Berichte 18.01.2017 | 13:06von Colin McGourty

Tata Steel Chess 2017, Runde 4: Carlsen bändigt Wei Yi

Will Wei Yi irgendwann Weltmeister werden, muss er lernen, sich in passiven Stellungen zu verteidigen. Gegen Magnus Carlsen, der seinen 17-jährigen Rivalen in Runde 4 überspielte, reichten seine Defensivkünste jedenfalls noch nicht. Wesley So gelang ein sicherer Sieg gegen Loek van Wely, in Führung liegt aber weiterhin Pavel Eljanov, der gegen Adhiban im Endspiel zum Sieg kam und weiter einen halben Punkt Vorsprung vor den beiden Top-Gesetzten hat. Anish Giri hat wieder einmal vier Remis in Folge erzielt, ließ allerdings gegen Dmitry Andreikin den Gewinn aus. Bei den Challengers gab es kein einziges Remis in Runde 4, Markus Ragger führt weiterhin mit lupenreiner Weste.


Tata Steel Masters 2017, Runde 4

Magnus, der Gnadenlose

Nach bewährten Mustern verlief die Partie, die vor Runde 4 mit der größten Spannung erwartet wurde. Wei Yi kam gegen Magnus Carlsen mit einer gesunden Stellung aus der Eröffnung, beging dann aber mit 18…exd4?! einen strategischen Fehler, den Magnus als “absolutes Geschenk” bezeichnete.

Magnus spielte früh Lc4, um Wei Yi davon abzuhalten, Russisch zu spielen | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess

Jan Gustafsson hat sich die Partie genauer angesehen:


Danach ließ Magnus keinen Zweifel daran, woran es seinem Gegner noch fehlt:

Mit seinem Stil tut er sich schwer, sich auf die Hinterbeine zu stellen und zu verteidigen.  

Nach der Partie gab der Weltmeister Anna Rudolf ein Interview:

Der Weltmeister meint also trotz 3 aus 4, er habe noch nicht besonders gut gespielt. Zunächst kann er aber beim Fußball seine Fähigkeiten unter Beweis stellen, er wird am Ruhetag antreten, „um Loek zu besiegen“! 

Wesley so gut wie nie

Nachdem er in Runde 3 gegen Richard Rapport mit viel Glück überlebt hatte, ließ Wesley So mit Schwarz einen recht souveränen Sieg gegen Loek van Wely folgen. Der Niederländer dagegen sehnt schon jetzt das Ende des Turniers so sehr herbei, dass „er in die Nordsee springen will, wenn es vorbei ist“. 

In der Partie gegen So landete Loek bereits nach 10 Zügen in einem schlechteren Endspiel, und obwohl der Computer die Stellung immer als in etwa ausgeglichen bewertete, gelang es Wesley So, die gegnerischen Ungenauigkeiten auszunutzen. 

Wesley hatte wieder Grund zur Freude! | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess

Zwei hübsche Qualitätsopfer beendeten die Partie:


42.Txe5+ Kxe5 43.Ld4+ Txd4 und Loek gab auf, da der schwarze König nach b2 läuft und die Bauernumwandlung erzwingt.

Magnus Carlsen steht nach seinem Sieg bei 2845,2 auf deer Live-Ratingliste und hat damit wieder fast 20 Punkte Vorsprung auf Fabiano Caruana. Wesley So derweil hat eine neue persönliche Bestmarke aufgestellt. Mit seinen 2815 ist er nicht nur die aktuelle Nummer 3 der Welt, sondern auch die Nummer 10 der ewigen Bestenliste:


Wie ihr seht, sind Kramnik, Nakamura, MVL und Anand durchaus in Schlagdistanz, wenn So in Wijk aan Zee weiter so gut abschneidet.

Eljanov weiter mit Vollgas

Nach wie vor in Führung ist aber Pavel Eljanov, der seine dritte von vier Partien gewann und nun 3,5 aus 4 auf dem Konto hat. 

Pavel Eljanov hat bisher wenig verkehrt gemacht... | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess

Gegen Adhiban war aber ein wenig Zauberei nötig, zumal der Inder diese Stellung beileibe nicht hätte zulassen müssen:


30…c3! 31.bxc3 Dxa3 brachte Pavel einen Freibauern auf der a-Linie, der ihm schließlich den Sieg brachte. Der Versuch, die Struktur mit 31.De1? intakt zu halten, hätte dagegen wegen 31…c2! sofort verloren.

