Berichte 19.01.2020 | 22:48von Colin McGourty

Tata Steel 6: Giri & Dubov siegen, Magnus nicht

Magnus Carlsen und Fabiano Caruana remisierten ihre 19. klassische Schachpartie in Folge, sodass der frustrierende Start des Weltmeisters ins Schachjahr 2020 weitergeht. Wesley So und Alireza Firouzja remisierten ebenfalls ihre Partien und führen auch nach Runde 6 weiter, während die Tagessieger Anish Giri, der ein Comeback durch seinen Sieg gegen Kovalev feierte und Daniil Dubov, der Vladislav Artemievs Caro-Kann eindrucksvoll demontierte, waren. Im Challengers zeigte Lucas van Foreest, dass auch 6.Ld2 im Najdorf spielbar ist, obwohl es für ihn nicht gut ausgegangen ist. 

Yu Yangyi-Firouzja und Carlsen-Caruana waren die Toppaarungen des Masters, wenngleich keine davon einen Sieger fand | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Alle Partien des Turniers kannst du hier nachspielen:

Und hier findest du den Live-Kommentar von Peter Svidler und Jan Gustafsson:

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Kein typisches Carlsen-Caruana-Aufeinandertreffen

Hier dürfen keine Freunde angerufen werden | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Als Magnus Carlsen gefragt wurde, ob er nun Sergei Tiviakovs Serie von 110 ungeschlagenen Partien in Folge gebrochen habe, auch wenn man die beiden Partien gegen viel schwächere Gegner in der norwegischen Liga nicht mitzählt, antwortete er: "Ich hoffe nur, dass meine Remisserie nicht bald auch noch an die 100 herankommt!

Es sind derzeit sechs, und die Zahl der Teilnehmer des diesjährigen Tata Steel Masters ist gestiegen, während dies die 19. klassische Partie in Folge war, die mit einem Remis gegen seinen 2018er Herausforderer Fabiano Caruana endete. Fairerweise muss man sagen, dass viele dieser Unentschieden fantastische Kämpfe waren, aber dies war keiner davon. Fabiano kommentierte: "Wir hatten viele Remis und dies war eines der weniger interessanten."

Die durch Zug 13 erreichte Stellung des Damengambits war im ersten Karpov-Kasparov-Weltmeisterschaftsmatch 1984 und zwei Jahre später in Korchnoi-Short diskutiert, beide Male endete es mit einem schnellen Unentschieden. Caruana erklärte, dass sich wenig geändert habe:

Mit 11.Tc1 hat er in eine sehr theoretische Variante übergeleitet, aber die Theorie wurde vor Jahrzehnten - vor 30 oder 40 Jahren - bereits ausgearbeitet und seitdem ist nicht viel passiert. Ich hatte das Gefühl, dass er leichten Druck hatte, aber ich hatte nie das Gefühl, dass ich in ernsthafter Gefahr war.

Magnus fasste zusammen:

Ich versuchte einen ziemlich sicheren Ansatz, um einen kleinen Vorteil zu bekommen, und wahrscheinlich war mein Ansatz später ein bisschen zu konkret. Wenn etwas in der Stellung war, hätte ich langsamer spielen müssen, da es nach dem, was passiert ist, einfach versandete.

Caruanas 21…De5! war der Beginn großer Vereinfachungen:


22.exf5 Dxe2 23.Sd4 De5 24.fxe6 Dxd4 25.exd7 und alsbald wurde Remis vereinbart. Zumindest musste Magnus dieses Mal nicht um den halben Punkt kämpfen.

Ein schwieriger Tag für Jan-Krzysztof Duda gegen den Führenden Wesley So | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Während einige der anderen Remispartien interessanter waren, gab es nicht das reine Chaos und die Risikobereitschaft, die wir am Vortag in Eindhoven gesehen haben. Die Führenden teilten jeweils in ihren Partien die Punkte, wobei Wesley So Jan-Krzysztof Duda lange beackerte, aber nie etwas Greifbares bekam, während Alireza Firouzja ein wenig zu leiden hatte. Er spielte Najdorf gegen Yu Yangyi, fand aber aufgrund der "Badewannen-Bauernformation" des Chinesen am Damenflügel nur eine sehr beengte Stellung vor:


Ohne Zweifel hätte Firouzja hier untergehen können. Aber der 16-jährige Alireza spielte hier die nächsten 12 Züge wie von Stockfish vorgeschlagen, beginnend mit 19...Sg4. Alireza meinte, sein Gegner hätte mehr tun können, aber es ist schwer, eine solche Präzision zu kontern:

