Berichte 17.01.2020 | 21:40von Colin McGourty

Tata Steel 5: Firouzja schlägt Giri und holt dritten Sieg

Der 16-jährige Alireza Firouzja feierte nach seiner Niederlage gegen So direkt ein Comeback und schloss damit wieder zum US-Amerikaner in der Führung auf, nachdem er Anish Giri in ihrer ersten klassischen Partie in ein verlorenes Endspiel gelockt hatte. Das war Firouzjas dritter Sieg in diesem Jahr. Vishy Anand war der einzige andere Spieler, der einen vollen Punkt holte, indem er Jeffery Xiong besiegte. Magnus Carlsen gestand, dass er für ein Remis gegen Daniil Dubov "kriechen" musste, während Caruana-van Foreest und Duda-Artemiev grandiose Schlägereien waren, die dennoch friedlich endeten.

Alireza Firouzja ist der einzige Spieler im Masters, der bisher 3 Partien gewinnen konnte. Der Umzug ins PSV-Stadion scheint ihm nicht geschadet zu haben | Foto: Tata Steel Chess Facebook

Hier kannst du dir die Partien aus Wijk aan Zee anschauen:

Und hier findest du den Live-Kommentar von Peter Svidler und Jan Gustafsson:

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Firouzja schlägt Giri

Es war leicht vorstellbar, dass Alireza Firouzjas Niederlage gegen Wesley So in Runde 4 den 16-Jährigen nach einem fulminanten Start wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkehren lassen würde, aber dieses Kind hat es verdammt eilig: Wir haben bereits erwähnt, dass der 16-Jährige Magnus Carlsen bei seinem Debüt in der Spitzengruppe in Wijk aan Zee 2007 4 Partien verloren und 0 gewonnen hat, während Firouzja sein Debüt mit einem Sieg begann. Jetzt können wir einen weiteren (leicht fadenscheinigen!) Vergleich anstellen: Magnus Carlsen verlor 2011 seine erste klassische Partie gegen den 16-jährigen Anish Giri in Wijk aan Zee und konnte erst beim Bilbao Masters 2016 gegen den Niederländer den Ausgleich zum 1:1 erzielen. Firouzja hat wieder einmal auf Anhieb gewonnen!

Anish Giri erkundete das PSV-Stadion im Vorfeld des Turniers. Doch geholfen hat es nichts | Foto: Tata Steel Chess Facebook

Während der letzten 6 Ausgaben des Tata Steel Masters zwischen 2014 und 2019 verlor Giri insgesamt 4 von insgesamt 76 Partien. Und zu Beginn des Turniers erwischte er ebenfalls einen guten Start:

Längste Serie ungeschlagener Partien (3) gegen verdammt berühmte Schachlegenden. Hat es wer länger durchgehalten, Tarjei?

Die Partie gegen Firouzja schien zunächst auch für Giri gut zu laufen, während Peter Svidler die Stellung nach 30...Le3 auf dem Brett wie folgt kommentierte:


Hier geschah nun etwas Seltsames: Objektiv gesehen steht Schwarz hier überhaupt nicht schlechter. Es gibt wirklich keine Probleme, die Schwarz in Bezug auf die "mathematische Bewertung der Stellung" lösen müsste. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass Alireza diese Stellung weiterhin auf Sieg spielte, und irgendwann gelang es ihm, Anish davon zu überzeugen, dass Anish diese Stellung passiv auf Remis spielen sollte.

Giri tauschte später die Leichtfiguren für ein scheinbar lockeres Remis. Aber es stellte sich heraus, dass seine letzten beiden Züge vor der Zeitkontrolle fatale Fehler waren, die es Alireza ermöglichten, ein Bauernendspiel zu erzwingen, das für Weiß gewonnen war. Der 16-Jährige selbst hat den kritischen Moment erkannt:


Ich gewinne glaube ich wegen 46.a4! Das ist ein wichtiger Zug, weil ich aktiv spielen muss. Schafft er es, einen Bauern auf a4 zu installieren, ist die Stellung ausgeglichen.

