Berichte 21.01.2019 | 15:43von Colin McGourty

Tata Steel 2019, 8: Carlsen & Anand übernehmen die Führung

Magnus Carlsen gelang ein positionelles Meisterwerk gegen Richard Rapport und steht nun bei +3 bei den Tata Steel Masters, aber für die alleinige Führung reichte das nicht, denn Vishy Anand konnte nach seinem Sieg gegen Vladimir Kramnik einen glänzenden Sieg gegen die Nummer 3 der Welt Shakhriyar Mamedyarov folgen lassen. Die anderen Führenden remisierten und Jan Krzysztof Duda konnte Kramnik eine vierte Niederlage zufügen. Vladimir Fedoseev fuhr mit einer schönen Partie gegen Sam Shankland seinen ersten Sieg ein. Maksim Chigaev ist nach seinem dritten Sieg in Folge der alleinige Führende bei den Challengers. 

Vishy Anand würde zu Carlsens 6 Siegen in Wijk aufschließen, wenn er dieses Jahr, 30 Jahre nach seinem ersten Sieg 1989, gewinnen könnte | Foto: l'Ami, offizielle Turnierseite















Die Tage der Schwarzspieler scheinen in Wijk aan Zee vorüber zu sein, in Runde 8 konnten die Weißspieler 4 Siege verbuchen:

Du kannst die Live-Kommentierung von Jan Gustafsson und Peter Svidler von Sonntag hier nachträglich schauen: 

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Carlsen 1-0 Rapport: Magnus bekommt seine Rache

Mit 3 Siegen in den letzten 4 Partien sehen wir den alten dominanten Carlsen wieder | Foto: Alina l'Ami, offizielle Turnierseite

Magnus Carlsen verlor gegen Richard Rapport in der 8.Runde der Tata Steel Masters 2017, doch er machte den selben Fehler in der selben Runde dieses Jahr nicht erneut. Er übernahm von Anfang an die Kontrolle und war wohl der einzige Spieler vor Ort oder online, der nicht dachte zumindest ein kleines Meisterstück vollbracht zu haben! Er erzählte Fiona Steil-Antoni:

Ich denke, dass es beim besten Willen kein Meisterstück war. Ich hatte früh eine sehr gute Stellung, die sich dann irgendwie von selbst gespielt hat. Ich habe einige Dinge übersehen. 

Die Beweise der Gegenseite waren stark, die Zugwahl des Weltmeisters im 31. Zug beeindruckte insbesondere Jan Gustafsson:


Magnus könnte den Bauern mit  31.Sxf6 zurück gewinenn (Die Mattdrohung auf g8 stoppt Schwarz zweimal au f6 zu schlagen), aber stattdessen wählte er den ruhigen aber vernichtenden Plan mit 31.Se3!, gefolgt von by Td5-h5 und es gab keine Verteidigung für den schwarzen König. Das Ende war sehenswert:


40.Txh7+!, und wegen 40…Dxh7 41.Dxh7+ Kxh7 42.Nxf6+ gab Rapport auf.

Jan nimmt uns mit durch die Partie:

Und hier kann man Magnus nach der Partie sehen:

Anand 1-0 Mamedyarov: Jahre zurückrollen

Vishy Anand gewann das Event in Wijk aan Zee 5-mal, übertroffen nur von Carlsens 6. Das letzte mal gelang es ihm vor 13 Jahren im Jahr 2006, doch im Alter von 49 ist der 5-fache Weltmeister wieder in einem Lauf. In Runde 7 schlug er seinen lebenslangen Rivalen und Nummer 7 der Welt Vladimir Kramnik und holt sich jetzt den Skalp des Weltranglistendritten  Shakhriyar Mamedyarov. Es sind nicht nur die Ergebnisse, sondern auch die Art der Siege, die beeindrucken.

Zwei Opfer auf d5 heute für @vishy64theking beim @tatasteelchess. Er ist weiterhin großartig! 

In der Stellung des ersten Opfers hatte Shak gerade 19…b6 gespielt, um sich gegen einen möglichen Doppelangriff mit Dd2 zu verteidigen, der sowohl den Bauern auf a5 als auch den auf g5 angreifen würde. Vishy sah, dass es der perfekte Zeitpunkt für den Durchbruch war, auf den er seine Hoffnungen gesetzt hatte:


20.c4! Txc4 21.Txd5! und natürlich fällt nach 21…exd5 22.Qxd5+ der Turm. Es war bereits schwer für Schwarz zu überleben, aber zumindest musste er nicht lange leiden. 5 Züge später war es Zeit für den letzten Schlag:


28.Txd5! exd5 29.Dxd5+ und Mamedyarov, gab auf, denn Td1 wird im nächsten Zug den Läufer auf d7 gewinnen. 

Vishy beschrieb es als „sehr hübsches Ende”, und war froh Mamedyarov geschlagen zu haben, “der die letzten Jahre unfassbar stark gespielt hat”:

Duda 1-0 Kramnik: „Mein größter klassischer Sieg aller Zeiten

Es ist schön, dass Vishy zeigt, dass das Alter kein unüberwindbares Hindernis im Schach ist, denn der 43-jährige Vladimir Kramnik hat dieses Jahr vier Partien verloren und keine gewonnen, verlor 20,2 Elo und rutschte von Platz 7 auf Platz 14 der Weltrangliste. In der 8. Runde war es jedoch nicht wie am Tag zuvor, an dem Kramnik etwas „wahnsinniges" tat. Der 20-jährige Jan-Krzysztof Duda kommentierte:

Natürlich fühlt sich das sehr gut an. Es ist mein größter Sieg überhaupt in einer klassischen Partie, bis jetzt. Natürlich bin ich damit sehr zufrieden. Vladimir ist in schlechter Form hier, aber ich denke es war auch wegen einer guten Eröffnung, die ich gewählt habe. Es war das erste mal, dass ich im Italiener mit Lg5 gespielt habe und es gefällt mir sehr.

