Allgemein 21.01.2022 | 10:23von Joe

Tata Steel Tage 4 & 5: Shakh dreht auf!

Weitere zwei Tage sind in Wijk aan Zee beim Tata Steel Chess 2022 gespielt. Erneut sehen wir drei Spieler in Führung, die sich mit 3.5/5 Punkten vom Verfolgerfeld absetzen konnten: Shakhriyar Mamedyarov, Vidit und Richard Rapport. Jungstar Andrey Esipenko und Weltmeister Magnus Carlsen sind mit 3/5 Punkten im direkten Verfolgerfeld. Letzterer konnte marginale Chancen nicht nutzen und musste sich mit zwei Remisen zufrieden geben, die ihn seinem 2900-Ziel noch nicht näher bringen. Mamedyarov scheint seine Form gefunden zu haben. Während er zuvor mit wilden Eröffnungsvarianten zu überraschen wusste, schlug er nun nach drei Remisen in Folge mit zwei Siegen zu. Bei den Challengers spielt der junge Inder Arjun Erigaisi - der bereits mit Rustam Kasimjanov zusammenarbeitete - bisher ein fantastisches Turnier und ist mit 4.5/5 alleiniger Führender.

Shakh scheint seine Form gefunden zu haben | Foto: Lennart Ootes, offizielle Website


Wie immer könnt ihr die Partien mit Computeranalyse auf chess24 nachspielen, klickt dazu einfach einen der beiden Links:

Masters | Challengers

Den Live-Kommentar mit Peter Svidler und Jan Gustafsson könnt ihr euch hier ansehen.

Tag 4:


Tag 5:


Shakh schlägt zu!


Wir hatten zuvor darüber berichtet, dass Shakhriyar Mamedyarov die Kommentatoren und Zuschauer massiv schockte, als er in seiner Partie gegen Andrey Esipenko 3.g4?! spielte. Damit bewies der Aserbaidschaner abermals, dass er immer für eine Überraschung und interessantes Schach gut ist. Dennoch brachte ihm sein Einfallsreichtum in den ersten drei Runden des Tata Steel 2022 lediglich drei Remisen in Folge ein. Das sollte sich in der 4. Runde gegen Jan-Krzysztof Duda ändern. Shakh entschied sich für 1.d4, es entwickelte sich ein Abgelehntes Damengambit und schon bald kamen die Damen im 8. Zug vom Brett. Darauf folgten mehrere Leichtfiguren. Während Mamedyarov lang rochiert hatte, stand Dudas König etwas exponierter auf der 7. Reihe. Bis zum 14. Zug folgten die Spieler noch der Partie Radjabov-Carlsen aus dem Jahr 2021, die in einem Remis endete. Neue Pfade beschritten beide, als sich Shakh für 15.Sg3 entschied:



Daraufhin brachten beide Spieler ihre Figuren in Position, Duda verstärkte seine Bauern am Königsflügel mit seinem König, während Mamedyarov seine Türme zum Angriff mobilisierte. Zwischenzeitlich sah es dann danach aus, als hätte er sich zu viel vorgenommen:



Er spielte 25.Te8. Ein Zug, den der Computer als Fehler einstufte, da Duda mit dem eleganten 25.Sg6! alle entscheidenden Felder decken konnte. Die Engine wollte 25.Th1 sehen, um Druck auf die h-Linie und den Bauern auf h5 auszuüben sowie den Springer von h4 zu vertreiben. Während zuvor eine ausgeglichene Stellung auf dem Brett war, wurde nun klarer Vorteil für Schwarz angegeben. Nichtsdestotrotz fuhr Mamedyrov mit seinem Plan fort, konnte den Bauern auf e5 gewinnen und begann, seinen eigenen König ins Spiel zu bringen. Schließlich gelangten die Spieler in ein Endspiel, bei dem Shakh eine Qualität mehr besaß, Jan-Krzysztof jedoch einen gedeckten Freibauern:


35.Txc5


Jan-Krzysztof reagierte darauf mit 35...Kf3, worauf 36.Tb4 folgte. Hier war Duda dann mit 36...h3? zu voreilig und Mamedyarov konnte die Stärken seiner Türme ausspielen: 37.Tc3+ Kg4 38.Tcc4 Tf8 (Duda muss seinen doppelt angegriffenen Springer decken, verlässt damit indes aber die Verteidigung seines Freibauern) 39.Txb7 (Mamedyarov gewinnt mehr Material) 39.h2 (ein letzter verzweifelter Vorstoß) 40.Th7 (Mamedyarovs Turm auf der 7. Reihe ist eine zerstörerische Wucht) Kg3 41.Kb3 Schwarz gibt auf. Der Punkt ist, dass Jan-Krzysztof Duda seinen Freibauern früher oder später nicht mehr verteidigen kann und die weißen Türme zu stark sind, da der Materialvorteil zu groß ist. Dies war der erste Sieg von Shakhriyar Mamedyarov im Turnier.

