Berichte 19.01.2015 | 09:57von chess24 staff

Tata Steel 2015, R8: Sechs Siege, fünf für Magnus

Magnus Carlsen machte fünf Siege in Folge draus, indem er Baadur Jobava in der achten Runde des Tata Steel Masters schlug. Somit führt er nun als Einziger, nachdem der ausgewiesene Schachgelehrte Vassily Ivanchuk in eine wohlbekannte Falle von Wesley So tappte. Anish Giri, der die Idee zuerst propagiert hatte, wurde selbst ein Opfer von Maxime Vachier-Lagraves Vorbereitung, während es ebenfalls Siege für Fabiano Caruana, Teimour Radjabov und Ding Liren gab. Levon Aronian bekam einen Schrecken, bevor er das einzige Remis des Tages gegen Hou Yifan hielt.

Foto des Tages: wie es sich anfühlt, als Schachveteran der unglaublich gut vorbereiteten und hungrigen neuen Generation gegenüberzusitzen | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook


1.b3 gegen den Weltmeister

Baadur Jobava bereitete den Weg für eine unglaublich streitlustige Runde 8, indem er Bent Larsens Lieblingseröffnungszug 1.b3 gegen Magnus Carlsen entkorkte. Da er von der georgischen Nummer Eins bereits gespielt wurde, ist es unwahrscheinlich, dass er wirklich überraschend kam, aber Magnus gab zu, dass er zwischendurch in der Partie überspielt wurde... bis Jobavas Todeswunsch wieder stärker war (seine prosaischere Erklärung war, dass er versuchte, Carlsens Zeitnot auszunutzen, aber nicht sah, dass 41.Kg3 an 41…Le2! scheitert).

Viel Aufmerksamkeit für eine Partie, die wohl nie enttäuschend verlaufen wäre | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Jan Gustafsson schaut sich an, ab wann es alles schieflief… oder gut lief, je nach Standpunkt!

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Nach der Partie gesellte sich Magnus zur Live-Übertragung von chess24:

Dieser Sieg reichte aus, um Magnus alleine an die Spitze zu setzen, da Vassily Ivanchuk keinen seiner guten Tage hatte…

Ivanchuk ohne Buch (Magazin, Webseite, Datenbank…)

Der russische Mannschaftskapitän Evgeny Bareev ist bekannt für seine Kritik an Vladimir Malakhov aufgrund einer Partie in der Olympiade 2010, bei der er durch eine Neuerung überrascht wurde, "die sogar die Putzfrau des Gebäudes kannte". In Wijk aan Zee wurde Ivanchuk von einem Zug überrascht, den Levon Aronian in der ersten Runde des Kandidatenturniers im Februar 2014 gegen Vishy Anand hätte spielen sollen. Das wurde aufgezeigt von:

1. Anish Giri im Magazin New in Chess

"Ivanchuk vs. So: Giri über die 13...Sf4 und 14...Sxg2 Idee (NIC 3/2014, Seite 29)."

2. Vlad Tkachiev in einem Artikel während des Anand-Carlsen Matches

Wie ihr im Artikel sehen könnt, wurde die Variante tatsächlich von Yannick Gozzoli verwendet, um Jean-Francois Jolly beim Andorra Open im Juli 2014 zu schlagen. Es lohnt sich, ein Auge auf Vlads Artikel zu haben. Boris Gelfand’s schöner Sieg gegen Peter Leko im TASHIR Petrosian Memorial wurde anscheinend von der Vorschau des Carlsen-Anand-Matches in Sotschi inspiriert.

3. Jan Gustafsson in seinem Rückblick auf das Jahr 2014

Jan hat allen Grund, einen persönlichen Groll gegen Ivanchuk zu hegen:

"Ich fasse es nicht, Ivanchuk studiert nicht meine Partien!"

Diese Bundesliga-Partie kann hier nachgespielt werden, und wurde auch in Jans Rückblick auf das Schachjahr 2014 erwähnt. Das Video sollte an dem Punkt anfangen, an dem Jan die Anand-Aronian-Partie diskutiert, die leicht den Verlauf der Schachgeschichte hätte ändern können:

Wer könnte also besser als Jan, der Marshall-Experte, erklären, was in Wijk aan Zee so katastrophal schieflief:

Nigel Short hatte etwas Mitleid mit Ivanchuk, aber auch nur begrenzt:

"Armer Chucky. Es gibt nichts Schlimmeres, als eine Partie durch Vorbereitung zu verlieren. Aber diese Verbesserung wurde nun wirklich überall bekanntgemacht."

