Berichte 10.06.2021 | 11:29von Colin McGourty

Superbet Chess Classic Tag 5: Shakh-Angriff!

„Ich wache auf und denke, ich muss aus Risiko spielen,“ sagte Shakhriyar Mamedyarov, nachdem er eine ausgefallene Eröffnung spielte und Constantin Lupulescu in dessen Zeitnot überspielen konnte. Er gesellt sich damit zu Wesley So und Alexander Grischuk an die Spitze und geht erfolgreich in den Ruhetag. Die anderen Partien der 5. Runde des Superbet Chess Classic endeten alle Remis, wovon lediglich Fabiano Caruanas 8.De2!? gegen die Berliner Verteidigung möglicherweise in Erinnerung bleiben wird.

Shakhriyar Mamedyarov wird nach Runde 5 einer der drei Führenden | Foto: Lennart Ootes, offizielle Website

Ihr könnt alle Partien des Superbet Chess Classic unten nachspielen.

Lasst uns zuerst die Remisen der 5. Runde betrachten, angefangen mit dem unspektakulärsten.

 

4. Deac 1/2-1/2 So

Deac ließ nicht zu, dass ihn die Formalitäten des Eröffnungszuges ablenkten | Foto: Lennart Ootes, offizielle Website

„Zuerst möchte ich mich für das schnelle Remis entschuldigen - niemand mag ein schnelles Remis!“ sagte Wesley So, mit der Überzeugung von jemandem, der gerade zu einer neuen Religion konvertiert ist. Vielleicht hatte er auch einfach den Druck, dem sich Teimour Radjabov ausgesetzt sah, mitbekommen. Wesley spielte etwas, was er zuletzt 2012 in Wien getan hatte und merkte an, „Ich habe es bereits einstudiert, also dachte ich mir, dass ich es genauso gut spielen könnte.“

Er hatte es für seine Partie gegen Grischuk ein paar Tage zuvor einstudiert, gab aber zu, dass es nicht die ideale Wahl für Gewinnchancen gegen Bogdan-Daniel Deac war. Der 19-jährige Lokalheld spielte eine Bauernopfer-Variante mit 6.Lxc4, die Jan Gustafsson als „die primäre Bedrohung für die Existenz der Wiener Partie“ nennt - hierzu gibt es eine Videoserie des deutschen Großmeisters auf chess24. Spoiler-Warnung: es begräbt nicht die Wiener Partie und Jan hatte die gesamte Variante gezeigt, die sich in Bukarest ereignete, bis sie in einem vollkommen ausgeglichenen Turmendspiel endete.


Deac dachte für 8 Minuten nach, bevor er 23.h4 spielte, aber nach 23...Txc3 brachten die Spieler die Partie zu einem Ende, mit dem beide zufrieden sein konnten.

3. Radjabov 1/2-1/2 Grischuk

Teimour Radjabov remisierte zum fünften mal in Folge | Foto: Lennart Ootes, offizielle Website

Verglichen mit seinen vorherigen Remisen mit den weißen Figuren, war dies nicht ein besonders ungeheuerlicher Fall, aber es sagt schon einiges über die Spannung aus, dass Alexander Grischuk Cristian Chirila vorschlug, lieber über die Partie Grischuk 1-0 Deac des vorherigen Tages als diese Partie zu sprechen.

Die erste Neuerung ergab sich im 20. Zug. Es wich von einer Partie ab, die beiden Kontrahenten bekannt vorkommen dürfte - Nepomniachtchi 1-0 Radjabov des Online Nations Cup. Nepos Sieg kam in der Mitte einer Serie von fünf Niederlagen, die Russland jeglich Chancen auf eine Medaille nahmen.


Dort spielte Nepo 20.Se2, aber jetzt spielte Radjabov mit Zustimmung des Computers 20.f5, nur um die Partie sofort in einem unentschiedenen Endspiel durch eine Reihe von Abtauschen enden zu lassen, 20...Dxd4 21.Dd7 Sd2 22.Dxe7 Sxf1 23.fxe6.

