Berichte 10.11.2019 | 11:55von Colin McGourty

Superbet GCT Tag 4: Le Quang Liem wie im Rausch

Der Blitzweltmeister von 2013, Le Quang Liem, lag nach dem Schnellschach-Teil des Superbet Rapid and Blitz auf dem vorletzten Platz, doch nach einem brillanten ersten Blitztag mit 7/9 kletterte er bereits auf den alleinigen dritten Platz. Der nächste Topscorer am zweiten Tag war Levon Aronian, der ungeschlagen mit +2 Druck auf den Führenden Anton Korobov machte. Korobov, der eine Wildcard bekam, führt aber immer noch mit einem Punkt Vorsprung. "Ich fühle mich voller Energie!", sagte der ukrainische Großmeister auf die Frage nach seinen Kraftreserven.

Fabiano Caruana war einer der wenigen Spieler, die nicht von Le Quang Liem rasiert wurden | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Alle Partien des Superbet Rapid & Blitz der Grand Chess Tour kannst du dir hier ansehen:

Und hier kannst du dir den Live-Kommentar des Tages noch einmal anschauen, unter anderem mit Interviews von Le Quang Liem, Levon Aronian und Anton Korobov gegen Ende des Videos:

Le Quang Liem marschiert durchs Feld

Der 28 Jahre alte Vietnamese und in den USA lebende Großmeister Le Quang Liem brauchte 9 Partien, um in Bukarest seinen ersten Sieg zu erzielen. Doch am ersten Tag des Blitzturniers lief es dann ganz anders:

Rk. NameRtgFED12345678910Pts. TB1 
1Le Quang Liem2680VIE½½111½1½17,07,0
2Aronian Levon2818ARM½½1½½½½½15,55,5
3Karjakin Sergey2829RUS½½0½1011½5,05,0
4So Wesley2763USA001½½1½½½4,54,5
Korobov Anton2771UKR0½½½01½1½4,54,5
Anand Viswanathan2791IND0½0½10½114,54,5
7Caruana Fabiano2774USA½½1001½0½4,04,0
8Giri Anish2740NED0½0½½½½½½3,53,5
Mamedyarov Shakhriyar2740AZE½½0½001½½3,53,5
10Artemiev Vladislav2779RUS00½½½0½½½3,03,0

Le Quang Liem dominierte den ersten Tag des Blitzturniers | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Seine fünf Siege und vier Remis (unter anderem ein Sieg gegen Korobov) wurde bedeutender, je länger der Tag wurde. Sein Sieg gegen Korobov beschrieb er später mit folgenden Worten:

Ich glaube, ich hätte im Schnellschach besser abschneiden müssen. Von daher hatte ich das Gefühl, ich sollte einfach beim Blitzen entspannen und lockeres, praktisches Schach spielen.

Das setzte er auch um dank präziser Berechnungen und feiner Technik in Kombination mit exzellentem Zeitmanagement. Mit einer Siegesserie von 4 Partien in Folge drohte er, die Führenden alsbald einzuholen. Alles begann mit lockeren Siegen gegen Vishy Anand und Vladislav Artemiev, bevor dann auch Wesley So in einem trickreichen Endspiel fehlgriff:


60.Lf3! (60.La6 funktioniert auch) und Wesley hätte alles gedeckt – ...h5 könnte mit Lxh5! beantwortet werden und falls ...Sg4 ohne ...h5 käme, könnte Weiß einfach tauschen und die Partie Remis halten. Stattdessen geschah 60.Lc8 Sf2! 61.Le6 h5! 62.Kg1 Kg3 und Weiß musste aufgeben.

Le Quang Liem schlägt Wesley So und steht bei 5/6 im Blitz! Maurice: Das ist nie Remis. Das haben wir schon oftmals gesehen.

Der vierte Sieg war Le Quang Liems Highlight des Tages. Gegen Anish Giris Sizilianer brach er einen unwiderstehlichen Angriff vom Zaun:

"Was für ein Meisterwerk" von Le Quang Liem.

