Berichte 23.01.2019 | 16:49von Colin McGourty

Tata Steel 2019, 9: Nepo holt Magnus und Vishy ein

Ian Nepomniachtchi ist vier Runden vor Schluss wieder zu den Führenden beim Tata Steel Chess zurückgekehrt, nachdem eine Stellung, die Vidit scheinbar unter Kontrolle hatte, in wenigen Zügen kollabierte. Es sah so aus, als ob das die einzige entschiedene Partie bleiben würde, nachdem die anderen Führenden Magnus Carlsen and Vishy Anand solide Remis hielten, während Ding Liren einen Gewinn gegen Vladimir Kramnik verpasste und das Damenopfer von Anish Giri von Jorden van Foreest entschärft wurde. Bei Erreichen des 80. Zuges, zahlte sich aber Fedoseevs Ausdauer aus und erwischte Teimour Radjabov mit einer teuflischen Falle, um zu 50% zurückzukehren. 

Nepomniachtchi und Vidit diskutieren ihre Partie - verpasst nicht Peter Svidlers Analyse später in diesem Bericht | Foto: Alina l'Ami, offizielle Turnierseite

Spielt alle Partien der Tata Steel Masters 2019 nach und schaut euch die Paarungen der letzten Runden im unteren Sektor an:

Und hier ist Jans and Peters 7-stündige Live-Kommentierung der Runde, mit einem kurzen Beitrag von Carlsens Trainer Peter Heine-Nielsen (Leider war die Tonqualität nicht die beste):

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Nepomniachtchi 1-0 Vidit: Das Geschehen eskalierte schnell

Ian Nepomniachtchi schien den Fuß vom Gas genommen zu haben, nachdem er er zwei Siege in den ersten drei Runden holte, aber ein Sieg in Runde 9 führt in direkt zurück in den Kampf um den Turniersieg. Die Partie begann mit einer Überraschung von Vidit, der sich entschied Petroff zu spielen, doch in Zug 7 überraschte Nepo dann Vidit, indem er mit 7.c3 vom  “Springertanz” abwich, der nach 7.Sd5 in Runde 6 des Kampfes Carlsen-Caruana zu sehen war.

An einem Punkt schein Vidit einfach gut zu stehen, aber plötzlich fiel die Stellung des indischen Stars einfach auseinander. Peter Svidler nimmt uns mit durch eine merkwürdige Partie:

Und hier ist Nepos Einschätzung des Kampfes:

Fünf Remise, aber nicht ohne Drama

Sam Shankland stand kurz davor seine erste Partie gegen den Weltmeister zu spielen und schlug sich gut, doch das Interessanteste kam bereits sehr früh, denn Magnus Carlsen nutzte seine ersten 5 Züge damit Bauern vorzuziehen:

Was ist mit all diesen Prinzipien das Zentrum zu kontrollieren und Figuren zu entwickeln, von denen wir in Büchern lesen ;-) Wenn ein Amateur so gespielt hätte würden wir was ein Patzer sagen...jetzt sagen wir...tiefes Stellungsverständnis!


Magnus hatte das tatsächlich bereits vorher bei den Schnellschach- und Bitzweltmeisterschaften ausprobiert, (wo er eine völlig verlorene Stellung gegen Hrant Melkumyan gewann) und Carlsens Trainer Peter Heine Nielsen beschrieb die Eröffnung als „besser als sie aussieht", bevor er hinzufügte:

Wenn du h6 und h6 spielst sagst du zu deinem Gegner sozusagen, schlag mich ins Gesicht, und er wird überrascht sein, wenn es nicht möglich ist. 

Shankland entschied sich gegen direkte Knockout-Schläge, Magnus beschrieb die Partie folgendermaßen: 

Er spielte einfach im klassischen Sinne, was keine schlechte Möglichkeit ist gegen diese Eröffnung, denke ich. Er stand die ganze Partie etwas besser, aber ich denke, dass ich immer sehr solide war.

Magnus hat natürlich schon eine Weile seine Technik verfeinert:

Hier ist seine Analyse nach der Partie:

Und wenn ihr über die Schneeball-Zitate nachdenkt... die Mysterien vertiefen sich noch:

Es schneit in Wijk aan Zee und Magnus Carlsen brachte einen Schneeball mit zur Runde und packte ihn in den Kühlschrank. Irgendwelche Theorien warum?! So viele Fragen...


In der anderen Paarung mit einem Führenden Rapport-Anand war auch Weiß die ganze Partie über am Drücker, doch es gelang Richard Rapport nicht Fortschritte zu machen. In Mamedyarov-Duda gelang es dem jungen Polen in der Wiener Partie einige akkurate Züge zu finden und ein ereignisloses Remis zu erreichen - Shak war vermutlich einfach froh das Bluten nach 2 Niederlagen in 3 Runden zu stoppen. 

Carlsen und Giri schauen sich die Partie Rapport-Anand an| Foto: Alina l'Ami, offizielle Turnierseite

In Kramnik-Ding Liren sah so aus, als würde Vladimir Kramnik in Wijk aan Zee weiter Federn lassen müssen, doch schlussendlich spielte er gut und erreichte die Zeitkontrolle (wieder auf Inkrement) mit nur einem Bauern weniger. Die einzige Frage schien, ob Ding es schaffen würde einen Sieg aus der Stellung zu quetschen und mit in Führung zu gehen, doch stattdessen endete die Partie abrupt:

43..,Da6?! 44.Se7! und es sieht so aus, als ob Kramnik überlebt... oder wird er unvorsichtig und versuchen jetzt auf Gewinn zu spielen?


