Allgemein 18.10.2017 | 17:06von Colin McGourty

Stockfish & Komodo führen zum Auftakt der 10. TCEC-Meisterschaft

Stockfish und Komodo haben zum Auftakt der 10. TCEC-Meisterschaft, der inoffiziellen Computer-Weltmeisterschaft, mit 3,5 aus 4 die Führung übernommen. An ihr nehmen 24 der besten Schachcomputer der Welt teil und küren in einem rund um die Uhr ausgetragenen Wettstreit den neuen Weltmeister. chess24 überträgt alle Partien live, und ihr werdet überrascht sein, von welch hoher Qualität die Partien sind und wie viel Spaß es macht, sie zu verfolgen.

Stockfish, Komodo und Houdini zählen wie üblich zu den Favoriten | Foto (von Komodo): Charles Sharp, Wikipedia

TCEC bedeutet eigentlich Thoresen Chess Engines Competition – der Norweger Martin Thoresen war der Erfinder und Organisator der Meisterschaft, aber seit vier Meisterschaften hat Chessdom die Austragung übernommen. Amtierender Titelträger ist Stockfish, der letztes Jahr im Finale 54,5 zu 44,5 gegen Houdini gewann.

Momentan befindet sich das Turnier noch in Phase 1, in der 24 Schachprogramme ein 23-rundiges Turnier austragen, in dem jeder gegen jeden antritt. Alle Partien könnt ihr auf der offiziellen Webseite oder auf chess24 verfolgen:

Alle Programme laufen auf derselben Hardware und denken nicht nach, während der Gegner am Zug ist. Für die Partien stehen 60 Minuten plus 10 Sekunden Zeitgutschrift zur Verfügung, und nach Beendigung einer Partie beginnt direkt die nächste.

So sieht die Live-Übertragung auf chess24 aus

In der ersten Turnierphase wird das Feld auf 8 Programme reduziert, die anschließend viermal Jeder gegen Jeden spielen und bei einer Bedenkzeit von 90 Minuten + 10 Sekunden pro Zug die beiden Finalisten ermitteln. Danach wird das Finale über 100 Partien ausgetragen, die Bedenkzeit beträgt 120 Minuten plus 15 Sekunden pro Zug.

Natürlich hat ein Computerturnier eigene Regeln. Neben normalen Remisschlüssen (dreimalige Zugwiederholung oder 50-Züge-Regel) wird nach dem 40.Zug ein Remis vereinbart, wenn die Stellungsbewertung beider Programme zehn Halbzüge lang zwischen +0,05 und -0,05 schwankt. Als gewonnen wird eine  Stellung eingeschätzt, wenn beide Programme sie vier Züge lang mit +6,5 (oder -6,5) bewerten. Tablebase-Stellungen mit fünf Figuren werden ebenfalls automatisch bewertet.

Die Programme dürfen nicht ihre eigene Eröffnungsdatenbank verwenden, und in der ersten Turnierphase werden die ersten beiden Züge beider Gegner aus einem vorgegebenen Set ausgewählt, damit die Partien interessant sind. Nelson Hernandez erklärt, wie das funktioniert:

Die Eröffnungen sind zum Teil etwas eigenwillig, die Sokolsky- oder Orang-Utan-Eröffnung mit 1.b4 d5 2.Lb2 Dd6 etwa brachte Texel und Gull dazu, schon nach 9 Zügen Remis zu machen!



Noch lässt sich nichts über den Ausgang sagen, aber immehin haben Stockfish und Komodo, die bei den letzten sechs Austragungen immer den Sieger unter sich ausmachten, mit 3,5 aus 4 gleich die Führung übernommen.

Und wie läuft es schachlich? Eine Partie dauerte 157 Züge (und endete remis, als die Tablebase dies trotz Mehrfigur anzeigte), aber die Zeit des sinnlosen Umherziehens ist schon lange vorbei. Die Mehrheit der Partien fanden einen Sieger, und waren zum Teil schön anzusehen! 

Hier Stockfish gegen Ginkgo, der gerade 18…Dc7 gespielt hat:


19.Rf4!! exf4 (Es gibt nichts Besseres) 20.Lc3+ Kg8 21.Dxd7! Dxd7 22.Sf6+ Kh8 23.Sxd7+ Se5 24.Sxf8 Txf8:


Stockfish spielte hier das eiskalte 25.Kd2 und gewann sicher.

Außerdem teilen Computer die Skepsis des menschlichen Weltmeisters, was Festungen betrifft. Vajolets Festung wurde gestürmt, als Jonny einen schönen Durchbruch fand:


70.b4!! Die Stärke des Zuges zeigt sich in der gegnerischen Antwort 70…Kd8, wonach der Springer auf c5 verloren geht. Die Idee von 70.b4!! ist, dass nach 70…axb4 der Zug 71.a5! folgt, und auf 71…bxa5 einfach 72.Ta1! mit Eindringen am Damenflügel als Pointe kommt. 


Nach 72…a4 kommt 73.Txa4! und Schwarz kann Matt in vier Zügen nicht mehr verhindern.

Jonny saß bei 30.b4!! auch einmal auf der anderen Seite des Brettes. Chirons Durchbruch ist nicht minder schön:


In der Partie folgte 30…Sxb4 31.Lxc5! Da5 (“Verzweiflung”) 32.Le6!!


Es droht einfach Schlagen mit der Dame auf f6, und nach 32…Txe6 33.Txe6 Lxe6 34.Dxf6 Dc7 37.Dxe6+ wurde die Partie als gewonnen eingeschätzt. Nach 35…Df7 36.Dxf7+ Kxf7 37.Lxb4 hat Weiß einfach eine Figur mehr.

Das Problem beim Computerschach ist, dass die Helden nicht für Fotos taugen! | Bild: Chiron Chess

Alle Partien könnt ihr live auf chess24 und auf der offiziellen Turnierseite verfolgen. Das geht auch mit unseren kostenlosen Apps:

         

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