Berichte 26.01.2015 | 15:17von chess24 staff

Tata Steel R13: Carlsen triumphiert, die Jugend steigt auf

Während Magnus Carlsen ein Remis hielt, hatten seine Rivalen die Chance, ihren Zug zu machen. Zunächst schien es jedoch so, als bevorzugten sie einen extra Erholungstag: Ding Liren – So und Vachier-Lagrave – Wojtaszek endeten in kurzen, aber spektakulären Remis. Anish Giri und Fabiano Caruana zeigten mehr Ehrgeiz und siegten mit Schwarz gegen Ivan Saric bzw. Baadur Jobava, sodass sie 3 Runden vor Schluss 1,5 Punkte vom Spitzenreiter trennen. Loek van Wely verbuchte ebenfalls seinen ersten Sieg und verglich sich mit einem blinden Huhn, als er Hou Yifan in einer von Lawrence Trent analysierten Partie schlug.

Anish Giri und Fabiano Caruana stiegen vor den letzten drei Runden auf +2, liegen also 1,5 Punkte hinter Magnus | Fotos: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Ergebnisse von Runde 10 Tata Steel Masters


Die ganze Spannung vor Runde 10 des Tata Steel Masters konzentrierte sich auf die Frage, ob Carlsen "einen Caruana hinlegen" und sieben Siege hintereinander würde erzielen können. Als diese Frage von Vassily Ivanchuk sehr abrupt beantwortet wurde, blieb eine Lücke zurück, die von einem wunderbaren Interview mit Magnus nur teilweise gefüllt werden konnte.

An den Brettern häuften sich die Remis:

Ding Liren 1/2 – 1/2 Wesley So (Partie nachspielen)

Wenn du etwas anstrebst, das bekanntermaßen forciert remis ist, ist es immer gut, im Gegensatz zu der Ivanchuk-Carlsen-Partie etwas zu nehmen, was die Zuschauer zumindest unterhält. Wesley So hat das definitiv erfüllt, als er eine alte, von Mikhail Botvinnik bevorzugte Variante auswählte und einen Bauern auf h4 nahm, der lange als vergiftet angesehen wurde. Nach der "Widerlegung" 9.Db3 reagierte er mit dem typischen Computerzug 9…g5!


Er erlaubte Ding Liren, einen Turm auf a8 zu nehmen, führte im Austausch dafür aber einen spektakulären Einschlag auf e3 aus: 13…Dxe3+


"Ich nehme an, So ist noch in der Vorbereitung - ihm fehlen viele Figuren..." war Carlsens trockener Kommentar kurz danach und tatsächlich erinnerte sich Wesley richtig an seine Analyse und konnte ein Remis durch Zugwiederholung erzwingen - erst die zweite nicht entschiedene Partie für Ding Liren im ganzen Turnier. Wesley So war dagegen gut beraten mit seiner Strategie, mit Schwarz zu halten, da er der einzige ungeschlagene Spieler des Turniers bleibt.

Er kam nach seiner Partie in die Live-Show:

Maxime Vachier-Lagrave – Radoslaw Wojtaszek (Partie nachspielen)

Radek Wojtaszek hat nun zwei Remis verbucht, nachdem er in Runden 7 und 8 verlor - kann er in den letzten drei Partien noch mehr erreichen? | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Die französische Nummer Eins setzte die Partie mit dem Bauernopfer 14.d6!? in Gang.


Da es jedoch innerhalb von 50 Sekunden angenommen wurde, können wir uns sicher sein, dass Wojtaszek es sich vorher bereits angeschaut hatte. Was danach folgte, war vielleicht sogar spektakulärer als die Ding Liren - So - Partie, Carlsen grübelte z.B.:

Ich verstehe nicht wirklich, warum Weiß besser ist. Vielleicht ist er das gar nicht, vielleicht macht er das nur zum Spaß!

Der Spaß endete dann im 32. Zug in einer toten Stellung mit ausgeglichenem Material und ungleichfarbigen Läufern.

