Berichte 14.01.2020 | 08:24von Colin McGourty

Tata Steel 2: Führungsquintett nach Sieg von So gegen Anand

Wesley So nahm sich die Zeit, "Gott für einen schnellen Sieg zu danken", nachdem Vishy Anands Läuferopfer in Runde 2 der Tata Steel Masters nach hinten losging. Es gab auch Siege für Vladislav Artemiev gegen Nikita Vitiugov, Daniil Dubov gegen Vladislav Kovalev und Jeffery Xiong gegen den Helden des ersten Tages, Jorden van Foreest. Diese vier Sieger holten damit Alireza Firouzja in der Führung ein, nachdem der 16-Jährige eine große Chance verpasst hatte, Jan-Krzysztof Duda zu schlagen. Magnus Carlsen bleibt nach einem 31-zügigen Remis gegen Yu Yangyi bei 50%.

Wesley So hofft, dass sein Sieg gegen Vishy Vorbote für eines gutes Jahr 2020 ist | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Alle Partien des Turniers kannst du hier nachspielen:

Und hier findest du den Live-Kommentar von Peter Svidler und Jan Gustafsson:

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Carlsen, Firouzja und Giri nur Remis

In Runde 2 der Tata Steel Masters war die einzig richtig langweilige Partie diejenige von Weltmeister Magnus Carlsen, der im Najdorf gegen Yu Yangyi spielte, aber absolut nichts heruashol. Er kommentierte später, dass "es offensichtlich nicht inspirierend ist":

Ich habe versucht, in der Eröffnung clever zu sein, und ich habe das Gefühl, dass ich mich am Ende selbst ausgetrickst habe und er ein bisschen besser war, aber er hat nicht auf die ehrgeizigste Weise gespielt und dann ist es einfach zu einem Unentschieden ausgelaufen.

Irgendwie konnten jedoch beide mit dem Ergebnis leben: Yu Yangyi ist damit nach der Niederlage in Runde 1 wieder in der Spur, während Magnus nun nur noch ein gutes Ergebnis braucht, um Sergei Tiviakovs Rekod von 110 ungeschlagenen Partien in Folge einzustellen.

Carlsens Performance mit Schwarz während seiner 109 Partien langen Serie ungeschlagener Partien ist 12 Siege und 43 Remis bei einer Leistung von 2825. Das bedeutend, dass er selbst dann der Spieler mit der höchsten Elo wäre, wenn er nur mit Schwarz spielen würde. Mit Weiß holte er fantastische 24 Siege bei 30 Remis und einer Leistung von 2919.

Wir können uns auf mehr Duda-Firouzja-Gefechte in den kommenden Jahren freuen | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Das Remis ließ dem 16-jährigen Alireza Firouzja die Chance, einen vollen Punkt Vorsprung auf den Weltmeister zu erzielen, da es so schien, als ob er Jan-Krzysztof Duda mit dem Angenommenen Damengambit eröffnungstheoretisch erwischt hatte. Duda bot einen frühen Damentausch an, um dann mit Zug 7 mit Weiß bereits schlechter zu stehen. Später gab er zu, dass das Beste, was man von seiner Leistung sagen könne, sei, dass er überlebt habe:

Es ist eine Art Wunder, nicht wahr? Heute habe ich im Grunde alles übersehen. Ich habe sogar 23...Sc2! nach 23.Kc4? nicht gesehen, was natürlich Kindergartenniveau ist, aber ich hatte das Glück zu remisieren.


Für einen zweiten Tag in Folge war Duda in großen Schwierigkeiten, mit den beiden schwer zu parierenden Drohungen ...Se3+ und ...Sa3+. Aber nach 24.Txd8+ Txd8 25.Tf3 und einigen unpräzisen Zügen von Alireza war die Gefahr vorüber. Es war sogar Weiß, der bis zum Remisschluss im 39. Zug noch Gewinnchancen bekommen sollte.

