentar unseres hochklassigen Teams am letzten Tag anhören. Während der ersten Partie kommentierten Jan Gustafsson und der achtfache Russische Meister Peter Svidler, bevor dann ab Partie 2 noch Magnus Carlsen mit an Bord kam:

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MVL wird Dritter, aber das Kandidatenturnier ist in weiter Ferne

“Finished, it's finished, nearly finished, it must be nearly finished”
Endgame, Samuel Beckett

Das Spiel um Platz 3 im FIDE World Cup ist dasjenige, welches niemand spielen will. Es wäre anders gewesen, wenn Magnus Carlsen und Fabiano Caruana im Finale gestanden hätten, da sich dann ein direkter Kandidatenplatz eröffnet hätte, aber der dritte Platz bedeutete nur, dass eben dieser Spieler für eine Wildcard in Betracht gezogen werden könnte. Im Falle von Maxime hat er die Anforderungen bereits durch seine Elo erfüllt, so dass das Einzige, was wirklich auf dem Spiel stand, die Differenz von $10.000 zwischen $60.000 für den dritten Platz und $50.000 für den vierten Platz war. Es ist eine interessante Frage, ob er bereitwillig auf diese 10.000 Dollar berzichtet hätte, um Sibirien fünf Tage früher zu verlassen, wenn das eine Möglichkeit gewesen wäre!

Ein Match über 5 Tage, das beide gern vermieden hätten, doch am Ende setzte sich MVL durch | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

"Jetzt um Platz 3 spielen zu müssen, wäre sehr hart", meinte auch Radjabov nach seinem Sieg. Doch zumindest war der letzte Tag kurz und versöhnlich für Maxime. Natürlich heißt das auch, dass er kurz und traurig für Yu Yangyi endete. Der chinesische Spieler spielte in Khanty-Mansiysk die Eröffnungen einfallsreich und unvorhersehbar, doch überlebt hat er sie in beiden Partien kaum. In der ersten Partie verlangte 9...Sc7? (9...e5! scheint gut zu sein) nach einer Bestrafung:


Maxime dachte zum ersten Mal an dem Tag wirklich nach und opferte dann mit 10.d4! einen Bauern und als er diesen fünf Züge später wieder einsammelte, hatte er bereits eine dominante Stellung erreicht. Yu Yangyi brach dann unter dem Druck, seine schwachen Bauern verteidigen zu müssen, zusammen. Maxime schaffte es, zwei dieser Bauern zu erobern und den Sieg davonzutragen.

Die zweite Partie war ähnlich einfach für MVL. In einer Grünfeldverteidigung, die Maxime dieses Jahr bereits einige Kopfschmerzen bereitete, kam ihm "seine" Eröffnung zur Hilfe, als er darauf angewiesen war. Yu Yangyi kam mit 12.d5?! auf die schief Bahn, als seine Versuche, auf Sieg zu spielen, nach hinten losgingen. Auch in dieser Partie hatte er schnell zwei Bauern weniger als er eine Entscheidung traf, die seinem Leiden schnell ein Ende setze:


Weiß hätte hier rochieren und so noch ein wenig weiterkämpfen sollen, doch stattdessen entschied sich Yu Yangyi für 20.Lxe7?, wonach 20…Tfe8! 21.Lg5 b4 (das bereitet ...Lc3+ vor) 22.Kf1 der taktische Schlag 22…Txe2! die Partie beendet 23.Kxe2 Lb5+ 24.Ke1 Lc3+:

chess24: MVLs sibirische Tortur ist vorbei. Er besiegt Yu Yangyi in beiden Schnellschachpartien und schnappt sich Platz 3 und damit 60.000 Dollar beim FIDE World Cup!

Die Nr. 3 der Setzliste wurde also Dritter und auch, wenn er darüber nicht sonderlich glücklich war, freute er sich darüber, dass es vorbei war:

Es ist natürlich eine Erleichterung. Es ist immer noch enttäuschend, dass ich es nicht geschafft habe, mich direkt für das Kandidatenturnier zu qualifizieren.... Ich hoffe, eine Chance im FIDE Grand Prix ab November zu haben, aber es ist natürlich sehr gut, mit einem guten Resultat abzuschließen. Heute habe ich sehr gut gespielt. Natürlich habe ich von Anfang an sehr gute Stellungen bekommen, das hat auch sehr geholfen.