Es gab tatsächlich wenig über die Partie zu sagen, aber das hielt Grischuk nicht davon ab!

2. Aronian 1/2-1/2 MVL

Levon Aronian steht auf, um sich zu strecken | Foto: Lennart Ootes, offizielle Website

Erneut gab es einen Vorläufer, Adams-Salem vom FIDE Grand Prix 2017 in Sharjah. MVLs 16...Dg4! stellt dabei eine Verbesserung von Salems 16...Df5 dar. Die Partie war lebendig, wie Aufeinandertreffen von Levon und Maxime häufig sind, aber keiner der Spieler dachte lange über Züge nach und die Partie versandete schnell im Remis.

1. Caruana 1/2-1/2 Giri

Caruana hatte eine Überraschung vorbereitet | Foto: Lennart Ootes, offizielle Website

Anish Giri hatte in vorherigen Runden erwähnt, dass sein Chessable Kurs zur Drachenvariante aus dem verzweifelten Brainstormen darüber erwuchs, wie man auf Knopfdruck man Schwarz im Kandidatenturnier gewinnen könnte. Vielleicht floss dieselbe Logik darein, jemanden in der solidesten aller Varianten zu überraschen, der Berliner Verteidigung. Gerade als die Damen dabei waren, das Brett zu verlassen, um zum berüchtigten Endspiel über zu gehen, kam Fabi mit 8.De2!? vom Kurs ab. Ein Zug der fast 30 mal weniger populär ist.

Es war eine grundlegend moderne Eröffnungswahl, bei der die objektive Stärke des Zuges weit weniger ein Faktor war, als den Gegner vielmehr aus der Reserve zu locken. Fabi erklärte:

Es sollt kein sehr akkurater Zug sein, da Schwarz die Springer abtauscht, was auf f5 ungeschickt ist. Aber ich dachte, dass es eine frische Stellung ist. Schwarz hat viele gute Wege das zu spielen. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass Leute das nicht durchringend analysiert haben. Deshalb ist es der Hauptvorteil an dieser Variante, das man sie, sobald man sie selbst überprüft hat, viele gute Wege weiterzuspielen findet.

Es funktioniert tatsächlich und Fabiano merkte an, dass er schon bald einen „ganz kleinen Vorteil, das meiste was ich mir aus dieser Position erhoffen konnte,“ bekam. Irgendwann sah der Vorteil sogar äußerst bedeutend aus, aber letztendlich erlaubte der ungedeckte Springer auf c3 Anish Giri, der Caruana mit Schwarz im Kandidatenturnier besiegt hatte, aufzulösen.


29...Df6! 30.gxf5 Dxc3 31.De5 Dxe5 32.fxe5. Fabi meinte, dass er Chancen im Endspiel gehabt hätte, wenn sein König ein paar Felder weiter gestanden hätte. Das war er aber nicht und die Partie endete im vierten Remis des Tages.

It looked a real possibility that all five games would end peacefully, but finally we got a dramatic conclusion to Lupulescu-Mamedyarov.


Mamedyarov gesellt sich zu den Führenden

Mamedyarov-Lupulescu war eine spannende Partie bei der Lupulescu in Zeitnot einbrach | Foto: Lennart Ootes, offizielle Website






Wie wir bereits angemerkt haben, wachte Shakhriyar Mamedyarov kampfbereit auf. Mit seinen frühen 3...Le7, 4...Lf6, einer Idee die zuvor (erfolglos) von Vasyl Ivanchuk gespielt wurde, sorgte er dafür, dass Constantin Lupulescu über eine halbe Stunde für seine ersten 8 Züge verbrauchte. Die Art und Weise, mit der der Rumäne mit der Eröffnung umging, war nicht gerade überzeugend. Er bekam aber ein spielbares Mittelspiel, in dem sein größter Gegner die Zeit war. Shakh entschloss sich, auf Zeit zu spielen mit trickreichen Zügen, wie 24...Sce7.