Es war eine unerwartete Prämie für Wesley So, der zugab, dass er gegen jemanden, der bereit war, sich auf diese Variante einzulassen, nicht mehr als ein forciertes Remis erwartet hatte. Er reagierte auch mit seiner üblichen Bescheidenheit, als darauf hingewiesen wurde, dass dieser Sieg ihn auf Platz 6 der Live-Ratings brachte, vor Levon Aronian, Vladimir Kramnik und Anish Giri:

Anish Giris theoretischer Fehltritt war von der verzeihlicheren Sorte. Maxime Vachier-Lagrave war einfach besser vorbereitet auf eine Variante der Anti-Berliner Verteidigung und Giri schien nach dem "übermäßig cleveren" 20…c6? einfach verloren zu sein, auf das 21.Dh6! cxd5 22.Tad1! folgte.


Die Fesselung auf der d-Linie kombiniert mit den Mattdrohungen (Ld3 und das Überführen eines Turms auf den Königsflügel) konnten anscheinend unmöglich gemeistert werden, auf jeden Fall verlief Maximes Angriff wie am Schnürchen, bis sein Gegner in einem verlorenen Turmendspiel aufgab.

Giri hatte sehr viel mehr Spaß an Ivanchuk-So! | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Die französische Nummer Eins gab hinterher zu, dass ihm diese Stellung nicht ganz unvertraut war:

Drei weitere Siege

Es kann grausam sein, wie schnell sich das Schicksal im Schach wendet, vor allem in einem Doppelrundenturnier mit besonders starker Konkurrenz und ohne Fluchtweg. Ivanchuk ist nun auf dem 5. Platz, nachdem er sechs von sieben Runden lang führte, während Radek Wojtaszek, der Carlsen und Caruana schlug und das Event seines Lebens zu spielen schien, nun mit 50% auf dem 8. Platz liegt. Man kann ihm vielleicht vorwerfen, seinen Najdorf-Sizilianer gegen Teimour Radjabov zu passiv gespielt zu haben.

Ein weiterer Tag, ein weiterer Grund, sich dafür zu verfluchen, damals als Kind die Schachfiguren in die Hand genommen zu haben... | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess-Turnier

Dieser Sieg brachte Radjabov auf +1, wo sich schließlich Fabiano Caruana zu ihm gesellte. Es war bis jetzt nicht Caruanas Event, aber wenn man ihm Material gibt, muss man ihn nicht zweimal bitten. Loek van Wely knickte ein mit 26.Sf2?


26.Lxc4! Nutzt die Fesselung des e3-Springers. Caruanas Vorteil wurde immer größer, aber Loek van Wely gab nicht so leicht auf. Er wurde vielleicht von dem Dame-Bauer-Endspiel der Giri-Ivanchuk-Partie vom Tag zuvor inspiriert, das auch dem 13. Weltmeister gefallen hatte:

"Viele gute Geschichten & Partien bei #TataSteelChess. Carlsen gewinnt 5 in Folge, tolle Opfer von Jobava & So. Aber das Giri-Ivanchuk-Endspiel war am bemerkenswertesten!"

Dieses Endspiel war jedoch nicht so höllisch schwer, obwohl es sehr malerisch war:


Danach war Caruana in Topform und beging keinen einzigen Fehltritt, sodass Loek van Wely schließlich im 81. Zug aufgab, als der Computer Matt in 11 anzeigte. Man muss erwähnen, dass Caruana zum ersten Mal im diesjährigen Turnier keine Zeitnot hatte. Vielleicht ist er bereit, auf der Zielgeraden zu beschleunigen?

Der letzte, aber bei weitem nicht der uninteressanteste Sieg war Ding Lirens Triumph gegen Ivan Saric. Der chinesische Star hat nun sieben von acht entschiedene Partien vorzuweisen und gelangte wieder in die Verfolgergruppe, indem er die sehr optimistische Spielweise seines Gegners sauber zunichtemachte. Zunächst brach er korrekt mit 16.e4 durch, gefolgt von 18.e5, dann wechselte er zum Damenflügel mit 19.b4!


