Berichte 27.01.2020 | 00:39von Colin McGourty

Tata Steel 12: Caruana holt Turniersieg bereits eine Runde vor Schluss

Fabiano Caruana hat das Tata Steel Masters 2020 bereits eine Runde vor Schluss gewonnen, nachdem er Jan-Krzysztof Duda geschlagen hat, während Magnus Carlsen gegen Vladislav Artemiev nicht über ein Remis hinauskam. Das ist Fabianos erster Sieg im Top-Turnier in Wijk aan Zee überhaupt und sein erster Turniersieg seit dem WM-Match 2018: mit ganzen 6 Siegen ohne Niederlage. Die Weltranglistennummer 2 ist auf 2837,8 Elo geklettert, eine Höhe, die niemand außer ihm, Magnus und Garry Kasparov, je erreicht haben. Derweil hängt das Challengers noch immer in der Schwebe, nachdem David Antón einen unerwartet gegen den Tabellenletzten Max Warmerdam verlor.

Rechtzeitig vor dem Kandidatenturnier erinnert uns Fabi, was für ein herausragender Spieler er ist | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Alle Partien des Turniers kannst du hier nachspielen:

Und hier findest du den Live-Kommentar von Peter Svidler und Jan Gustafsson:

Am Sonntag wirst du die letzte Gelegenheit nutzen, einen Premium-Account abzuschließen, bevor sich die Preise erhöhen!


Und hier ist die Zusammenfassung des Tages von GM Pascal Charbonneau:

Fabiano Caruana ist zurück

Die Nr. 2 der Welt, Fabiano Caruana, hatte ein relativ ruhiges Jahr 2019, in dem er sich von der Tortur des WM-Matchs 2018 erholte. Da er sich nicht für das nächste Kandidatenturnier qualifizieren musste, spielte er weniger Turniere als die meisten seiner Rivalen und konnte sich zurückhalten, obwohl seine Ergebnisse selten weniger als gut waren. Er blieb auf dem zweiten oder dritten Platz - bei der US-Meisterschaft, GRENKE Chess, dem klassischen Teil von Norway Chess und den Grand Swiss, obwohl er auf der Isle of Man mit Wang Hao punktgleich auf den ersten Platz kam. 

Caruana war der erste Spieler, der Duda in diesem Turnier schlagen konnte | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Beim ersten Turnier im Jahr 2020 gab es den Verdacht, dass er die Vorbereitung für das Kandidatenturnier zurückhalten und ein schlechtes Turnier wie 2018 haben würde, aber stattdessen lief es für ihn wie im Traum:


Die einzige knifflige Partie hatte er gegen Anand, wobei er selbst sagte, dass man solche Momente wohl nicht vermeiden kann:

Ich weiß nicht, wie das beste Schach meiner Karriere aussieht, aber dies ist sicherlich eines der besten Turniere, das ich je gespielt habe, was die Ergebnisse angeht. Insgesamt bin ich mit meinem Spiel zufrieden. Es gab einige knifflige Momente und ich brauchte etwas Glück, aber ich glaube, um ein Spitzenturnier zu gewinnen, braucht man immer etwas Glück.

Magnus Carlsen hatte das Gefühl, dass die Partie gegen Vishy einen Wendepunkt darstellte:

Fabiano war einfach viel besser als ich... bis zu der Partie, die er gegen Vishy hatte, fand ich nicht, dass er besonders gut gespielt hat, aber ich denke, danach hat er wunderbar gespielt. Die sagen wir 5-6 letzten Partien, waren absolut großartig. Respekt!

Das Merkwürdige ist, dass Fabiano trotz seiner Erkrankung so gut abschnitt:

Ehrlich gesagt fühle ich mich körperlich nicht so gut - ich habe mir in den letzten Tagen einen schlimmen Bazillus eingefangen und versuche, mich davon zu erholen, und obwohl ich mit dem Turnier sehr zufrieden bin, versuche ich trotzdem, mich zu erholen.

Er fügte hinzu: "Manchmal ist Krankheit kein großes Hindernis für gutes Schach", und in der 12. Runde gegen Jan-Krzysztof Duda gab es für Fabiano wenig zu bemängeln. Der polnische Star verhedderte sich gegen den Katalanen, und obwohl Fabi die "phantasievolle Idee" seines Gegners lobte, 18...Tb8 zu spielen (nach 17...Tac8?! im Zug zuvor), billigte der Computer diese Frucht des 41-minütigen Nachdenkens nicht:

Lang gedacht, nichts gebracht

Nach 19.axb4 Txb4 ist alles, was du wissen musst, dass der Computer 20.Ld2 Tfb8!? spielen will, wobei er ein Qualitätsopfer als beste Option für Schwarz ansieht. In der Partie geschah 20.Le3 Db7 21.Sd2 Txb2 22.Dc3 Tb5. Schwarz hatte vorübergehend einen Bauern gewonnen, aber der Druck gegen die schwarze Dame war so groß, dass Caruana nach und nach beide Bauern aufsammelte. Duda ist ein äußerst einfallsreicher Spieler, aber diesmal war alles für die Katz':


42... Sf6!? 43.exf6! Txd4 und 44.Kxd4? würde auf 44...Lxf6+ treffen und den a1-Turm gewinnen, aber nach 44.Tc1! Lxf6 zauberte Fabiano den siegreichen Zug aus dem Hut, den unsere Kommentatoren zunächst nicht auf dem Schirm hatten: 45.Tc7!