Alle sind Sieger... fast alle! | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Maxime wird nicht beim Turnier auf der Isle of Man mitspielen, sondern sich eine Pause gönnen:

Nein, ich fliehe nicht vor meinen Pflichten! Seit Juni spielte ich praktisch ohne Pause, die nehme ich mir im Oktober.

Die Chancen von Maxime, sein erstes Kandidatenturnier zu spielen, hängen nun davon ab, wie er bei den Grand Prix Turnieren in Hamburg und Tel Aviv abschneidet oder ob er eine Wild Card bekommt. Es kann die Chancen von Maxime bei der Wahl der Wildcard erhöhen, dass er doppelt qualifiziert ist - durch seine Elo und den dritten Platz beim World Cup - obwohl die Organisatoren in Jekaterinburg einen russischen Spieler bevorzugen könnten, wenn sie die Chance dazu haben. Der beobachtende Magnus Carlsen hatte einige Ratschläge!

Hast du mal Wikipedia geprüft? Jekaterinenburg hat bestimmt eine französische Schwesterstadt. Ich würde die Stadt herausfinden, dann dort hinziehen und vermutlich die Wild Card bekommen. Denn ich glaube, Motylev ist der beste Spieler aus Jekaterinenburg, wenn mich nicht alles täuscht. Ich glaube nicht, dass sie einen Topspieler haben... Noch mal, ich würde Maxime raten, so schnell wie möglich dorthin zu ziehen!

Es stellte sich heraus, dass es keine französischen Schwesterstädte gibt, obwohl Wuppertal eine Schwebebahn aus dem Jahr 1901 hat | Quelle: Wikipedia

Teimour Radjabov sorgt für eine letzte Überraschung

Teimour Radjabov zeigte ein Level an Motivation und Aggressivität, das man in den letzten Jahren nicht von ihm gewohnt war | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Das bedeutete aber auch, dass uns vom wahren Kampf um den Sieg im World Cup nichts ablenken sollte. Und es war ein Finale, das nicht enttäuschte. Die erste Partie folgte Aronian-Carlsen von den 2015er Londoner Chess Classic bis zum Zug 14...h6, als Teimour für fünf Minuten nachdachte. Es war sicherlich eine Option, den Springer auf g5 stehen zu lassen, wie es auch Aronian mit 15.Tfe1 tat oder gar mit 15.f4. Der zuschauende Peter Svidler erinnerte sich daran, wie tödlich Teimour in solchen Stellungen sein kann:

chess24: Wenn du noch nicht in den Live-Stream eingeschaltet hast, hast du bereits "eine Geschichte von Onkel Peter" verpasst.

Seine Strategie in den späteren Runden in Khanty-Mansijsk war es auch, Risiken einzugehen, um Tiebreaks zu vermeiden oder sie schnell zu überstehen. Wie er es ausdrückte: "ein Versuch, zu gewinnen, und wenn es klappt, ist das toll, wenn nicht, kann ich mich ausruhen!" Das ging im ersten Tiebreak gegen Shakhriyar Mamedyarov fast nach hinten los, wo die aserische Nummer 1 hätte gewinnen können. Teimour bemerkte, dass es die gleiche Geschichte gegen Ding Liren war.

Schließlich entschied er sich für 15.Sf3 und es war nach und nach Ding Liren, der die Initiative mit den schwarzen Figuren übernahm, bis er objektiv auf Gewinn stand. Der kritische Moment kam bei Zug 32:


Teimours 32.Tb5, was sich gegen die Drohung ...Tg5+ verteidigt, war ein guter Versuch und mit nur noch 15 Sekunden auf der Uhr gespielt. Ding, der noch 8 Minuten hatte, spielte schnell und beging mit 32...e5? einen Fehler. Er dachte erst nach, als die Stellung nach 33.c5! dynamisch ausgeglichen wurde. Der Computer schlägt das stilechte 32...Lc5! vor, aber es gibt viele ruhigere Alternativen, auch 32...Tf6. Ding meinte dazu im Anschluss:

Heute spielte ich zu Beginn der ersten Partie gut und bekam einen großen Vorteil, sowohl auf dem Brett als auch auf der Uhr. Aber vermutlich habe ich es mit ...e5 verzockt - I sollte positionell spielen und dann ist die Stellung gewonnen, denke ich.

