Berichte 20.01.2017 | 12:47von Colin McGourty

Tata Steel Chess, Runde 5: Wesley So geht in Führung

Wesley So begann 2017 in der gleichen Form, in der er 2016 aufgehört hat, und besiegte Harikrishna, um beim Tata Steel Chess Masters die alleinige Führung zu übernehmen. Alles war anders, da das Turnier von Wijk nach Rotterdam wechselte und drei Spieler ihre ersten Siege erzielen konnten. Levon Aronian bezwang den bisherigen Führenden Pavel Eljanov, Radek Wojtaszek vergrößerte Loek van Welys Leiden und Adhiban besiegte mit den schwarzen Figuren sensationell Sergey Karjakin. Selbst die Remisen waren schön: Weiß drückte in Nepo - Carlsen und Andreikin - Rapport, während Anish Giri einmal mehr durch brillantes Spiel von Wei Yi ein Strich durch die Rechnung gemacht wurde.

Wesley So hat Magnus Carlsen herausgefordert! | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess

Am Mittwoch war in Wijk aan Zee Ruhetag, aber einige unerschrockene Spieler trotzten den eisigen Bedingungen, um etwas Fußball zu spielen:

Team Magnus besiegte Team Loek, und der Holländer hat offenbar am und abseits vom Schachbrett zu kämpfen.

Das Foto des Jahres, Kategorie "Schachspieler spielen Fußball"! | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess

Das Fußball-Motiv wurde am Donnerstag fortgesetzt, als die Spieler in den Bus einstiegen…

Wir sind unterwegs nach Rotterdam! Wen entdeckt ihr im Bus?

... oder mit Chauffeur reisten...

Selbstverständlich reisen die Spitzenspieler dank @JLR_News mit Stil

... um zum Feyenoord-Stadion in Rotterdam zu fahren. Das Folgende muss sich nicht unbedingt genau so zugetragen haben:

Die Security leistet beim #TataSteelChess in diesem Jahr sehr gute Arbeit.

Magnus Carlsen konnte erneut sein Können am Platz zeigen und ist hier beim Passspiel mit dem ehemaligen Feyenoord-Spieler Ben Wijnstekers zu sehen:

Am Schachbrett gab es an diesem Tag jedoch andere Helden:

Wesley So marschiert weiter

Wir schrieben in unserer Vorschau:

Will Wesley zeigen, dass er mit Magnus um den Sieg ringen kann, muss er bei einem Turnier wie dem Tata Steel Masters auch gegen Weltklasseleute auf Sieg spielen.

Warum hatten wir jemals Zweifel an ihm? Bei Sos Sieg über Rapport schien zugegebenerweise etwas Glück im Spiel gewesen zu sein, aber nun hat er auch Loek van Wely und Harikrishna geschlagen und damit drei Siege in Folge erzielt, womit er nach nur fünf Runden bei +3 steht.

Ein schlechter Arbeitstag für Hari | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess

In der Partie gegen Harikrishna verlief die Eröffnung rätselhaft, da Hari schnell in einer klar schlechteren Stellung landete. Wir sagen schnell, aber eine der sonderbarsten Dinge war, dass die Spieler die Stellung nach 14. Lf4 erst erreichten, als sie jeweils über eine Stunde Zeit verbraucht hatten:


Weiß steht viel besser, genau wie Vladimir Kramnik gegen Ian Nepomniachtchi in Dortmund 2015! Nepomniachtchi hatte 14. ... Se8 gespielt, während sich Harikrishna zu 14. ... d5 entschloss; in beiden Begegnungen stand Schwarz kurz vor dem Ausgleich, aber der Druck war letztendlich zu groß. Eine Ungenauigkeit im 28. Zug verdammte Hari zu einem hoffnungslosen Endspiel gegen einen Spieler mit Wesleys Technik.

Danach dankte Wesley - ungewöhnlich früh in einem Turnier - Gott:

Zuallererst möchte ich Gott danken, dass er mich heute hat gewinnen lassen, dass er mir die Weisheit und die Stärke für solch einen harten Kampf gegeben hat.

