Berichte 27.11.2019 | 00:42von Colin McGourty

Tata Steel India Tag 4: "Solide" 5 Punkte Vorsprung

Magnus Carlsen bezeichnete sein Spiel als "anständig" und seine Führung als "solide", da er am ersten Tag des Tata Steel Chess India Blitz mit 6,5/9 den ersten Platz erzielte und seinen Vorsprung vor Hikaru Nakamura auf massive fünf Punkte ausbaute. Hikaru war neben Ian Nepomniachtchi mit 5,5/9 der zweitbeste Spieler, während niemand sonst mehr als 50% erreichen konnte. Vishy Anands Qualifikation für das Finale der London Grand Chess Tour ist nach wie vor offen, denn seine aktuelle Punktzahl reicht gerade aus, um ihn vor Maxime Vachier-Lagrave zu qualifizieren.

Jeder probierte auf seine Weise, gegen Magnus zu gewinnen - Ian Nepomniachtchi ließ das DGT-Brett einen Sieg melden, obwohl er verloren hatte! | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Alle Partien des Turniers kannst du hier nachspielen:

Und hier findest du den Live-Kommentar aus St. Louis und Kalkutta:

Es ist schwer, einen Tag Blitzschach zusammenzufassen, aber wie man sehen kann, hat Magnus Carlsen nicht nachgelassen: Seine einzige Niederlage gegen Ding Liren lag zwischen einer Serie von vier Siegen. Weitere Leistungsträger waren Hikaru Nakamura, der wie Magnus nur eine Partie in Kalkutta verloren hat, und Ian Nepomniachtchi, der endlich etwas Schlaf bekam und wieder erkennbar er selbst ist. Dasselbe kann man von Levon Aronian nicht sagen, der sein Spiel bis dato als "Katastrophe" bezeichnete:

Rk.NameFED12345678910Pts.
1Magnus Carlsen½11½01½116,5
2Hikaru Nakamura½½½½½½½115,5
Ian Nepomniachtchi0½1½½11015,5
4Viswanathan Anand0½01½½½½14,5
Wesley So½½½0½½1½½4,5
Ding Liren1½½½½0½104,5
7Vidit0½0½½1½½½4,0
Anish Giri½½0½0½½½14,0
Harikrishna001½½0½½14,0
10Levon Aronian0000½1½002,0

Schauen wir uns ein paar der Züge an, die an diesem Tag gespielt wurden - gute wie schlechte:

1. Magnus Carlsen: 34.Tc2!! vs. Levon Aronian

Hier hatte Levon gerade 33…Txf2 gespielt:


Es scheint so, als ob Schwarz überlebt hätte, denn die Umwandlung des weißen Bauern würde zu Dauerschach führen. Auf den ersten Blick scheint das wie eine Remiskonstruktion, doch dann entkorkte Magnus 34.Tc2!!

Manche Züge bringen dich halt sofort um | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Schwarz hat keine Wahl und muss den Turm schlagen, doch was passiert dann? Nach 34...Tbxc2 könnte Carlsen einfach 35.a8D! spielen, weil nun der c6-Turm nicht mehr um Weg steht und g2 gedeckt wäre. Levon spielte 35...h5, doch war die Partie danach hoffnungslos verloren.

2. Hikaru Nakamura: 25.Se4!! vs. Magnus Carlsen

Hikaru Nakamura gewinnt das "Turnier", aber Magnus die Machtdemonstration | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Das war der Punkt, an dem wir den ganzen Tag einer echten Schlacht am nächsten kamen. Denn wenn Hikaru gewonnen hätte, hätte er die Führung des Weltmeisters auf "nur" drei Punkte reduziert. Er beschloss, mit einem kühnen, aber unsoliden Angriff All-in zu gehen, obwohl es, wie Peter Svidler bemerkte, ein seltener Fall von Magnus war, der eine Position falsch einschätzte, weil er zu pessimistisch war! Carlsen hatte unbegründet Angst (er hatte Recht, 22.Dh5 zu "unterschätzen"?!). Aber Hikaru fand dann eine großartige Ressource: 25.Se4!!


Magnus gab zu, dass das sehr hübsch war, da weder 25…fxe4 26.Tf7+ noch 25…Dxe4 26.Df7+ funktioniert. Die Partie endete stattdessen mit Remis nach 25…Te7 26.Sg5+ Kg7 27.Tg3 hxg5 28.Dxg5+ Kf7 29.Dh5+ und Dauerschach. Auch wenn Magnus wie der kiebitzende Ian Nepomniachtchi das Gefühl hatte, etwas übersehen zu haben, ist hier das Remis das "korrekte" Ergebnis. Was für eine Partie!

3. Magnus Carlsen: Skandinavisch mit ...Dd6

Hätte Vishy beim Geschwätzblitz zugesehen, hätte er ahnen können, was kommt | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Manchmal sollte man sich Magnus' Geschwätzblitzpartien vielleicht doch ansehen... denn sein 2,5-stündiges Warm-Up für Kalkutta hier auf chess24 am 17. November mag nicht irrelevant gewesen sein. Magnus holte 27,5/28, obwohl er gegen einige starke Spieler antreten musste. Und was war seine Hauptwaffe? Skandinavisch mit ...Dd6!