Teimour Radjabov 1/2 – 1/2 Levon Aronian (Partie nachspielen)

Partien zwischen Vertretern von Aserbaidschan und Armenien haben immer auch einen geopolitischen Beigeschmack, aber diese roch förmlich nach theoretischem Remis. Nachdem Levon den Marshall-Angriff gespielt hatte, schaffte er es beeindruckenderweise, vor dem 32. Zug nicht länger als 22 Sekunden pro Zug nachzudenken - oder sich überhaupt zu bewegen. An diesem Punkt war er dabei, einen Bauern zu verlieren, wie das heutzutage so oft in einer tiefen Theorievariante geschieht. Die einzige Überraschung an der Partie war, dass es bis zum 56. Zug dauerte, bis endlich das Remis ausgehandelt war – oder besser gesagt, bis die Spieler beschlossen, nicht die Schachregeln zu brechen und nur mit den Königen weiterzuspielen!

Vielleicht war die Partie kein Kunstwerk, aber immerhin nahm Levon Vermeer's "Mädchen mit dem Perlenohrgehänge" mit von seinem Ausflug nach Den Haag | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Danach gab es jedoch nur noch Siege!

Loek van Wely 1 – 0 Hou Yifan (Partie nachspielen)

Loek sagte in dem Interview nach seiner Partie, das du dir unten anschauen kannst, zunächst "Endlich fand das blinde Huhn ein Korn" und fügte hinzu, "wenn ich ein ernsthafter Schachspieler wäre, hätte ich nach so vielen Unfällen in diesem Turnier längst Selbstmord begangen".

Lawrence Trent schaut sich (auf Englisch) an, wie Loek 3.Lb5 gegen die Sizilianische Verteidigung verwendete, um in einer Miniatur mit 24 Zügen gegen Weltmeisterin Hou Yifan zu gewinnen:

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Und hier spricht Loek über das Huhn (wobei es auf Englisch ein Eichhörnchen ist):

Loek erklärte ebenfalls, was er am Erholungstag so vorhatte:

Morgen werde ich zunächst mit Magnus Basketball spielen. Ich werde versuchen, über ihn hinweg zu dunken. Ich habe bereits mit Peter Heine Nielsen abgesprochen, dass ich ihm den Ball zuwerfe und er über Magnus hinweg dunken wird! 

Diese fotografischen Indizien hier scheinen diesem Plan zu widersprechen, aber es sieht definitiv anstrengend aus!


‌"Wrestling-Tag/Erholungstag bei @tatasteelchess mit @MagnusCarlsen und @loekvanwely!"

Baadur Jobava 0-1 Fabiano Caruana (Partie nachspielen)

Ivan Saric und Baadur Jobava waren im letztjährigen Challengers-Event die Stars, insbesondere Ivan, der beeindruckende sieben Siege und keine Niederlagen verbuchte. Im diesjährigen Masters aber spüren sie beide die Anstrengung: 5 Niederlagen und 1 Sieg (vs. Jobava) für Saric, und nicht weniger als 8 Niederlagen und 1 Sieg für Jobava. Baadur hat sich standhaft geweigert, solider zu spielen, aber wenn man Fabiano Caruana gegenübersitzt - selbst wenn er nicht in Topform ist -, können kreative Eröffnungen hart bestraft werden.

In unserem ersten Experiment mit den neuen Live-Sendungen fasste Jan Gustafsson die Ereignisse in Runde 10 zusammen. Ihr könnt das Video auf der Seite mit den Live-Shows noch einmal ansehen (Englisch): Wijk aan Zee: Runde 10 Zusammenfassung. Jan spricht etwa ab Minute 7:30 über Jobava-Caruana (Achtung: es gibt ein paar kleine Probleme mit dem Zusammenpassen von Ton/Bild in der Aufnahme – geht einfach davon aus, dass Jan ein zerstreutes Genie ist, das manchmal zu schnell denkt für seinen Mund und es sollte trotzdem Sinn ergeben ). 
Auf deutsch hat Jan das folgende Video für euch aufgenommen:

Ivan Saric 0 - 1 Anish Giri (Partie nachspielen)

