Berichte 12.01.2020 | 16:46von Colin McGourty

Tata Steel 1: Firouzja und van Foreest siegen

Der 16-jährige Alireza Firouzja wurde dem Hype gerecht, indem er in seinem ersten Superturnier einen Start mit einem Sieg hinlegte, obwohl sein Partiegewinn im Tata Steel Masters vor allem dem Fehler von Vladislav Kovalev in der Eröffnung zu verdanken war. Magnus Carlsen beschrieb seine Leistung als "äußerst peinlich", da er 20 Minuten an einem Zug nachdachte, der dann taktisch gegen Anish Giri nach hinten losging. Aber der Weltmeister hielt alles zusammen und verlängerte seine Serie ohne Niederlage auf 108 Partien. Der einzige andere Sieger des Tages war der als Letzter gesetzte Jorden van Foreest, der den Chinesen Yu Yangyi bezwingen konnte.

Giri-Carlsen war letztes Jahr ein dramatisches Finale, doch dieses Mal bedeutend friedlicher! | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Alle Partien des Turnieres kannst du hier nachspielen:

Und hier kannst du dir den Live-Kommentar von Peter Svidler, Jan Gustafsson und Pascal Charbonneau anhören. Pascal ist für die Shows im Anschluss an die Partien zuständig, welche in Florida produziert werden:

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Carlsen ½-½ Giri: “Vielleicht ist das mein Moment, sein Leben ein für alle Mal zu ruinieren.!”

Giri plant den Untergang seines Rivalen. | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Die Rivalität zwischen den Freindinnen Magnus Carlsen und Anish Giri ist eine der angenehmsten Dinge im Schach, aber in Wijk aan Zee ist es auch eine echte Schachrivalität gewesen. Im Jahr 2018 standen die Spieler beide auf dem ersten Platz, bevor Magnus das Playoff gewann. 2019 war Giri mit nur einem halben Punkt Rückstand klar Zweiter und im Vorfeld des Turniers von 2020 teilte Magnus seine psychologische Herangehensweise für die Partie gegen Anish:

Kein Top-Spieler verfolgt solche Dinge genauer als Giri, so ist es keine Überraschung, dass er nach der Partie die Gelegenheit nutzte, um sich nach der Partie über die Beinahe-Neuerung seines Gegners im vierten Zug

Unser AlphaZero-Mozart!

Magnus machte absolut keine Behauptungen über die objektive Stärke seines Zuges und beschrieb später die "Art der spielbaren" Stellung, die er bekam, als "das höchste der Gefühle, was man erwarten kann, wenn man einen Zug wie 4.Db3 macht". Es sah nach einer etwas unkonventionellen Stellung aus, die der Weltmeister gerne gegen Giri spielt, bis er dann fast 23 Minuten für 10.h3?! verbrauchte, um sich nach 10...Se4! noch weitere 15 Minuten zu investieren.


Dazu erklärte er später:

Was passiert ist, dass ich 20 Minuten über verschiedene Ideen nachdenke, ich bin tief in Gedanken über Te1 Sg4, alle möglichen verrückten Dinge, und dann habe ich das Gefühl, dass h3 gut mit ...Se4 beantwortet wird. Also habe ich nicht wirklich darüber nachgedacht, und dann begann ich wieder zu denken: "Warum ist h3 schlecht? Ich kann ...Se4 Le3 spielen". Und so habe ich mir das nicht weiter angeschaut und ich habe einfach instinktiv 10.h3 gespielt, was einfach verrückt war, denn nach 10...Se4 11.Le3 hat er 11...Sg3! Also nachdem ...Se4 ging, dachte ich: Gut, das war's, ich stehe nach 11 Zügen schlechter mit Weiß und mit sehr wenig Gegenspiel.

Beide Spieler waren sich danach einig, dass Schwarz mehr Probleme hätte stellen können, wenn er 11.Sxe4 Txe4 12.Le3 mit 12...Lxd4 statt 12...Sxd4 wie in der Partie folgte, beantwortet hätte. Aber Giri hatte die Stärke des Zuges unterschätzt, den Magnus nach 13.Sxd4 Lxd4 14.Lf3 Th4 15.Lxd4 Txd4 spielte:


Giri dachte zunächst 16.Lxb7! Lxb7 17.Dxb7 Txc4 würde für Schwarz einen Bauern zu gewinnen, aber es stellte sich heraus, dass nach 18.Tac1! Weiß den Bauern fast zwingend zurückgewinnt und die Partie verpuffte bald in einem 25 zügigen Remis.

