Berichte 05.03.2018 | 11:02von Colin McGourty

Tal Memorial, Tag 3: Anand holt den nächsten Schnellschachtitel!

Nach dem WM-Titel im Schnellschach hat Vishy Anand auch den Sieg beim Tal Memorial errungen. In dieser Form wäre der Ex-Weltmeister sicher auch ein Anwärter auf den Sieg beim Kandidatenturnier, das Ende der Woche ohne ihn beginnt. In Moskau zeigte er gegen Alexander Grischuk eine wunderschöne Kombination und sicherte seinen Sieg mit einem Punkt Vorsprung durch zwei sichere Remis in den beiden anderen Partien ab. Hikaru Nakamura und Shakhriyar Mamedyarov hatten am Ende nichts mehr zuzusetzen und mussten Sergey Karjakin zu sich aufschließen lassen. Der Russe drang nach zuvor acht Remis mit einem Sieg in der letzten Runde noch auf den geteilten 2.Platz vor.

Vishy Anand erinnert derzeit an alte Zeiten, in denen er der unumschränkte König der kurzen Bedenkzeiten war | Foto: Eteri Kublashvili, Russischer Schachverband 

Alle 45 Partien vom Schnellschachturnier des Tal Memorials könnt ihr hier mit Computeranalyse durch Klick auf das Ergebnis bzw. die Runde nachspielen:

Alexander Morozevich wird am Montag beim Blitzturnier dabei sein, doch gestern war er noch gemeinsam mit Evgeniy Miroshnichenko als Live-Kommentar tätig. Hier der Mitschnitt der gesamten Übertragung:

Runde 7: Nakamura führt Kramniks Zug aus

Es sollte ein langer Tag für Kramnik werden| Foto: Eteri Kublashvili, Russischer Schachverband 

In der letzten Runde am Samstag hatte Vladimir Kramnik seinem jungen Landsmann Daniil Dubov eine Lektion erteilt und dessen König mit dem Bauernvorstoß e6 offengelegt. Am Sonntag musste Kramnik dann gegen Hikaru Nakamura erleben, wie es sich in dieser Konstellation auf der anderen Seite des Bretts anfühlt. 24.e6! schwächte die schwarze Königsstellung, wonach sich Kramniks 27…Sf8? als böser Fehler erwies:


Die weiße Dame ist angegriffen, doch sie hat ein wunderschönes Feld: 28.Dh8! Plötzlich hat Schwarz keine Verteidigung gegen die Drohung Se5 oder Sc5. Die Partie ging weiter mit 28…Ke8 29.Sc5! Kf7 30.e5! Sc8 31.e6+! und dieses Mal war der Hieb mit dem Bauern sogar noch stärker als beim ersten Mal!


Nach 31…Ke8 32.Dg8 wäre Feierabend, doch nach 31…Sxe6 32.Dxh7+ Sg7 33.Tde1 gab es ebenfalls keine Rettung mehr. 33…Tg8 wird mit 34.Txe7+! widerlegt, doch auch nach 33…Tg8 34.Te6 Dd8 35.Dxg6+ Kf8 36.Te3 war die Partie vorbei. Für den Ex-Weltmeister war dies der schlechte Auftakt eines miserablen Tages!

Nakamura machte am Schlusstag einen selbstsicheren Eindruck | Foto: Eteri Kublashvili, Russischer Schachverband 

Durch diesen Sieg hatte Nakamura wieder eine Chance auf den Turniersieg, nachdem die beiden Führenden Vishy Anand und Shakhriyar Mamedyarov mit Schwarz rasch gegen Sergey Karjakin und Boris Gelfand remisierten. In dieser siebten Runde ging es aber durchaus hoch her, denn Peter Svidler verpasste einmal mehr eine dicke Chance, als er in Gewinnstellung gegen Alexander Grischuk Dauerschach gab. Die Partie der Runde und vielleicht des Tages war aber Dubov-Nepomniachtchi.