Giri hatte zum dritten Mal Glück, als er dank eines Sieges gegen Saric mit Caruana mithalten konnte. Die Sizilianische Verteidigung, die er auswählte, sollte dazu führen, dass Schwarz keine entwickelten Figuren außer der Dame hat, sodass Carlsen sogar kommentierte, "es ist nicht so dumm, wie es aussieht!" Der erste Versuch fand gegen Sergey Karjakin im Taschkent Grand Prix statt. In dieser Partie hätte Anish eine Miniatur verlieren sollen, unterlag jedoch etwas später. Nach der Partie kommentierte er, "ich spielte die denkbar schlechteste Variante", aber das sollte entweder seine Rivalen verwirren, oder er hat seine Meinung einfach geändert, da er sie in Runde 6 gegen Radjabov wieder spielte. Die Partie endete mit einem spektakulären Opfer auf f7 und Dauerschach

Diskutiert Anish Giri mit seinem Coach Vladimir Tukmakov über die Idee? | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook 

Gegen Saric hatte nur Schwarz Spaß.


Hier spielte Giri das typische Qualitätsopfer 30…Txc3!, das auch dann gut gewesen wäre, wenn nach 31.Dxc3 Sxe4 32.Dd3...


                  
...es kein 32.Sc3+! gegeben hätte, um die Qualität sofort zurückzugewinnen. Die Realisierung des Vorteils verlief dann für Giri problemlos. 

Also führt Carlsen immer noch mit einem ganzen Punkt, Giri und Caruana haben aber Ivanchuk und Ding Liren in der Gruppe eingeholt, die anderthalb Punkte hinter ihm liegt. Und in den letzten drei Partien kann noch viel passieren!

1.Carlsen, Magnus28622935
2.So, Wesley27622866
3.Vachier-Lagrave, Maxime27572830
4.Ivanchuk, Vassily271562815
5.Giri, Anish278462820
6.Caruana, Fabiano282062813
7.Ding, Liren273262802
8.Wojtaszek, Radoslaw274452751
9.Radjabov, Teimour273452748
10.Aronian, Levon27972707
11.Van Wely, Loek26672640
12.Hou, Yifan267332610
13.Saric, Ivan266632591
14.Jobava, Baadur27272467

Am Freitag trifft Carlsen auf Vachier-Lagrave, der ihn mit einem Sieg einholen würde. Wesley So könnte darauf hoffen, gegen Ivan Saric einen ganzen Punkt zu erzielen.

Noch eine Serie endet

Magnus Carlsen war nicht der einzige, dessen Gewinnserie am Mittwoch endete. In Wijk aan Zee wurde David Navara von Vladimit Potkin davon abgehalten, fünf Siege hintereinander zu verbuchen, sodass Wei Yi ihn wieder einholen konnte. Der chinesische Star, den Magnus Carlsen mit sich im selben Alter verglich, stellte Erwin l'Ami vor unlösbare Probleme mit 16.g3!


16…Sxh3 würde einfach mit 17.Kg2 beantwortet werden, während keiner der anderen Springerrückzüge besser funktionieren würde (die weiße Dame zieht nach h5 und ermöglicht Weiß einen vernichtenden Angriff). Erwin l’Ami versuchte 16…g6, hatte aber bald einfach eine Minusfigur.

Die niederländische Einzelmeisterin Anne Haast kam mit der zusätzlichen Aufmerksamkeit zurecht und erzielte ihre letzte WGM-Norm | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Robin van Kampen schlug Bart Michiels und bleibt damit 1,5 Punkte hinter der Spitze, Jan Timman verlor wieder, dieses Mal gegen Salem Saleh, und GM David Klein ließ Anne Haast ihren WGM-Titel nicht kampflos erreichen: er testete ihre Widerstandskraft 133 Züge lang.

‌"Glückwünsche an unsere zähe Spielerin @AnneHaast zum Erreichen des WGM-Titel! :)"

Nach dem letzten Erholungstag ist das Tata Steel Masters wieder zurück in Wijk aan Zee, und Runde 11 beginnt heute um 13:30 MEZ. Verfolge den Live-Kommentar mit dem zurückgekehrten Yasser Seirawan hier auf chess24

Du kannst außerdem jede Partie der Masters und Challengers über unsere kostenlosen Handy-Apps anschauen:

         

Siehe auch:


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