Berichte 16.01.2017 | 10:33von Colin McGourty

Tata Steel Chess 2017, Runde 2: Magnus "extrem inspiriert"

Magnus Carlsen hat seine erste Partie im Jahr 2017 gewonnen. Der Weltmeister benutzte Sergey Karjakins “Widerlegung” der Najdorf-Variante, um seinen Sekundanten Radek Wojtaszek zu besiegen. Sergey meinte hinterher, er habe den Zug 6.a3 aus purer Verzweiflung gespielt, nachdem er das Ladegerät seines Laptops vergessen hatte. Alleine in Führung liegt nach zwei Runden Pavel Eljanov, der Loek van Wely in Zeitnot austrickste, während Adhiban im 39.Zug seinem Landsmann Harikrishna ein kurzzügiges Matt ermöglichte. Bei den Challengers hat nur Markus Ragger 100%, er musste aber hart kämpfen, um Lei Tingjie zu besiegen.

Die drei Musketiere | Foto: Tata Steel Chess Facebook-Seite 

Tata Steel Masters 2017, Runde 2

Carlsen 1-0 Wojtaszek: Widerlegung der Najdorf-Variante

Magnus Carlsen hat eine gute Bilanz gegen seinen Sekundanten Radek Wojtaszek, und auch in seiner dritten Weißpartie blieb er siegreich. 

Wojtaszek konnte Carlsen einmal mehr nicht standhalten | Foto: Tata Steel Chess Facebook-Seite

Dieses Mal übernahm der Weltmeister kurzerhand Karjakins Zug 6.a3, den dieser am Vortag gegen Giri "aufs Brett gezaubert hatte":


Das weckte in Peter Svidler Erinnerungen:

Es ist sehr interessant, wie sich das Leben weiterentwickelt. Ich erinnere mich an die frühen 2000er-Jahre, als Grischuk und ich über Schach sprachen und er mir erzählte, dass er immer wenn einer gegen ihn mit 5…a6 Najdorf spielte, dachte, „diese Partie ist gewonnen, bereiten wir uns auf die nächste vor, denn Schwarz hat einfach mit a6 ein Tempo verschenkt und ich entwickle jetzt einfach meine Figuren und setze Matt“. Und tatsächlich setzte er in den meisten Partien matt, das waren also nicht einfach leere Drohungen. Von diesem Punkt aus haben wir uns nun zu der Antwort 6.a3 entwickelt, die von zwei absoluten Spitzenspielern in zwei Runden in Folge gespielt wurde. In den ersten beiden Runden des ersten starken Turniers in diesem Jahr haben die beiden großen Protagonisten des Jahres 2016 hintereinander 6.a3 gespielt. Sehr seltsam.

Die Geschichte wird noch "seltsamer", wenn man sich den Grund ansieht, dessentwegen Karjakin so spielte: 

"Der einzige Grund, warum ich gegen Giri 6.a3 spielte, ist, dass ich das Ladegerät für meinen Laptop vergessen hatte und dringende eine neue Idee entwickeln musste."

Magnus hatte allerdings einen Plan und beantwortete 6…e5 nicht wie Sergey mit 7.Sf3, sondern mit 7.Sf5!? Jan Gustafsson hat die Partie für euch kommentiert:


Hinterher räumte Magnus mit einem Lächeln ein, der WM-Herausforderer habe ihn "extrem inspiriert":

Vier solide Remis

Lange sah es so aus, als würde wieder nur eine Partie einen Sieger finden. Beim russischen Duell Nepomniachtchi-Andreikin kam Schottisch aufs Brett und die Partie endete im 21.Zug mit Zugwiederholung. Giri-So machte einen talentierten Schachspieler glücklich…

"Ich fühle mich geschmeichelt, dass Giri meine Neuerung 9.Ld2 spielt und meiner Partie gegen Zierk folgt."

… aber sein Mehrbauer versprach Anish gegen den erfolgreichsten Spieler der letzten Monate nie mehr als ein Remis.

1.b3 gegen Sergey Karjakin hat definitiv etwas mit Mut zu tun! | Foto: Tata Steel Chess Facebook-Seite

Bei Rapport-Karjakin spielte Richard einen seiner Lieblingszüge 1.b3 und landete in einer Stellung, die von den Top-Spielern bisher nur er und Jobava aufs Brett brachten, doch wie er selbst erklärte, war die entstehende Struktur recht solide und Karjakin konnte in der geschlossenen Stellung keinerlei Fortschritte erzielen.