Es gibt keine Verteidigung dagegen, dass Weiß mit dem Turm auf f7 schlägt und sowohl Läufer f6 als auch den Bauern h6 gewinnt. Es ist unnötig anzumerken, dass die Aufgabe einer Figur mit 45...Lh8 46.Tc8+ Ke7 47.Txh8 Dudas Situation nicht verbessert hätte, sodass er zwei Züge später aufgab.

Das bedeutete, dass Caruana zum ersten Mal in seiner Karriere das Eliteturnier in Wijk aan Zee gewonnen hatte und dabei auf 2837,8 in der Live-Rangliste kletterte. 


Das ist höher als beide Spieler im WM-Match 2018 bewertet worden waren und ein Niveau, das nur er selbst, Magnus und Garry Kasparov je erreicht haben.:


Das verbleibende Turnier für Fabiano in Wijk aan Zee ist eine Partie mit den schwarzen Figuren gegen Vladislav Artemiev, während sich seine Gedanken danach bereits dem Kandidatenturnier im März zuwenden werden. Caruana geht darauf ein und erinnert uns daran, dass er einer der wenigen Spieler dort ist, der in der Vergangenheit regelmäßig Veranstaltungen von vergleichbarer Stärke gewonnen hat:

Carlsen “im Trott”

Magnus Carlsen konnte Vladislav Artemiev nicht auf Abruf schlagen | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Für die meisten Spieler wäre +3 in einem Superturnier ein Topresultat, aber für Magnus Carlsen bedeutet das ein Turnier unterhalb der Erwartung. Er sagte dazu:

Wir werden sehen, was morgen passiert, aber vor dem Turnier dachte ich, +4 ist ok, +5 ist gut und alles unter +4 ist ziemlich schlecht. Da ich mit 7 Remis so schlecht angefangen habe, bin ich mit der jetzigen Situation ganz zufrieden. Aber ich denke, was offensichtlich ist, ist, dass mein Spiel schon eine Weile in einem gewissen Trott steckt, seit einigen Monaten spiele ich im klassischen Bereich mit wenig Energie und ziemlich schlecht. Deshalb muss ich eine Pause machen und mich neu sammeln, damit ich wieder zu alter Form zurückfinden kann.

119 ungeschlagene Partien in Folge sind nicht schlecht für einen "Trott", aber einige davon in Wijk waren sehr wackelig. Wir haben nicht die gleichen panzerbrechenden Kugeln der Eröffnungsvorbereitung gesehen wie in der ersten Hälfte des Jahres 2019. Gegen Vladislav Artemiev versuchte Magnus einen alten und sehr soliden Ansatz gegen Grünfeldindisch:

Fabiano schaut sich ganz genau Carlsens 7.Le3/8.Tc1 gegen die Grünfeldverteidigung in der vorletzten Runde des Tata Steel Masters an.

Weiß gewann einen Bauern...


...aber Artemiev hatte richtig eingeschätzt, dass das Turmendspiel, das nach 23...e6 24.Txa5 Lxe5 25.dxe5 Tc3 26.Ke2 Sxe3 27.fxe3 Tb3 entsteht, angesichts der zerrütteten Bauernstruktur von Weiß nur ein Remis war. Das nächste Turnier für Magnus könnte GRENKE sein, das am 11. April beginnt, wenn er seinen WM-Herausforderer bereits kennt..

Jockeying für die Stellung

Magnus hat in Wijk aan Zee noch einiges zu tun, da er in der Schlussrunde gegen Wesley So, der mit einem Sieg den zweiten Platz erobern könnte, mit Schwarz spielt. Es ist jedoch schwer zu sehen, dass Wesley sich darauf einlässt, denn der US-Star hat acht Partien in Folge remis gespielt, nachdem er in Runde 2 mit einem Sieg über Alireza Firouzja schon bei +2 stand. In Runde 12 hielt er gegen Jorden van Foreest das Schottische Vierspringerspiel in der Waage, wobei sich Jordens Gedanken auf die Schlussrunde richten:

Morgen ist die wichtigste Runde des Turniers. Wenn ich dort gut abschneide, werde ich zufrieden sein, aber ich kann erst zufrieden sein, wenn das Turnier vorbei ist..

