Berichte 17.01.2015 | 09:35von chess24 staff

Tata Steel 2015 R6: Kann Magnus einen Caruana hinlegen?

Magnus Carlsen schlug Fabiano Caruana in der sechsten Runde von Tata Steel Chess mit Schwarz und unterstrich damit wieder seine Herrschaft über die Schachwelt, nachdem das Jahr 2014 für seinen Rivalen so gut lief. Dieser dritte Sieg in Folge brachte Carlsen auf den zweiten Platz, wo ihm Wesley So Gesellschaft leistet. Dieser stürzte Baadur Jobava noch mehr ins Unglück (0,5/6). Maxime Vachier-Lagrave schlug Ding Liren in einer spektakulären Partie, aber Vassily Ivanchuk führt immer noch alleine mit 4,5/6 nach einem soliden Remis gegen Ivan Saric.

Carlsens Eröffnungsidee sah aus, als hätte er sie sich für Vishy Anand ausgedacht | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Ergebnisse von Runde 6 Tata Steel Chess


Das letzte Mal, dass Carlsen und Caruana am Schachbrett aufeinandergetroffen waren, war in St. Louis, wo die Götter alle auf Fabianos Seite waren. Damals hätte er Magnus um Haaresbreite zweimal in einem Event geschlagen, musste sich aber mit "lediglich" 1,5/2 und mit einer Gewinnserie über 7 Partien hinweg in einem der nominell stärksten Turniere aller Zeiten zufriedengeben. Wenn wir aber nach Wijk vorspulen, verlaufen die Dinge wieder zu Magnus' Gunsten. Vor ihrer Partie in Runde 6 hatte er  Loek van Wely und Levon Aronian geschlagen, während Caruana gerade seine erste Niederlage im Jahr 2015 gegen Radek Wojtaszek eingesteckt hatte.

Die Live-Übertragung erfasste den Moment, als Magnus seinen Angriff startete.

Lässige Angeberei? Oder...

‌"-Carlsen macht seinen Zug mit 17...g5!, während Caruana zusieht:

-Ich habe noch nie jemanden gesehen, der so gelangweilt aussah, während er g5 spielte!"

GM Jan Gustafsson schaut sich diese Partie genauer an, die sich als Knüller herausstellte:

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Hinterher hatte Magnus es eilig; er wollte nach Amsterdam, um Ajax spielen zu sehen (sie gewannen 2:0), fand aber noch genug Zeit für ein "en passant"- Interview. Darin setzte er das Fußball-Motiv fort, als er über seinen Aufschwung nach einem langsamen Start sprach:

Es ist wie ein Stürmer beim Fußball, du siehst einmal, wie der Ball durchs Netz geht und dann ist alles in Ordnung.

Dieser Sieg brachte Magnus einen halben Punkt hinter Vassily Ivanchuk, der immer noch auf der Führungsposition liegt, nachdem er im Endspiel gegen Ivan Saric einen geringfügigen Vorteil hatte – ein Läufer vs. einen Springer mit Bauern auf beiden Seiten des Bretts – sich aber mit ihm auf ein Remis nach 49 Zügen einigen musste.

Ivanchuk führt einfach immer weiter... | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Weiß bricht durch auf f7... und Remis

Es gab noch drei Remis, die alle unterschiedlich spannend waren. Hou Yifan spielte die Keres-Variante gegen Radek Wojtaszeks Sizilianische Verteidigung (1.e4 c5 2.Se2) und überraschte ihn dann mit dem selten gesehenen 9.e5, einem durchaus bösen Zug, da Vladimir Onischuk ihn verwendet hatte, um 2014 zwei Großmeister zu schlagen; einschließlich Magnus Carlsens Sekundant Peter Heine-Nielsen:


Zweifel an Hou Yifans guter Vorbereitung der Eröffnung sind vielleicht falsch, auf jeden Fall brachte Wojtaszek die Partie sicher in ein 4-Türme-Endspiel, das immer auf ein Remis hinauslief.