Nachdem ihm die Kontrolle entglitt, verlor Ding seinen Vorsprung auf der Uhr und auf dem Brett, bis Weiß sogar hätte gewinnen können:


40.a5! war die erste einer Reihe von Möglichkeiten für Teimour, die Partie zu drehen. 40...bxa5 klappt offensichtlich nicht wegen 41.Lxa5. Aber wenn man das nicht spielt, wird der Bauer nach a5-a6 ein Monster. Teimour hatte keine Zeit und schaffte es im Kopf nicht, vom Überleben- in den Gewinnmodus zu schalten. Nach 40.Db5 ging die Partie dem Remis entgegen.

Ding Liren war nah dran, die Führung zu übernehmen | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Auch in der zweiten Partie spielte Ding schnell und hatte bald einen Vorsprung von 10 Minuten auf der Uhr, doch Magnus Carlsen, der sich dem Kommentatorenteam anschloss, fühlte, dass es mehr Gründe gab, schnell zu spielen, als nur Eröffnungswissen und Selbstvertrauen:

Ding ist dabei, zu einem ziemlich guten Bluffer zu werden. Er ist definitiv ein hinterhältig guter Bluffer! Er spielt die meiste Zeit schnell und man glaubt dem Kerl sehr oft, weil er so ein guter Spieler ist, aber dann stellt sich oft heraus, dass er nicht wirklich wusste, was er tat, aber er spielt schnell, er spielt selbstbewusst und es ist nicht so einfach, die Bluffs rechtzeitig zu erkennen.

Er ist offensichtlich sehr müde, und wenn man müde ist, ist das schnelle Spielen eine gängige Strategie. Du weißt, dass du, wenn du zu lange nachdenkst, es einfach vermasseln wirst. Es ist besser, der Intuition das Spielen zu überlassen!

Es gab Momente, in denen es so aussah, als ob Radjabov Chancen hatte, die Initiative zu übernehmen und Magnus kritisierte Ding dafür, nicht auf die Strategie zu wechseln, das Remis abzusichern. Dennoch wurde mit Zug 40 das Remis vereinbart.

Um zu entscheiden, wer in der ersten 10-Minuten-Partie die Weißen Steine führt, wurde eine Münze geworfen. Ding Liren sollte zum zweiten Mal in Folge Weiß haben. Er wiederholte die Variante aus der vorherigen Partie bis Zug 13, doch auch wenn er kurzfristig einen kleinen Vorteil hatte, verpasste er seine beste Chance auf mehr (20.Da1!) und fand sich danach sogar in einigen Schwierigkeiten wieder. Magnus war beeindruckt, wie risikofreudig Radjabov mit 23...Dxb3! auf Bauernraub ging.

chess24: Magnus sagt, dass Radjabovs 23...Dxb3!? "so mutig ist, das ist verdammt cool... das ist der Moment, wo Radjabov das Turnier gewinnen könnte"

Magnus hat auch richtig vorhergesagt, dass trotz eines riesigen schwarzen Vorteils die Partie mit einem Unentschieden enden würde, da die erforderliche Präzision für eine Partie mit verkürzter Bedenkzeit zu gering war, besonders wenn man nur die Hälfte der Zeit seines Gegners hat. Die zweite 10-Minuten-Partie war viel weniger spannend, da Ding Liren mit den schwarzen Figuren gut verteidigte. Es blieb daher Zeit für andere Themen, wobei Magnus eine häufige Frage beantwortete:

Wenn die Frage war, ob ich Kasparov oder Fischer als besser erachte, glaube ich, dass kein seriöser Schachspieler oder Historiker behaupten würde, dass Fischer im historischen Kontext größer als Kasparov wäre.

