Berichte 13.08.2019 | 12:28von Colin McGourty

STL Rapid & Blitz: MVL neue Nr. 1 der Welt im Schnellschach

Maxime Vachier-Lagrave verlor gegen Magnus Carlsen zu Beginn des dritten Tages des St. Louis Schnellschach- und Blitzturniers, aber am Ende des Tages hatte er Magnus Carlsen die Führung in der Weltrangliste weggeschnappt und den Führenden Levon Aronian eingeholt. Magnus verlor noch seine insgesamt vierte Partie gegen Sergej Karjakin, aber es hätte auch noch schlimmer kommen können, da er auch gegen Shakhriyar Mamedyarov in den Seilen hing. Fabiano Caruana verlor alle drei Partien und Richard Rapport und Yu Yangyi waren die Topscorer an einem verrückten Tag in St. Louis!

Mit Beginn des Tages hatte wohl MVL nicht gedacht, dass er nach einer Niederlage gegen Magnus als neue Nr. 1 der Schnellschachwelt und Co-Führender ein Interview geben darf! | Foto: Austin Fuller, Grand Chess Tour

Alle Partien des Turniers kannst du hier nachspielen:

Den Live-Kommentar des dritten Tages findest du hier:

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MVL vor dem Blitz wieder in Führung

Maxime Vachier-Lagrave ging mit einer Siegesserie von 4 Partien in die Begegnung mit Magnus Carlsen, wissend, dass ein Sieg oder Remis ihm reichen würde, um die Führung in der Schnellschach-Weltrangliste zu übernehmen. Es sollte ähnlich laufen wie so oft in 2019. Denn wie bei den GRENKE Chess Classic und bei der Grand Chess Tour in Kroatien kam Maxime gegen den Weltmeister ganz schlecht aus der Eröffnung.

Magnus besiegte wieder einmal mit den weißen Steinen MVL | Foto: Crystal Fuller, Grand Chess Tour

Später erklärte er sich die Partie folgendermaßen:

Natürlich hätte ich mich in der Partie besser einmal daran erinnern sollen, was man gefälligst tun muss. Ich kannte den richtigen Zug, konnte mich aber nicht mehr an die richtige Fortsetzung im Anschluss daran erinnern. Und deshalb entschloss ich mich, etwas anderes zu spielen, sodass ich früh Probleme bekam.

Am Ende konnte sich Magnus aussuchen, wie er gewinnt:


33.Lxf7+! Kxf7 34.Dxb7+ und das Schlagen des Springers auf b2 schaut bereits vielversprechend aus. Doch das Verzögern des Einschlags klappte ebenso gut: 33.Tb1 Df6 34.Lxf7+! 

Grand Chess Tour: Der finale Moment in Carlsen-MVL. Yasser: "So macht mans!"

In der gleichen Runde überspielte Levon Aronian locker Fabiano Caruana, sodass MVL drei Punkte Rückstand hatte. Das machte die folgende Aufholjagd völlig unmöglich zu prognostizieren!

Agadmator: Fabi schlagen: Geschafft. Guten Schluck Wasser getrunken: Geschafft.

Maxime fing sich aber in der nächsten Runde in einer Partie, die er als "sehr sauber" bezeichnete und in der er die Berliner Verteidigung von Leinier Dominguez in seine Einzelteile zerlegte. Auch konnten wir das thematische Bauernopfer e5-e6 bewundern:


Und zudem ein paar schöne taktische Schläge:


26.Lxb6! Lxb5 (26…axb6 verliert wegen 27.Sc7+) 27.Sxb5 Tb8 28.Sc7+ Kd7 29.Lxa7 Kxc7 30.Lxb8+ Kxb8 31.Tf7! Ld6 32.Txg7 und Weiß dominiert die komplette Stellung:


Der schwarze Springer hat kein einziges Feld, auf das er gehen kann und auch wenn er nach 32…e5 Zutritt zu einem Feld bekommt, betont 33.Kf2! den Umstand, dass wenn der Springer nach e6 hüpfen würde, Tg6 eine Figur gewönne. Der schwarze König kann auch nicht mithelfen, da sonst der weiße a-Bauer zur Dame geht. Leinier versuchte dennoch, seine Figuren zu aktivieren. Aber als das geschafft war, konnte er die weißen g- und h-Bauern nicht mehr aufhalten.

Richard Rapport fiel nicht auf Levons "Blumenheld-Gambit" herein | Foto: Crystal Fuller, Grand Chess Tour

Mit diesem Sieg verringerte Maxime den Rückstand auf Levon Aronian wieder auf nur einen Punkt, da Levon gegen Richard Rapport die Segel streichen musste. Der Ungar war nach einem gestrichenen Flug spät in St. Louis angekommen und hatte in den ersten beiden Tagen mit Jetlag zu kämpfen, aber am dritten Tag pustete er Mamedyarov in 23 Zügen mit den schwarzen Figuren spielend vom Brett und überspielte im Anschluss Levon dann in der Eröffnung. Es gab noch gute Chancen für den Armenier, ein Unentschieden zu erzwingen, aber er wartete zu lange mit 32...e3:


Rapport spielte hier nach 2-minütigem Nachdenken 33.Ta3!, was sehr stark ist, und nach 33…Dxf2+ 34.Dxf2 exf2 35.Kg2! ist das Endspiel trickreich für Schwarz. Levon griff alsbald fehl und fand sich in einem verlorenen Turmenendspiel wieder, auch wenn Rapport meinte, dass es "lächerlich war, dass es so lange dauerte", bis er den Gewinn eintütete:

Grand Chess Tour: Spoilerwarnung, Richard Rapport bringt dem Führenden Levon Aronian die erste Niederlage bei. Schau dir an, wie er das Turmendspiel behandelt.