Magnus fasste zusammen, wie die Partie gegen Giri in der ersten Runde verlaufen war:

Ich mochte definitiv die Idee, mit Weiß gegen ihn zu spielen, aber, wie gesagt, es war mir sehr peinlich, 20 Minuten lang nachzudenken und eine einfache Taktik zu übersehen. Und ehrlich gesagt, bin ich mit dem Ergebnis zufrieden!

Für Anish hingegen war ein Remis mit Schwarz gegen Magnus eindeutig kein schlechter Start in das Turnier, obwohl es mehr hätte sein können. Er war danach in guter Form, als er seine Motivation erklärte:

In dem Moment, als ich las, dass die Serie gegen Sergei Tiviakov [der eine ungeschlagene Serie von 110 Spielen beansprucht] in Gefahr ist, wurde mir plötzlich klar, dass meine Partie gegen ihn einen Sinn hat, und ich mag es immer, wenn mein Leben einen Sinn hat. Mein Ziel heute war es, die Serie zu ruinieren, also gab mir das etwas zusätzliche Inspiration und etwas Selbstvertrauen. Als die Partie weiterging, dachte ich, vielleicht ist es das, vielleicht ist das mein Moment, um sein Leben ein für allemal zu ruinieren! Es hat nicht geklappt, aber eigentlich hatte ich die Serie im Kopf, weil sie mir ein gutes Gefühl und im Grunde mehr Selbstvertrauen und Sinn gegeben hat.

Tag der Jungtalente: Firouzja und van Foreest gewinnen

In den Paarungen Caruana-So und Anand-Artemiev gab es Remisen zwischen Schwergewichten, während der 19 Jahre alte Jeffery Xiong es nur ganz knapp nicht schaffte, seinen Mehrbauern gegen Daniil Dubov zu verwerten. Der 21 Jahre alte Jan-Krzysztof Duda musste ein paar Kunststücke zeigen, um sich seiner Haut gegen Nikita Vitiugov zu erwehren, sodass am Ende zwei andere Jungtalente nach Runde 1 ganz oben stehen:

Wijk aan Zee ist eine neue Erfahrung für Alireza Firouzja, aber er scheint sich schnell anpassen zu können | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Obwohl Magnus Carlsen in Wijk aan Zee in den Gruppen C und B brillierte, verlief sein Debüt in der Spitzengruppe als 16-Jähriger 2007 nicht ganz nach Plan - er erzielte keine Siege, 4 Niederlagen und wurde gemeinsam mit Alexei Shirov Letzter. Ein Jahr später kehrte er zurück und gewann zum ersten Mal, doch der 16-jährige Alireza Firouzja verlor keine Zeit und holte auf Anhieb seinen ersten Sieg in Wijk aan Zee. Er war danach ehrlich genug, um zuzugeben, dass es "eine sehr seltsame Partie" gewesen sei, da sein Gegner in der folgenden Spanisch-Tabiya völlig vom Weg abkam:


Überwältigend häufig wird hier der Hauptzug 16...Sd7 gespielt, wobei Anatoly Karpov ihn allein gegen Garry Kasparov sechsmal gespielt hat. Stattdessen geriet der Qualifikant Vladislav Kovalev aufgrund von 16...c4? schwer in die Bredouille und verschlimmerte diesen Fehler, indem er 17.Sd4! mit 17...Sd7? einen Zug später beantwortete. Peter Svidler fühlte, dass etwas wie 17...Db6 zumindest versucht werden musste, während Alireza selbst das, was dann folgte, als er bald zwei Bauern mehr hatte, als "technischen Sieg" bezeichnete. Er kommentierte auch das Eröffnungsdesaster: "Ich glaube, er muss ...Sd7 spielen - das ist die Hauptvariante. Es ist eine sehr alte Variante, also denke ich, dass er sie vergessen hat."

Man hätte Firouzja das "Vergessen der Theorie" verzeihen können, da sie Jahrzehnte vor seiner Geburt entwickelt wurde, aber er scheint wenig Probleme mit dem Gedächtnis oder dem Selbstvertrauen zu haben. Er machte keine Fehler und gewann nach 36 Zügen:


Im Anschluss beantwortete er Fragen, unter anderem, ob er sich vor seinen Gegner in Wijk fürchtet:

Gegen die meisten habe ich schon gespielt, von daher ich Erfahrung genug. Wir werden sehen.

Der beeindruckendste Sieg des Tages ging an den 20-jährigen niederländischen Star Jorden van Foreest, der auf dem Papier mit 2644 Elo das schwache Glied des Turniers ist. 