Sollte Magnus noch zu den Blitzpartien bleiben? Die Antwort war:

Das ist die Art von einem nicht zu schlechten, aber auch nicht wirklich gutem Film, dessen Ende du unbedingt sehen willst!

Sergey Shipov kommentiert vor Ort auf Russisch | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Die erste Blitzpartie, in der Ding Liren Weiß hatte, solte schlussendlich für den Ausgang des World Cups entscheidend sein. Die chinesische Nummer 1 hatte einen gesunden Vorteil, verpasste aber hier und da die Chance auf mehr, doch selbst im Endspiel stand Ding noch etwas besser. Doch von nun an begann Radjabov, das Ruder zu übernehmen. Er sagte im Anschluss, dass er "in der Lage war, Ding zu überspielen", als es nur noch darum ging, aus dem Gefühl heraus zu ziehen. Er lehnte sogar ein Remisangebot ab, weil das Angebot Dings nur seine Nervosität betonte. Nerven waren aber etwas, das Radjabov nicht zu kennen schien:

Jan: Dieser Radjabov ist ganz schön cool unter Druck, oder?

Magnus: Es ist beeindruckend, absolut beeindruckend. Vielleicht fühlt er einfach gar keinen Druck.

Die Partie drehte sich nach 52.Kb5?, worauf 52…Sf5! folgte


Weiß kann den Bauern auf g3 nicht verteidigen, ohne den Läufer wegen der Gabel ...Sd6+ zu verlieren.

Olimpiu G. Urcan: Ein 30.000 Dollar teurer Fehler: Dings 52.Kb5 (was 52...Sf5 53.g4 Sd6+ übersieht) wird sehr teuer, weil Teimour Radjabov den World Cup 2019 gewinnt

Sowas passiert, wie Magnus ausführte:

Es ist sehr schwer, Spieler zu kritisieren, wenn sie nur noch Sekunden auf der Uhr haben und so viel auf dem Spiel steht. Aus Erfahrung weiß ich, dass es unmöglich ist, unter solchen Umständen gut zu spielen.

Selbst nach 53.Kxa5 Sxg3 gab es noch Chancen (57.Kd4! hält womöglich remis), aber es wurde studienartig und nach ein paar weiteren Ungenauigkeiten war Ding Liren dem Untergang geweiht und der Weltmeister beschrieb diese Niederlage als "abscheulich":

chess24: "Für Ding muss das absolut abscheulich sein!" - Magnus. Teimour Radjabov gewinnt ein scheinbar ungewinnbares Endspiel und nun muss Ding auf Knopfdruck mit Schwarz gewinnen, um das Armageddon zu erzwingen!

Jetzt musste Ding zwingend gewinnen, um noch ins Armageddon zu kommen. Er spielte Sizilianisch und bekam alles, worauf er in der Eröffnung hoffen konnte. Seine große Chance kam im 22. Zug:


Schwarz zog gerade mit der Dame von e7 nach f7, wonach sie kaum noch Felder hat. Es ist nicht so offensichtlich, dass 22.c3?! nun ein schlechter Zug zwar (er nimmt Dame und Springer das Feld c3), aber 22...Dc7! hätte Schwarz nun großen Vorteil gewinnt. Es droht ...b6 mit Damenfang und die Auswege für die Dame durch Bewegen der a- oder f-Bauern hat auch seine Nachteile. Magnus sagte, dass Dings 22...h4?! "einfach nur die eigene Königsstellung und die weißen Felder schwächt, wenn es ohne Plan passiert." Nach 23.h3 gab es noch eine weitere Chance auf 23...Dc7!. Doch stattdessen spielte Ding 23...Td7?, was mit 24.Db6! beantwortet wurde, wonach die Tür für Ding geschlossen war.

Radjabov sagte dazu:

Zu einem bestimmten Zeitpunkt wurden meine Figuren unkoordiniert, ich hatte weniger Zeit, vielleicht zwei Minuten, doch irgendwie hielt ich da Gleichgewicht, fand vermutlich die richtigen Züge, brachte meine Figuren zurück ins Spiel und die Dame nach b6, was denke ich eine sehr gute Entscheidung war. Von dort kontrollierte sie immer f2 und verhinderte ...Txf2-Tricks.

