Berichte 15.01.2020 | 20:54von Colin McGourty

Tata Steel 4: Magnus Carlsen holt sich den Rekord!

Weltmeister Magnus Carlsen hat Sergei Tiviakov übertroffen und mit 111 unbesiegten klassischen Partien in Folge einen neuen Rekord aufgestellt, nachdem er einen echten Test durch Jorden van Foreest überstanden hat. Die andere große Geschichte der vierten Runde des Tata Steel Masters 2020 war Wesley So, der Alireza Firouzja in einem technischen Endspiel zu Fall brachte und dem 16-Jährigen damit die alleinige Führung abnahm. Artemiev gewann die Schlacht der Vladislavs gegen Kovalev und ging am Mittwoch mit einem halben Punkt Rückstand in den Ruhetag.

Fast wäre es noch schief gegangen für Magnus. Doch nun besitzt er den Rekord über die längste Serie von ungeschlagenen Partien in Folge im klassischen Schach | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Alle Partien des Turniers kannst du hier nachspielen:

Und hier findest du den Live-Kommentar von Peter Svidler und Jan Gustafsson:

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Magnus Carlsen bricht einen weiteren Rekord

Seit der Niederlage gegen Shakhriyar Mamedyarov am 31. Juli 2018 beim Bieler Schachfestival hat Magnus Carlsen nun 111 klassische Partien und 532 Tage lang keine klassische Schachpartie verloren. Sein Remis gegen Jorden van Foreest in Runde 4 der Tata Steel Masters bedeutet, dass wir nicht mehr die Diskussion darüber führen müssen, ob Sergei Tiviakovs 110 Partien gegen deutlich schwächere Gegner vergleichbar sind (es stellt sich heraus, dass Garry Kasparov, 64 Partien, und Matthew Sadler, 76, der Liste unten hinzugefügt werden könnten):

Liste der längsten Serien ohne Niederlagen im Schach, auf den aktuellen Stand gebracht:

Magnus selbst hatte zuvor angemerkt, dass für ihn seine Serie zwei Partien kürzer ist, da er gegen zwei Gegner gespielt hatte, die in der norwegischen Liga weit unter ihm eingestuft waren. Aber da Tiviakov auch gegen ähnliche Gegner gespielt hatte, machte niemand sonst diese Unterscheidung. Im Interview nach der Partiel stimmte Magnus zu:

Ich erachte meine Serie gegen Weltklassespieler als 109 Partien und gegen gute Gegnerschaft als 111 Partien in Folge. Beides stellt einen Rekord da und darüber bin ich glücklich!

Die Art und Weise, wie Magnus schließlich über die Ziellinie schritt, war nicht das, woran wir uns gewöhnt haben. Denn der Weltmeister war in drei seiner bisherigen vier Partien in Wijk aan Zee in argen Nöten, wenn auch, wie er sagte:

Es ist schon ok. Ich rette meine schlechten Stellungen in jeder Partie - was gibt es da nicht zu mögen!

In Runde 4 gegen Jorden van Foreest war die Rede von dem Alapin-Sizilianer mit c3, den Jorden wie eine tödliche Waffe aussehen ließ, als er seine ersten beiden Partien mit den weißen Figuren gewann:

Die vierte Runde in Wijk aan Zee beginnt in einer halben Stunde und eine Frage hat heute jeder im Kopf - wird sich der Alapin-Sizilianer den größtmöglichen Skalp holen?

Hätte Magnus an dem Sizilianer festgehalten, den er seit beginn des WM-Matchs in London fast ausschließlich gegen 1.e4 gespielt hat, dann hätten wir eine Chance für Jorden auf drei Alapin-Siege in Folge erwarten können. Aber stattdessen hat sich der Weltmeister mit 1...e5 vor dieser Herausforderung gedrückt. Es war jedoch ein Fall von "vom Regen in die Traufe", denn Jorden erwies sich als bereit für Carlsens Zweispringerspiel im Nachzuge (1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Sf6), indem er das seltene 10.Sc3 aufs Brett brachte!


Magnus dachte hier acht Minuten für die nächsten beiden Züge nach, doch nach 10…0-0 11.Le2 Sf4 fing er wieder an zu blitzen: 12.0-0 Lg4 13.d3 Sxe2+ 14.Dxe2 f5 15.h3 Lh5


Im Anschluss musste der Weltmeister folgende Beichte ablegen:

Ich steckte definitiv in Schwierigkeiten. Ich habe versucht, ihn in der Eröffnung ein wenig zu bluffen, und ich dachte, ich bekomme diese Stellungen mit Läuferpaar und etwas Initiative für einen Bauern, und ich dachte, das passt schon irgendwie. Aber dann zog er 16.g4! und ich merkte, dass ich mich verlaufen habe... also da hatte ich es mir selbst eingebrockt!