Mamedyarov betonte, dass 25.Se5? hier auf 25.Sxe! 26.dxe3 Td2! stoßen würde und auf h2 matt setzen oder die Dame gewinnen würde. Diese Taktiken musste Constantin in jedem Zug berechnen, obwohl im 25.Tf2! statt 25.Tfd1!? möglicherweise einiges an Schmerzen erspart hätte.

Der Moment der Wahrheit kam nach 33.Lf1?!


Shakh schlug mit 33...e5! 34.fxe5? (bereits der verlierende Zug! 34.Sh4! hätte Chancen erhalten) 34...Tg6! 35.Sh4 Txg3! zu.

Als er sich für diese Variante entschied, dachte Constantin wahrscheinlich, dass er mit 36.Sxf5 auf Gewinn stand, nur um zu spät zu erkennen, dass 36...Tf3! den Spieß umdreht und den Sieg für Schwarz bedeutet. 37.Dxf3 verliert sofort gegen 37...Dg1 Matt, während 37.Sxg7 Txf2+ 38.Kg1 nicht hilft, da der gefesselte Springer auf g7 fallen wird, wenn die Türme bewegt werden.

Constantin wählte verzweifelt „irgendeinen anderen Zug“, 36.d4. Es war aber eine hoffnungslose Stellung. Die Partie endete mit 36...Dg5! 37.Sg2 cxd4 38.exd4 Sxd4!

„Ich wollte einfach Schach spielen, gutes, interessantes Schach,“ sagte Shakhriyar und er hatte seine Mission erfüllt!

Der Sieg brachte Mamedyarov an die Spitze zu Grischuk und So, wohingegen Grischuk anmerkte:

Führender mit +1 ist ein Witz. Es ist wie im Basketball, wenn zur Halbzeit mit einem Punkt vorne liegt - es ist egal.

Das ist wahrscheinlich nicht wahr. Was aber stimmt ist, dass in den übrigen vier Runden noch alles passieren kann, da der erste und letzte Platz lediglich durch einen Punkt voneinander getrennt sind.


Donnerstag ist ein Ruhetag vor Runde 6. In dieser kommt es zu Mamedyarov-Aronian, So-Giri, Grischuk-Lupulescu, MVL-Caruana und Deac-Radjabov. Davor beginnt jedoch die Gelfand Challenge am Ruhetag, bei der 20 der weltbesten Jungstars für einen Platz in der Meltwater Champions Chess Tour gegeneinander antreten werden.

Am Freitag werden dann beide Events zur gleichen Zeit live sein, weshalb definitiv nicht zu einer Schach-Flaute kommen wird! Schaltet zu den Partien live um 14:00 CEST hier auf chess24 ein.

Siehe auch:


Sortieren nach Datum (absteigend) Datum (absteigend) Datum (aufsteigend) meiste Likes Benachrichtigung bei neuen Kommentaren

Kommentare 0

Guest
Guest 13214655330
 
chess24 beitreten
  • Kostenlos, Schnell & Einfach

  • Sei der Erste, der kommentiert!

Registrieren
oder

registriere dich und leg los!

Mit einem Klick auf 'Registrieren' stimmst du unseren Nutzungsbedingungen zu und bestätigst, dass du unsere Datenschutzrichtlinie und den Abschnitt über die Verwendung von Cookies gelesen hast.

Lost your password? We'll send you a link to reset it!

Nach der Übermittlung deiner E-Mail-Adresse erhältst du von uns eine E-Mail mit einem Link zum Zurücksetzen des Passworts. Wenn du dann weiterhin nicht auf deinen Account zugreifen kannst, melde dich bitte beim Kundendienst.

Welche Funktionen möchtest Du aktivieren?

Wir respektieren Deine Privatsphäre und Datenschutzbestimmungen. Einige Komponenten erfordern das Speichern von personenbezogen Daten in Cookies oder dem lokalen Speicher.

Show Options

Hide Options