Hou Yifan ging es gemütlich an, bevor sie am Samstag mit Schwarz gegen Magnus spielt | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

In den anderen beiden Remis tat Weiß das, was wir als Kinder in unserer ersten Schachpartie immer versuchten – es mit f7 aufzunehmen! In Teimour Radjabovs Fall war es ein spektakuläres Opfer: ein Turm gegen einen einzigen Bauern:


Leider ging es danach bergab. Die Spieler spielten die restlichen Züge im Blitzschach-Stil: 16…Kxf7 17.b3 (lenkt die Dame von der Verteidigung von e6 ab) 17...La3+! (der König braucht f8 für seine Flucht) 18.Kb1 Dxc3 19.Dxe6+ Kf8 20.Tf1+ Sf6 21.Txf6+ und da Weiß zwei Minusbauern hatte, mit Matt in 1 bedroht wurde und selbst unfähig war, Schwarz matt zu setzen, musste er ein Remis durch Dauerschach akzeptieren.

Loek van Wely spielte die Trompowsky-Eröffnung (1.d4 Sf6 2.Lg5) gegen Levon Aronian und weckte bei ihm vielleicht schlechte Erinnerungen an die vorletzte Partie des 2014 Kandidatenturniers. Obwohl Loek anscheinend nicht die beste Variante auswählte…

"Hätte Van Wely meine Trompowsky-Reihe auf @chess24.com gesehen, hätte er gewusste, dass 3.e3 Weiß bessere Chancen verleiht! Werde heute zum Premium-Mitglied und finde es heraus!"

(Lawrence bezieht sich auf seine Videoreihe: Tricky Trompowsky)

…konnte er dennoch auf f7 mit seiner Dame durchbrechen! Er kommentierte später:

Ich dachte, er sei fast am Ende... aber obwohl er in einer schlechten Verfassung ist, ist er immer noch sehr trickreich. Vielleicht hätte ich mit einer Computer-Variante gewinnen können, aber ich hatte das offensichtlich verpasst und wollte keinen risikoreichen Gewinnversuch wagen.

Die betreffende Stellung entstand nach 24…Thf8:


Loek entschied sich für 25.Dxh7, was Aronian ermöglichte, ein Remis zu erzwingen, indem er die Dame ständig mit seinen Türmen angriff. Der Computer schlägt aber 25.Dg7 vor, sodass man nach 25…Tg8 den "Schachs" auf h6 entkommen kann. Es sieht jedoch alles sehr unklar aus, da Schwarz auf c3 und anschließend auf b4 nehmen kann, und dann auf einmal einen sichereren König hat.

Verpasst nicht die anschließende Pressekonferenz, bei der Loek so unterhaltsam wie immer war. Er sagte z.B. Folgendes, als er gefragt wurde, wer das Turnier gewinnen würde:

Naja, es sieht jetzt besser aus für Magnus. Er hat im Grunde Aronian, Fabiano... und mich geschlagen! Was will man mehr?

Es gab aber nicht nur Magnus oder Remis, denn zwei aufsteigende Stars verbesserten ihre Platzierung im Turnier. Wesley So setzte seinen souveränen Start in Wijk aan Zee fort, indem er alles annahm, was Baadur Jobava ihm bot. Der Georgier ist an seinen besten Tagen ein brillanter und origineller Spieler, aber wie Hikaru Nakamura und Vassily Ivanchuk hat er die Tendenz, waghalsig zu werden, wenn es schlecht läuft.

Jobava hat sich nie davon erholt, dass er in Runde 1 ein Remis wegwarf - Ivanchuk hat nie zurückgeschaut | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook  

Zunächst brach er alle Brücken ab, indem er seine Struktur mit Zug 14 zugunsten einer Angriffschance ruinierte, die nie auftauchte. Dann nahm er einen vergifteten Bauern auf c7 und gab nicht einmal nach, als Wesley mit 25…Lb5? eine Amnestie anbot:


25…Lf5! schien zu gewinnen, da die Dame angegriffen wird und Lxe4 dazu führt, dass f2 keine Verteidigung hat. Stattdessen hätte Jobava in dieser Stellung eine Überlebenschance gehabt, wenn er mit 26.Dc3 zurückgewichen wäre, sodass es keinen deutlichen K.O.-Schlag gegeben hätte. Stattdessen drückte er weiter mit 26.Dxd6?, aber nach 26…Lxd3 27.g3 Dh5 28.Tc7 Te8! war der e4-Springer hoffnungslos gefesselt. Er kämpfte weiter bis Zug 39, aber die Partie war verloren.

Hinterher erfreute Wesley So seine Fans und gewann ein paar neue dazu...