Falls die anderen sich ausmalten, gegen Jorden die Punkte zu holen, müssen sie jetzt womöglich umdenken! | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook 

Auf der anderen Seite war Jorden im letzten Jahr kurzzeitig unter 2600 gefallen und ist seitdem wieder auf dem Vormarsch, wobei seine 11 Unentschieden beim Grand Swiss auf der Isle of Man seine verbesserte Solidität unterstreichen. In Runde 1 in Wijk aan Zee gelang ihm im 3.c3 im Sizilianer das folgende Finale gegen Yu Yangyi:


Wie Nigel Short gerne hervorhebt, sind Inseln großartig für den Tourismus, aber viel weniger attraktiv beim Schach. Die vier Bauerninseln von Schwarz hier (und verdoppelte f-Bauern) gaben Weiß einen klaren Vorteil und obwohl Fehler gemacht wurden und Jorden bemerkte, dass "es völlig außer Kontrolle geriet", gelang es ihm, den Vorteil in eine Situation zu verwandeln, in der er eine Dame gegen Yu Yangyis Turm hatte. Die Partie zog sich hin und gab Peter Svidler Zeit, eine Geschichte über einen Komodowaran zu erzählen, die man nicht verpassen sollte (auch wenn sie fast die schlimmste Pointe aller Zeiten haben mag!)... aber schließlich musste sich Yu Yangyi, der 2019 mit den Top 10 der Welt flirtete, geschlagen geben.

"Ich sollte jetzt um den ersten Platz kämpfen, oder?", so beendet Jorden sein Interview nach der Partie:

Damit sind also Alireza Firouzja und Jorden van Foreest die Führenden mit 1/1 beim Tata Steel Masters, während Yu Yangyi und Kovalev das Ende der Tabelle zieren.

Tata Steel Challengers: Tag der Veteranen

Im Challenger-Turnier wurden die einzigen Tagessiege durch die Veteranen erzielt:

Es hätte auch anders sein können, denn der 15-jährige Nodirbek Abdusattorov hatte kurzzeitig den Topgesetzten David Antón in den Seilen, während der 15-jährige Nihal Sarin Nils Grandelius' Kenntnisse im Turm+Läufer gegen Turm-Endspiel testen durfte. Die schwedische Nr. 1 bestand den Test mit Bravour und überlebte nach 103 Zügen. Unterdessen scheiterte Jan Smeets an der Verwertung eines Mehrbauern gegen Lucas van Foreest.

Ganguly startet mit einem Sieg | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

In den entschiedenen Partien wurde der 15-jährige (ja, es gibt viele!) Deutsche Vincent Keymer schließlich durch Pavel Eljanov zu Boden gebracht, während Ganguly einen überzeugenden Angriffssieg gegen den Spieler mit der geringsten Elo, den 19-jährigen Holländer IM Max Warmerdam, erzielte.

Erwin l'Ami - nicht einfach nur Giris Sekundant! | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Partie des Tages war jedoch der Sieg von Erwin l'Ami über den 18-jährigen australischen GM Anton Smirnov. Wie Erwin danach sagte: "Ich musste zwei Qualitäten opfern - das passiert nicht jeden Tag!" Er beschrieb das erste Opfer als "risikofrei":


15.Txa6! bxa6 16.dxc5 Tfc8 und nach 17.b4 hat Weiß einen stabilen Vorteil. Erwin fühlte, dass der nächste Zug nicht unbedingt der beste Zug in der Stellung war, aber wie er erklärte: "Ich konnte nicht widerstehen - ich habe mich da etwas hinreißen lassen, aber ich bereue es immer noch nicht, die zweite Qualität gegeben zu haben!


34.Td6! (auch wenn 34.Tb7 einfacher sein mag) ist ein Zug, gegen den man kaum was einwenden kann. Nach 34…Lxd6 35.exd6 dominieren die weißen Bauern und Leichtfiguren das Brett, während die schwarzen Türme nur wie Zaungäste wirken.

Eine kleine Stärkung und dann wieder beim Schach zuschauen | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Die verlockendste Partie in Runde 2 der Tata Steel Masters ist vielleicht Duda-Firouzja, wobei beide jungen Spieler sehr gerne mit dem Feuer spielen. Außerdem haben wir die Schwergewichtskämpfe So-Anand und Giri-Caruana, während Magnus die Chance hat, es mit einem verwundeten Yu Yangyi aufzunehmen, obwohl er die schwarzen Figuren führen muss.

Die Partien kannst du ab 13:30 hier verfolgen: Tata Steel Masters | Tata Steel Challengers

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