Ding’s 44…Txc5 wurde mit einem Remisangebot begleitet und es wurde, sehr zu Peter Svidlers Überraschung, angenommen: „Irgendwie schockierend, dass Kramnik sich entscheidet in dieser Stellung, die in keiner Weise besser für ihn ist, nicht nach einem Vorteil zu suchen."

Wieder Probleme für Kramnik, doch dieses mal überlebte er | Foto: Alina l'Ami, offizielle Turnierseite

Damit bleibt ein Remis übrig. Die Partie Giri-Van Foreest, die zum Leben erwachte als Giri in Zug 16 ein Damenopfer anbot (Er gestand später: „Ich habe die Dame in der Vorausberechnung einfach eingestellt und habe dann entschieden es zu einem gewollten Opfer zu machen"):

Giri bietet ein Damenopfer an (16...Sf3+)


Es hätte verrückt werden können nachdem Jorden van Foreest sich mit 16…Sf3+ entschied anzunehmen, doch schnell danach zog er es vor ein Endspiel mit einem Bauern weniger zu verteidigen. Er musste sich auf einen langen Tag im Büro eingestellt haben, doch Giri sagte, dass er keinen Weg gefunden habe seine Stellung zu konsolidieren und deshalb einfach ein Remis anbot. 

Jan Gustafsson nimmt uns mit durch die Partie der zwei Spieler, deren Captain er bei der letzten Olympiade war. 

And hier die Spieler nachher:

Natürlich konnten sie sich nicht auf Twitter zurückhalten!

Ich konnte ihn einfach nicht enttäuschen.

Wie erwartet.


Radjabov 0-1 Fedoseev: Überraschende Wendung

Vladimir Fedoseev ist der einzige Spieler im Turneir, der das erste mal in Wijk aan Zee spielt und ließ es nach sechs Runden zu einer Feuertaufe werden. Zwei Partien in denen er den Sieg angestrebt hatte, gegen Duda und Van Foreest, endeten in schweren Niederlagen und dann saß er in Runde 7 Magnus Carlsen gegenüber. Das scheint der Punkt zu sein, an dem sich alles für ihn wendete. Er spielte gegen Magnus zwar letztendlich nur Remis, konnte den Weltmeister aber eine ganze Weile quälen. Dann überspielte er Sam Shankland in Runde 8. Seine große Zuversicht, die er dabei gewann, könnte die Erklärung dafür sein, dass die Partie Fedoseev-Radjabov so lange dauerte, nachdem es 40 Züge lang so aussah, als würden beide Spieler für überhaupt nichts spielen. 

Teimour Radjabov würde später durch einen unerwarteten Schlag fallen: Foto Alina l'Ami, offizielle Turnierseite

Aber dann strauchelte Radjabov in eine Falle, als er in ein Bauernendspiel abwickelte, dass die Partie endgültig zusammenzufassen schien:


Der natürliche Zug ist natürlich 84…Kxb5? und nach 85.Kxg6 wandelt Weiß den f-Bauern direkt nach der Umwandlung des schwarzen a-Bauern um und die Spieler hätten schnell Hände geschüttelt. Stattdessen griff Fedoseev zu einem Trick, den er schon von weitem gesehen haben muss: 84…Kd6!! und plötzlich war für Weiß nichts mehr zu tun, außer aufzugeben. Jan zeigt uns warum:

Vier Runden vor Schluss hat Nepomniachtchi also Carlsen and Anand an der Spitze eingeholt, Ding und Giri sind nur einen halben Punkt dahinter.

Licht am Ende des Tunnels für Kuipers

Stefan Kuipers holte sich endlich einen Sieg in Wijk aan Zee | Foto: Alina l'Ami, offizielle Turnierseite

An der Spitze bei den Herausforderern gab es keine Veränderung, Maksim Chigaev führt nach wie vor mit einem halben Punkt vor Vladislav Kovalev und Andrey Esipenko:

Es ist allerdings erwähnenswert, dass Stefan Kuipers nach sechs Niederlagen und zwei Remisen endlich eine Partie gewinnen konnte, indem er Lucas van Foreest mit den schwarzen Steinen schlug. Es hätte große Siege für die jungen Stars geben können, aber der 12-jährige Praggnanandhaa konnte keinen Sieg gegen Anton Korobov herausquetschen und der 14-jährige Vincent Keymer verpasste gute Chancen gegen Evgeny Bareev. Das könnte Vincent seiner Chance beraubt haben endlich den Großmeistertitel zu holen, aber es bleibt ohne Zweifel, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis er seine letzte Norm erfüllen wird.

Praggnanandhaa gelang es fast den Erstgesetzten Anton Korobov in einem technischen Endspiel zu schlagen.| Foto: Alina l'Ami, offizielle Turnierseite

Für die 10. Runde der Tata Steel Masters werden die Spieler „auf Tour”sein, dieses mal in Leiden, und Beginn der Runde wird eine halbe Stunde später als gewöhnlich sein. Es könnte eine große Runde werden, denn Magnus Carlsen hat Weiß gegen den Mitführenden Vishy Anand, während Ian Nepomniachtchi mit Sicherheit auch mit Schwarz versuchen wird Jorden van Foreest zu besiegen. Fedoseev-Giri und Ding Liren-Mamedyarov (Der Kampf zwischen Weltranglistennummer 3 und 4) sind auch große Partien für den Kampf um Platz 1.

Sei live dabei für die Live-Kommentierung mit Jan and Peter ab ungefähr 13:50 MEZ am Mittwoch für Runde 10 in Wijk aan Zee: Tata Steel Masters | Challengers

See also:


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