‌"Wesley So nimmt mich als #Schach-Spieler langsam für sich ein, so begeistert wie er sich in diesen Interviews zeigt. Er hat Spaß daran, uns teilhaben zu lassen."

...mit einer langen Obduktion:

Damit bleibt "nur" Vachier-Lagrave-Ding Liren, eine seltsame und wunderbare Partie. Ding Liren initiierte das Chaos mit einem innovativen 11…f6, das Maxime in folgendem kurzen Interview als "sehr cleveren und mutigen Versuch" bezeichnete:

Ding Liren spielte weiterhin schnell, während die Computeranalyse +2 zugunsten seines Gegners anzeigte. Die Stellung war auch wunderschön - zum Beispiel nach 15.Sg5+!


Wie Maxime erwähnte, stabiliserte er sich, verlor dann die Kontrolle (24.Lf4?), erlangte sie aber zwei Züge später wieder, nachdem Ding Liren mit 25…Dxc4? einen Fehltritt machte. Es gab jedoch immer noch Zeit für weitere, tolle Züge wie 30.Te5!


Ding Liren räumte seine Niederlage bei Zug 45 ein und fiel damit vom zweiten Platz hinunter, aber mit fünf von sechs entschiedenen Partien hat er uns gut bei Laune gehalten!

Ivanchuks Verfolger sind mittlerweile wieder vertrautere Gesichter:

1Ivanchuk, Vassily27152906
2Wojtaszek, Radoslaw274442888
3Carlsen, Magnus286242887
4So, Wesley276242895
5Vachier-Lagrave, Maxime27572765
6Ding, Liren27322794
7Giri, Anish27842825
8Caruana, Fabiano282032758
9Radjabov, Teimour273432720
10Saric, Ivan26662687
11Hou, Yifan267322615
12Van Wely, Loek266722643
13Aronian, Levon279722622
14Jobava, Baadur2727½2335

Die Show wird immer besser, kurz bevor die Hälfte des Turniers vorbeigestrichen ist | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

In Runde 7 wird Carlsen zweifellos versuchen, seine Gewinnserie auf vier Siege auszuweiten, da der Weltmeister gegen die Weltmeisterin der Frauen, Hou Yifan, spielen wird. Ansonsten spielt Giri mit Weiß gegen Ivanchuk, während Jobava eine Erfolgsgeschichte auf seiner Seite hat, wenn er auf Wojtaszek trifft. Er hat einen Score von +2 gegen den polnischen Spieler, den er einmal in einem Match schlug.

Navara und Wei Yi führen die Challengers an

Es ist bei beiden Spielern unklar, warum sie hierher gehören. Navaras Rating liegt aktuell über dem von fünf Spielern in den Masters, während der 63-jährige Jan Timman früher als "Best in the West" bekannt war | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Bei den Challengers gab es nur zwei Remis und die niederländische Legende Jan Timman hielt nur 19 Züge lang gegen die tschechische Nummer Eins, David Navara, durch:


After 19.Bf1 Timman decided he'd seen enough

Der 15-jährige Wei Yi leistet ihm an der Führungsposition Gesellschaft, nachdem er seinen Rivalen, das 14-jährige Wunderkind Sam Sevian schlug. Wei Yi griff mit einem frühen g4 an und blieb dann im Endspiel sachlich:


29.Lf3! übernahm eine entscheidende Diagonale, da 29...Dxf3 30.De8+! Kg7 31.Dxe5+ den Turm auf b2 gewinnt.

Die Körpersprache sagt zwar etwas aus, das Ergebnis sagt aber etwas Anderes! | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Für einen anderen Amerikaner namens Sam – Shankland – gab es bessere Neuigkeiten: er erzielte seinen zweiten Sieg in Folge und ist nur einen halben Punkt von der Spitzenplatzierung entfernt, während Valentina Guninas Missgeschicke bei Wijk aan Zee weitergehen: sie verlor gegen David Klein und hat nun ein Ergebnis von 1,5/6.

Runde 7 beginnt am Samstag, den 17. Januar, zur gewohnten Zeit und kann natürlich hier auf chess24 live verfolgt werden! Du kannst außerdem jede Partie der Masters und der Challengers über unsere kostenlosen Handy-Apps anschauen:

         

Siehe auch:


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