In der längsten Partie machte Anish Giri Druck gegen Fabiano Caruana in einer scharfen Variante des Nimzo-Inders, die Jan Gustafsson in seiner Video-Serie zum Nimzoinder detailliert beleuchtet hat:


Hier schlägt Jan 13...Lxc3 in seinem Repertoire vor, während Caruana stattdessen 13...gxf4 wählte. Wie oft im modernen Schach führte das ganze Chaos letztlich nur zu einem etwas besseren Endspiel für Weiß. Giri gewann einen Bauern und spielte zu Recht auf Gewinn, aber mit Zug 63 wurde die Friedenspfeife zu Recht geraucht. Danach erwähnte Anish "eine sehr interessante Idee", die Fabi für Zug 23 vorgeschlagen hatte:


23.f4! ist ein Bauernopfer mit der Idee, die totale Kontrolle im Zentrum zu erlangen. In der Partie nach 23.hxg3 Lxe5 24.Td7 war das Material jedoch gleich und Weiß stand etwas besser. Doch etwas daraus machen konnte Weiß nicht.

Giri-Caruana sollte die längste Partie werden | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

So oder so, Giri startete in die 2020er Ausgabe des Turniers, indem er gegen die Nr. 1 und 2 der Welt jeweils besser aus der Eröffnung kam. Dazu der Holländer:

Das ist gut, aber es ist noch zu früh, um etwas zu sagen. Bisher hat das Turnier gerade erst begonnen, und ich denke, dass die Leute an der Spitze nicht diejenigen sind, die am Ende gewinnen werden, also ist die Rangliste im Grunde genommen irrelevant.

Damit kommen wir auch sofort zu den vier Siegen:

Weiß ist top!

Wesley So, Vishy Anand und Magnus Carlsen sind die einzigen Teilnehmer dieses Jahr, die das Turnier bereits einmal zuvor gewinnen konnten | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Wir haben in unserer Vorschau erwähnt, dass man für Wesley So als Magnus Carlsen's wahrscheinlichsten Herausforderer in Wijk aan Zee plädieren könnte, da der US-Star das Turnier schon einmal gewonnen hat und nicht die Ablenkung hat, die einige seiner Rivalen haben, um sich auf das Kandidatenturnier vorzubereiten. Diese Idee untermauerte Wesley noch mit einer Einlassung im Interview nach der Partie, dass er nun wieder mit Sekundant arbeitet. Der unbenannte Zweite war jedoch nicht die erste Person, der Wesley gedankt hat:

Ich möchte Gott für einen schnellen Sieg danken... Hoffentlich wird dies ein besseres Jahr als letztes Jahr, denn letztes Jahr gegen Mitte des Jahres habe ich nicht sehr gut gespielt, aber dann im Dezember habe ich ein bisschen besser gespielt, auch online habe ich ein bisschen besser gespielt, und dann habe ich heute gewonnen, also ist es hoffentlich ein gutes Zeichen, dass gute Dinge zu meinem Schach kommen. Ich möchte auch meinem Sekundanten danken, der mit mir online arbeitet, aber ich kann ihn noch nicht nennen, weil wir uns nicht darauf geeinigt haben, aber eigentlich war das seine Idee, dieses 7.h3, 8.Bb3.

Unser Kommentatoren-Team merkte an, dass die Art und Weise der Behandlung des Italieners von Weiß aus heutiger Perspektive komisch anmutet. Die kritische Stellung entstand nach dem zwölften Zug:


Vishy Anand dachte hier fast 12 Minuten lang nach, bevor er das, was Wesley als das "völlig unerwartete" Opfer 12...Lxf2+! bezeichnete, in Angriff nahm. Danach sagte Wesley, dass 12...De8 "das Beste war und nahezu ausgleicht", während er noch erwähnte, dass Vishy nach der Partie noch auf das interessante 12...Sd5!? verwies.