Eine schöne Kombination folgte nach 40…Txb6:


41.Td7! Dxd7 42.Sf6+ und die Dame fällt wegen des gefesselten Turms. Wenige Züge später hatte Radjabov den World Cup und $110,000 gewonnen!

chess24: Glückwünsche an Teimour Radjabov zum Gewinn des FIDE World Cups 2019! Ding Liren wird zum zweiten Mal in Folge Zweiter.

Teimour Radjabov: Gerade den World Cup 2019 gewonnen. Da gibt es nichts hinzuzufügen.

Ein sichtlich erschöpfter Radjabov war im Anschluss sehr glücklich, obwohl es nicht die Begeisterung war, die er empfand, als er die internationale Schachbühne betrat:

Ich werde mich nicht so feiern wie mit 15 oder 16, als ich damals Garry in Linares besiegte. Damals war ich extrem glücklich in diesem Moment. Er war einer der besten Spieler aller Zeiten, ich lernte von seinen Partien, ich gewann gegen ihn und ich war sehr glücklich in diesem Moment. Das kann man mit heute nicht vergleichen. Das hier ist ein Turniersieg, gegen Garry war es nur eine Partie in einem Turnier. Ich habe jetzt keine Pläne. Ich plante das auch nicht. Sonst würde ich zu Hause oder so eine Party steigen lassen...

In der Pressekonferenz sagte er später auf Russisch:

Um ehrlich zu sein, plante ich, als Erster abzureisen, nun bin ich der Letzte. Alle meine Freunde schieden aus dem Turnier aus und ich war in solch einer kollegialen Stimmung, dass ich entweder das Turnier gewinnen muss oder es irgendwie ärgerlich wäre, wenn man sonst bis zum Ende hier bleiben muss. Um Platz 3 zu spielen fände ich sehr hart.

Sieger und Besiegter | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Der Sieg war eine erstaunliche Leistung für einen Spieler, der, obwohl er als Zehnter gestartet war, nach einem verheerenden Kandidatenturnier in London im Jahr 2013 fast vom Radar des Spitzenschachs verschwunden wäre. Obwohl Teimours Elo in den letzten Jahren gestiegen ist, hat er kaum gespielt. So spielte er 2018 in Shamkir 9 Partien (alle remis) und 10 Partien bei der Olympiade in Batumi (4 Siege, 6 Remis). In diesem Jahr war es mit Wijk aan Zee (13 Partien, 1 Sieg und seine erste Niederlage seit 2017), Shamkir (9 Remis), dem Moskauer Grand Prix (2 Remis gegen Nakamura und Niederlage im Tiebreak) und Dortmund (6 Remis, 1 Sieg) ein wenig belebter.

Radjabov meinte in seinem Interview nach der Partie, dass er nach allem nun doch beim Kandidatenturnier 2020 starten wird:

Ich dachte, ich muss ein paar Pläne machen, um mich auf das Kandidatenturnier vorzubereiten. Aber alles ganz entspannt. Ich bin mir nicht sicher, ob Carlsen es mir glaubt dass ich mich darauf vorbereiten werde. Aber es soll mir einfach Spaß bringen.  

Magnus Urteil dazu konnten wir am Finaltag gleich einfangen:

Er ist immer noch ein sehr, sehr guter Spieler. Er kennt sich selbst in diesem speziellen Format, wo es so wertvoll ist, schwer zu schlagen zu sein, dass er sehr gefährlich sein kann, und deshalb denke ich, dass es an ihm liegt, dass er die Turniere, die er spielen möchte, auswählt. Ich denke, er hat noch einige Ambitionen in dem Sinne, dass er bei jeder Partie gut abschneiden will. Ich glaube nicht, dass er das realistisches Ziel hat, Weltmeister zu werden oder so, aber es gibt auch keinen Grund, warum er aufhören sollte.