Die harten Brocken kommen noch, aber immerhin hat Eljanov gegen Leute wie Aronian & Karjakin Weiß

Vier Remis, darunter ein Giri spezial

Von den Masters-Partien am Dienstag verlief genau eine völlig ereignislos und auch hinterher war wenig los:

Harikrishna fasste zusammen:

"Wieder ein halber Punkt nach einem langweiligen Remis gegen Karjakin. Morgen gibt es einen Ruhetag. Ich freue mich auf meinen Besuch in Bewverwijk und einen schönen langen Spaziergang."

Karjakin zeigte, was die örtliche Küche zu bieten hat:

Levon spielt bisher sehr solide... | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess

Zumindest in der Eröffnung ging es bei Aronian-Nepomniachtchi spannend zu, denn die Spieler erreichten zügig diese wilde Stellung:


Seltsamerweise verbrauchte Nepomniachtchi hier 11 Minuten für 17…axb5, worauf Aronian darauf verzichtete, auf b5 wiederzunehmen. Leider war die Partie dann nach 28 Zügen durch Zugwiederholung beendet, die Spieler ließen es sich aber nicht nehmen, einmal mehr über die Probleme zu klagen, sich extrem scharfe Eröffnungssysteme zu merken:

Solche Schwierigkeiten hat Anish Giri eher selten, aber wie schon im vergangenen Jahr scheint er Probleme damit zu haben, vielversprechende Stellungen zu gewinnen. Gegen Dmitry Andreikin scheiterte er an seiner Zeiteinteilung, denn in der entscheidenden Stellung hatte er nur noch knapp zwei Minuten auf der Uhr:  


37.e5! war der Gewinnzug, der instinktiv auf der Hand lag, da die weiße Dame und der Turm zu stark werden, wenn die e-Linie auch noch aufgeht. Wäre er auf den Zug gekommen, hätte Anish nach der Zeitkontrolle sicher auch den Gewinnweg gefunden. Stattdessen spielte er 37.Td2?! und erst zwei Züge später e5, wonach die Partie im Remis mündete.

Radek Wojtaszek ließ seinen Gegner ebenfalls entwischen | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess

Der richtige Zug im falschen Moment war auch das Problem bei Rapport-Wojtaszek:


38…b4! ist stark, denn Schwarz braucht vor 39.f3 wegen 39...bxa3 oder 39...bxc3 keine Angst zu haben. Stattdessen kam 38…Teb7 39.De3 aufs Brett, ehe Wojtaszek doch noch 39…b4 40.cxb4 axb4 41.a4 spielte, der schwarze Plan mit b3 und Dc2 aber an Kraft verloren hatte, da Weiß einfach mit dem Turm nach c1 gehen kann.

Im praktischen Sinne wäre es laut unseren Kommentatoren am besten gewesen, bis zur Zeitkontrolle Abwartezüge zu machen und dann nach der stärksten Fortsetzung zu suchen. Stattdessen konnte nun sogar Rapport ein wenig Druck ausüben, der aber nicht zum Gewinn reichte.

Weder Fisch noch Fleisch für Richard Rapport | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess

Die Tabelle sieht nun so aus:


Blutige Runde

Bei den Tata Steel Challengers ist immer viel los, aber eine Runde mit sieben Siegen ist dann doch etwas Besonderes!

Markus Ragger sprach nach seinem vierten Sieg in Folge mit Anna Rudolf:

Ilia Smirin bleibt nach seinem dritten Sieg in Folge mit 3,5 aus 4 Zweiter, während Sopiko Guramishvili nun schon ihre dritte Niederlage hintereinander einstecken musste. Jeffery Xiong gelang nach seiner Erstrundenniederlage gestern sein zweiter Sieg gegen Nils Grandelius. Xiong spielte Skandinavisch und stand schlecht, bis der Schwede spekulativ eine Qualität für Königsangriff opferte. Xiong verteidigte sich gut und brachte die Partie dann mit einer hübschen Kombi nach Hause:


26…Txd5! Keine Angst vor Gespenstern. Nach 27.Lxd5+ Txd5 musste Weiß aufgeben, da Matt auf d1 und Nehmen auf g5 droht.

Der 16-jährige Jeffery Xiong träumt davon, nächstes Jahr beim Masters dabei zu sein  | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess

Die Spieler haben nun einen Ruhetag, den einige zum Fußballspielen nutzen werden. 

"Ruhetag in Wijk aan Zee und morgen sind wir dann in Rotterdam."

Hier könnt ihr euch noch einmal den Live-Kommentar der 4.Runde ansehen:  

Am Donnerstag geht es dann um 13:30 Uhr mit Peter Svidler und Jan Gustafsson weiter. Alle Partien könnt ihr auch mit unseren kostenlosen Apps verfolgen:

         

Weitere Links:


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