Wesley hatte sich das Opfer im Vorfeld bis 13.Kxf2 Sg4+ 14.Kg1 Se3 15.De2 Sxc2 16.Tb1 angesehen, aber er sagte, er habe nicht tief geschaut, und dies könnte einer der Fälle sein, in denen eine tiefere Analyse erforderlich ist, um die Stellung genau zu beurteilen. Wesley "wusste", dass der Computer seine Position sehr mochte, aber in Wirklichkeit schwindet der Vorteil, wenn man die Varianten fortsetzt. Und mit einiger Berechtigung befürchtete er eine Wiederholung der Partie Kramnik-Leko aus dem WM-Kampf 2004. Damals fand Peter Leko ein Loch in der Vorbereitung von Vladimir Kramnik am Brett und erzielte einen Sieg, der die Schachgeschichte hätte verändern können. In diesem Fall war das Loch aber nur, dass die Stellung bis 22.Dxe5 noch völlig ausgeglichen zu sein scheint:


Hier kann Schwarz mit 22...Sxg2! das Gleichgewicht halten und ist erst nach 22...Taf8?! in Schwierigkeiten, da Wesley das starke 23.Dg3 spielte (wenngleich der Computer 23.Dg5! als noch stärker einstuft)! Peter Svidler nahm das zum Anlass, über den Einfluss der Engines auf das moderne Schach nachzudenken:

Die Vorliebe des Computers für 23.Qg5 statt 23.Qg3, wie später von Wesley So gespielt, ermutigt Peter Svidler dazu, "eines der unterschätzten Wunder des modernen Lebens" dichterisch zu gestalten!

Herausforderung angenommen! In diesem Fall scheint der Unterschied darin zu liegen, dass in der Partie nach 23.Dg3 die beste Verteidigung von Schwarz 23...T8f6 gefolgt von ...Tg6 ist, aber nach 23.Dg5 h6 24.Dg3 hat Schwarz diese Möglichkeit nicht mehr, da ohne einen Bauern auf h7 der Turm auf g6 ungedeckt stände.

Das war letztendlich akademisch, da Vishy 23...De2?! spielte, worauf Wesley dem Inder den KO-Schlag verpasste:


Ohne 24.b4!! hätte Schwarz gute Überlebenschancen, doch nun droht sowohl Tb3 als auch Lb2.. Vishy dachte fast 17 Minuten lang nach, aber es gab nichts zu finden, und nach 24...Txg2+ 25.Txg2 Sxg2 26.Dg4 gab Schwarz eher auf, als zu versuchen, weiterzuspielen, was ein hoffnungsloses Endspiel gewesen wäre.

Daniil Dubov: "Ich habe wie ein Idiot gespielt!" | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

In Runde 2 gab es ein Muster, wobei die anderen drei Siege für die Spieler mit den weißen Figuren auch viel erfolgreichen Eröffnungen zu verdanken sind. Daniil Dubov brachte mit 7.Df4 nahezu eine Neuerung und fühlte sich mehr oder weniger auf der Siegesstraße, als Vladislav Kovalev 10...Dxd6!? statt 10...Lxd6 spielte:


Daniil hatte zu diesem Zeitpunkt 50 Minuten Vorsprung auf die Uhr, und das, obwohl er sich ärgerte - "Ich glaube, ich habe generell wie ein Idiot gespielt!", beginnt er sein Interview nach der Partie - der Plan, den er verfolgt hat, bekommt dennoch den Stempel des Computers. Kovalev hatte mit Zug 22 nur noch das Inkrement zur Verfügung, während Dubov noch 50 Minuten Zeit hatte. Der Weißrusse brach unter dem Druck schlussendlich zusammen. Vladislav hat daher mit 0/2 keinen guten Start erwischt.