Der Trick ist, dass Weiß nach 16…fxg4 nicht zurückschlägt, sondern 17.Sg5! folgen lässt, wonach Schwarz, wenn er nicht bereits auf Verlust steht, zumindest weit in die Defensive gedrückt wird. Jordens Sekundant, der Norweger Johan-Sebastian Christiansen gab im chess24 Chat preis, dass das noch alles zur Vorbereitung gehörte.

Giri mal wieder nicht beeindruckt von Magnus' Entscheidungen | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Jan Gustafssons Beschreibung von dem, was Magnus in den 12 Minuten vor 17...Dd7 dachte, scheint absolut richtig zu sein!

“Ich dachte, es ist ein wenig wie gestern. In ein Endspiel mit Minusbauern abwickeln, was traurig ist", sagte Magnus, aber wieder einmal hielt er es erstaunlich leicht. Beide Spieler waren sich einig, dass die kritische Stellung nach 28.b3 La3 entstanden war:


Nach dem Qualitätsopfer 29.dxc4!! Lxc1 30.Txc1 hatte Magnus das Gefühl, "in verdammt großen Schwierigkeiten" zu stecken. Auch wenn er nur hier nur 4 Minuten nachdachte, hatte auch Jorden diese Idee:

Natürlich habe ich die Idee gesehen, aber ich war mir nicht sicher, wie gut sie war, und ich dachte, dass ich mit der Partiefortsetzung auch gute Gewinnchancen hatte, aber im Nachhinein hätte ich es sicher spielen sollen. Ich dachte während der Partie, er hätte kein Gegenspiel und ich kann einfach sicher meinem Mehrbauern nach vorne schieben. Aber ich habe diese ...Lc1-Idee übersehen und dann muss ich eigentlich aufpassen, dass ich überhaupt noch ein Remis hole.

Jorden spielte 29.Tce1!? cxd3 30.cxd3 a5 31.Tf2?! Lc1! und konnte nicht mehr verhindern, dass der Läufer nach e3 kommt. Man konnte bald sich Szenarios ausmalen, in denen Magnus das Ruder übernimmt und sogar noch gewinnt, weshalb Jorden die Partie in den Remishafen lenkte. Er nannte es "ein herausragendes Gefühl", gegen den Weltmeister zu spielen:

Firouzjas Platz an der Sonne war sehr kurzweilig

Wesley So folgte der alten Weisheit, dass man junge, aufstrebende Talente im Endspiel niederringen sollte | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Wir stellten schon im letzten Bericht fest, dass die Konfrontation von Wesley So mit Schwarz die bisher härteste Herausforderung für den 16-jährigen Alireza Firouzja sein würde, und so sollte es auch wahr werden. Obwohl es für einen Großteil der Partie so aussah, als hätte Alireza die Dinge unter Kontrolle. Wesley hatte sich bis Zug 12 einer Partie vorbereitet, die Alireza bei der letzten Blitz-Weltmeisterschaft gegen Andrey Esipenko gespielt hatte. Doch obwohl er seinen jungen Gegner überraschte, meinte er: "Irgendwann begann er, mich zu überspielen".

So war er voll des Lobes für Firouzja:

Ich möchte Gott noch einmal für einen erstaunlichen Sieg danken - nach einem Sieg ist das immer meine oberste Priorität - aber es ist klar, dass Firouzja das nächste große Talent ist. Seine Elo ist derzeit wohl geringer als seine Spielstärke und es ist erstaunlich, was er alles macht, denn er ist erst 16 und kämpft bereits mit den Weltbesten.

In der Partie dachte Wesley, dass sein Gegner vom rechten Weg abkam, als er seinen Springer auf d3 einpflanzte und er womöglich das starke 32.Lc3! übersehen hatte.


Der Springer kann nirgends hin und wird mit dem e4-Bauern zusammen verloren gehen. Aber wie Magnus uns bereits zeigte, ist es gar nicht so leicht, Stellungen mit Mehrbauern zu verwerten. Alirezas Zeitnot spielte So in die Hände, doch der entscheidende Fehler sollte dann erst mit 38...g5? gemacht werden:


39.Kd4!! war der Starzug der Partie. Natürlich war 39...Lb6+ mit Gewinn des f2-Bauern möglich, aber dann marschiert der weiße König nach a6. Es stellte sich heraus, dass es keine Verteidigung gegen den weißen Plan gab, dann mittels a3-a4  einen zweiten Freibauern zu bilden und die Partie zu gewinnen.

