Berichte 15.01.2017 | 02:35von Colin McGourty

Tata Steel Chess 2017, Runde 1: Eljanov besiegt Rapport

Pavel Eljanov hat beim Tata Steel Chess-Turnier 2017 früh die Tabellenführung übernommen. Sein Gegner Richard Rapport zeigte zu erfindungsreiches Schach, wonach Eljanov den einzigen Sieg in dieser Runde erringen konnte. In der am meisten erwarteten Partie konnte man Magnus Carlsen dabei zusehen, wie er mit Hilfe seiner WM-Vorbereitung zu einem einfachen Schwarzremis gegen Wesley So gelangte - einzig Adhiban kam einem Sieg nahe, der in der längsten Partie des Tages Loek van Wely quälte. Im Challengers-Turnier war mehr los: der Topgesetzte Ragger bezwang  mit Jeffrey Xiong die Nummer Zwei des Turniers, und es gab noch zwei weitere entschiedene Partien und einige vergebene Chancen.

Eljanov war erneut Rapports Nemesis | Foto: Tata Steel Chess (Facebook)

Tata Steel Masters - Runde 1 (klick auf eine Partie, um sie mit Computeranalyse nachzuspielen)

Es war vielleicht nicht ganz der explosive Auftakt, auf den wir gehofft haben, aber das Tata Steel Chess ist für Schachfans immer ein Fest, wie das Video der Veranstalter zeigt:

Kommen wir direkt zur Partie der Runde, in der Pavel Eljanov seine vierte Begegnung in Folge mit Richard Rapport gewinnen konnte. Eljanov scherzte hinterher, er habe 1. Sf3 gespielt, um Rapport vom Ziehen von 1. ... g5 abzuhalten - aber falls das wirklich stimmte, konnte er das Unvermeidliche nur um drei Züge aufschieben! Peter Svidler führt uns durch eine Partie, in der Rapports Eröffnung nicht das Problem war, da er im Mittelspiel strategisch überspielt wurde:


Die Remisen waren nicht identisch, aber dramatische Momente waren spärlich gesät. Jan Gustafsson erwähnte während der Live-Sendung, dass er nicht zu viel zur Slawischen Eröffnung Magnus Carlsens sagen könne, da er durch die Zusammenarbeit mit Magnus für das Weltmeisterschafts-Match zu viel wisse. 

Das Schlüsselmatch der Runde und vielleicht des Turniers fand zu früh statt, da beide Spieler erst einmal sicher im Turnier ankommen wollten | Foto: Tata Steel Chess (Facebook)

Es erinnerte wirklich an New York, da Magnus' Vorbereitung mit Schwarz erneut scharf und sehr solide war. Die Spieler folgten bis 13. ... e6 Kovalenko - Andreikin vom Poikovsky-Turnier im letzten Jahr.


Wesleys 14. Dc4, das nach 18 Minuten Nachdenkpause gespielt wurde, war im Grunde ein Remisangebot. Die Damen wurden abgetauscht und das Remis im 33. Zug vereinbart; somit ist So nun in 44 klassischen Partien und seit fast sieben Monaten ungeschlagen - das letzte Mal verlor er am 16. Juli 2016 gegen Carlsen. Magnus wurde von Anna Rudolf zur Partie befragt:

Darüber gibt es nicht so viel zu reden. Er spielte nicht auf die kritischste Weise, und dann braucht es nur ein paar gute Züge, um das Remis zu sichern.

Denken Sie, dass er es auf Remis abgesehen hatte?

Das ist die Art Spieler, die er ist. Wenn er gegen starke Gegner spielt, geht er keine großen Risiken ein, und deshalb ist es auch schwer, ihn zu besiegen. Er ist pragmatisch, und das ist seine Herangehensweise und er ist damit weit gekommen.

Seht euch das Interview in ganzer Länge an und erlebt eine nette Stichelei gegen Loek van Wely!

In der zweitstärksten Begegnung des Tages spielte Anish Giri wieder Najdorf, und Sergey Karjakin verwirrte unsere Berichterstatter schon frühzeitig:

Svidler: "Warum spielt man a3 gegen Najdorf?"

Beide Spieler wussten jedoch, was sie taten; Harikrishna hatte das beim Norway Chess Blitzturnier 2016 selbst gegen MVL und Giri gespielt. Hari verlor beide Partien, aber vermutlich nicht wegen dieses Zuges. Am Schluss hatte Giri leichten Vorteil, musste dann auf Verteidigung umschalten und die Dinge endeten schließlich mit dem Unvermeidbaren…

Man muss @anishgiri lieben - er ist wie ein aufgeladener Peter Leko

Giri gab nach der Partie ein nettes Interview, in dem er über die Abenteuer seiner Familie mit Najdorf sprach. Sein Sohn Daniel ist "schon drei Monate alt und hat noch immer kein wirklich gutes Verständnis von Sizilianisch, daher arbeiten wir daran!”

Der nachweislich am besten vorbereitete Spieler des Tages war Levon Aronian, der nur für einen einzigen seiner ersten 29 Züge länger als eine Minute nachdachte: der Antwortzug 21. ... Lf5, als Harikrishna endlich von der Remispartie Adams - Aronian bei der Olympiade in Tromsø abwich. 