Ein ähnliches Muster gab es in Xiong-Van Foreest. Jorden, der den Tag als Co-Leader begann, hatte die meisten seiner Züge in einem 3.Lb5+ Sizilianer ausgeblitzt, aber 19...Tc3? war ein Fehler, wonach er in Folge von 20.Lf2! epische 54 Minuten nachdenken musste!

Jorden van Foreests Fehler in der Eröffnung war weniger dramatisch als seine Handhabung der Bedenkzeit | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Selbst wenn er in die Partie zurückgefunden hätte, hätte ihm womöglich die Zeitsituation das Genick brechen können:


30...Kf8! und Schwarz hat eine spielbare Position. Aber viel Glück beim Finden solcher Züge, die man mit weniger als zwei Minuten auf der Uhr finden muss! Jorden spielte stattdessen 30...Lh4? und Jeffery, der noch fast eine halbe Stunde Zeit hatte, antwortete 31.g3!, wonach die Partie vorbei war. Hier spricht Jeffery über die Partie und sein bevorstehendes Aufeinandertreffen mit Magnus Carlsen in Runde 3:

Die wohl beeindruckendste Partie haben wir uns für den Schluss aufgehoben. Der holte der 21 Jahre alte Russe Vladislav Artemiev einen beeindruckend locker wirkenden Sieg gegen seinen Landsmann Nikita Vitiugov. Artemiev identifizierte das unschuldig wirkende 12…a5?! als “großen Fehler”:


Er machte sich daran, dies sofort mit 13.Sb3! und dem späteren Plan 16.Le3! und 17.Lb6! zu beweisen, um die Schwäche auf a5 zu erobern. Es war passend, dass die Partie damit endete, dass Vladislav mit 50.Sxa5! den Bauern endlich von seinem Elend befreite:


Artemiev hatte jedoch mit dem Älltäglichen mehr Probleme!

Ja, es ist mein erster Besuch in Wijk aan Zee und es ist eine neue Erfahrung für mich. Ok, das Wetter ist kalt, aber ich bin aus Russland und das ist für mich normal. Ok, und ein Problem ist, dass viele Geschäfte früh schließen, so dass ich nach der Runde nicht mehr hingehen kann, aber es ist trotzdem kein großes Problem. Ich werde ein paar freie Tage haben, die ich hier verbringen werde... Einkaufen, vielleicht Souvenirs für die Familie und vielleicht ein bisschen Milch oder Getränke.

Damit führen ganze 5 Spieler: Xiong, Dubov, So, Artemiev und Firouzja, auch wenn noch 11 Runden zu spielen sind und nichts entschieden ist!


Smeets ist zurück im Geschäft

In Abdusattorov-Smeets setzte sich der "Veteran" durch | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Wieder einmal gab es bei den Challengers nur Siege für "Veteranen", wenn man den 31-jährigen Rauf Mamedov und den 34-jährigen Jan Smeets als Veteranen bezeichnen kann - und in diesem Teilnehmerfeld kann man das wohl auch!

Der Sieg von Smeets über den 15-jährigen Aufsteiger Nodirbek Abdusattorov war besonders beeindruckend, wenn man bedenkt, dass Jan seit seiner letzten Partie in Wijk aan Zee im Jahr 2013 im Wesentlichen das Spitzenschach aufgegeben hat. "Ich bin froh, wieder dabei zu sein", sagte er und fügte hinzu: "Natürlich will ich mich jetzt für das Masters qualifizieren!" Wie würde er erwarten, in der Spitzengruppe zu spielen? "Um ehrlich zu sein, ich glaube, ich würde in der Masters-Gruppe wie die Hölle leiden!"

In der nächsten Runde darf man sich auf Carlsen-Xiong freuen (Magnus gewann ihre Begegnung auf der Isle of Man in 2017), ebenfalls natürlich auf Anand-Giri und Firouzja-Artemiev. Alle Partien kannst du auf chess24 verfolgen: Tata Steel Masters | Tata Steel Challengers

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