Aronian-Wei Yi war ein Katalane, der schnell sehr kompliziert wurde:


Alle drei Möglichkeiten, den Springer zu schlagen, mussten in Betracht gezogen werden, und Wei Yi versank dann auch in 26-minütiges Nachdenken. Diese Zeit war gut investiert, denn beginnend mit 18…dxe4 fand er einen Weg, seine Figuren zu reorganisieren und alle niederträchtigen Pläne Aronians zu entkräften. Der 17-jährige Chinese hatte in seinen ersten beiden Partien Schwarz und fing das Turnier so an, wie er das letzte beendet hatte – damals spielte er in 11 seiner 13 Partien remis. Heute hat er gegen Nepomniachtchi erstmals Weiß.

Solide Start für Levon und Wei Yi | Foto: Tata Steel Chess Facebook-Seite

Plötzliche Zusammenbrüche

Der Tag endete dramatisch, denn zwei Partien wurden durch schwere Zeitnotfehler entschieden. Loek van Wely gab mit dem Zug 33.Sf4? die Kontrolle über das Feld c1 auf.


Das wurde mit 33…Tc1+! 34. Kh2 (34.Td1 Dc6! 35.Dd4 Dc2! endet auch übel) 34…Dd8! bestraft, wonach Loek nichts Besseres gehabt hätte, als einen Bauern unter Schachgebot zu geben. Stattdessen spielte er 35.Sh3 und nach 35…Dxh4 hielt nur die Tatsache, dass Pavel Eljanov ebenfalls in schwerer Zeitnot verkehrte, die Partie spannend. Eljanovs Nerven hielten aber, und damit hat er mit seinem zweiten Sieg in Folge die alleinige Führung nach zwei Runden inne.

Indisches Duell mit dramatischem Ende | Foto: Tata Steel Chess Facebook-Seite

Noch aufregender ging das indische Duell Harikrishna-Adhiban zu Ende. Adhiban spielte nach vier Minuten Nachdenken 39…Kf5?  (39…Kf7! war remis) und musste dafür teuer bezahlen:


40.Sh4+! bereitete Schwarz schwere Probleme, denn 40…Kg5 war bereits Matt in vier Zügen. 41.Tg6+ Kxh4 42.Th1+ Lh3 43.Tg3


Adhiban gab wegen Matt im nächsten Zug auf, und Harikrishna sprach über seinen Sieg:

Nach zwei Runden sieht die Tabelle damit so aus:


Ragger führt bei den Challengers

Markus Ragger brauchte in der längsten Partie des Tages 84 Züge, um die um 230 Elo-Punkte schwächere Chinesin WGM Lei Tingjie zu besiegen, wurde mit der alleinigen Führung mit 2 aus 2 aber reich belohnt.

In der zweitlängsten Partie machte Jeffery Xiong seine Auftaktniederlage mit einem hübschen Sieg in einem komplizierten Endspiel gegen Jorden van Foreest wett.

Die anderen Siege verliefen weniger dramatisch. Sopiko Guramishvili hätte in Runde 1 um ein Haar Lu Shanglei besiegt, doch gegen Gawain Jones ließ sie ein Matt zu. Lu Shanglei verlor dieses Mal, denn Ilia Smirin nahm seine Opfer im Sizilianer einfach dankbar an. Jan Gustafsson verglich Smirins Spiel mit Pac-Man, während Peter Svidler eine andere Assoziation hatte...

Smirin spielte diese Partie im Geist des dialektischen Materialismus, den er vermutlich an der Uni kennengelernt hat.

Hier der gesamte Live-Kommentar von Jan und Peter:

In Runde 3 werden Karjakin und So mit Weiß gegen Van Wely und Rapport sicher Siege anstreben, während die anderen Favoriten Aronian (gegen Adhiban), Giri (gegen Wojtaszek) and Carlsen (gegen Andreikin) jeweils Schwarz haben...

Heute wird Peter Svidler mit Lawrence Trent live kommentieren! Alle Partien aus Wijk aan Zee könnt ihr ab 13:30 hier verfolgen. Dies geht auch mit unseren kostenlosen Apps:

         

Weitere Links:


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