Mit einem sauberen Ausmacher endete die Partie nach 33 Zügen:


33.Sxh7! und Schwarz kann wegen Df8# nicht auf h7 nehmen, während die Drohung Sf6+ gleichzeitig vernichtend ist. Giri gab auf.

Natürlich ist keiner perfekt und in den verbliebenen zwei Partien musste Le Quang Liem zugeben, kurz vor Niederlagen gestanden zu haben. Die klarste Chance hatte Fabiano Caruana:


30.Tf6! wäre schön gewesen unter Ausnutzung der Tatsache, dass 30...Txe7? mit 31.Txf8+ mit Matt in 2 beantwortet wird. Der einzige Zug von Schwarz ist 30...Kg8, und dann nach 31.Txg6+ hxg6 32.Dxg6+ Kh8 33.Txf7 endet Weiß mit zwei verbundenen Freibauern in einem Damenendspiel. Es war jedoch typisch für Fabis Tag, dass er die Chance mit 30.Txf7 Txf7 Txf7 31.Txg6 verdarb, da er nach 31...Df8! 32.Dxf8+ Txf8 das Turmendspiel trotz 94 Zügen nicht gewinnen konnte.

Auch die letzte Partie gegen Shakhriyar Mamedyarov war ein wenig holprig | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Besser als er könnte man den Tag nicht zusammenfassen:

Ganz allgemein gesprochen habe ich das Gefühl, dass ich mein Bestes gegeben habe. Und mehr hätte ich nicht erwarten können!


Levon Aronian ist die Ruhe selbst

Die armenische Nr. 1 Levon Aronian ging als Vierter der GP-Wertung beim Superbet Rapid & Blitz an den Start, wobei er den Luxus hatte zu wissen, dass er auch noch ein weiteres Turnier in Indien spielen wird. Wenn er ein einigermaßen gutes Resultat in Bukarest holen sollte, wäre er der große Favorit, sich fürs Londoner Finale im Dezember zu qualifizieren. Von daher musste er nicht jeden Gegner vom Brett pusten. Das sieht man auch an seinen Ergebnissen bisher: 4 Siege, 13 Remis und nur 1 Niederlage im Schnellschach.

Man kann nicht ausschließen, dass Levons Gegner nur deshalb ein Remisangebot annehmen, um sein Hemd nicht mehr sehen zu müssen | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Zum gestrigen Tag meinte er: "Ich denke, dass wenn ich weiterhin Geschenke von meinen Gegner kriege, sollte ich die Qualifikation schaffen!" Man könnte sagen, genau das passierte, denn in zwei Blitzpartien halfen Vladislav Artemiev und Wesley So kräftig mit. Der bemerkenswerteste Moment jedoch war in der letzten Runde gegen Fabiano Caruana, als Levon die Gründe dafür erklärte, ein Remis zu nehmen statt in besserer Stellung weiterzuspielen:

Es gibt diese alte Sowjet-Regel: Wenn du Einzüger übersiehst, dann ist etwas falsch mit dir. Mach einfach Remis! Ich spielte 36.Da6? und sah sofort, dass ich nach 36...Sc7! einpacken kann, weil ich einen Springer verliere.

Die Stellung nach 36.Da6?


36…Sc7! würde Dame und Springer gleichzeitig angreifen. Stattdessen geschah 36…Df6 und die Partie endete ein paar Züge später Remis.

Korobov weiter vorn

Mann der Stunde, Anton Korobov | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Der erste Tag des Blitzturniers war ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig es ist, im Schnellschachteil der Grand-Chess-Tour-Turniere gut zu punkten. Wesley So startete das Blitzen auf dem letzten Platz und trotz eines guten Starts und besseren Abschneidens als viele Spieler vor ihm konnte er nie aus diesem Loch klettern. Anton Korobov bezeichnete seinen Start hingegen als "katastrophal", aber die Führung gab er über den ganzen Tag dennoch nicht ab. 