"Du solltest aufhören, dir den Italiener anzusehen, Jorden." Bei seinem letzten Geschwätzblitz, bei dem Carlsen gegen Jorden van Foreest antrat, spielte er häufig Skandinavisch. Und gegen den drittstärksten Holländer sah es sehr leicht aus.

Er spielte es sieben Mal, gewann alle Partien, unter anderem gegen die GMs van Foreest (chess24-Name "Jorden"), Alireza Firouzja ("FantasticStar"), Nodirbek Abdusattorov ("ChessWarrior04") und Srinath Narayanan ("narayanan.srinath.9"). Ncht nur, dass er alle gewann (schau dir die Partien hier mit Computeranalysen an), mit Schwarz stand er gegen Srinath bereits nach 14 Zügen auf Gewinn:

Ich habe Magnus ein paar Mal gespielt, einmal in der Lichess Titled Arena, als ich in Führung lag. Ich kann nur nicht normal gegen ihn spielen. Fühle mich versteinert, als würde ich ein Basiliskenauge sehen. Absolut kein anderer Mensch strahlt ein solches Gefühl aus.

Mittlerweile fühlt er sich womöglich besser, denn Magnus spielte diese "unsolide" Eröffnung auch in Kalkutta gegen Ian Nepomniachtchi (Schwarz stand nach 12 Zügen besser) und Vishy Anand (Schwarz stand nach 11 Zügen besser). Magnus gewann beide Partien und bezeichnete seinen technischen Sieg gegen Vishy als beste Partie des Tages, während sein Sieg über Nepo dessen erste Niederlage nach 10 ungeschlagenen Partien war!

4. Ian Nepomniachtchi greift weiterhin an!    

Nepo hatte endlich einen guten Tag, nachdem er seine Schlafprobleme durch den Jetlag in den Griff began. Und selbst in den Niederlagen war er sehr ressourcenreich. Er versuchte, den vollen Punkt gegen Magnus einzusacken, indem er im Anschluss an die schachliche Niederlage mit dem DGT-Brett einen Sieg meldete!

Hat es funktioniert?

Einziger Fehler: Er offenbarte seinen teuflischen Plan Magnus, der dann Nepos "Fehler" am DGT-Brett korrigierte.

5. Ding Liren: Kf7-e8-d7-c8 vs. Magnus Carlsen

Ding Liren scheint wie Kryptonit für Magnus zu sein | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Ding Liren hatte ein enttäuschendes Turnier in Kalkutta, aber am ersten Tag des Blitzschachs gelang es ihm, eine weitere Premiere zu feiern. Nachdem er der erste Spieler seit einem Jahrzehnt war, der Magnus Carlsen in einem Stechen um den Sinquefield Cup besiegte, war er der erste, der Magnus in Kalkutta besiegte:


Hier spielte Ding 19…Kf7!, was den König eiskalt nach c8 evakuierte. Er erklärte:

Das sieht sehr riskant aus, aber ansonsten entwickelt sich Weiß langsam und besiegt mich - darauf wollte ich nicht warten!

Das schien Magnus zu provozieren, der Feuer mit Feuer bekämpfen wollte. Erst ein Bauern-, dann ein Qualitätsopfer - doch mit dem Schlagen eines Bauern auf g5 ging er dann zu weit und öffnete die Schleusen zu seinem König. Der finale Ausmacher folgte auf dem Fuße:

6. 1.e4 – Einfach am Besten!

Ein guter Start in den Tag! | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

7. Ian Nepomniachtchi: 32…Se3+ vs. Vidit

Vidits Anzug forderte das Universum vermutlich unglücklichst heraus | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

In der einzigen entschiedenen Partie der dritten Runde stand Vidit mit Zug 30 auf Gewinn, aber nach 31.Dxa7? drehte Ian die Partie dank 31…Dd1+! 32.Kg2 und nun…


32…Se3+!! Der einzige Gewinnzug (und der einzige, der nicht verliert). In der Partie folgte 33.fxe3 Txb2+! 34.Sxb2 f3+ 35.Sxf3 Dxf3+ und Weiß gab auf. Ein wunderschöner Zug. Aber der Hauptgrund, warum wir ihn präsentieren, ist, dass Jennifer Shahade einen Lachkrampf bekam, nachdem Maurice Ashley diesen Zug als "Leberhaken" bezeichnete. Peter Svidler meinte dazu:

Peter: In dieser Show geht es darum, dass Maurice Ashley schwere Körperverletzungen grafisch beschreibt. Dafür leben wir!

Jennifer (lacht immer noch): Er hat noch eine Niere!

Peter: Das war irgendwie sehr spezifisch. Das fühlte sich in gewisser Weise persönlich an.

Jennifer: Wird er eine weitere Niere bekommen?

Maurice: Wir müssen wach bleiben - hier ist es 3 Uhr morgens!

Peter: Ich kritisiere nicht. Das hat mir Spaß gemacht!  