Er hatte guten Grund, dankbar zu sein, da er nicht nur die Führung beim Tata Steel Chess Masters übernommen hat, sondern auf der Live-Weltrangliste nun bei 2819,4 steht - acht Punkte hinter Fabiano Caruana auf Platz Zwei, und auf Platz Sieben der höchsten jemals erreichten Live-Ratingzahlen:


Hari hofft indes, schnell zurückzukommen:

Hatte trotz der starken Eröffnung Wesleys mit Weiß meine Chancen. Aber Zeitnot hat es mir schwer gemacht. Entschlossener, nun besser zu spielen. Werde zurückkommen.

Erste Siege

Der andere große Held des Tages war Adhiban, dem das gelang, was Magnus Carlsen in sechs klassischen Partien in New York nicht geschafft hatte: Sergey Karjakin mit Schwarz zu besiegen. Er begann mit einer - wie er es formulierte - "netten Überraschung", indem er zum ersten Mal in seinem Leben die Französische Verteidigung spielte, und es lief wie am Schnürchen: er führte alle Züge bis zum dramatischen 16. ... g5! im Blitztempo aus:


Unser Kommentatoren-Team fühlte, dass Karjakin nicht daran gewöhnt ist, dass jemand mit den schwarzen Figuren aggressiv vorgeht, um ihn zu schlagen, und reagierte schlecht. Nach 17. 0-0-0 gxf4 18. Kb1 f3 schob Sergey seinen g-Bauern bis nach g6 vor, konnte aber nie den Angriff starten, der dieses Vorgehen gerechtfertigt hätte. 

Am Ende wählte Adhiban eine taktische Vorgehensweise, um sein Mehrmaterial zu verwerten:


Der Computer behauptet, dass das die beste weiße Stellung seit zehn Zügen ist, und nach 31. dxe4 Dxd4 32. Txg6+ Kf7 33. h5 kann er weiterkämpfen (auch wenn es düster aussieht); Karjakin dachte hingegen sieben Minuten lang nach, bevor er 31. Txg6? spielte, und gab nach der beinahe sofort gespielten Widerlegung 31. ... Lxd3+! auf. Es war einfach nicht Sergeys Tag. Er twitterte auf Russisch:

Einmal mehr habe ich in der Runde verloren, als das Turnier unterwegs war. Mein Gegner spielte gut, und ich spielte furchtbar. Ich hoffe, dass ich in meinem heimischen Wijk besser spiele 

Vielleicht lag es auch an den Fußballgöttern, da er zuvor vom Feyenoord-Platz twitterte:

Es gibt keine bessere Mannschaft auf der Welt als Spartak!

Für Adhiban war es unterdessen eine Chance, sich nach dem größten Skalp seiner bisherigen Karriere in wohlverdientem Ruhm zu sonnen:

Neben Adhiban erzielte auch die polnische Nummer Eins Radek Wojtaszek den ersten Sieg. Er setzte Loek van Wely 33 Züge lang unter Druck, bis der Holländer erneut in einer kniffligen Stellung zusammenbrach. Damit steht Radek wieder bei 50%, während es für Loek nach seinem Auftaktremis die bereits vierte Niederlage in Folge war.

Der schlafende Riese Levon Aronian wachte gerade rechtzeitig für seine Partie gegen Carlsen in Runde 6 auf | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess

Der vierfache Turniersieger Levon Aronian ist der überraschende letzte Name auf der Liste jener Spieler, die erst jetzt zum ersten Mal gewinnen konnten, und das hatte große Auswirkungen. Wir haben in unserem letzten Bericht darauf hingewiesen, dass Pavel Eljanov auf seinem Weg zu 3,5 aus 4 relativ leichte Gegner gehabt hatte, und dass sich das ändern werde; allerdings hatte er auch den Vorteil, mit Weiß auf Aronian und Karjakin zu treffen. In der fünften Runde half ihm das jedoch nicht.

Levon sagte, er dachte, beide Spieler hätten ihre Chancen in einer vermutlich ausgeglichenen Stellung überschätzt, allerdings kam Schwarz nach Pavels 25. Tc4?! (statt 25. Lf1) in Vorteil. Die schwarzen Springer beherrschten das Brett und es war nur passend, dass ein Springer die Partie entschied, nachdem Pavel in großer Zeitnot 37. Tc1? gezogen hatte:


37. ... Sd4! bereitete ein Familienschach vor.