So wie Alireza den Punkt nach Hause brachte, war es "absolut einwandfrei" (Svidler), aber er selbst ordnete die Partie bodenständig ein: "Ich mache mir keine Gedanken um den Turniersieg". Dann fügte er noch hinzu:

Ich habe das gleiche Selbstvertrauen wie zu Beginn des Turniers. Von daher erwarte ich nichts sonderlich Großartiges von mir. Ich will einfach gute Züge spielen und schauen, wie weit ich damit komme.

Verpasse auf keinen Fall Svidlers detaillierte Analyse einer Partie, die er "sehr, sehr beeindruckend" für einen so jungen Spieler hält:

Anand holt den einzigen weiteren Sieg des Tages

Ein ungewöhnliches Fußballbild | Foto: Tata Steel Chess Facebook

In nur fünf Runden des Tata Steel Masters haben wir bereits gesehen, wie Firouzja, Jorden van Foreest und Vladislav Artemiev nach Niederlagen wieder zurückkommen. Und jetzt ist der 50-jährige Vishy Anand der letzte Spieler, dem eben das gelingt, nachdem er in Runde 2 verloren hat. Im Interview nach der Partie stellte er fest, dass er zuletzt vor 22 Jahren in Eindhoven in einem Trainingslager mit Peter Leko war - drei Jahre also vor der Geburt seines Gegners in Runde 5, Jeffery Xiong.

Jeffery bekommt volle Punkte für Tapferkeit, nachdem er gegen den 5-fachen Weltmeister die Winawer-Variante im Franzosen auspackte. Aber Vishy zeigte, dass er genau weiß, was er tut:


Vishy entschied sich für das maximal aggressive 17.g4! um die schwarze Stellung am Königsflügel aufzubrechen. Damit behielt er die Initiative, auch wenn er im Anschluss nicht völlig von seinem Spiel überzeugt war:

Der einzige Moment, in dem ich wirklich glücklich war, war als ich c4 spielte. Dort hatte ich das Gefühl, dass die Taktik für mich funktioniert, aber vorher war ich mir nicht sicher, ob ich den Faden womöglich verloren hatte.


Die Taktik funktioniert in der Tat für Weiß. Jeffery wählte die beste Verteidigung, 31...Tg4 32.cxd5 Txd4+ 33.Lxd4, aber die spektakulären Variante 33...Dxc2+ 34.Kxc2 Sxd4+ 35.Kd3 Sxe2 36.Kd3 Sxe2 brachte ihm ein verlorenes Turmendspiel ein, das Vishy ohne Probleme gewinnen konnte:

Vishy Anand holt den ersten Sieg des Tages beim Tata Steel Masters. Er schlägt Jeffery Xiong und steht nun wieder bei 50%!

Und das sagt der Inder selbst zur Partie:

Fünf Remis, unglaublich!

Von den verbleibenden Partien war nur Kovalev-So schnell zu Ende, nachdem der Tabellenletzte Vladislav Kovalev sich über ein ereignisloses Remis in der Berliner Verteidigung gegen den Tabellenführer freute. Auch Wesley konnte sich nicht beklagen, denn er war froh, nicht bis 8 Uhr abends auf die zweistündige Rückfahrt vom PSV Eindhoven nach Wijk aan Zee warten zu müssen. Im Interview nach der Partie zeigte er, dass Fußball nicht gerade sein Spiel war: "Ich habe keine Ahnung, wie die Strategie aussieht, ein Tor zu schießen!"

Die anderen Spiele hätten leicht alle entschieden enden können. Nikita Vitiugov verpasste eine Chance bei seinem 24-zügigen Remis gegen Yu Yangyi, während auf den anderen Brettern ein Chaos herrschte. So entschied sich Vladislav Artemiev, seinem 21-jährigen Kollegen Jan-Krzysztof Duda bei seinem Zug 24.Tg4!? zu vertrauen.