Zu diesem Zeitpunkt verlor er die Partie gegen Le Quang Liem in Runde 1, die bereits zuvor angesprochen wurde und dann wurde er in Runde 3 von Vishy Anand in der vielleicht verrücktesten Partie des Tages geschlagen:

Was für eine verrückte Partie zwischen Korobov und Anand.

Über das Ergebnis lässt sich schwer steiten, aber Anton hätte leicht gewinnen können. Unter anderem leicht nach 58…Sf4?


59.Dc8+! gewinnt sowohl nach 59...Sd8 als auch nach 59...Df8 60.Dxb7 einen ganzen Springer. Nach 59.Dxb6? gewann Vishy jedoch nach einigen weiteren Abenteuern.

Es schien auch in der nächsten Partie gegen Vlasilav Artemiev so, als sollte es nicht Korobovs Tag werden. Er verdaddelte eine Stellung, bei denen die Computer bereits einen schwarzen Vorteil von -26 angaben:


Ein instruktiver Moment aus der Blitzpartie zwischen Artemiev und Korobov: Nach 52...f3 533.Ta3 sollte Schwarz mit welchem Turm die Grundreihe decken und damit klar gewinnen?

Die richtige Antwort war 53...Td8!, mit dem Unterschied, dass nach 53...Te8? 54.Taa7! wie in der Partie Schwarz eben nicht 54...d2 ziehen kann, ohne in ein Dauerschach zu laufen. Hätte Schwarz 53...Td8 gespielt, könnte der König dank der Kontrolle von e7 über das Feld e8 entkommen.

Nach 9 Partien ohne Sieg lief Korobov Gefahr, eingeholt zu werden. Doch dann gewann er auf Knopfdruck in Runde 7 gegen Fabiano Caruana. Danach kommentierte er:

Heute habe ich mich vorbereitet - gestern habe ich mich geschämt, nicht zu wissen, dass es eine Partie in der Variante aus der Weltmeisterschaft gab, also habe ich mich heute mit dem Buch von Taimanov über Nimzondisch aus dem Jahre 1861[1961!] vorbereitet.... und heute spielte ich gegen Vishy diese Variante, gegen Fabiano und gegen Sergey. Ich habe 1,5/3 erreicht, ich denke, es ist ok! Die Zukunft sieht sehr vielversprechend aus.

Anton spielte mit Weiß und es sah nach viel Spaß aus. Wir sahen bereits in der Partie gegen Vishy, wie verrückt es werden kann und die Partie gegen Fabiano setzte da noch einmal etwas drauf. Korobovs Stellung wechselte von "glatt gewonnen" zu "glatt verloren", doch schlussendlich gewann er dennoch:

Im zehnten Spiel der erste Sieg für Korbov, perfektes Timing. Noch führt er mit einem halben Punkt Vorsprung!

Dieses "Momentum" nahm er gleich mit in die nächste Partie gegen Mamedyarov, dort wurde es nämlich auch wieder chaotisch! Mit Zug 36 stand der mit Weiß spielende Shakh auf Gewinn, aber...


…der einzige Weg zum Sieg bestand in 33.Txg4!. Der Versuch, mit 33.Dg6? die Stellung zu vereinfachen, führt geradewegs in den Abgrund wegen 33.Dh1+!. Hiernach stiften die schwarzen Schwerfiguren so viel Unruhe, dass die Mattdrohungen gegen den weißen König die Partie entscheiden.

Nur noch ein Tag in Bukarest | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Am Ende des Tages hatte Korobov damit die Hälfte der möglichen Punkte im Blitz geholt. Er führt weiterhin und zwar mit einem Punkt vor Aronian und 1,5 Punkten vor Le Quang Liem:




Doch natürlich kann sich alles noch schnell verändern, insbesondere weil in der ersten Runde am Finaltag Le Quang Liem mit Weiß gegen Korobov spielt! Verpasse nichts und schalte ein, ab 14:00 Uhr gehts los auf hier bei chess24!

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