In den letzten beiden Jahren hatte Anish Giri Magnus Carlsen alles bis zum Ende abverlangt. Doch dieses Mal gab es nur ein 107 Züge dauerndes Endspiel | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Jordens Gegner in der Schlussrunde ist sein Landsmann und Erzfreind Anish Giri, auf den er einen halben Punkt Vorsprung hat, so dass das Recht auf Prahlerei durchaus schwer abzustreiten ist....

Morgen gehts im Kampf der Holländer darum, wer bei 50% landen wird.

Anish tat alles in seiner Macht stehende, um Jeffery Xiong in der vorletzten Runde zu schlagen, aber 66 Züge in einem Damenendspiel brachten nach insgesamt 107 Zügen in 7 Stunden Spielzeit dennoch keinen Erfolg - und keine Freunde im Kommentatorenteam! "Ich protestiere mit Nachdruck dagegen, dass uns dies heute angetan wird", sagte Peter Svidler:

Peter Svidler zu Anish Giris "interessanten" Versuchen, ein Damenendspiel zu gewinnen, das bereits 5,5 Stunden dauerte :)

Ein weiterer Kampf ist beinhaltet den weniger prestigeträchtigen Preis, den letzten Platz zu vermeiden. Vladislav Kovalev holte gegen Vishy Anand einen halben Punkt, weil sich die indische Legende mit den weißen Figuren auf ein Remis nach 20 Zügen einließ, das Vladislav auf einen halben Punkt an Yu Yangyi heranbrachte, für den in Wijk aan Zee nichts richtig lief. Daniil Dubov gewann die Eröffnungsschlacht der Runde 12 und identifizierte später 16...Ta7? als einen Fehler.:


Nach 17.dxc5 Sxc5 18.Db4! fällt die schwarze Stellung auseinander, da 18…Sd7 in 19.Dd6! läuft und damit eine schreckliche Fesselung afu der d-Linie. Daniil hatte allerdings Respekt davor, etwas zu übersehen:

Ich habe viele, viele Elopunkte verloren, weil ich gegen die Chinesen versagt habe... Ich denke, wenn ich nicht gegen die Chinesen spielen würde, wäre ich wahrscheinlich bei Elo 2750, weil ich gegen sie eine schreckliche Bilanz habe. Selbst einige durchschnittliche chinesische Spieler mit 2500 können mich häufig schlagen..

Dann schlug er vor, das Problem könnte darin bestehen, dass er mit Jetlag gegen sie in China spielt! Auf jeden Fall hat er diesmal keinen Fehler gemacht und sich auf Platz 4 und +1 verbessert.

Alireza Firouzja stoppte die Niederlagenserie gegen Nikita Vitiugov, auch wenn es für eine Weile so aussah, als ob der Russe seinen ersten Turniersieg landen könnte. Vor der letzten Runde sieht es damit wie folgt aus:


Unerwartete Wendungen im Challengers

Max Warmerdam holte schlussendlich seinen ersten Sieg | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Im Challengers war David Antón auch der Favorit auf den 1. Platz und die Qualifikation für das Tata Steel Masters im nächsten Jahr, aber stattdessen verlor er mit den weißen Steinen gegen den 19-jährigen niederländischen IM Max Warmerdam, der zuvor bei sieglosen -6 stand. 

David geriet in der Eröffnung in Schwierigkeiten, nachdem er nach 29 Minuten einen Damenzug spielte, der seine Stellung nur noch weiter verschlechterte. Aber es war Max' Verdienst, dass er gewonnen hat:


25... Rxe3! "Ich habe auf diesen Qualitätsopfer gesetzt und gehofft, dass es sich auszahlen würde", sagte Max danach, und er lehnte später eine Gelegenheit ab, ein Remis zu erzwingen. Er erklärte, dass sein Problem in früheren Partien war, zu viel zu rechnen. Doch dieses Mal:

Zum ersten Mal während des Turniers spielte ich schnell, denn in vielen Partien verlor ich, weil ich in Zeitnot kam. Ich habe einfach schnell gespielt, und auch gute Züge, glaube ich. Das hat geholfen.

Dieses Mal war es David Anton, der in Zeitnot kam und fehlgriff. Hier spricht Max über die Partie:

Das bedeutet, dass der Platz im Masteres nächstes Jahr wieder offen ist. Antón führt zwar immer noch mit einem halben Punkt, doch in der Schlussrunde steht er mit Schwarz gegen Lucas van Foreest vor einer schwierigen Aufgabe, während drei Spieler einen halben Punkt zurückliegen. Pavel Eljanov und Erwin l'Ami spielen gegeneinander und der 15-jährige Nodirbek Abdusattorov hat auf dem Papier die einfachste Aufgabe. Denn er hat Weiß gegen die Tabellenletzte Dinara Saduakassova.

Fantasy Chess

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Alle Partien des Turniers kannst du live bei chess24 verfolgen: Tata Steel Masters | Tata Steel Challengers

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