Bis zu Kramniks 13…h4 folgten die Spieler Topalov-So von den London Chess Classic 2016 und es war erst das natürlich aussehende 17…h3? das sich als Fehler herausstellte. 


Es wurde schnell klar, dass das Öffnen der g-Linie den schwarzen König weit mehr schwächte als sein Gegenüber, doch das Ergebnis der Partie blieb unklar, denn beide Spieler landeten in einer teuflisch schwierigen Stellung in Zeitnot. Kramnik griff  schließlich als letzter fehl, wie Peter Svidler uns in seiner Analyse der Partie zeigt:

Und hier ist Duda nach der Partie:

Fedoseev 1-0 Shankland: Ein erster Sieg für Fedoseev

Vladimir Fedoseev beeindruckte als er in Runde 7 Druck auf Carlsen ausüben konnte und darauf weiter auf, als er seinen ersten Sieg des Turniers gegen Sam Shankland holte. In der Live-Kommentierung  offenbarte Peter Svidler, dass es eine Art Match der Missgunst war, den die beiden waren in der Vergangenheit verbal darüber aneinander geraten, wer der bessere Spieler ist.  

In Wijk sah es so aus als ob Fedoseev demonstrieren wollte, dass die Eröffnung keine große Rolle spielt, denn er entschied sich für ein Doppel-Fianchetto und übernahm allmählich die Kontrolle. Shankland hatte einen schwachen Bauern auf c5 und einen eingeschränkten Läufer auf h7, und als die weißen Figuren mit 34.Dd6 begannen in die schwarze Stellung einzudringen, war es mehr oder weniger vorbei:


Vladimir kommentierte:

Diese Partie war noch einfacher als andere. Ich habe einen positionellen Vorteil aus der Eröffnung bekommen und habe dann nicht mehr darauf geachtet die besten Züge zu machen, sondern habe einfach versucht meinen Vorteil so lange wie möglich zu behalten. Es hat meinen Gegner dann dazu gebracht Fehler zu machen und schlussendlich hat er verloren. 

Die Partie endete erst in Zug 52, war aber schon lange vorher entschieden.

Jorden’s erstes Remis

Die übrigen drei Partien endeten Remis. Vidit-Giri war die längste, hingezogen bis Zug 36, die Stellungsbewertung blieb jedoch durchgehend ausgeglichen. Die Führenden Ding Liren und Ian Nepomniachtchi einigten sich schon nach 17 Zügen friedlich, zusammengerechnet überlegten sie beide jedoch 35 Minuten für diesen 17.Zug.

Das war auch der Zug, in dem die Partie zwischen Jorden van Foreest und Teimour Radjabov sich wendete. 17.b6?! war objektiv ein schlechter Zug, doch verbunden mit dem guten Zug Remis anzubieten, das angenommen wurde. 

Jorden erklärte nachher, dass seine Überraschung in der Eröffnung nicht funktionierte:

Das war Jordens erstes Remis nach sieben entschiedenen Partien und eine gute Chance für den zweiten Tweet des Turniers!

Heute ging es in erster Linie darum, sich richtig auf die nächste Runde gegen Ansih Giri einzustellen.

Du hast Remis nur für diesen Tweet angeboten, oder nicht. 

Also sind die erfolgreichsten Spieler insgesamt betrachtet in Wijk aan Zee fünf Runden vor Schluss ganz oben auf der Liste und Vladimir Kramnik ist ganz allein auf dem letzten Platz:


Chigaev übernimmt die Führung

Währenddessen gab es bei den Challengers nicht weniger als fünf entschiedene Partien:

Das Remis zwischen Anton Korobov und Vladislav Kovalev war eine gute Nachricht für Letzteren, der einen Vorsprung von einem vollen Punkt über den Erstgesetzten behalten konnte, doch es ermöglichte Maksim Chigaev sich allein an die Spitze zu setzen, indem er den Außenseiter Stefan Kuipers schlug und seine dritte Partie in Folge gewann. 

Maksim Chigaev ist überraschenderweise fünf Runden vor Schluss alleine an der Spitze | Foto: Alina l'Ami, offizielle Turnierseite

Die nächste große Herausforderung for Maksim ist nun Andrey Esipenko in der nächsten Runde, nachdem der 16-jährige seine 3. Partie mit Weiß gewann und so auf den zweiten Platz aufstieg. 36.c4! war ein Star-Zug:


Die schwarze Attacke ist gestoppt, denn 36…bxc3?, gespielt von Praggnanandhaa, stellte sich als Verlustzug heraus.     

Jetzt gibt es einen Ruhetag am Montag, Partien am Dienstag und Mittwoch, ein letzter Ruhetag am Donnerstag und am letzten Wochenende die drei letzten Partien. Sei dabei zur Live-Kommentierung mit Jan and Peter von ca. 13:20 MEZ am Dienstag für Runde 9 in Wijk aan Zee: Tata Steel Masters | Challengers

See also:


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