Levon war nach seinem ersten Sieg guter Dinge und behauptete: "In einem langen Turnier ist es nicht wirklich wichtig, wie du beginnst - du kannst immer zurückkommen!”

Drei Remisen, die auch Siege sein hätten können

Pavel Eljanov liegt nun mit Magnus Carlsen auf dem zweiten Platz, der sein Gesamtergebnis von drei Niederlagen (bei keinem Sieg) gegen Ian Nepomniachtchi nicht verbessern konnte. Es hätte sogar viel schlimmer kommen können, da eine seltsame Eröffnung Nepo etwas verschaffte, was er einfach einen "gesunden Mehrbauern" nannte. Der weitere Partieverlauf ließ ihn seine Meinung ändern:

Und das bringt uns zur - wie es Peter Svidler beschreibt - "interessantesten und spannungsgeladensten Partie des Tages": Wei Yi - Giri. 

Giri hält nun wie beim Kandidatenturnier bei 14 Remisen in Folge | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess 

Auf den ersten Blick schien das 17-jährige chinesische Wunderkind Anish zu trollen: er opferte zuerst einen, dann zwei, dann drei Bauern und ließ am Ende noch einen Turm folgen - in einer Partie, die natürlich unentschieden endete - Giris 14. Remis in Folge, wenn man die London Chess Classic mitzählt. Es schien jedoch ein kalkuliertes Risiko von Wei Yi gewesen zu sein, der sich lieber auf seine ausgezeichneten taktischen Fähigkeiten verließ, anstatt weiter einer Variante zu folgen, die sein Gegner klar vorbereitet hatte. Lasst euch Peter Svidlers Analyse nicht entgehen:

Giri hat mit fünf Remisen aus ebenso vielen Partien wenigstens noch immer Gesellschaft, da Dmitry Andreikin in seiner Partie gegen Richard Rapport nicht die Stärke des Läuferpaares zeigen konnte.

Somit steht es nach fünf Runden wie folgt:


Ragger nicht mehr bei 100%

In Wijk aan Zee schien Markus Ragger beim Challengers-Turnier unterdessen auf dem Weg zu einem fünften Sieg in Folge zu sein, als Lu Shanglei Najdorf spielte, sich dann aber verhedderte:


Wie ihr sehen könnt, investierte Markus 15 Minuten, ehe er 20. Lxd5 spielte, wonach die Partie bald mit Remis endete. Stattdessen hätte Weiß mit 20. Lxf6 oder dem schrilleren sofortigen 20. Sh6+ (mit späterem Läuferopfer auf g7) anscheinend gesunden Vorteil behalten.

Grandelius stoppte Smirin auf dem Weg zu einem vierten Sieg in Folge | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess

Die gute Nachricht für Ragger ist, dass Ilya Smirin gegen Nils Grandelius nicht über ein Remis hinauskam und weiterhin auf dem zweiten Platz liegt - Jeffrey Xiong und Gawain Jones nutzten jedoch ihre Chancen und liegen nun auf Platz Drei.

Ihr könnt die ganze Berichterstattung der fünften Runde mit Peter Svidler und Jan Gustafsson unterhalb nachholen:

In der sechsten Runde sind die Spieler wieder zurück in Wijk aan Zee, und es gibt viel, worauf man sich freuen kann: Aronian - Carlsen ist ein Klassiker, bei Rapport - Wei Yi treffen die zwei jungen Stars aufeinander, die vor kurzem ein Match in China bestritten haben, Adhiban - So bietet Wesley die Chance, noch weiter nach oben zu kommen, während es bei Eljanov - Karjakin darum gehen wird, wer sich schneller von einer Niederlage erholen kann.

Lasst euch die ganze Action mit Peter Svidler und Jan Gustafsson ab 13:30 MEZ nicht entgehen. Ihr könnt alle Partien auch über unsere kostenlosen Apps mit verfolgen:

         

Weitere Links:


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