In der letzten Runde des Tages remisierte Aronian schnell gegen Yu Yangyi (der zuvor wie Rapport ebenfalls 2,5/3 erzielte, indem er Dominguez und Caruana besiegte), was es Maxime ermöglichte, ihn durch einen überzeugenden Sieg gegen Caruana einzuholen. Das war ein wahrlich unerwarteter Kollaps des US-Stars, der an den ersten beiden Tagen ungeschlagen blieb, nur um dann am letzten Tag 0/3 zu verbuchen!

Fabi und sein Trainer Rustam Kasimdzhanov kommen an einem sehr heißen Tag am St. Louis Chess Club an | Foto: Austin Fuller, Grand Chess Tour

Für Maxime bedeutete das, dass er 6 der letzten 7 Partien gewinnen konnte: 


Carlsen immer noch nicht auf der Höhe

Bevor das Schnell- und Blitzschachturnier begann, nahm Magnus ein Video auf, indem er darauf hinwies, wie schwierig es ist, beim Schnellschach zurückzukommen und sich von Rückschlägen bei solchen Events zu erholen:

Olimpiu G. Urcan: Und in eigenen Worten...

Natürlich wissen wir logischerweise, dass solche Dinge jedem passieren können, aber so wie 2019 verlaufen war, war es schwer vorstellbar, dass es Magnus passieren könnte. Er verlor die erste Partie des Turniers und zwei Partien am zweiten Tag, aber der Sieg über Maxime zu Beginn des dritten Tages sah aus, als würde der normale Magnus wieder das Kommando übernehmen. Doch der Schein sollte trügen.

Karjakin ist oftmals friedlich gestimmt, doch wenn man ihn provoziert... | Foto: Crystal Fuller, Grand Chess Tour

In der zweiten Partie des Tages spielte er eine Nebenvariante gegen Sergey Karjakin, was recht klar machte, dass er auf Gewinn spielen wollte, obwohl er die schwarzen Steine führte. Natürlich war das eine Provokation und Sergey schaffte es auf clevere Weise, die Angriffsbemühungen des Weltmeisters am Königsflügel bereits im Keim zu ersticken und dann auf dem Damenflügel und im Zentrum die komplette Kontrolle zu erlangen. Die Schlussstellung fasst die Partie dann auch gut zusammen:

chess24: Magnus Carlsen verliert seine vierte Partie in St. Louis, dieses Mal gegen Sergey Karjakin!

In der letzten Partie des Tages hätte es dann noch schlimmer kommen können. Nach fünf Niederlagen am Stück konnte Shakhriyar Mamedyarov sich mit einem Remis gegen Ding Liren in Runde 8 ein wenig stabilisieren und spielte dann eines seiner Lieblingssysteme gegen Magnus in Runde 9: 1.d4 d5 2.c4 c5!?

Venkat Saravanan: Ernsthaft?

Tarjei J. Svensen: Ja. Mamedyarov hat das bereits einige Male zuvor getan.

Es sollte eine clevere Wahl sein, denn bereits im 15. Zug stand Magnus vor Problemen, die in 17...a3! gipfelten:


18.bxa3 wird mit 18…Lc3! beantwortet, was eine Figur gewinnt. Daher musste Magnus 18.Ke2! axb2 erlauben. Doch zum Schluss hatte alles ein glückliches Ende, denn Mamedyarovs Zeit wurde knapp und das erlaubte Magnus, die Qualität zu opfern um eine uneinnehmbare Festung zu bauen.

chess24: Du musst nicht an Festungen glauben, damit sie dich von Zeit zu Zeit retten.

Doch das reichte nicht, um den Platz als Nr. 1 der Welt im Schnellschach zu verteidigen:


Als Konsequenz dieser Resultate haben nun Carlsen als auch Caruana, Karjakin und Rapport ganze 5 Punkte Rückstand auf die Führenden, bevor es am Dienstag und Mittwoch in das 18-rundige Blitzturnier geht:


Normalerweise wäre das ein unmöglich aufzuholender Rückstand, aber wir alle wissen, wie gut Magnus im Blitz sein kann, und wie wir in Paris gesehen haben, ist es möglich, dass selbst die besten Spieler der Welt stolpern. Was es für die Verfolger diesmal schwieriger macht, ist, dass es zwei Blitzspezialisten gibt, die versuchen müssen, die Führenden einzuholen. Obwohl Maxime nun die Nummer 1 im Schnellschach ist, behauptete er immer noch:  

Die Nr. 1 im Schnellschach ist nicht wirklich ein Beweis für meine wirkliche Stärke.  Ich habe immer gedacht, dass Schnellschach mein schwächste Disziplin ist. Ich hatte gerade zwei sehr gute Turniere. Mit diesem Faktor (k=20) kann ich ohne große Mühen sofort 100 Punkte verlieren, aber auch fix 30 Punkte gewinnen. Aber im Allgemeinen habe ich natürlich viel mehr Vertrauen in meine Blitzfähigkeiten, auch nach dem Unglück in Paris.

Maxime plant sicher nicht, wie in Paris 8 Partien zu verlieren, doch dennoch wird Spannung garantiert sein. Das Blitzen beginnt mit Carlsen-MVL, sodass Magnus gleich auf Rache aus sein wird, da er in Abidjan und beim Norway Chess blitz alle Partien gegen MVL verlor.

Der Co-Führende Aronian ist Maximes Hauptrivale im Blitz | Foto: Justin Kellar, Grand Chess Tour 

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