Nach Ende des Matchs war Magnus voll des Lobes für Teimour und seine Leistung in Sibirien:

Was soll ich sagen? Das Comeback von Radjabov, im Finale zurückzuliegen und dann zurückzukommen, den Landsmann Mamedyarov und dann Maxime und schlussendlich Ding in einem engen Match zu schlagen... Das ist eine herausragende Leistung! Er hat so viel Charakter im Finale gezeigt. Ein herausragendes Comeback und heute mit seinen Nerven, auch gegen Mamedyarov, als er in der entscheidenden Partie besser rechnete... er schlug Xiong und MVL mit beeindruckenden Weißpartien. Einfach ein wunderbares Turnier für ihn - er ist ein absolut verdienter Sieger.

Damit schaffte es Ding nicht, die Dominanz der Spieler aus der Ex-UdSSR zu brechen!

Douglas Griffin: Alle sind in der Sowjetunion geboren. Es wirft immer noch einen langen Schatten auf das Schach...

Die Nr. 1 Chinas gab zu, dass er am Finaltag überspielt wurde und es muss schwer für ihn gewesen sein, das hinzunehmen. Das sagte Magnus:

Das letzte Mal verlor er das Finale gegen Aronian, jetzt wieder zu verlieren muss eine große Enttäuschung sein. Ich denke, er hatte sehr hohe Ambitionen zu diesem Zeitpunkt und er wird nicht viel Positives von diesem Turnier mitnehmen, auch wenn er das sollte! Er spielte so stark und gewann die Tiebreaks nahezu mühelos gegen starke Spieler. Nur am letzten Tag scheiterte er knapp und offensichtlich ist er sehr erschöpft.

Der Moment, als es für Ding vorbei war - von lustigen memes abgesehen, ist es unwahr, dass Ding keine Emotionen gezeigt hätte | Foto: Kirill Merkuryev, Turnierseite

Jetzt, so scheint es, sollte es endlich eine Chance für Ding Liren geben, sich nach Monaten des ununterbrochenen Schachspiels auszuruhen, aber die Schachwelt hört nicht auf, sich zu drehen. Das Grand Swiss auf der Isle of Man beginnt am Donnerstag, den 10. Oktober, mit Carlsen und Caruana, die aus Spaß spielen, während So, Anand, Yu Yangyi (keine Pause für einige Spieler!), Karjakin, Grischuk, Aronian, Artemiev, Nakamura und Svidler um einen Platz im Kandidatenturnier kämpfen. Magnus hatte eine Erkältung, aber als er von Jan gefragt wurde, ob er noch spielen würde, antwortete er:

Ja, ich fühle mich genesen. Davon abgesehen haben ich einen Haufen Elo zum Verteilen übrig!

Er wies schon zuvor darauf hin, dass Anish Giri vielleicht eine Chance vertan hat, als er sich vom Turnier abmeldete:

Um ehrlich zu sein, habe ich mich in den letzten Tagen ein wenig unwohl gefühlt, also denke ich jetzt, dass "mein Junge" (Anish Giri) ein leichtes Remis gegen mich hätte bekommen können, wenn ich mich immer noch nicht so gut fühle, und ein paar Elopunkte..... Vielleicht hat er dort also eine große Chance verpasst!

Das nächste Topturnier ist nun die Europäische Mannschaftsmeisterschaft, die ab dem 24. Oktober beginnt (Batumi). Die Aseris sind das verteidigende Team und an Nr. 2 ist Russland gesetzt. Wir können also davon ausgehen, Teimour Radjabov wieder in Atkion zu sehen. Anish Giri wird für die Niederlande am Start sein unter Bondscoach Jan Gustafsson. Jan fragte Magnus, ob er zustimmen sollte, wenn ihn Giri fragen würde, ob er nur Weiß haben darf, um seine Chancen auf die Qualifikation für das Kandidatenturnier über die Elo zu erhöhen:

Ja, ich würde dem Gesuch stattgeben. Wie das Sprichwort eben lautet: Die Bedürfnisse eines Giri sind wichtiger als die Bedürfnisse vieler!

Damit beenden wir die Berichterstattung des World Cup 2019. Wir hoffen, ihr hattet euren Spaß und bleibt uns bei den kommenden Events treu - natürlich und vor allem auch dem chess24 Geschwätzblitzcup!

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