Wenn Daniil Dubov so weitermacht, wird er allein der Unterhaltung wegen zu Spitzenturnieren eingeladen | Foto: Eteri Kublashvili, Russischer Schachverband 

Daniil Dubov sorgte schon am ersten Tag des Tal Memorials mit seinem Sieg gegen Hikaru Nakamura für den Höhepunkt des Tages. Für alle, die diese Partie nicht gesehen haben, reichen wir hier GM Pepe Cuencas Analyse nach (auf Englisch):

Gegen Nakamura opferte Dubov drei Bauern, doch das war noch rein gar nichts gegen sein Duell mit Ian Nepomniachtchi am Sonntag, wo er vor Erreichen dieser Stellung sogar fünf Bauern (!) ins Geschäft gesteckt hatte:


Nepo investierte acht Minuten, um diese merkwürdige Stellung zu ergründen, und spielte dann das korrekte 22…Dxf3! 23.Lxf3 Sxd2 24.Dxa7 Sxb1! (nach weiteren sechs Minuten). Das anschließende Endspiel könnte man stundenlang analysieren, doch obwohl Nepo durchweg objektiv auf Gewinn stand, verteidigte sich Dubov äußerst einfallsreich. Der Schlussakt begann mit 91…Tc3:


Nach 92.Dxc3 b1=Q+ 93.g6! steht Schwarz weiter auf Gewinn, doch die Tatsache, dass die Tablebase nach allen Zügen außer 93…De4 und dem in der Partie gespielten 93…Df5 Remis angibt, zeigt, dass Dubovs g-Bauer ein echter Trumpf ist. Am Ende reichte wie bei Dmitry Andreikins ähnlich wundersamer Rettung gegen Matthias Blübaum im Vorjahr in Dortmund ein einziger Fehlgriff, dass der Weiße sich retten konnte.     

Runde 8: Anands Glanzpunkt

Vor der Runde hatten die Kommentatoren bekannt gegeben, dass der Zeitplan etwas straffer als an den Vortagen angesetzt war, um eventuelle Stichkämpfe unterzubringen, doch mit dieser Partie waren diese Pläne natürlich komplett über den Haufen geworfen. Um im Plan zu bleiben, war keine Pause mehr möglich, und tatsächlich wurde die nächste Runde direkt nach dieser Partie begonnen. Nepomniachtchi kam zur nächsten Runde gegen Kramnik einige Minuten zu spät, doch der Ex-Weltmeister weigerte sich fair, die gegnerische Uhr vor Nepos Erscheinen in Gang zu setzen.

Grischuk auf dem Weg ins Verderben |Foto: Eteri Kublashvili, Russischer Schachverband 

Diese Partie endete wie Svidler-Gelfand recht schnell remis, doch das Turnier wurde ohnehin an den anderen Brettern entschieden. Eines der Geheimnisse von Vishy Anands dauerhaftem Erfolg ist die gute Einteilung seiner Energien – er weiß, wann er schnell remis machen sollte und wann er auf Gewinn spielen kann. Seine Chance kam in einem Sizilianer gegen Alexander Grischuk, der einmal mehr in Zeitnot verkehrte.   

Das einsame Leben der Sekundanten... Vlad Tkachiev (Grischuk) und Kris Littlejohn (Nakamura) |  Foto: Eteri Kublashvili, Russischer Schachverband 

Vishy hatte bei seinem forschen 25.Tg5!?, das nach 25…De6 26.Tf5 und 26...f6! mit Verteidigung des Feldes g5 nichts gebracht hätte, offenbar die gesamte Partiefolge bis zum Ende durchgerechnet. Er meinte Grischuk und er hätten sich beide 27.Sg5+!? angeschaut, aber der Computer ist skeptisch. Grischuk schlug auch 26…Kh8 als Verteidigung vor, doch mit seinem Partiezug 26…Tg8? ließ er ein grandioses Schlussspiel zu!


