Berichte 12.05.2018 | 21:15von Colin McGourty

Tan Zhongyi gewinnt - fünf Entscheidungen in Serie

Tan Zhongyi besiegte Ju Wenjun in der 6. Partie des WM-Matches der Damen nach 6 Stunden und 125 Zügen, bei noch vier Partien hat sie nun einen halben Punkt Rückstand. Damit endete nur die erste Partie des Matches remis, seit der dritten Partie gewannen die Spielerinnen abwechselnd. Im letzten Duell war Tan Zhongyi dazu bereit, im Mittelspiel einen Bauern zu opfern. Aber Ju Wenjun lehnte ab, verlor die Inititative und stellte dann in Zeitnot einen Bauern ein. Es war nicht leicht, diesen materiellen Vorteil zu verwerten, aber Tan Zhongyi schaffte es letztendlich - kurz bevor die 50 Züge Regel Ju Wenjun gerettet hätte.

Nach Tan Zhongyis zweitem Sieg ist das Match weiterhin offen | Foto: Gu Xiaobing, Turnierseite

Nach der fünften Partie zog das Match um aus Ju Wenjuns Heimatstadt Shanghai nach Chongqing, Heimat ihrer Gegnerin Tan Zhongyi. Man kann diese etwas über 1500km in westlicher Richtung entspannt mit neuntägiger Kreuzfahrt auf dem Yangtze-Fluss zurücklegen. Aber die Spielerinnen flogen sicherlich, da es vor Beginn der zweiten Matchhälfte nur einen zusätzlichen Ruhetag gab.  

Umzug der Damen-Weltmeisterschaft | Foto: Chinesischer Schachverband

Die Reise änderte nichts an der aggressiven Einstellung beider Spielerinnen:

Viele Kameras vor der ersten Partie am neuen Spielort | Foto: Gu Xiaobing, Turnierseite

Allgemeines Lächeln vor einer weiteren hart umkämpften Partie | Foto: Gu Xiaobing, Turnierseite

In der sechsten Partie wählte Ju Wenjun Katalanisch - wie zuvor in der dritten Partie, in der Tan Zhongyi nach dem furchtbaren 14..g5?? schnell zusammenbrach und so zweimal nacheinander verlor. Nun war Tan jedoch vorbereitet, wich mit 4…Lb4 ab (zuvor 4…dxc4) und erreichte ein absolut spielbares Mittelspiel. Das Rätsel der Partie kam jedoch nach ihrem 18…Ld7!?


Gu Xiaobing schreibt für die Turnierseite, dass Ju Wenjun 19.Dxb7, was einfach einen Bauern mitnimmt, "nicht gesehen hatte". Das klingt unwahrscheinlich, könnte jedoch erklären, warum die Damen-Weltranglistenzweite nur 3 Minuten und 23 Sekunden für 19.Dc3!? brauchte. Tan Zhongyi hatte den Bauernraub gesehen, wollte kämpfen und glaubte an ausreichende Kompensation. Diese Einschätzung ist logisch, nach z.B. 19…Tae8 20.Dxa7!? (20.Db4! ist der Computerzug) 20…Sc4! muss bereits Weiß genau spielen, um Probleme zu vermeiden.

Ju Wenjun verpasste die Chance, Material zu kassieren, und bekam später dennoch Probleme | Foto: Gu Xiaobing, Turnierseite 

In der Partie konnte Schwarz bald ihre Bauern am Damenflügel vorwärts bewegen und verfügte klar über die Initiative, Zeitnot verschlimmerte Ju Wenjuns Probleme. Im letzten Zug vor der Zeitkontrolle hatte dies Folgen, 39…Te6!? verursachte Panik bei Ju:


Mit noch einer Minute auf der Uhr ist der Gedanke an einen schwarzen Turm auf e2 beunruhigend. Ju konnte nicht cool berechnen, dass nach 40.f4! Dd6 Weiß 41.Tc1! hat und auf 41…Te2 einfach 42.Tc2. Stattdessen spielte sie mit nur noch 8 Sekunden auf der Uhr 40.Lf1? und hatte im Schwerfigurenendspiel einen Bauern weniger, es folgte 40…Dxf3 41.Lxa6 Txa6.

Tan Zhongyi quälte ihre Gegnerin stundenlang | Foto: Gu Xiaobing, Turnierseite

Nach der Partie stellte sich heraus, dass die Spielerinnen dieses Endspiel unterschiedlich beurteilten. Tan Zhongyi ging davon aus, dass sie die besten Chancen mit Damen auf dem Brett hatte, während Ju Wenjun sich eher vor einem reinen Turmendspiel fürchtete. Diese Unsicherheit war ein Grund, warum erst im 64. Zug die Türme abgetauscht wurden, und der letzte Bauernzug in den letzten 85 Zügen der Partie war 78…f5:


Wahrscheinlich ist die Remisbreite nicht überschritten, aber in einem WM-Match war es mit weitgehend nur noch Bonussekunden ein sehr schwieriges Endspiel. Allmählich konnte der schwarze König entscheidend eindringen, 125…Df1+ war der Schlusspunkt:


Vielleicht war es eher Hoffnung als Überzeugung, dass Ju Wenjun versuchte, Remis aufgrund der 50 Züge Regel zu reklamieren | Foto: Gu Xiaobing, Turnierseite

Ju Wenjun hatte nun keine Alternative zu Damentausch und verlorenem Bauernendspiel, aber sie versuchte noch etwas anderes - den Schiedsrichter rufen und Remis aufgrund der 50 Züge Regel reklamieren! Demnach kann man Remis claimen, wenn seit dem letzten Bauernzug oder Figurentausch mehr als 50 Züge gespielt wurden. Seit 78...f5 waren es aber nur 47 Züge, Weiß (Ju Wenjun) musste demnach aufgeben.

Tan Zhongyis Sieg freute sicher ihre Fans und Sponsoren vor Ort | Foto: Gu Xiaobing, Turnierseite

Tan Zhongyi ist damit zurück im Match, aber aus ihrer Sicht sollte sie den Rhythmus Sieg-Niederlage-Sieg-Niederlage nicht bis Matchende beibehalten!


Die siebte Partie ist am Sonntag, 13. Mai, mit Liveübertragung hier auf chess24 ab 9:30 MESZ.

Siehe auch:


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