Jorden van Foreest kommt dieses Jahr im Masters deutlich besser zurecht | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

An anderer Stelle gab es ähnliches Druckspiel, aber keinen gewinnbringenden Vorteil für Jeffery Xiong gegen Nikita Vitiugov und Vishy Anand gegen Jorden van Foreest. Danach beschrieb Vishy Jorden als "extrem gut vorbereitet":

Giri und Dubov siegen

Daniil Dubov gewann die schönste Partie des Tages | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Weiß hat in diesem Jahr bei den Tata Steel Masters außergewöhnlich 15 Siege im Vergleich zu 0 für Schwarz erzielt, und Vladislav Artemiev hat mehr als die meisten zu dieser Statistik beigetragen. Er hat zwei Partien mit den weißen Steinen gewonnen und nun zwei Partien mit Schwarz verloren, beide mit Caro-Kann. Gegen Daniil Dubov schien es, als hätte er die Art von unangenehmer, aber haltbarer Position, die so viele Spieler in Runde 6 hatten, aber 26...Ta6?! war der Beginn dessen, was sich als eine fatale Fehlplatzierung eines wichtigen Verteidigers herausstellte. Da Vladislav nur noch weniger als drei Minuten auf der Uhr war, wechselte Daniil in den Killermodus:


27.g4! Dh8 28.Df3 Tb6? 29.gxh5 Dxh5? 30.Df6+ Kg8:


31.Ta5! war hübsch, aber nicht leicht zu finden! 31...Sxa5 32.Tc8+ wird Matt, während 31...Ta6 den c6-Springer einfach nach 32.Txa6 bxa6 33.Txc6 einstellt. Die Partie endete mit 31...Dg4+ 32.Kf1 Sd8 33.Ta8 mit Matt in 8 Zügen. Wieder mal war es ein gestrandeter Turm auf a6, der die Niederlage einleitete.

Das war eine wunderbar strategische Partie von Dubov und eine mit hohem Lehrwert. Es ist diese Art von Partie, die man in Sammlungen klassischer Partien von Capablanca und Aljechin finden könnte.

Den anderen Sieg des Tages holte Anish Giri, der Vladislav Kovalev die vierte Niederlage mit den schwarzen Steinen zufügte.

Anish Giri verfolgt das Challenger-Turnier. Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Der Sieg kam, nachdem Anish am Tag zuvor gegen Firouzja verloren hatte, wobei der Holländer einem ehemaligen Weltmeister zugute hielt, dass er ihm gezeigt hatte, wie man auf eine Niederlage reagiert:

Ich habe es von dem großen Vladimir Kramnik gelernt. Nach Niederlagen bereitet er sich einfach auf die nächste Partie vor, und das ist eigentlich der effizienteste Weg, denn wenn man versucht, seine Partie zu vergessen und versucht, über andere Dinge nachzudenken, funktioniert es einfach nicht, und am Ende landet man eh wieder beim Schach. Also habe ich eigentlich viel Zeit damit verbracht, mich auf diese Partie vorzubereiten.

Die Vorbereitung (ein Italiener) klappte bis zu einem Punkt, obwohl Giri bedauerte, dass er 21 Minuten am Brett verbringen musste, um sich zwischen 22.Dxf3 oder den 22.gxf3 zu entscheiden. Kovalev antwortete fast sofort mit 22...f5!?


Unsere Kommentatoren waren der Meinung, dass der Zug, der drohte, mit ...f4 fortzufahren und sowohl den Läufer auf h2 als auch den Springer auf f1 aus dem Spiel zu nehmen, eine starke praktische Wahl war, und Peter Svidler zeigte die nächsten 10 Züge, die in der Partie stattfanden.

Giri selbst kommentierte: "Um ehrlich zu sein, gerade die Variante in der Partie war so verlockend, sie war so lang und erzwungen, es sah nach dem richtigen Weg aus", obwohl sich herausstellte, dass nach 23.Se3! fxe4 24.fxe4 Dg5+ 25.Kh1 Txf2 der Weg, einen großen Vorteil zu behalten, 26.Lg1! war und nicht die Partiefortsetzung 26.Df5+. Trotzdem war auch Giris Wahl für Schwarz eine Herausforderung und ließ Vladislav mit wenig Zeit auf der Uhr kritische Entscheidungen treffen:


Der weißrussische Großmeister hatte noch sechs Minuten Zeit und verbrachte hier über fünf davon, bevor er sich für 34...Sxd5!? statt der vielversprechenden Option 34...Tb8! mit dem Plan ...Tb2+ und ...Td2 entschied. Die Dinge wurden vor der Zeitkontrolle kritisch, aber obwohl es Kovalev gelang, den Kampf zu verlängern, war er immer nur eine Ungenauigkeit vom sofortigen Zusammenbruch entfernt. Giri gewann ein studienähnliches Endspiel in 51 Zügen:

Damit waren die Tage der wachsenden Vorfreude auf MrDodgys Giri-"Witz" endlich vorbei…

Boom. 