Er setzte den Minoritätsangriff mit 20.b5 im nächsten Zug fort und als Ivan Saric waghalsig auf c6 mit seiner Dame nahm, konnte der d5-Punkt nicht mehr gehalten werden. Die Art und Weise, wie er fiel, war jedoch ein Diagramm wert: 27.Sxd5!


Vielleicht hatte Saric von weitem übersehen, dass der Springer nicht so gefesselt war, wie er es gerne gehabt hätte. 27…Txb3 würde nun natürlich in die Springergabel 28.Sxe7+ laufen. Saric gab die Qualität mit 27...Dxd5 her und kämpfte sieben Züge lang weiter, bevor er sich mit dem Unabwendbaren abfand.

Es muss immer einen geben

Trotz einer niedrigeren Platzierung hat Hou Yifan im diesjährigen Turnier andere Gründe, zufrieden zu sein | Fotos: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Die einzige Partie, die die Blutgier des Publikums nicht stillte, war Hou Yifan-Levon Aronian, obwohl es einen eigenartigen Schluss gab. 36…c5?! war vielleicht nicht der beste Bauerndurchbruch, den der armenische Star jemals gespielt hat:


Nach 37.Te5! hatte Hou Yifan ihre Chance, wenn es überhaupt welche gab, obwohl das begrenzte Material und Aronians berüchtigte Trickserei bedeutete, dass ein entschiedenes Ergebnis unwahrscheinlich war. Er hielt auch stand, obwohl der 10. Platz mit -2 wohl kaum das ist, was man vom letztjährigen Sieger erwartet hatte.

Die jetzigen Platzierungen sehen also folgendermaßen aus:

1Carlsen, Magnus286262939
2So, Wesley27622900
3Vachier-Lagrave, Maxime27572853
4Ding, Liren27322860
5Ivanchuk, Vassily271552823
6Radjabov, Teimour27342771
7Caruana, Fabiano28202794
8Wojtaszek, Radoslaw274442755
9Giri, Anish278442760
10Aronian, Levon279732660
11Hou, Yifan26732622
12Saric, Ivan26662603
13Van Wely, Loek266722577
14Jobava, Baadur27272501

Die Spieler bekommen am Montag einen Erholungstag, bevor Carlsen am Dienstag in Runde 9 auf Radjabov treffen und versuchen wird, sechs Siege in Folge zu verbuchen, während bei So – Vachier-Lagrave sich zwei Spieler gegenübersitzen, die beide nur einen halben Punkt weniger als der Spitzenreiter haben.

Wei Yi und Navara bleiben unzertrennlich

Im Challengers-Event sind Wei Yi und David Navara unaufhaltsam und liegen nun 1,5 Punkte vor dem Feld auf 6,5/8.

"Bemerkenswerterweise konnten beide #TataSteelChess-Spitzen heute Matt setzen! Wei Yi (links) und Navara (rechts)"

Hinterher zeigte David Navara seine ausgesprochene Klasse bei der Kommentierung der anderen Partien, was man sich vielleicht am Erholungstag noch einmal ansehen sollte:

Ansonsten verlor Jan Timman die dritte Partie in Folge, dieses Mal mit Weiß gegen Robin van Kampen:


"Gehe mit einem ordentlichen +2 in den Erholungstag. Vielleicht sollte ich darum bitten, meine restlichen Partien mit Schwarz spielen zu dürfen 8-)."

Das war die kurze Version, Robin gab aber auch eine Pressekonferenz - die Tata Steel-Organisatoren stellen uns definitiv nicht zu wenig Videomaterial zur Verfügung!

Valentina Gunina hat nie mit dem Lächen aufgehört, verlor aber in Runde 8 wieder: ihre fünfte Niederlage in sechs Partien gegen die Niederländerin Anne Haast | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook 

Die Spieler sitzen am Dienstag, den 20. Januar für die neunte Runde wieder am Brett, die Partien starten wieder um 13:30 MEZ. Verfolge sie live hier auf chess24! Du kannst außerdem jede Partie der Masters und Challengers über unsere kostenlosen Handy-Apps anschauen:

         

Siehe auch:


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