Ein müheloses Remis für Aronian | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess (Facebook)

Es war schwere Marshall-Theorie, und obwohl Hari am Mehrbauern festhielt, sollte es nie zu mehr reichen:

Freunde, ich habe mit einem Remis gegen die Nummer 7 der Welt Levon Aronian begonnen. Viele Festungen im Marshall-Gambit... :)

Radek Wojtaszek kam die Ehre zuteil, von Peter Svidler und Jan Gustafsson als der Spieler gewählt zu werden, für den sie die ersten 20 Züge einer Schachpartie spielen würden (dann würde ein gewisser Magnus übernehmen, obwohl man Karjakin für die Züge 40+ hinzuziehen könnte). Er wusste bestimmt, was er gegen Ian Nepomniachtchi tat, aber Nepo antwortete gut und ein Remis stand nie außer Zweifel. 

Das gleiche galt bei Andreikin - Wei Yi, allerdings bedauerte Peter, dass ein Spieler, der taktisch so spektakulär begabt ist wie Wei Yi, mit Schwarz eine so trockene Eröffnung wie Russisch spielt. Falls er das mit 17 mache, fragte sich Jan, was der chinesische Starspieler mit 30 machen würde.

Somit bleibt noch Adhiban - Van Wely, eine Schlacht zwischen zwei Spielern, die wir in unserer Vorschau als "Kämpfer" eingestuft haben. Sie enttäuschten nicht, und Adhiban sah beim Auftakt der härtesten Prüfung seiner Karriere bereits früh wie der sichere Sieger aus. Loek schlug jedoch zurück und hatte ein Remis in Griffweite, als die Zeitkontrolle näher kam.


Einfach 39. ... Txc2 40. Txc2 Sd4! und wir können alle nach Hause gehen, aber 39. ... Te5?! 40. Sc7! verdammte uns zu weiteren zwei Stunden und 20 Zügen Gewinnversuche, ehe die Punkteteilung vereinbart wurde.

Sopikos (beinahe) verblüffender Start

Wie üblich gab es im Challengers-Turnier, das vor jungen und ehrgeizigen Spielern strotzt, viel Dramatik:

Die Remisen waren alles andere als langweilig: Grandelius erzwang mit einem Läuferopfer ein Dauerschach, Smirin und Dobrov übersahen Gewinnmöglichkeiten, während Tari immer wieder versuchte, Material zu opfern, was Hansen beharrlich ablehnte. Und dann war da noch Guramishvili - Lu Shanglei; in der Partie kam - wie Giri anmerkte - seine Frau Sopiko einer Widerlegung von Najdorf irgendwie näher als Karjakin! 

Das Leben als Sekundant ist hart...

Als der chinesische Spieler seine Dame für drei Leichtfiguren tauschte, zeigte der Computer tatsächlich an, dass Schwarz völlig auf Verlust steht; aber wie Svidler anmerkte, sind solche Stellungen immer schwierig zu spielen.


Der Drang zum Vereinfachen ist stark, als Sopiko aber 32. Txc5?! Txc5 33. e5 spielte und sowohl den g2-Turm als auch den Springer angriff, muss sie 33. ... Tcc2! unterschätzt oder übersehen haben. Eine weitere kleine Ungenauigkeit, und der Chinese konnte mit Dauerschach entwischen.

Die Siege gelangen allesamt Weißspielern, und Jorden van Foreest verlängerte seine Schreckensherrschaft über die anderen holländischen Spieler. Er gewann nicht nur die Holländische Meisterschaft, sondern erzielte auch im Challengers-Turnier in Wijk aan Zee im Vorjahr 3,5 aus 4 gegen sie. Er besiegte das zweite Jahr in Folge Erwin l'Ami, indem er frühzeitig die Initiative an sich riss und danach keinen Augenblick mehr nachließ.

Vielleicht sollte die holländische Nationalmannschaft Jorden mit der Hoffnung ins Team aufnehmen, dass er sie danach nicht mehr besiegt! | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess (Facebook)

Benjamin Bok gelang es, gegen Lei Tingjie ein Mattnetz zu knüpfen, während Markus Ragger seine Position als Nummer Eins der Setzliste rechtfertigte, indem er den 16-jährigen Junioren-Weltmeister Jeffrey Xiong in einem Najdorf-Sizilianer überspielte.


Die überwältigende Schlussstellung

Die Zeit ist jedoch auf der Seite von Jeffrey, und unser Kommentatoren-Team schätzt ihn als jenen Top 100-Spieler ein, der in diesem Jahr einen 50-Punkte-Spurt einlegen könnte.

Xiong - Ragger war für den Junioren-Weltmeister eine Feuertaufe | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess (Facebook)

Ihr könnt die ganze Berichterstattung der ersten Runde von Peter und Jan unterhalb nachholen:

In der zweiten Runde hat Magnus Carlsen Weiß gegen Radek Wojtaszek, und es gibt guten Grund, auf ein Feuerwerk zu hoffen - jede ihrer vier bisherigen Partien wurde entschieden, und Magnus gewann beide seiner Weißpartien (Radek gewann mit den weißen Figuren in Wijk aan Zee 2015). Aronian - Wei Yi, Giri - So und Rapport - Karjakin sind einige der anderen sehenswerten Partien.

Die nächste Runde in Wijk aan Zee beginnt am Sonntag um 13:30 Uhr MEZ! Ihr könnt alle Partien auch über unsere kostenlosen Apps mit verfolgen:

         

Weitere Links:


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