27.Sg5+!! hxg5 28.Txf7+!! Dxf7 29.hxg5+ Kg7 30.Dh6#


Diese Kombination war definitiv eines Turniersiegers würdig, doch wäre noch alles möglich gewesen, wenn Mamedyarov oder Nakamura ihre Partien ebenfalls gewonnen hätten. Stattdessen waren sie dem Druck aber nicht gewachsen. Hikaru Nakamura lehnte gegen Karjakin Remis ab und landete in einer totalen Verluststellung, doch dann übersah der Russe ein Dauerschach und musste sich mit dem achten Remis in Folge begnügen.   

Sergey braucht in Berlin wieder seinen Killerinstinkt  |  Foto: Eteri Kublashvili, Russischer Schachverband 

Noch übler erging es Shakhriyar Mamedyarov, der eine vielversprechende Stellung misshandelte und sich dann nicht optimal verteidigte, als er schlechter stand. Sein Gegner, Dubov, wurde dafür belohnt, dass er der Zugwiederholung auswich, und leistete Anand mit einem weiteren Sieg gegen dessen unmittelbare Konkurrenz Schützenhilfe.

Mamedyarov hatte nach einem tollen ersten Tag nicht mehr viel zuzusetzen | Foto: Eteri Kublashvili, Russischer Schachverband 

Runde 9: Vishy locker zum Turniersieg, Karjakin erwacht

Damit lag Anand vor der Schlussrunde einen ganzen Punkt vor Mamedyarov und Nakamura und brauchte für den Turniersieg nur noch ein Schwarzremis gegen Boris Gelfand. Professionell und routiniert glich er aus und nahm im 15.Zug das gegnerische Remisangebot aus der Position der Stärke heraus an.

Nepomniachtchi gewann das Blitzturnier vor dem Tal Memorial und zählt auch am Montag zu den Favoriten| Foto: Eteri Kublashvili, Russischer Schachverband 

Damit ging es nur noch um Platz 2, und nach dem Remis bei Nepomniachtchi-Mamedyarov war klar, dass Nakamura sich diesen mit einem Schwarzsieg gegen Grischuk sichern konnte. Stattdessen musste der Amerikaner jedoch ums Überleben kämpfen, hatte aber nach 51…b5 Glück:


52.f6! und nach 52…Kxe6 53.Te2+ und f7 im nächsten Zug kann Schwarz aufgeben. Nach 52.Te2?! Ke7 53.Kg5?! Tg8+! war die Chance allerdings vertan, und Nakamura wickelte wenig später in eine theoretische Remisstellung ab, die Grischuk noch bis 96.Zug weiterspielte!

Svidler hätte vielleicht sogar um den 1.PLatz kämpfen können, wenn er seine Chancen besser genutzt hätte | Foto: Eteri Kublashvili, Russischer Schachverband 

Dubov und Svidler hatten offenbar genug vom Turnier und einigten sich nach 17 Zügen auf Remis, doch einen Höhepunkt gab es noch. Bei der Produktion seiner Videoserie zur Kandidatenvorstellung war Jan Gustafsson über das schwache Abschneiden Kramniks gegen das restliche Feld überrascht, wobei sich das vor allem auf Karjakin bezieht, der eine Bilanz von 5 zu 1 gegen seinen Landsmann hat:


Auch beim Tal Memorial änderte sich an diesem Kräfteverhältnis nichts. Karjakin eröffnete die Partie mit 1.b3, provozierte Schwächen, gewann einen Bauern und brach endgültig durch, als Kramnik seine Stellung in Zeitnot weiter schwächte. Nachdem er an einem Tag zwei Niederlagen einstecken musste, hat Kramnik bezüglich des Kandidatenturniers einiges zu grübeln:

Und hier der Endstand des Tal Memorials mit dem klaren Sieger Vishy Anand:

Weiter geht es am Montag mit dem Tal Memorial Blitzturnier. Gespielt wird mit 5 Minuten +3 Sekunden pro Zug, als zusätzliche Spieler sind Dmitry Andreikin, Vladislav Artemiev, Vladimir Fedoseev und Alexander Morozevich dabei. 

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