In der 5. Runde trat Shakh dann gegen den Gewinner des letzten Jahres und Sekundanten Magnus Carlsens, Jorden van Foreest, an. Die Spieler folgten einer Variante der Spanischen Eröffnung, die momentan sehr en vogue ist und auch im Weltmeisterschaftsmatch zwischen Carlsen und Nepomniachtchi gespielt wurde. Diesmal war es jedoch Jorden, der seinen Patronengurt leer schoss und voll auf scharfen Angriff spielte. Richtig wild wurde es im 21. Zug, als er 21.Sf7 spielte:



Vielleicht hatte Jorden 21...Lxf7 als Antwort antizipiert, worauf er 22.exf7+ Txf7 23.Se6 hätte spielen können. Hierzu ließ sich Mamedyarov indes nicht hinreißen und spielte das starke 21...Txf7! Darauf ging es Schlag auf Schlag: 22.exf7+ Bxf7 23.Sxf5 23...c4! (eine schöne Gabel) 24.Lxc4 Sxf5 25.Lxa6 Sd6 26.Df3 Lc5 27.Ld3 Txa5 28.Txa5 Dxa5. Wo manche Spieler langsam in ein Endspiel geraten, fielen Shakhriyar und Jorden förmlich der Tür ins Haus. Als sich der Nebel des Krieges verzogen hatte, konnte Shakh das Läuferpaar und eine äußerst aktive Stellung vorweisen, während Jordens Turm etwas passiv stand. Schließlich gelang es Mamedyarov seinen Freibauern auf der c3-Linie vorzurücken und seinen König vor Schachs durch die Dame abzusichern. Die Stellung war verloren und Jorden van Foreest gab sich im 44. Zug geschlagen:


Das Ende einer wahnsinnig unterhaltsamen Partie: 44...Dd1



Die Mitführenden Vidit & Rapport


Damit ist Shakhriyar Mamedyarov unter den drei Führenden, zu denen auch Vidit und Richard Rapport gehören. Letzterer konnte den Jungstar Praggnanandhaa in der 5. Runde in einem komplizierten Mittelspiel überspielen, als diesem ein Fehler unterlief:



Statt den Turm auf d2 zu schlagen, wollte Pragg Material auf dem Brett behalten. Dadurch hatte Rapport jedoch gleich mehrere Möglichkeiten aktiv zu werden. Er wählte 32.Kd4, brachte seinen König zur Verstärkung seiner Bauern und konnte diese letztlich unaufhaltsam voranschreiten lassen. Am Ende wurde dieser Vorstoß zu viel für den Inder und er gab im 56. Zug auf:


Gute Laune vor der Partie: Praggnanandhaa und Rapport | Foto: Lennart Ootes, offizielle Website


Vidit bleibt mit einem fantastischen Start und zwei Remisen in Folge gegen Andrey Esipenko und Lokalmatador und guten Freund Anish Giri weiterhin mit 3.5/5 unter den Führenden des Turniers.

Das unterhaltsame Duo Vidit/Giri | Foto: Lennart Ootes, offizielle Website


Weltmeister Magnus Carlsen dürfte mit seinen letzten beiden Runden alles andere als zufrieden sein. Der Norweger hatte sich für 2022 das Ziel gesetzt als erster Spieler aller Zeiten endlich die 2900er Marke zu knacken. Gegen seinen Sekundanten Jorden van Foreest sowie den Tabellenletzten des Turniers, Nils Grandelius (ebenfalls ein wichtiger Sekundant Carlsens beim Match 2018 gegen Fabiano Caruana) konnte er jedoch nicht mehr als Remisen rausholen. Damit hat er zwar noch immer alle Chancen - gegenwärtig bei 3/5 - das Turnier zu gewinnen. Will er jedoch ordentlich Wertungspunkte gewinnen, muss er in den kommenden Runden (in der 6. Runde ist Richard Rapport sein Gegner) ganze Punkt machen.

Schach ist schwer... | Foto: Lennart Ootes, offizielle Website


Arjun Erigaisi brilliert


Arjun Erigaisi ist nach 5 Runden alleiniger Führender mit fantastischen 4.5/5 Punkten. Nach einem ruhigen Start mit einem Remis gegen Lucas van Foreest lief der indische Jungstar zu Höchstform auf. Mit vier Siegen in Folge gegen Max Warmerdam, Daniel Dardha, Roven Vogel und Volodar Murzin konnte sich Erigaisi bereits mit einem ganzen Punkt Vorsprung von seinen Verfolgern absetzen. Ex-Weltmeister Rustam Kasimjanov, der bereits mit dem Jungtalent zusammengearbeitet hatte, betonte damals, dass es eine Freude wäre mit ihm zusammenzuarbeiten. Erigaisi verriet erstmals nach seinem fantastischen Sieg beim Tata Steel India Rapid, dass er mit dem ehemaligen Sekundanten von Fabiano Caruana und Vishy Anand in Kontakt sei. Nun schielt er auf einen weiteren Sieg bei einem Tata Steel-Event!

Einer der vielversprechendsten Vertreter der neuen Schach-Generation: Arjun Erigaisi | Foto: Lennart Ootes, offizielle Website


Hier die Tabellen der beiden Turniere nach der 5. Runde:



Seid live dabei, wenn heute um 14 Uhr die 6. Runde beginnt. Peter Svidler und Jan Gustafsson werden wieder live für euch die Partien kommentieren!

Siehe auch:


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