8. Anish Giri: Eine kleine Auswahl

Einer beobachtet dich! | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Anish Giri holte am ersten Blitztag etwas unter 50%, aber hatte einen ereignisreichen Tag. Selbst sein Remis gegen Magnus, das nicht wirklich spannend war, brachte es zu einem denkwürdigen Moment!

Ein Remis gegen Magnus zu erzielen, ist eine so große Ehre, sodass man ins Studio eingeladen wird...

Manches ging gut aus, so zum Beispiel die Gabel 34.Sxb4?! auf beide Türme. Nach 34.Sf4 wäre die Stellung ausgeglichen gewesen, so hätte der Zug ins Verderben führen sollen:


Anish hatte seinen Gegner hier gut gewählt, da Levon Aronian einen wirklich schrecklichen Tag hatte (2/9) und, anstatt eine Figur mit der Fesselung 34...Rb2! zu gewinnen, spielte er das fehlerhafte 34...Tb5? Das Problem? Einfach 35.Df3+! Kg8 36.Sxa2 und Weiß gewann den Turm gratis.

Zu anderen Zeiten war es Anish, der leiden musste, so zum Beispiel nach 50...Lc7? Dieser Zug bekommt ein Fragezeichen, nicht weil es ein besonders schlechter Zug ist - 50.Le6 mag stärker gewesen sein, auch nach dem Partiezug steht Weiß klar besser:


Das Problem war die katastrophale Art und Weise, wie es gespielt wurde, wobei es Giri gelang, auf Zeit zu verlieren.!

9.Hikaru Nakamura: 35…Te8! vs. Harikrishna

Harikrishna hatte mit Nakamura überall so seine Schwierigkeiten| Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Die herausstechenden Züge der Partien waren 25…g5! und 27…Dh4!, doch die folgende Stellung zeigt, wie unangenehm ewige Fesselungen sein können:


Der weiße g3-Springer ist dauerhaft gefesselt und es ist nur eine Frage der Zeit, ob Nakamura eine weitere Figur heranbringen kann, um ihn anzugreifen und zu gewinnen. Er machte es mit 35....Te8! 36.Txe8+ Sxe8 37.Lf3 Sd6 38.b3 und schließlich 38...Sf5, wonach es für Weiß Zeit war, aufzugeben.

Hikaru hatte ein großartiges Turnier und verlor nur eine einzige Partie gegen Magnus, aber er liegt immer noch mit atemberaubenden 5 Punkten hinter dem Weltmeister zurück. Magnus braucht am letzten Tag weitere 5 Punkte, um mit seiner Punktzahl in Abidjan mithalten zu können, während er mit 21,5 Punkten bereits die 21 Punkte überholen würde, die MVL bei seinem Sieg in Paris brauchte.


Magnus spielte seine Leistung bei Tania Sachdev herunter:

Es war anständig. Ich habe mit Schwarz denke ich ganz gut gespielt und mit Wieß eher weniger, aber insgesamt ist meine Punkteausbeute recht gut. Ich glaube, das war ein solider Start.

Was kann er besser machen?

Schneller spielen. Aber es ist schwer, die Balance zwischen Denken und Ziehen zu finden. Von daher versuchte ich, gutes Schach zu zeigen und dennoch nicht zu lange nachzudenken. Manchmal funktioniert das, manchmal nicht.

Ähnlich wie Nakamura verwies er darauf, dass es wichtig ist, keine groben Patzer zu begehen:

Bisher mache ich im Blitz keinen totalen Quatsch. Und wenn das so ist, spielst du gut. Das Spielen macht dir Spaß und das ist das Wichtigste!

Tania fragte noch spitz noch, ob die anderen nicht nur um den zweiten Platz kämpfen würfen, wenn er mit dabei sei:

Wenn ich in Form bin, bin ich denke ich etwas besser als alle anderen.

Das fasst das letzte Jahrzehnt gut zusammen.

In Kalkutta steht noch ein Tag vor uns - die Action beginnt eine Stunde früher als sonst - und man kann mit Sicherheit sagen, dass wir wissen, wer den ersten Platz in der Gesamtwertung belegen wird. Das eigentliche Ziel für Magnus wird vielleicht sein, die Vorherrschaft auf allen drei Elolisten zurückzugewinnen - er ist Nr. 1 im klassischen und im Schnellschach und hat nun noch 12 Punkte Rückstand auf Hikaru Nakamura im Blitz.

Levon Aronian gewann bereits zwei Schnellschach- und Blitzturniere in diesem Jahr, aber in Kalkutta läuft für ihn gar nichts zusammen! | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Wesley So und Ian Nepomniachtchi haben mittlerweile keine Chance mehr, beim Finale in London mit dabei zu sein. Fraglich ist, ob es Vishy Anand oder Maxime Vachier-Lagrave sein wird, der neben Magnus, Ding Liren und Levon Aronian teilnehmen wird. Vishy braucht dazu fünf Punkte, also einen ungeteilten sechsten Platz oder besser.

Die Partien beginnen ab 8:30 Uhr und du kannst sie dir hier ansehen (Englisch und Russisch),

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