Tatsächlich würde Schwarz nach 24... fxg4! gewinnen, während nach 24... Lf6?! 25.Sg5! Dudas taktisches Spiel aufging und es war Weiß, der Gewinnchancen hatte, bevor die Partie schließlich in einem diesmal remisen Bauernendspiel endete.

Jorden van Foreests kühne Eröffnungsbehandlung ist im Tata Steel Masters bisher gut gelaufen, aber die Wiederholung der Variante, die schon für Alexander Grischuk gegen David Anton nach nu 24 Zügen beim letztjährigen Grand Swiss nach hinten losging, war keine gute Idee:


Jorden war sicherlich vorbereitet, Antons 10.d4 gegen Fabiano Caruana zu wiederholen, aber Fabi entschied sich für 10.dxe4. Dazu sagte Jorden:

Ja, eigentlich wusste ich, dass es diese Variante gibt, ich habe sie vor der Partie nur überhaupt nicht wiederholt und dann ist es sehr schwer, am Brett die richtigen Züge zu finden.

Jorden machte im 13. Zug einen Fehler, wonach es an Caruana war, die Partie siegreich zu beenden. Doch obwohl er zwischen den Zügen 15 und 17 eine ganze Stunde an Bedenkzeit investierte, fand er nichts, was zeigt, wie schwierig die Stellung war.

Die wilde Partie zwischen Caruana und van Foreest ist die heißeste Partie der fünften Runde.

Mit Zug 19 fing die Partie an, Fabiano aus dem Händen zu entgleiten:


Dass der Computer die beste Antwort auf 19.h3! in 19...Tg8!? sieht, sagt fast alles, was man darüber wissen muss, wie stark dieser kleine Bauernzug ist. Warum ist er so stark? Ein Grund dafür ist, dass das unmittelbare 19.Da3 gut mit 19...De7! pariert werden kann, wonach Schwarz besser steht. Aber nach zum Beispiel 19.h3 Sf6 und jetzt 20.Da3! Qe7 gewinnt Weiß mit 21.Tc3! und der Drohung 22.Te3!

In der Partie spielte Fabiano stattdessen 19.Tc4 und nach 19...Tg8! 20.Da3 konnte Jorden mit den hässlich aussehenden 20...Kg7 entkommen! Bald hatte Schwarz eine Mehrfigur für drei Bauern und laut Computer einen gesunden Vorteil, aber es war verständlich, dass Jorden das Remisangebot seines Gegners annahm.

Eine Partie wie eine Achterbahnfahrt, aber Caruana und van Foreest einigen sich auf Remis.

Er erklärte später:

Ich war schon sehr glücklich, nach dem, was in der Eröffnung geschah, mit einem Unentschieden davonzukommen, um ehrlich zu sein. Außerdem bin ich mir nicht sicher, wie viel besser ich am Ende stehe. Aber ja, um ehrlich zu sein, ich war einfach sehr glücklich, diese Partie nicht zu verlieren.

Bleibt Carlsen-Dubov, wo nach dem offensichtlichen Drehbuch Magnus Carlsen wieder auf das Feld der Tata Steel Masters zurückgekehrt wäre. Er hatte gerade erst vier Tore beim 8:5-Sieg beim Fußballspiel am Ruhetag erzielt und war von der Last der Serie ungeschlagener Partien in Folge befreit, so dass die Handbremse gelöst werden konnte.   

Magnus Carlsen, Nodirbek Abdusattorov und Loek van Wely während des Fußballs am Ruhetag | Foto: Tata Steel Chess

Doch möglicherweise konnte man Carlsens Serie in Zweifel ziehen…

Scheint so, dass Carlsens Serie doch nicht die Längste ist. Nach meinen Nachforschungen verfügt der kroatische Großmeister Bogdan Lalic über die längste Serie ungeschlagener klassischer Partien in Folge: 140 zwischen September 2010 und October 2011 - aber auf viel, viel niedrigerem Level.

Carlsen traf auf seinen Sekundanten Dubov und es wurde ein Rossolimo-Sizilianer diskutiert, an dem beide im Match gegen Caruana hart gearbeitet hatten. Dadurch lief es für Magnus womöglich nicht ganz nach Plan.