Mit diesem Sieg übernahm Wesley So von Firouzja die alleinige Führung, aber Alireza liegt nun mit Xiong, Caruana, Jorden van Foreest und nun Vladislav Artemiev, der nach der Niederlage gegen Firouzja sofort wieder gewann, nur einen halben Punkt hinter Wesley. Artemiev spielte im Nimzo-Inder die Nebenvariante 4.Ld2. Hier spricht er ausführlich darüber, was dazu führte, dass sein Gegner in solch horrende Zeitnot kam:

Schwarz stand bereits mächtig unter Druck, bricht nun aber zusammen: 39…Td8? Das erlaubte eine "großartige Kombination", wie Artemiev sie beschrieb:


40.Txe6! fxe6 41.Se5! (41.Dxg6+ zuerst funktioniert ebenfalls) und Schwarz hat keine Verteidigung. Kovalev gab auf nach 41…Tf8 42.Dxg6+ Kh8 43.Dh6+ Kg8 44.Sg6


Die Mattdrohungen sind offensichtlich. Und wenn alle Figuren getauscht werden, zum Beispiel nach 44...Dd8 45.Dxf8+, dann ist das Bauernendspiel ganz leicht für Weiß gewonnen.

Vier weitere Remisen

Die anderen Partien endeten ohne Sieger. Doch lediglich in Yu Yangyi-Anand gab es wirklich wenig zur Partie zu sagen. In Xiong-Caruana und Giri-Vitiugov gab es zweischneidige Partien, die sowohl schwächlich als auch psychologisch interessant waren. Fabiano und Anish nehmen uns mit auf ihrem Weg durch ihre jeweiligen Partien:

Dubov-Duda dauerte zwar nur 23 Züge, hatte aber ein paar hübsche Momente:


Daniil Dubovs 18.La7! verhinderte den Abtausch der Läufer und sicherte sich die Kontrolle über die b-Linie. Svidler beschrieb diesen Zug als einen, der dir ein warmes, schönes Gefühl ums Herz gibt.

Dubov und Duda waren in Runde 4 farblich bestens aufeinander abgestimmt | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Doch auch Jan-Krzysztof Duda zog nicht zurück und spielte wie beim Schausimultan. Er antwortete mit  18…Tfd8, was direkt in 19.f4 zu laufen scheint:


Was war der Sinn dahinter? 19…Dd6! (19…Da5 geht ebenso) verliert eben keine Figur wegen 20.fxg5 und nun 20…Txa7 21.Txa7 Db6+ und Schwarz gewinnt das Material zurück. Hübsch!

Damit sieht die Tabelle vor dem ersten Ruhetag wie folgt aus:


Ganguly führt

Im Challenger-Turnier führt derweil Surya Ganguly alleine mit 3/4 nach seinem Sieg (einem vernichtenden Königsangriff) über Dinara Saduakassova in der vierten Runde:

Es gab auch Siege für den 15-jährigen Nihal Sarin, der ein Turmendspiel gegen Max Warmerdam gewann, und den topgesetzten David Antón, der sich in der Eröffnung gegen Jan Smeets' Russische Verteidigung einen überwältigenden Vorteil verschaffte und dann schließlich den vollen Punkt mit nach Hause nahm, nachdem er im Mittelspiel die Dinge schleifen ließ. 

Die Nr. 1 der Setzliste, David Anton, holte gegen Jan Smeets seinen ersten Sieg | Foto: Alina l'Ami,  Tata Steel Chess Facebook

Das denkwürdigste Zusammentreffen war jedoch vielleicht das Unentschieden zwischen Lucas van Foreest und Vincent Keymer. Ein gewagtes Figurenopfer von Lucas wurde mit einer Gewinnstellung belohnt, bis er 45.e7? spielte, anstatt mit 45.c4 jedwede Tricks zu stoppen! (Unser Computer verkündet bereits ein Matt in 18 Zügen!):


Der 15-Jährige Vincent Keymer rettet seine schlechte Stellung auf wundersame Weise: 45…Td5+! 46.Ke6 La2! 47.Tf8+ Kc7 48.e8D Td8+ 49.Ke5 Txe8+ 50.Txe8 und Schwarz hält die Stellung mit Qualität weniger.

Am Donnerstag haben Carlsen, Caruana und Anand alle Weiß gegen schwächere Gegner (Dubov, van Foreest und Xiong) und werden versuchen, Wesley So, der Schwarz gegen Kovalev hat, einzuholen. Firouzja-Giri und Duda-Artemiev sind weitere Begegnungen, die man sich anschauen kann, wobei die richtige Action in ein Fußballstadion in Eindhoven verlegt wird. Die Masters-Partien beginnen eine halbe Stunde später als üblich um 14:00 Uhr MEZ:

Die fünfte Runde beim Tata Steel Masters wird morgen im Philips Stadium ausgetragen, der Spielstätte des PSV Eindhoven! Partien beginnen um 14 Uhr, der Eintritt ist frei. Wirst du kommen?

Alle Partien kannst du hier auf chess24 verfolgen: Tata Steel Masters | Tata Steel Challengers

Weitere Links:


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