Das bedeutete auch, dass Giri wieder bei 50% lag, Dubov schließt sich van Foreest und Caruana nur einen halben Punkt hinter den Führenden an. Doch So und Firouzja liegen immer noch in Front kurz vor Halbzeit des Turniers:


6.Ld2 in der Najdorf-Variante

Vincent Keymer holt seinen ersten Sieg in Wijk! | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Im Challenger-Turnier gewann an diesem Tag drei Mal Schwarz - sodass Schwarz insgesamt mehr Partien als Weiß gewonnen hat!

Auch für die erfahrenen Spieler läuft es weiterhin gut, denn obwohl der 15-jährige Vincent Keymer seinen ersten Sieg holte, waren die beiden anderen Siege für Nils Grandelius und Pavel Eljanov reserviert. Letzterer übernahm mit 4,5/6 die alleinige Führung im Turnier, gab aber zu, "es ist zu einfach, so nett zu sein", nachdem sein Gegner "nur einen Fehler machte und dann war es sofort Game Over":

19.Sce2?? war der Beweis dafür, dass Max Warmerdam es versäumt hatte, die Schlüsselfrage zu stellen, was der schwarze Turm, der beim vorherigen Zug nach c4 kam, an der Stellung änderte:


19…Nxe5! war durchschlagend, da sich das Nehmen wegen ...Txh4# verbietet. Die Aufgabe folgte drei Züge später.

Grandelius dachte nach 6.Ld2 16 Minuten nach und stand dennoch bald schlecht - doch alles sollte ein gutes Ende nehmen! | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Partie des Tages bei den Challengers, und vielleicht insgesamt in Wijk aan Zee am Freitag, war Lucas van Foreest gegen Nils Grandelius. Der Najdorf-Sizilianer erlaubt Weiß eine große Auswahl an Optionen im 6. Zug, aber Lucas schaffte es, eine Variante zu spielen, die laut der chess24-Datenbank auf Platz 22 der beliebtesten ist. Peter machte das sprachlos!

"Ich verbiete das!" Svidlers unbezahlbare Reaktion auf Lucas van Foreests 6.Ld2, der 22. beliebteste Zug gegen die Najdorf-Variante! Auch wenn Lucas am Ende taktisch baden ging, stand er im Mittelspiel auf Gewinn.

Ein gutes Zeichen ist 6.Ld2 für alle, die glauben, dass Schach unerschöpflich ist. Der Zug ist absolut spielbar und gibt Weiß womöglich einen kleinen Vorteil. In der Partie opferte Lucas die Qualität für positionelle Vorteile und stand mit Zug 24 auf Gewinn:


24.gxf3! oder 24.Lxf3 und Weiß hat großen Vorteil, doch dass 24.Lxe6? die Partie verliert, musste man erst einmal sehen! Nach 24…Dxg2+ 25.Ke1 Dg1+ 26.Kd2 kam die kalte Dusche:


26…Txd6+!! und falls Weiß dan Turm nimmt, wird er nach 27...Dxf2+ mattgesetzt.

26...Txd6+! war eine hübsche kleine Taktik von Nils Grandelius gegen Lucas van Foreest

Es gab nichts Besseres als das traurige 27.Ld5, doch nach nach 27...Dxf2+ 28.Kc1 Lf4+ (Computer schlagen sogar 28...cxd5 vor! 29.Sxe5 Dh2! gewinnt, aber es gibt keinen Grund für solche Heldentaten) 29.Kb1 Td7 stand Schwarz komplett auf Gewinn und brachte den Punkt auch nach Hause.

Im Challengers sieht es damit wie folgt aus:


In Runde 7 tritt Magnus dann mit Schwarz gegen Vishy Anand an - gegen den ehemaligen Weltmeister wird es also nicht leichter. Alireza Firouzja hingegen hat wieder Weiß und darf es mit einem alten Rivalen aufnehmen: Jefferey Xiong. Wesley So hat Schwarz gegen Artemiev.

Die Partien kannst du wie immer live auf chess24 verfolgen: Tata Steel Masters | Tata Steel Challengers

Weitere Links:


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