Beide Spieler waren sich aber einig, dass das eigentliche Problem "ein extrem schlechter Zug" (Carlsen) war, oder wie Dubov es ausdrückte:

Im Grunde genommen fühlten wir beide, dass er wie ein Idiot spielte, was wahrscheinlich wahr ist!


Der Zug, um den es ging, war 17.Sc4?! Magnus erklärte ihn wie folgt:

Die meisten dieser Varianten haben das Ziel, den Springer nach c4 zu bringen. Also habe ich es ohne viel nachzudenken gespielt, aber in diesem Fall musste er eindeutig nach f1 gehen. Ich denke, wenn ich 17.Sf1 mache, habe ich einfach eine sehr angenehme Stellung, nicht viel besser, aber definitiv sehr, sehr spielbar und mit jeder Chance, die Partie zu gewinnen.

Nach 17.Sc4 De6! versank Magnus in Gedanken und beschloss zum wiederholten Mal in diesem Jahr das, was er als nicht offensiv, sondern als defensives Bauernopfer bezeichnete, zu spielen: 18.Db3!? fxe4 19.Sfd2 exd3 20.cxd3 e4! 21.Sxe4 Lxc4 22.Dxc4:


Zu diesem Zeitpunkt war unser Kommentatorenteam der Meinung, dass Daniil ein wenig zu clever wurde, als er statt den Bauern mit 22...Dxc4 23.dxc4 Lxb2 zu gewinnen, 22...Dd5 spielte. Aber später gab Magnus zu, dass er einen weiteren Zug (28...Td5!) übersehen hatte und fand sich in einer Stellung mit Minusbauern wieder. Der Weltmeister hielt durch, aber es war nicht schön: "Ich musste um ein Remis kriechen, das war wieder etwas peinlich". Auch sein diesjähriges Spiel beschrieb er als "massiv deprimierend", auch wenn er bei noch 8 zu spielenden Runden bei 50% steht. Es ist also keine hoffnungslose Situation:

In Runde 6 kann Magnus versuchen, sein Turnier mit Weiß gegen einen gewissen Fabiano Caruana zu beginnen, obwohl Daniil dem Rivalen des Weltmeisters einen Ratschlag gab:

Ich glaube, im Allgemeinen neigen die Leute dazu, ihn zu überschätzen. Er ist wahrscheinlich der beste Spieler in der Geschichte, aber das heißt nicht, dass man ihn nicht schlagen kann. Und all die Serien und alles - er ist offensichtlich ein brillanter Spieler, aber es hängt auch damit zusammen, dass nicht allzu viele Leute versuchen, ihn zu schlagen, besonders wenn er Weiß hat.

So sieht die Tabelle nach 5 Runden aus. Alireza hat Wesley wieder eingeholt und Magnus lauert mit einem Punkt Rückstand hinter der Spitze:


Zwei neue Spieler führen das Challenger-Turnier an

Während das Masters in Eindhoven gespielt wurde, gab es in Wijk aan Zee beim Challengers-Turnier viel Action in Runde 5 - mit nur einer unentschiedenen Partie:

In diese Partie war der Führende Surya Ganguly involviert, sodass Pavel Eljanov und Erwin l’Ami durch Siege gegen Anton Smirnov und Dinara Saduakassova aufschließen konnten. Besonders erwähnenswert ist Jan Smeets, der seinen zweiten Sieg holte, indem er Rauf Mamedov mattsetzte.

Die Teams beim Fußball am Ruhetag - seit Freitag sind alle Spieler wieder in Wijk aan Zee | Foto: Tata Steel Chess

Bei den Masters geht es also am Freitag um 13:30 weiter und alle Augen werden auf Carlsen-Caruana gerichtet sein. Die Führenden werden auf ihre Chance setzen, ihre Führung auszubauen. Firouzja hat Schwarz gegen Yu Yangyi, während So mit Weiß gegen Duda antreten muss.

Verfolge hier die Partien auf chess24: Tata Steel Masters | Tata Steel Challengers

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